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Epicentro

21 Juli 18:00 - 20:00

€11

Epicentro

Dokumentarfilm, AT/FR 2020,  108 min, spanisch, englisch OmU
Regie, Buch, Kamera : Hubert Sauper

In Havanna, Kuba, steht Veränderung vor der Tür. Fidel Castro ist tot, in den USA ist Trump der neue Präsident. Kann die karibische Republik das Paradies bleiben, für das es einige halten? Was wird aus der politischen Utopie? Hubert Sauper legt in seinem Film viele Fährten aus, es geht um die Macht der Kamera, Hollywood und Imperialismus. Um Tourist/innen und vermeintliche Kubafreund/innen, einen Fotografen aus New York und Kompliz/innenschaft.

Hubert Sauper geht in Epicentro auf eine Reise. Das Imaginative spielt eine Rolle, genauso aber auch beinharte Realität. Wir befinden uns auf Kuba. Ist dort das Paradies zu finden? Immer wieder geistert der Begriff durch den Film, ebenso das Wort „Utopie“, das man folgendermaßen übersetzen kann: good place oder no place.

Inspiriert hat Sauper unter anderem ein Buch von Johannes Schmidl namens „Energie und Utopie“. Hier geht es auch darum, wie es sich mit Paradoxien leben lässt. Und warum der Mensch dazu tendiert, am Status quo festzuhalten. Epicentro legt viele Fährten aus. Die Macht des Kinos ist von zentraler Bedeutung („Kino ist Hexerei“) und natürlich die USA, der benachbarte „Imperialist“, von dem sich viele, die Sauper mit seiner Kamera einfängt, bedroht fühlen, der aber gleichzeitig enorm fasziniert. Die USA seien für sie Disney, sagt eine junge Frau in einer Bar. Brad Pitt und Leonardo DiCaprio und dazwischen Mickey Mouse. In einer anderen Szene torkelt in einem Wohnzimmer Captain Jack Sparrow über den Fernsehbildschirm.

Sauper agiert in Epicentro mit freier Kamera, man wird eingewebt in eine Stadt, Havanna, in der ­sich Marodes, Aufpoliertes, verbliebener Kommunismus und in Form von Tourist/innen einströmender Kapitalismus (ein Federhalter für mehr als 2.000 US-Dollar in einer Auslage) vermischen. Ein älterer Deutscher und Anhänger des Tango, der sich im Land gut auszukennen meint, fasst das Leben auf Kuba als wohlhabender weißer Mann so: „Sonne, leben, Spaß haben.“ Ein Fotograf aus New York wiederum verschenkt einen Kugelschreiber an einen kleinen Jungen, weil der eine Gegenleistung vom Fremden erwartet, der unaufgefordert in die Wohnbereiche seiner Familie eingedrungen ist und nun alle und alles ablichtet. Normalerweise würde er so etwas nicht tun, für Fotos in irgendeiner Form bezahlen. Denn: „Getting photographed by me is an honor.“

Der Kontrast, wie sich Sauper seinen Protagonist/innen nähert, tritt dann umso deutlicher hervor. Sauper ist kein Imperialist mit Kamera in der Hand, er wird zum Komplizen, insbesondere der Kinder, die im Film zu sehen sind. Vor allem ein Mädchen sticht hervor, an der Schwelle zur Frau, das von einer Karriere als Schauspielerin träumt und dem man streckenweise auch zutraut, dass es diesen Traum verwirklichen wird. Während der Dreharbeiten stirbt Fidel Castro, und ein paar Kilometer weiter nördlich kommt Donald Trump an die Macht. Epicentro wird möglicherweise zum Epizentrum eines sich ankündigenden Umbruchs. (Katalogtext Diagonale, cw)

Für mich, der schon auf Kuba war und persönliche Beziehungen bis heute pflegt, war dies der beste Film des Festivals. Zu Beginn bekommen wir eine Lektion in Filmgeschichte; ist der Film nicht generell Fake? Ganze Seeschlachten wurden mit Modellen in der Badewanne gefilmt. Kubas Jugend bekommt dies erklärt. Er zeigt Havanna vor der Pandemie aus dem Blickwinkel von Touristen (dem schlimmsten Aggregatzustand des Menschen), die ein Sozialismus-Museum erleben wollen, aber auch von Kindern, die fröhlich und selbstsicher Fragen zur Geschichte beantworten. Natürlich hören wir Guantanamera, die kubanische Nationalhymne und die Internationale. In großartigen Bildern sehen wir, wenn wir vom Malecon in Richtung Miami blicken stürmische Wellen, die meterhoch aufbrausen. Es wird nicht verschwiegen, dass die wunderschöne Altstadt von La Habana in sehr desolatem Zustand ist, Medikamente und Lebensmittel knapp sind und es Prostitution gibt. Aber solange es Salsa-Musik und Rum gibt, sind die Menschen noch fröhlich. Damals durften riesige Kreuzfahrtschiffe noch in Havanna einfahren und auch amerikanische Touristen erstaunt das Revolutionsmuseum besuchen. Zwei fotogene Kinder hat Sauper ins Herz geschlossen und sogar in Hotels und Shopping Malls eingeschleust, die nur für die zahlungskräftigen Ausländer bestimmt sind.

Wer nicht gerade ein Trump-Anhänger ist und den Imperialismus gut findet, wird diesen Film lieben!****

Trailer hier

Details

Datum:
21 Juli
Zeit:
18:00 - 20:00
Eintritt:
€11
Veranstaltungskategorie:
Veranstaltung-Tags:
, ,
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at

Veranstalter

FKC Dornbirn
E-Mail:
info@fkc.at
Website:
https://www.fkc.at

Veranstaltungsort

Cinema Dornbirn
Sankt-Martin-Straße 3
Dornbirn, Vorarlberg 6850 Österreich
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Telefon:
05572/21973
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at/