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Alpinale am Freitag

34. Alpinale NENZING

Bericht vom Freitag, 9.8.19

Das Wetter war an diesem Tag sehr schön und warm und die Alpinale konnte heuer zum zweiten Mal open air stattfinden. Die Projektionsqualität war gut und der Sound besser als im Saal. Die Stimmung war hervorragend!

Wieder war die Qualität der Filme durchzogen, allerdings waren doch einige wahre Leckerbissen dabei. Leider waren wieder die meisten Filme in englisch ohne Untertitel und ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Zuseher dabei jedes Wort verstanden haben. Irgendwie befremdlich war, dass sowohl heute als auch am Dienstag sogar der Vorarlberg-Beitrag (v-shorts) in Englisch und ohne Untertitel war. Doch im einzelnen:

DEAD-END

Maximilian Feurstein und Ted Dontchev (GB 2018, 8 Min, SW, Cinemascope) präsentierten eine Folterszene. Liest man nicht das Programmheft, bleibt einem unverständlich, warum der Mann gefoltert wird. Der einzige Vorarlberg-Bezug liegt darin, dass in einer Vorarlberger Garage im Winter und in zwei Tagen gedreht wurde. Die Handlung laut Heft: Bryan hat eine Massenvernichtungswaffe von seinem Boss gestohlen. Sein Boss will sie zurück. Wird Bryan sein Leben opfern, um Tausende zu retten?
Als seine Familie auch bedroht wird, knickt er offenbar ein. Eine mehr als dünne und wenig innovative Geschichte! *

PORTRAIT OF MY FAMILY IN MY 13TH YEAR

Omri Dekel-Kadosh (Israel 2017, 16 Min, 4:3) filmte an seiner Filmhochschule genau das, wovor er gewarnt wurde: erstens soll man nicht am Strand filmen, weil der feine Sand die Geräte und Linsen beschädigen kann, zweitens soll man nichts Autobiografisches zeigen. Und genau das hat er in seinem Film-im-Film gemacht. Er setzte sich selbst, die Familie und sogar seinen Hund ein, der dann letztlich bei den Dreharbeiten an Dehydrierung stirbt. Mehrmals wird dieselbe Szene aufgenommen und immer kommt was dazwischen oder passt was nicht. Ich konnte damit nichts anfangen!*

PSICOLAPSE

Arnau Gòdia Montesinos (Spanien, 2018, 7 Min, ohne Dialoge, katalonische Wörter im Bild) zeigt diesem gut gemachten Animationsfilm eine Psychiaterin, die von einem apathischen Klienten konsultiert wird. Sie versucht alles Mögliche, aus ihm ein Wort oder eine Gestik herauszubringen. Erst, als sie ihn abfotografiert und aus den Einzelbildern eine Animation gestaltet, reagiert er heftig und sehr erfreut über das Resultat. Aber danach braucht sie selbst einen Psychiater.  ****

JOC!

Andreea Valean (Rumänien 2018, 16 Min., Cinemascope) führt uns mit dokumentarischem Blick in das trostlose und gefährliche Leben der Straßenkinder Bukarest. Der zwölfjährige Dani versucht Wasser an Autofahrer zu verkaufen, das Wasser kommt aus einem Springbrunnen und die Flaschen aus dem Müll. Er braucht um Schulden zu zahlen jedoch mehr Geld und will dies bei einem Pappkarton-Wettrennen auf den Gleisen der Tramway gewinnen. Die Begegnungen mit der Tram sorgen dabei für Spannungsmomente. Leider war die genaue Handlung nur schwer auszumachen; man hätte mit den Schauspielern und aus dem Thema mehr machen können! **

IN WONDERLAND

Christopher Haydon (GB 2017, 10 Min) . In der ersten Einstellung sieht man, wie Alice zu spät zu Michael kommt, der in höchster Eile zum Flughafen geht. Es ist wohl die Trennung, sie werden an einem anderen Ozean und an einem anderen Strand sein und voneinander träumen. Durch die Finger rinnender Sand dient als Symbol der Zeit. Auch diese Geschichte erschien mir sehr dünn. *

THE LAST TALE ABOUT EARTH

Magdalena Seweryn (Polen 2018, 17 Min, Hochschule, Cinemascope) verführt uns in eine Welt nach der Apokalypse. Ein Vater haust mit seinen beiden Töchtern in einem Bunker, den sie nur mit Schutzkleidung verlassen dürfen. Als eine der Töchter sich im Gestrüpp einen Luftschlauch verletzt, droht sie an der vergifteten Atmosphäre zu sterben, kann aber noch gerettet werden. Beim Eintritt in den Bunker müssen sie sich immer dekontaminieren. Die Mädchen glauben etwas Lebendiges zu sehen, was der Vater nicht sieht. Das Ende ist zwar hoffnungsvoll, aber unlogisch, es sei denn sie hätten sich die Katastrophe nur eingebildet.
An sich stimmig fotografiert, aber schwer verständlich. ***

WIDDERSHINS

Simon P Biggs (GB 2018 [Schottland], 11 Min, SW, Animation) kleines Meisterwerk erinnert an Jules Verne oder den Chaplin Film „moderne Zeiten“, webt jedoch moderne Elemente wie der durch künstliche Intelligenz gesteuerte Überwachungsstaat ein. Ein Mann wird total von einem Roboter-Butler gesteuert, der Verkehr erfolgt durch verschiedenste Flugobjekte und der Verkehr stockt sich wie am Boden. Dem geschniegelten Herrn fällt dabei eine eigenwillige Frau mit ihrem Flugvehikel auf und er verliebt sich in sie. Sie wieder zu finden erweist sich als wahres Abenteuer. ****

DIE SCHWINGEN DES GEISTES

Albert Meisl (Österreich 2018, 29 Min, Filmakademie Wien). Der mit Abstand beste Film des Abends war eine herzerfrischende Komödie um Szabo, einen chaotischen Musikwissenschaftler, der seinen Job verloren hat und fremde Wohnungen betreut. Ausgerechnet Fitzhum, der seine Stelle eingenommen hat, braucht von ihm eine ganz seltene österreichische Singel-Platte aus den 60er Jahren um sich bei einem Haward-Professor der auf Besuch in Wien ist, sich einzuschmeicheln. Allerdings kommt dann ein Problem hinzu, dass ein Papagei entfliegt, bei der Beschaffung eines ähnlichen Exemplares kommt es zu Problemen mit dem Artenschutz und Fitzhum landet auf dem Polizeirevier. Doch das ist nun die Chance für Szabo. *****

Norbert Fink
Ich berichte in kürze von der Preisverleihung!