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Die Bohnenstange (Beanpole)

ДЫЛДА
Russland 2019, 137 min, russische OmU.
Regie: Kantemir Balagov

Leningrad 1945: Die faschistische Belagerung ist vorüber, doch der tägliche Überlebenskampf geht weiter. Iya, eine hagere, hochgewachsene
junge Frau (die Bohnenstange), hat den kleinen Sohn ihrer Freundin Masha durch den Krieg gebracht. Doch sie leidet unter Schockstarren – und dabei
geschieht ein tragisches Unglück. Als Masha in die zerstörte Stadt zurückkehrt und vom Tod ihres Sohnes erfährt, kann sie sich nur kurz mit
Trauer aufhalten, zu groß ist ihr Hunger nach Leben und Zukunft. Sie will ein neues Kind, und da sie selbst nicht mehr schwanger werden
kann, soll Iya ihr dabei helfen und ihre Schuld begleichen.

Zwei Krankenschwestern

Inspiriert durch das Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ der belarussischen Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexjiewitsch,
zeichnet BOHNENSTANGE ein apokalyptisches Panorama der russischen Nachkriegszeit. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Film,
der seine Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2019 feierte, ist eines der eindrucksvollsten Werke des Kinojahres.

Aus dem Regiestatement: „Ich interessiere mich für das Schicksal von Frauen und insbesondere von Frauen, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben. Daten zufolge war dies der Krieg mit der höchsten Beteiligung von Frauen. Als Autor bin ich daran interessiert, eine Antwort auf die Frage zu finden: Was passiert mit einer Person, die Leben geben soll, nachdem sie einen Krieg durchlaufen hat? Das Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ der Nobelpreisträgerin Swetlana Alexjiewitsch war meine Hauptinspiration für diesen Film. Dieses Buch hat mir eine ganz neue Welt eröffnet. Ich kam zu der Erkenntnis, wie wenig ich über den Krieg wusste und wie wenig ich über die Rolle der Frauen im Krieg wusste.“
„Einer der Filme des Jahres: ästhetisch brillant, von gerade meisterlicher Könnerschaft“ (Der Standard)

Beanpole (2019) wurde für die 72. jährlichen Filmfestspiele von Cannes in
Un Certain Regard ausgewählt und mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet.

Festivals: Viennale Wien 2021, Toronto, New York, Cannes

Trailer: https://stadtkinowien.at/film/1261/

Vgl. Walter Gasperis Viennale Bericht: https://www.film-netz.com/post/viennale-2019-mafia-hongkong-und-russische-kriegsopfer

Mein Kommentar nach der Sichtung gestern:

Der russische Film „Bohnenstange“ handelt von zwei vom Krieg traumatisierten Frauen in Leningrad 1945. Iya, die an „Schockstarren“ (wohl ein posttraumatisches Erschöpfungssyndrom) leidet tötet ungewollt in einer solchen den Sohn ihrer Freundin Mascha. Diese überlebte als Prostituierte den Krieg, ist aber wegen vielen Abtreibungen unfruchtbar geworden.
Nun soll Iya schwanger werden und das Kind dann Mascha geben. Doch so einfach ist das nicht. Die Stimmung des Films passt genau in die heutige Zeit!
Ein sehr berührender, wenn auch etwas sperriger Film.