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Rabye Kurnaz gegen George W. Bush

Rabye Kurnaz gegen
George W. Bush

Deutschland 2022, 119 min, Scope, Deutsche Originalfassung.

Regie: Andreas Dresen,  mit: Meltem Kaptan, Alexander Scheer, Charly Hübner, Nazmi Kirik, Sevda Polat u.a.

Eine Bremer Hausfrau unternimmt alles, um ihrem in Guantanamo inhaftierten Sohn zu helfen. – „Eine wahre Geschichte, die Hoffnung macht! Voller Energie und auch voller Witz.“ (ARD Tagesthemen)
Die unsägliche Geschichte einer unschuldigen Inhaftierung im US-Foltercamp Guantanamo wird hier als Komödie erzählt.

Rabiye Kurnaz mit ihrem Anwalt im Flugzeug

Murat ein in Deutschland geborener türkischer Staatsbürger, ist weg. Inhaftiert im US-Gefangenenlager Guantanamo. Rabiye Kurnaz, Bremer Hausfrau und liebende Mutter, versteht die Welt nicht mehr. Geht zur Polizei, informiert Behörden und verzweifelt fast an ihrer Ohnmacht. Bis sie Bernhard Docke findet. Der zurückhaltende, besonnene Menschenrechtsanwalt und die temperamentvolle, türkische Mutter – sie kämpfen nun Seite an Seite für die Freilassung von Murat. Papier ist geduldig, Rabiye ist es nicht. Eigentlich möchte sie nur zurück zur Familie in ihr Reihenhaus und wird doch immer wieder in die Weltgeschichte katapultiert. Sie zieht mit Bernhard bis vor den Supreme Court nach Washington, um gegen George W. Bush zu klagen. Bernhard gibt dabei auf sie acht. Und Rabiye bringt ihn zum Lachen. Mit Herz und Seele. Mit letzter Kraft. Und am Ende geschieht, was niemand mehr für möglich hält. Silberner Bär –  72. Berlinale 2022

Rabye Kurnaz mit ihrem Anwalt

Murat ist weg. Inhaftiert im US-Gefangenenlager  Guantanamo. Rabiye Kurnaz, Bremer Hausfrau und  liebende Mutter, versteht die Welt nicht mehr. Geht
zur Polizei, informiert Behörden und verzweifelt fast an ihrer Ohnmacht. Bis sie Bernhard Docke findet. Der zurückhaltende, besonnene Menschenrechtsanwalt
und die temperamentvolle, türkische Mutter – sie kämpfen nun Seite an Seite für die Freilassung von Murat. Papier ist geduldig, Rabiye ist es nicht.
Eigentlich möchte sie nur zurück zur Familie in ihr Reihenhaus und wird doch immer wieder in die Weltgeschichte katapultiert. Sie zieht mit Bernhard bis
vor den Supreme Court nach Washington, um gegen  George W. Bush zu klagen. Bernhard gibt dabei auf sie acht. Und Rabiye bringt ihn zum Lachen. Mit Herz
und Seele. Mit letzter Kraft. Und am Ende geschieht, was niemand mehr für möglich hält.

Timeline:
OKTOBER 2001:
Der Schiffsbaulehrling Murat Kurnaz (19) fliegt als türkischer Staatsbürger mit deutscher Aufenthaltsgenehmigung
von Frankfurt/Main nach Pakistan. Er will Koranschulen besuchen,
um – nach eigenen Angaben – im darauffolgenden Winter mit gestärktem muslimischen Glauben seine türkische Ehefrau nach Deutschland zu holen.  Die USA starten den Krieg gegen Afghanistan.
Rabiye Kurnaz wird in Bremen bei der Polizei vorstellig, gibt bereitwillig
Auskunft über ihren Sohn und erfährt von Vorwürfen gegen ihn. Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Murat Kurnaz ein Verfahren ein, der Anfangsverdacht lautet auf „Bildung einer kriminellen Vereinigung“.

 

DEZEMBER 2001: Murat Kurnaz wird verdachtsunabhängig in Pakistan festgenommen und von der dortigen Polizei gegen 3000 $ an US-Streitkräfte in
Afghanistan übergeben. Die USA hatten mit Flugblättern in Pakistan Kopfgelder
für die Übergabe von Terrorverdächtigen angeboten.

JANUAR 2002: Die rot-grüne Bundesregierung erfährt, dass ein in Deutschland lebender Terrorverdächtiger namens Murat Kurnaz in Afghanistan in US-Gewahrsam ist. Das Bundeskriminalamt kooperiert mit dem FBI beim Austausch von Informationen.
Erste Fotografien aus dem US-Straflager Guantanamo auf Kuba werden öffentlich. Die Insassen dort werden nicht als Kriegsgefangene beziehungsweise inhaftierte Zivilbürger anerkannt. Sie werden von der US-Regierung, entgegen
dem Völkerrecht und der US-Verfassung, komplett rechtlos gestellt.
Erste deutsche Medien haben Kontakt mit Rabiye Kurnaz aufgenommen und berichten über den Fall. Ohne Kenntnis von Hintergrund, etwaigem Tatverdacht, Ort und Umständen der Inhaftierung wird Kurnaz
zum „Bremer Taliban“ gestempelt.

FEBRUAR 2002: Murat Kurnaz ist nach Guantanamo überstellt worden. In
Deutschland schreibt Mutter Rabiye an Außenminister Joschka Fischer. Er
antwortet, dass die USA, angesichts der türkischen Staatsangehörigkeit,
Deutschland nicht als Verhandlungspartner akzeptieren. Die Mutter sucht ebenfalls Unterstützung beim Internationalen Roten Kreuz und der türkischen Botschaft.

APRIL/MAI 2002: Nachdem Rabiye Kurnaz per Brief ein erstes persönliches
Lebenszeichen erhalten hat, in dem ihr Sohn davon berichtet, dass es „nicht
einmal einen Anhaltspunkt für meine Verhaftung gibt“, sucht sie die Kanzlei des Bremer Rechtsanwalts Bernhard Docke auf. Er übernimmt das Mandat.

SEPTEMBER/OKTOBER 2002: Drei Beamte des Bundesamts für Verfassungsschutz und des Bundesnachrichtendienstes befragen Murat Kurnaz vor Ort in Guantanamo. Sie kommen zum Schluss, dass Kurnaz zur falschen Zeit am falschen Ort war und kein Terrorverdacht gegen ihn bestehe. Demnach würden ihn auch die USA für unschuldig und ungefährlich halten. Eine von den USA zum damaligen Zeitpunkt angestrebte Freilassung Kurnaz’ nach Deutschland erfolgt nicht, da dies vom Kanzleramt und den Spitzen der
deutschen Sicherheitsorgane abgelehnt wurde. Stattdessen wird ein Verfahren
eingeleitet, um Kurnaz das Aufenthaltsrecht zu entziehen und damit auch die
Rückkehr nach Deutschland zu vereiteln.
Begründung: Kurnaz halte sich länger als sechs Monate außerhalb Deutschlands
auf und habe keine Verlängerung seiner Aufenthaltsrechte beantragt. Diese
Umstände werden erst Jahre später bekannt.
Bernhard Docke informiert regelmäßig die deutsche Öffentlichkeit über den
Stand der Angelegenheit, vor allem über die Rechtswidrigkeit der von den USA
behaupteten Rechtlosigkeit.
Familie Kurnaz bleibt ohne persönlichen Kontakt zu Murat.

2003: Ein Jahr vergeht ohne juristische Fortschritte.
Murat wird, wie er in seinem Buch „Fünf Jahre meines Lebens“ schreibt, auf
unmenschlichste Art gefoltert. Erst zwei Jahre später wird das Ausmaß aller Guantanamo-Praktiken öffentlich.

MÄRZ 2004: Rabiye Kurnaz und Bernhard Docke reisen gemeinsam mit Angehörigen anderer Guantanamo-Häftlinge nach Washington. Es geht in öffentlichen Aktionen und Medienauftritten darum, Druck auf die US-Politik und US-Justiz auszuüben, um Gefangenen wie Murat Kurnaz in Guantanamo das Recht zuzugestehen, gegen ihre Inhaftierung zu klagen. In Kooperation mit US-Bürgerrechtsorganisationen beteiligt sich Rabiye Kurnaz für ihren Sohn an einer Musterklage vor dem Supreme Court.

APRIL 2004: Rabiye Kurnaz und Bernhard Docke reisen erneut nach Washington, um an der Anhörung vor dem Supreme Court teilzunehmen.

JUNI/JULI 2004: Ende Juni 2004 entscheidet der Supreme Court im Sinne der klagenden Gefangenen gegen die Bush-Regierung. Daraufhin wird Prof. Baher Azmy beauftragt, Kurnaz fortan als US-Anwalt vor US-Gerichten zu vertreten. Anfang Juli wird vor dem Federal District Court in Washington eine Klage auf Haftprüfung, Akteneinsicht und Besuchsrecht eingereicht.

OKTOBER 2004: Kurnaz erhält erstmals Besuch von Prof. Azmy. Azmy und Docke erhalten eine Akte, die die Anschuldigungen gegen Kurnaz enthalten. Die
Vorwürfe sind teilweise absurd und allesamt leicht zu widerlegen. Trotzdem
klassifiziert ein Militärtribunal in Guantanamo Kurnaz als „Feindlichen
Kämpfer“.

JANUAR 2005: Bundesrichterin Joyce Hens Green erklärt in einem Urteil die Illegalität der Inhaftierungen in Guantanamo. Vor allem den Fall Kurnaz hebt
sie hervor, hier sei Entlastendes ignoriert worden, hierfür hätte es keinen
Haftbefehl gegeben. Die US-Regierung legt Berufung ein.

MÄRZ 2005: Medien berichten, Murat Kurnaz solle in die Türkei ausgeliefert
werden. Die Familie reist mit den Anwälten Docke und Azmy dorthin. Der
Vorgang entpuppt sich als Gerücht, Murat Kurnaz bleibt weiterhin in
Guantanamo.

NOVEMBER/DEZEMBER 2005: Regierungswechsel
in Deutschland. Der einstige Kanzleramtschef und maßgeblich in den
Fall Kurnaz involvierte Frank-Walter Steinmeier wird Außenminister.
Das Verwaltungsgericht Bremen stellt die Rechtswidrigkeit der Entziehung des
Aufenthaltsrechts für Murat Kurnaz fest.
Bernhard Docke schreibt an die neue Kanzlerin Angela Merkel. Sie antwortet
und verspricht, sich für die Freilassung einzusetzen. Ab Januar 2006 laufen
deutsch-amerikanische Verhandlungen mit dem Ziel der Überstellung Kurnaz‘ nach Deutschland.

24. AUGUST 2006: Murat Kurnaz trifft auf dem US-Militärstützpunkt in Ramstein ein und wird von seiner Familie und seinen Anwälten begrüßt.
Murat Kurnaz wurde für sein erlittenes Unrecht bis zum heutigen Tag weder entschädigt noch wurde er offiziell um Entschuldigung gebeten.

DANACH:
Nach seiner Freilassung sagte Murat Kurnaz als Zeuge vor zwei Bundestagsausschüssen aus: Dem BND-Untersuchungsausschuss
zur Frage, ob Deutschland seine frühzeitige Freilassung vereitelte
sowie vor dem Verteidigungsausschuss zur Frage, ob er von KSK-Soldaten in
Kandahar misshandelt wurde. Weiter wurde er als Zeuge vom Europaparlament
sowie vom US-Kongress vernommen. Alle gegen Kurnaz erhobenen Vorwürfe
und Anschuldigungen haben sich als falsch erwiesen, das von der Staatsanwaltschaft Bremen eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde mangels Tatverdacht eingestellt.
Murat Kurnaz wurde für sein erlittenes Unrecht bis zum heutigen Tag weder
entschädigt noch wurde er offiziell um Entschuldigung gebeten.
Viele der für sein Schicksal Mitverantwortlichen machten Karriere. Die für
die Folter in Guantanamo Verantwortlichen wurden nicht belangt.
Gemeinsam mit seinem Anwalt Bernhard Docke hat Kurnaz in einer Vielzahl von
Veranstaltungen an Universitäten und Schulen sowie unzähligen Interviews mit
seinem Schicksal auf die Bedeutung der Menschenrechte hingewiesen.
Murat Kurnaz lebt heute als Vater dreier Kinder in Bremen, ist Sprach- und Kulturmittler in einem Jugendprojekt und unterrichtet Sport.
Song-Poetin Patti Smith widmete Murat Kurnaz ihr Lied „Without Chains“. 2013
kam der deutsche Spielfilm „Fünf Jahre Leben“ von Regisseur Stefan Schaller
ins Kino. Es geht darin um Kurnaz‘ Guantanamo-Erlebnisse.
Auch Anfang 2022, nach inzwischen 20 Jahren, existiert das US-Straflager in
Guantanamo weiterhin. 39 Gefangene (Stand: Januar 2022) werden noch festgehalten. Laut Umfragen sagen 56 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung, es sei gut so.
QUELLEN: Murat Kurnaz, Bernhard Docke,
Buch „Fünf Jahre meines Lebens“ (Murat Kurnaz, 2007/Verlag Rowohlt Berlin),
Amnesty International, ARD Mediathek, Dresdner Neueste Nachrichten.
Nach dem Presseheft des Pandora-Filmverleihs


Trailer hier 
https://rabiye.film/#artwork