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Platzspitzbaby

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PLATZSPITZBABY,
meine Mutter, ihre Drogen und ich

EU-Premiere in Anwesenheit von Regisseur Pierre Monnard, Produzent Peter Reichenbach, den beiden Hauptdarstellerinnen Sarah Spale und Luna Mwezi  am Freitag, 19.11.21 um 19 Uhr im Cinema Dornbirn.

Anschließend Diskussion mit Experten aus Vorarlberg und dem Schweizer  Filmteam. Zugesagt haben VizeBGM DSA Bernhard Amann, der mit seinem Drogenselbsthilfeverein aktiv auf dem Platzspitz dabei war und der Leiter der Maria Ebene, Primar Dr. Philipp Kloimstein.

Steckbrief der Gäste (pdf) 

Schweiz 2021, 100 min, schweizerdeutsche OF
Regie: Pierre Monnard; Drehbuch: André Küttel; DarstellerInnen: Sarah Spale, Luna Mwezi u.a.

Ende der 1980er-Jahre wurde ein kleiner Park beim Zürcher Hauptbahnhof, direkt hinter dem Schweizer Landesmuseum, zum berühmt-berüchtigten Treffpunkt von Dealern und Drogensüchtigen: der Platzspitz. Täglich hielten sich bis zu 3000 Menschen beim Platzspitz auf, kauften und konsumierten Drogen und hausten auch dort. Und zwar unter schlimmsten Bedingungen.
Das Elend der offenen Drogenszene, inmitten einer der reichsten Städte der Welt, rief auch im Ausland Fassungslosigkeit und Abscheu hervor. Aufgrund des immer größer werdenden Drucks durch Öffentlichkeit und Politik wurde der Platzspitz schließlich anfangs 1992 geräumt. Die offene Drogenszene und damit auch das Elend verlagerten sich darauf zum nahegelegenen ehemaligen Bahnhof Letten und in die umliegenden Wohnquartiere.

Erst die Schließung des Lettens am 14. Februar 1995, verbunden mit einer neuen, national koordinierten Drogenpolitik, führte zu einer spürbaren Entspannung der Drogensituation in Zürich und zu einer Besserung der Lebensumstände der Süchtigen.

Frühling 1995: Nach der Auflösung der offenen Drogenszene in Zürich ziehen die elfjährige Mia und ihre Mutter Sandrine in ein idyllisches Städtchen im Zürcher Oberland. Doch das neue Zuhause ist für Mia kein Paradies. Denn Sandrine ist schwer drogenabhängig und hätte niemals das Sorgerecht erhalten dürfen. Mia flüchtet sich in eine Fantasiewelt mit einem imaginären Freund. Mit ihm unterhält sie sich in den einsamen Stunden und schmiedet fantastische Pläne für ein Inselleben mit ihrer Mutter, fernab der Drogen. ln einer Kindergang, deren Mitglieder aus ähnlich schwierigen Verhältnissen stammen, findet Mia außerdem eine Art Ersatzfamilie und immer mehr auch die Kraft, sich gegen ihre alles beherrschende Mutter aufzulehnen. (Presseheft)

Der Film ist inspiriert durch das Buch „PLATZSPITZBABY“ von Michelle Halbheer & Franziska K. Müller. Michelle Halbheers Mutter gehört der Platzspitz-Generation an; schwerst drogenabhängig vernachlässigte und gefährdete sie nicht nur sich selber, sondern auch ihr Kind. Michelle ist knapp zehn, als sich ihre Eltern scheiden lassen und sie in die Obhut ihrer heroin- und kokainabhängigen Mutter kommt. Die folgenden Jahre werden für das Mädchen derart bedrohlich, dass es nur knapp überlebt. Das Elend dringt, auch über den besorgten Vater, immer wieder nach draußen. Aber Behörden, Ärzte, Polizeibeamte und zufällig involvierte Erwachsene bleiben untätig. Als Michelle endlich über das Unfassbare spricht, ist sie bereits ein Teenager. Sie wird umplatziert. Doch der Neuanfang bei den Pflegeeltern gerät, im dort streng religiösen Umfeld, zu einer weiteren Katastrophe. Als Michelle mit sechzehn ihr Leben selbst in die Hand nimmt, weiß sie noch immer nicht, was Normalität bedeutet. Etwas anderes jedoch weiß sie ganz genau: dass sie niemals so enden will wie ihre Mutter. Mit großer Willensanstrengung setzte die heute 28-Jährige in den folgenden Jahren um, was viele andere Kinder aus Drogenfamilien leider nicht schaffen: Sie machte eine Ausbildung und – sie blieb suchtfrei. Mit dem jetzt vorliegenden Buch will Michelle allen anderen »vergessenen Kindern«, die noch heute zu Tausenden in Suchtfamilien aufwachsen, eine Stimme geben.

Der Film beginnt mit einem Prequel, in dem die elfjährige Mia vor der Auflösung der offenen Drogenszene am Platzspitz zu sehen ist. Dort wird die in die Brüche gehende Beziehung ihrer Eltern angedeutet und wie Mia diese Erlebnisse mit ihrem imaginären Freund Buddy verarbeitet, der sie in solchen Situationen mit seiner Mandoline begleitet. Mit Beendigung der offenen Drogenszene am Platzspitz und der drei Jahre später folgenden Schliessung der offenen Szene am Bahnhof Letten wurden die Drogensüchtigen im Frühling 1995 in ihre Heimatgemeinden zurückgeschickt. Mia entscheidet sich, mit ihrer Mutter ins Zürcher Oberland zu ziehen, wo diese eine ihnen zugewiesene Wohnung bezieht und die eigentliche Handlung beginnt.

Mia muss sich in der Schule integrieren und findet dabei in einer Jugendgruppe neue Freunde. Gleichzeitig beleuchtet der Film die Beziehung von Mia zu ihrer drogenabhängigen Mutter, die versucht, aus der Drogensucht auszusteigen. Diese trifft jedoch schon bald alte Freunde wieder und verfällt in alte Muster zurück. So muss Mia sie wieder nach Zürich begleiten, wo sie ihr bei der Beschaffung neuer Drogen hilft und bei Drogentests behilflich ist. Der Film zeigt die ständigen Rückschläge in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Ein weiterer Aspekt ist die Machtlosigkeit der Behörden. Obwohl Mias Vater das Sorgerecht für seine Tochter bekommen will, ist er ohne deren Zustimmung machtlos. Mia flieht von zuhause… (Wikipedia)

Sarah Spale

Mitte der 1990er-Jahre zieht eine Heranwachsende mit ihrer drogenabhängigen Mutter von Zürich aufs Land, um gemeinsam neu anzufangen. Doch die Hoffnung auf ein anderes Leben trügt, denn bald findet sich die co-abhängige Jugendliche in einem Teufelskreis aus Entzug und Absturz wieder. Das raue, ungeschönte Drama zeichnet eindringlich den Abnabelungsprozess einer Halbwüchsigen im Dunstkreis der Auflösung der offenen Zürcher Drogenszene nach. Die fiktive Handlung stützt sich dabei lose auf die Autobiografie einer Betroffenen. (Filmdienst.de)

Trailer:
Deutscher Trailer: https://youtu.be/rPj5DNwK0BI
Schweizer Trailer: https://youtu.be/IVpiUJ35Dg0
Schweizer Teaser: https://youtu.be/RqMnXDaRTLY

Ausführliche Filmkritik von Walter Gasperi im Film-Netz:
https://www.film-netz.com/post/platzspitzbaby

Unser Schriftführer, Urs Vokinger schrieb dazu nach der Sichtung des Films bei den Solothurner Filmtagen:

Es ist das Jahr 1995. Die Drogenszene am Platzspitz Zürich wird geschlossen, und die Drogenabhängigen werden in ihre Heimatgemeinden zurückgeschickt. Unter ihnen ist auch Sandrine, die Mutter der jungen Teenagerin Mia. Sie ziehen in eine Sozialwohnung ihrer Heimatgemeinde ein und Sandrine verspricht ihrer Tochter von der Drogenabhängigkeit loszukommen. Die Rückfälle sind aber regelmäßig, da Sandrine sich immer wieder mit Kumpeln vom Platzspitz trifft. Auch kann die Unterstützung ihrer Tochter die Rückfälle nicht verhindern. Das Sozialamt rät der Tochter zu ihrem Vater zu ziehen, da er ihr einen stabilen Alltag bieten kann. Mia hält weiterhin zu ihrer Mutter. Zum Bruch kommt es, als sich Mia eingestehen muss, dass alle Versprechen der Mutter ins Leere gehen.

Der Film sei allen vergessen Kindern gewidmet, deren Eltern am Platzspitz waren. Als Grundlage diente das Buch von Michelle Halbheer mit gleichem Titel.

Ein sehr eindrücklicher Spielfilm, der die Dramatik in der starken Mutter-Tochter-Beziehung aufbaut. Die starke Drogenabhängigkeit der Mutter führt dazu, dass sie ihr Kind ausnützt. Die beiden Protagonisten spielen ihre Rolle authentisch, ohne dabei ins pathetische abzugleiten.