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Rimini

RIMINI

Spielfilm, AT/DE/FR 2022, 114 min, Regie: Ulrich Seidl

Ein ehemaliger Schlagerstar singt und säuft im winterlichen Rimini gegen die Wirklichkeit an. Ulrich Seidls neuer Film, der seine Uraufführung im Wettbewerb der diesjährigen Berlinale gefeiert hat, ist das vielschichtige Porträt eines Taumelnden, formuliert in gewohnter Härte, versetzt mit überraschender Zärtlichkeit. In RIMINI steht Michael Thomas, der beste Crooner Österreichs, auf der Bühne, Inge Maux und Claudia Martini begeistern als seine Fans.(diagonale.at)

Der gealterte Schlagersänger Richie Bravo (den gab es wirklich, er ist in Neunkirchen 1963 geboren!), dessen Mutter gerade gestorben ist und dessen Vater, schwer an Alzheimer erkrankt, in einem Pflegeheim in Österreich lebt geht im Winter nach Rimini, wo er in den sonst leer stehenden Strandhotels älteren Damen und Herren seine bekannten Schlager (Amore mio) im Karaoke-Verfahren vorsingen kann, er tröstet aber auch kostenpflichtig viele Frauen seines Alters und erfüllt ihnen die sexuellen Wünsche, gibt ihnen die Illusion noch begehrenswert und sexy zu sein. Er braucht das Geld dringend, denn mit der Gage von 300€, die ihm die Hotels zahlen,  kann er kaum seine Schnäpse zahlen, die er konsumiert oder ausgibt. Das Wetter ist fürchterlich, Schneeregen, trotzdem kauern viele Flüchtlinge fast reglos an den Strandbuden, ihr Schicksal ist noch trostloser als jenes der weiblichen Fans von Richie, die sich von ihm trösten lassen.
Eine überraschende Wendung taucht kurz vor der Hälfte des Films in Person seiner Tochter Tessa auf, für die er nie da war, nie Alimente bezahlte oder sonstwie unterstützte. Sie ist nun mit einer Gruppe syrischer Immigranten in Rimini aufgetaucht und fordert, was ihr zustehe, doch Richie hat kein Geld und muss sich etwas einfallen lassen.

Vielschichtiger, stimmig – trostlos fotografierter, spannender und weitgehend unterhaltsamer Film, der wieder tief in die Seele der Menschen blickt. Die Schlagermusik von damals nimmt dabei erfreulicherweise nicht überhand. Herausragendes Meisterwerk von Ulrich Seidl: vielschichtig, ehrlich, emotional. *****