Ihrer Zeit voraus

Ihrer Zeit Voraus

Tone Bechter, Österreich 2019, 75 Min., in Bregenzerwälder Mundart/ deutsch
Dokumentarfilm mit Spielfilmelementen; mit Stefan Pohl und Doris Metzler sowie weiteren Mitgliedern des Theatervereins Bizau, Fachkommentaren von Dr. Ulrike Längle u.a.

Tone Bechter und Doris Metzler

Neben dem Leben und Wirken von Franz Michael Felder (1839-1869), wird auch seine starke Frau Nanni und sein Schwager Kaspar Moosbrugger in den Vordergrund gerückt.
Besonders berührend ist wohl jene Szene, wo Nanni ihrem Geliebten unter Zwang der Familie sagen muss, er möge nicht mehr zur Stubat kommen, und danach weinend zusammenbricht. Gut gemacht auch die Szene, wo eine Brücke zusammenbricht und Franzmichl ins reißende Wasser fällt, fast ertrinkt und gerade noch gerettet werden kann.
Viele Fakten werden mit Comicartigen Bildern und einer Stimme aus dem Off erzählt, etwa auch, als dem jungen Felder in Innsbruck von einem betrunkenen Augenarzt das falsche Auge operiert wird und er auf diesem auch noch beeinträchtigt wird. Diese spannende Szene hätte man dramaturgisch effektiver einsetzen können…

Seine „Vorarlberg’sche Partei der Gleichberechtigung“ kämpfte für ein allgemeines Männerwahlrecht, damals waren nur jene, die auch Steuern zahlten, wahlberechtigt und die einfachen Bauern und die Frauen ausgeschlossen. Das Frauenwahlrecht dachte er auch schon an, sah die Zeit dafür aber nicht reif. Obwohl er seine Partei betont als christlich bezeichnete, stieß er auf erbitterten Widerstand der Kirche und der reichen Käsebarone. Er prangerte auch die sozialen Missstände jener Zeit an, gründete eine Versicherung für die Tiere, eine Genossenschaft und einen Käsehandelsverein. Doch seine Partei schaffte den Sprung in den Landtag nicht. Moosbrugger publizierte seine Ideen im Vorarlberger Volksblatt und seine literarischen Werke wurden auch in Dresden gewürdigt.
Felder starb im Alter von 29 Jahren in seinem Geburtshaus in Schoppernau an Lungentuberkulose

Bei der Kritik des Films muss man berücksichtigen, dass Bechter nur bescheidene finanzielle Mittel zur Verfügung hatte. Manche Hintergrundmusik (z.B. zu blühenden Bergwiesen) erscheint mir etwas zu konventionell und süßlich. Bechter hat sehr viele Informationen komprimiert zusammengefasst. Jedenfalls sind die Filmaufnahmen an Originalschauplätzen gut gelungen und vermitteln die Landschaft des Hinteren Bregenzerwaldes. Wunderbar das Spiel der beiden Hauptdarsteller.

Ich wünsche Tone Bechter sehr, dass er diesen Film auch auf Filmfestivals wie der Diagonale oder dem Heimat-Film Festival Freistadt einreicht und dort Erfolg hat. ***1/2

Kommentare sind geschlossen.