Zwingli – der Reformator

Zwingli – der Reformator

CH/D 2019, Regie: Stefan Haupt
Cinemascope,  128 Min. DF

Die vier Vorarlberger protestantischen Kirchengemeinden gehören dem helvetischen, die meisten übrigen in Österreich dem Augsburger Bekenntnis an. Obwohl der Dornbirner evangelische Pfarrer Meyer die Werbetrommel rührte und vergeblich auf Schüler-Sondervorstellungen hoffte, blieben die Besucherzahlen hier weit unter den Erwartungen, dabei ist der Film in der Schweiz ein Renner und einer der größten und teuersten Schweizer Filme überhaupt.

Im Jahre 1519 wird ein Huldrych Zwingli (im Film Ulrich genannt) Leutpriester am Zürcher Großmünster. Er verkündet fortan das Neue Testament in deutscher Sprache zu verlesen und bemüht sich mit Experten aus ganz Europa um eine perfekte Übersetzung. Die konservativen Kräfte der katholischen Kirche sind entsetzt, sie möchten mit allen Mitteln verhindern, dass das Volk etwas versteht oder gar selbst die Bibel liest, sie sollen nur Pomp und Prunk in den Kirchen sehen, brav Steuern zahlen und gehorsam Fasten. Auch dagegen tritt Zwingli auf, er ist vor allem für eine soziale Kirche, die den Armen hilft.

Als er selbst von der Pest erfasst wird und mit riesigen Pestbeulen im Bett liegt, wird er von einer Frau gepflegt, die dann später seine Ehefrau werden sollte. Er überlebt, was er nur der Kraft Gottes zuschreibt und als Auftrag Gottes wertet, mit der Reformation der Kirche weiter zu machen. Gestützt wird er vom fortschrittlichen Zürcher Rat. Als er die Klöster auflöst und den klerikalen Prunk verkauft, wächst der Widerstand seiner Gegner. Sie versuchen Zürich aus dem Eidgenössischen Bund auszuschließen, was aber nicht gelingt.

Er muss zunehmend politisch-pragmatische Entscheidungen treffen, etwa der Hinrichtung von Erwachsenentäufern zustimmen. Und obwohl er anfangs gegen Krieg und Söldnertum wetterte, zieht auch er mit seinem Sohn in den Krieg gegen die katholisch-habsburgische Übermacht, den beide nicht überleben. Gescheitert ist er ebenfalls damit, von Luther Unterstützung zu bekommen. Dies gelang dann später seinem Nachfolger.

Mit über zwei Stunden ist der Film etwas lang geraten, wird aber nie langweilig. Max Simonischek mit modischem Drei-Tage-Bart spielt den lebensfrohen und Sinnesfreuden zugewandten Zwingli recht überzeugend, die Kamera setzt die im Inneren nur von Kerzen beleuchteten Räume in kontrastreiche, düstere Bilder um. Zwingli wird irgendwie als Heiliger und Märtyrer dargestellt. Sein Verhältnis zu seiner Frau ist auch nicht perfekt, er nimmt ihre Meinung nicht immer ernst, was symbolisch mit einem zerbrochenen Krug dargestellt wird, er ist in dieser Hinsicht doch ein Macho seiner Zeit.

*** Zwingli wollte, dass das Evangelium deutsch verkündet wird und dass danach gelebt wird. Der Film betont die sozialen Folgen dieser Lehre und weniger theologische Diskurse.

 

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