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Benedetta

BENEDETTA

Regie: Paul Verhoeven; Frankreich 2021, Scope, 131 Min, gesehen in DF

Synopsis:
Italien im 17. Jahrhundert: Hinter den Mauern des Klosters von Pescia versetzt die Novizin Benedetta Carlini (Virginie Efira) die Oberhäupter der katholischen Kirche in Aufregung, als die Wundmale Christi an ihrem Körper auftreten. Trotz anfänglicher Zweifel an der Echtheit der Stigmata steigt Benedetta als „Auserwählte Gottes“ zur Äbtissin auf. Von nun an genießt sie Privilegien in der Ordensgemeinschaft, die ihr ein geheimes Doppelleben erleichtern: Sie lässt sich von der Nonnenschülerin Bartolomea (Daphné Patakia) in die Geheimnisse körperlicher Lust einführen. Doch die ehemalige Klostervorsteherin Felicita (Charlotte Rampling) kommt dem verbotenen Treiben auf die Spur und das Inquisitionsgericht soll sowohl die Vorwürfe in Sachen Echtheit der Stigmata, als auch der sexuellen Vergehen prüfen. Derweil wütet die Pest…

Kritik (Norbert):
Kurzweilig ist der neue Film von Paul Verhoeven (Elle, Basic Instinct, Türkische Früchte,…) sehr wohl, er ist „basierend auf wahren Begebenheiten“ und legt einige Details über das Klosterleben offen. So war keineswegs die Frömmigkeit das wichtigste Kriterium für die Aufnahme, sondern die Mitgift, welche die Eltern der „Bräute Gottes“  dem Kloster zahlen können, Benedetta kommt als junges Mädchen in ein Kloster in der Toskana und bekommt neue Kleider, die gewollt unbequem sind und kratzen (Der Körper ist dein Feind, und das sollst du spüren!), auch wird ihr eine kleine Madonna-Statue abgenommen, die später zweckentfremdet noch wichtig werden wird. 18 Jahre später wird sie von Visionen übermannt, spricht mit männlicher Stimme, es erscheint ihr Jesus in mehreren Motiven, sie bekommt die Stigmata Jesu. Der Fall wird von der offiziellen Kirche geprüft und echt befunden, Benedetta wird zur neuen Äbtissin ernannt, und die frühere strenge Frau so ihre Hauptfeindin. Auch hinter Klostermauern gibt es Intrigen, einige zweifeln an der Echtheit der Stigmata, vielmehr soll sie sich diese Wunden mit einem Scherben selber zugefügt haben. Indessen wird sie von der Nonnenschülerin Bartolomea in die Freuden der lesbischen Liebe eingeführt und dabei von der früheren Äbtissin beobachtet, welche dies der kirchlichen Obrigkeit meldet. Ein Inquisitionsgericht soll dies prüfen, jemand wird dann wohl auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Doch ebendieser Inquisitionsrichter kommt aus einem Pestgebiet und nun kommt es sogar zu gewissen Parallelen mit der heutigen Covid-Zeit. Nur eine komplette Abschottung des Klosters schützt es vor der Pest, das wusste Benedetta auch schon (ebenso  wie dass sie von Flöhen übertragen wird).
Der Film ist konventionell geschnitten, linear erzählt und durchaus detailfreudig, in Sachen Erotik zeigt er, was im französischen Film so möglich ist, wobei die Grenzen zur Pornografie oder Blasphemie (wenn die kleine Madonna als Dildo missbraucht wird) nie überschritten wird. Gegen Ende gibt es doch einiges an nackter Haut zu sehen. Verhoefen lässt dem Zuseher etwas Interpretationsspielraum, was Benedettas Wunder betreffen, zumindest belehrt uns der Abspann, dass sie das Kloster vor der Pest bewahrt habe.

Ich fand den Film sehenswert, aber kein innovatives Meisterwerk. ***1/2

Ausführliche Kritik von Walter Gasperi:
https://www.film-netz.com/post/benedetta