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Endphase

Hans Hochstöger

Falls der Lockdown bis dann wieder beendet ist:
In Anwesenheit des Regisseurs Hans Hochstöger am Donnerstag und in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Hohenems:

Endphase

Österreich 2021, 86 min, DF, Doc.; Regie: Hans Hochstöger

Ein Massaker an 228 jüdischen Zwangsarbeiter*innen kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in der niederösterreichischen Gemeinde Hofamt Priel wird trotz Augenzeugen-Berichten nie aufgeklärt. – Die Brüder Hans und Tobias Hochstöger begaben sich für ihren Dokumentarfilm auf Spurensuche.

Endphase

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erinnerungsarbeit scheitert häufig an der Sorge, sich in der eigenen Region Feinde zu machen. Daher müssen die Nachgeborenen den Mut aufbringen, unbequeme Fragen zu stellen. Im niederösterreichischen Hofamt Priel ist das der Filmemacher und Fotograf Hans Hochstöger, der daraus einen Dokumentarfilm dreht, der einer der letzten seiner Art sein wird: ein Oral History-Projekt, Spurensuche nach einem fast vergessenen Massaker, bei der Zeitzeug*innen ihre Version von Erinnerung aus dem Jahr 1945 schildern. Dabei findet er zusammen mit seinem Bruder Tobias, einem Politikwissenschafter, sanfte Berichte der Betroffenen ebenso wie die Banalität des Bösen, die Hannah Arendt beschrieben hatte, zudem aber auch Fragmente des Guten.

Wenn ein Überlebender mit zitternder Hand auf einer Tafel die eingravierten Namen der Ermordeten berührt und zu jedem Namen eine persönliche Geschichte hat, entfaltet Endphase schon in den ersten Minuten eine Kraft, die nahezu ohne Inszenierung auskommt. Regie, Kamera und Schnitt hören respektvoll zu und warten ab, was den Sich-Erinnernden nach so langer Zeit einfallen will. Dazwischen Fotos aus einer glücklicheren Zeit, vor dem Massaker vom 2. Mai 1945. Die heute noch von jener Nacht erzählen können, tun dies erschüttert, aber sie alle hatten damals – auch das zeigt der Film – ihre eigenen Sorgen, eigene Ängste. So wurde die Ermordung von 228 ungarischen Juden und Jüdinnen ganz kurz vor Kriegsende für sie zum verschwommenen Eindruck. Wer mehr wusste, schwieg.

Die Wahrheit, der Hans Hochstöger nachgeht, stellt sich als Plural heraus, weil sich nicht alle an dasselbe erinnern können (wollen) und die letzten Wissenden nicht mehr am Leben sind. Gerade noch rechtzeitig, zugleich für einige Zeug*innen zu spät, findet diese Suche statt nach dem, was nicht in den Geschichtsbüchern steht. Hochstöger forscht weiter, gibt jahrelang nicht auf. Dementsprechend kommen die Brüder der Wahrheit schließlich recht nahe, bis sie wieder auf Gleichgültigkeit stoßen, auch bei späteren Generationen, weil man sich nicht vorstellen will, dass die Kriegsverbrecher normale Bürger*innen waren, die das regionale Miteinander geprägt haben. (Daniela Ingruber)

Endphase ist eine Reise in die Vergangenheit der benachbarten Gemeinden Persenbeug und Hofamt Priel, in denen die Brüder Hans und Tobias Hochstöger aufwuchsen. Auf der Suche nach einer Erklärung für das Geschehen suchen sie nach den letzten lokalen Augenzeugen und finden schließlich Angehörige der Opfer in Ungarn und den letzten Überlebenden in Israel. Alle – Überlebende, Angehörige der Opfer und Zeitzeugen vor Ort müssen mit einer schrecklichen Erinnerung umgehen und haben 75 Jahre lang über die Ereignisse geschwiegen. (Sixpackfilm)

Festivalteilnahme: Crossing Europe Linz 2021

Ausführliche Rezension von Walter Gasperi unter:
https://www.film-netz.com/post/crossing-europe-2021-spurensuche-zu-einem-ns-massaker