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An Impossible Project

An Impossible Project

Regie: Jens Meurer | DE, AT 2020 | 93 min, auch 35mm
Mit: Florian Kaps, Ilona Cerowska, Dana Martin, Anna Kaps u.v.a

An Impossible Project handelt vom Revival des Analogen im Allgemeinen und vom Polaroid-Foto im Besonderen.

Die Museumswelt Frastanz kündigte an, in ihrem Museumskino den Film auf 35mm zu zeigen, was leider wegen eines Projektorschadens nicht gelang, aber digital konnte er in engl. OmU gezeigt werden, Höhepunkt war jedoch die Einladung an Florian Kaps und Christian Lutz, welche eine Firma für unmögliche Projekte zu gründen.
Florian Kaps, kurz Doc genannt, ist eigentlich Biologe und der Superexperte für die Augenmuskulatur der Spinnen. Er nimmt sich nun dem Projektmanagement hoffnungslos unmöglicher und unwirtschaftlicher Projekte an. Er kaufte für nur 150.000€ das letzte noch existierende Polaroid-Werk in Enschede, Niederlande, doch durfte er den Namen „Polaroid“ nicht mehr verwenden. Nach langem Streit durfte er „Impossible Film for Polaroid SX70 Cameras“ verwenden. Das größte Problem war aber, dass die Rezeptur bzw. die Chemikalien zur Herstellung des hochkomplizierten (mehr als 17 Schichten) Films nicht mehr vorhanden war und so der Film neu erfunden werden musste, was anfangs gar nicht so recht klappen wollte.
Christian Lutz  war jedoch Meister im Networking und fand richtig reiche Männer, die Millionen in die Hand nahmen, und so gelang es nicht nur Polaroid wieder an Bord zu bekommen, sondern tatsächlich einen guten Film herzustellen.
Zusammen mit Rollei erfand er einen Apparat, mit dem man Handyfotos auf Polaroid kopieren kann. Auch eine neue Sofortbildkamera mit Ringblitz wurde entwickelt (und kann für rund 100€ erworben werden).
Den Direktschnitt von Vinylplatten – echte, teure Unikate – ging er an, genauso wie die Idee das seit Jahrzehnten vor sich hin modernde Südbahnhotel auf dem Semmering wieder mit Leben zu füllen – immerhin veranstaltete er dort eine Party. Das Hotel wechselte inzwischen auch den Besitzer.
Das Analoge ist eben kein Bild hinter einer Glasscheibe, sondern eines, das man in die Hand nehmen kann, das einen Geruch hat, haptische Qualitäten hat usw.

Kommentar: Analoge Projekte gibt es auch noch andere: seit Jahren wird die Rettung des Ferrania-Filmwerkes versucht und dort Kleinstauflagen von SW und Diafilmen, 16 und Super 8 hergestellt. Die österr. Firma Rebeat versucht (mit großen Schwierigkeiten) eine HD-Vinylplatte mit Laserschnitt zu bekommen und sogar Tonbänder für die Spulenmaschinen erleben ein gewisses Comeback, mehr als 300€ zahlt man für eine erste Kopie von den Masterbändern einer LP….
Kodak kommt kaum noch den Bestellungen für analogen Film nach und auch Fuji produziert wieder in großem Ausmaß analoge Filme. Sogar ORWO (als Orwotec) hat eine Nische gefunden, Ilford gibt es nach wie vor…

Unterhaltsamer und informativer Film über hochriskante start-ups, teils sogar witzig, und mit tollem Soundtrack, der ebenfalls an die analogen Zeiten erinnert.***1/2