Und der Zukunft zugewandt

Und der Zukunft zugewandt

Bernd Böhlich | DE 2019 | 108 min
Mit: Alexandra Maria Lara, Carlotta von Falkenhayn, Stefan Kurt, Barbara Schnitzler, Karoline Eichhorn

1952 in der Sowjetunion. Antonia Berger lebt mit ihrer an einer schweren Lungenkrankheit leidenden Tochter seit mehr als 10 Jahren in einem Arbeitslager, verurteilt zu lebenslanger Zwangsarbeit.

Die Kommunistin, die 1938 mit der „Kolonne Links“ in die Sowjetunion ging, um hier für die Revolution zu kämpfen, wurde dort unter absurden Vorwürfen verhaftet. Über das gesamte Musiker-Ensemble wurde damals das Todesurteil gefällt, einzig Antonia überlebte – im Straflager. Als ihr Mann, in einem anderen, durch Stacheldraht getrennten Teil des Gulags,
zum Geburtstag der Tochter zur Frau und Tochter auf einen kurzen Besuch geht und wieder zurückkehrt wird er erschossen.
Einigen Politikern der noch jungen Deutschen Demokratischen Republik ist es zu verdanken, dass 1952 die Ungerechtigkeit, der Antonia Berger und ihre Mitinsassinnen zum Opfer gefallen sind, nicht mehr hingenommen wird. Ihre Rückkehr in die DDR wird eingeleitet. Zusammen mit ihrer mittlerweile schwer kranken Tochter Lydia und ihren Haftgenossinnen Irma Seibert und Susanne Schubert kehrt sie in das Städtchen Fürstenberg, das spätere Eisenhüttenstadt, zurück.
Sie werden von SED-Parteikadern auf das freundlichste empfangen. Man veranlasst sofort, dass Lydia ins Krankenhaus gebracht und dort behandelt wird. Ein sympathischer Arzt, Dr. Konrad Zeidler, kümmert sich persönlich um Lydia. Plötzlich scheint alles gut zu werden für Antonia und ihr Kind. Es wird viel getan, damit sie alle, auch Irma und Susanne, im aufgeräumten Fürstenberg ankommen können. Die aus der Haft Befreiten bekommen eine gute Wohnung, sie bekommen Geld und Lebensmittelkarten. Und vor allem gibt man ihnen eine würdevolle Arbeit, die ihren Berufen vor der Verhaftung entspricht, die ihnen eine ehrenhafte Position verschafft und sie teilhaben lässt am großen Auf- und Umbau, den diese Gesellschaft mit sich vorhat. Antonia wird zur Leiterin im Haus des Volkes ernannt. Für die Fürstenberger soll sie Kultur und Kunst erschaffen, Kunst für die Gemeinschaft, von der Gemeinschaft und im Sinne der Gemeinschaft. Dass diese Kunst politisch sein wird – wie jede andere auch – ist für Antonia selbstverständlich. Doch leider findet das Ganze nur unter einer Bedingung statt: sie müssen unterschreiben, niemanden davon zu berichten, was ihnen in der Sowjetunion widerfahren ist, sie müssen sagen, sie seien an verschiedenen Orten in der UdSSR gewesen. Es wäre untragbar, der Sowjetunion ungerechte Fehlurteile vorzuwerfen. Für eine der drei Frauen, ist das kaum akzeptabel und man fange schon wieder an, ihnen vorzuschreiben, was sie sagen dürfen.
Lydia wird dank dem neuen Penizillin rasch gesund; Dr. Zeidler kümmert sich nicht nur weiter um Lydia, sondern verliebt sich auch in Antonia. Er bleibt vorerst in der DDR, obwohl ihm sein Vater seine gutgehende Praxis in Hamburg anbietet.

Die ersten Risse in der scheinbaren Idylle kommen auf, als einem Parteibonzen der geplante Kindertanz zur Eröffnung der ersten Landwirtschaftskonferenz der DDR missfällt und sie am Todestag Stalins feiern statt trauern. Als Antonia ihrem Geliebten Dr. Zeidler ihr Tagebuch zu lesen gibt, verrät er sie an jenen Genossen, der Antonia bisher geführt hat. Als die drei Frauen einander wieder treffen und eine sich verplappert, landet Antonia wieder im Gefängnis…
Umspannt ist die Geschichte von Rückblenden des Berliner Mauerfalls am 9.11.89.
Die Geschichte an sich ist sehr berührend und auf wahren Begebenheiten beruhend. Wir spüren auch den ehrlichen Eifer einiger Kommunisten in der jungen DDR, eine Alternative zum Faschismus und Kapitalismus aufzubauen. Dabei wirkt alles zwar altmodisch und fast bieder, aber sauber, eher Jugendstil als graue Plattenbauten. Auch scheint es keinen Mangel an Alkoholika und Speisen gegeben zu haben.
Da man sich doch weitgehend einig ist, dass die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte nicht vergessen werden sollten, ist es nur logisch, auch die Verbrechen Stalins einmal zu beleuchten. Dies macht der Film aber nur indirekt, in dem die von der brüderlichen Hilfe der UdSSR abhängig gewesene DDR keinerlei Kritik an ihr dulden durfte.
Ob freilich mit dem Mauerfall für die Bürger der DDR alles besser wurde, kann wohl bezweifelt werden.
*** Sehr spannend, aber irgendwie etwas bieder.

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