Die Unglaubliche Geschichte der Roseninsel

Die Unglaubliche Geschichte der Roseninsel
(L’incredibile storia dell’isola delle rose)

Regie: Sydney Sibilia, 117 Min, auf Netflix

Der äußerst unterhaltsame Film passt perfekt in diese Zeit des Eingesperrt-Seins durch die Pandemie. Wer träumt nicht von einer kleinen Insel im Meer, wo man tun und lassen kann was man will?
Der Abgänger eines Ingenieur – Studiums Giorgio Rosa und der Bauunternehmersohn Maurizio Orlandini kommen auf die Idee außerhalb der (damals geltenden) 7-Seemeilen-Zone eine künstliche Insel nach dem Prinzip einer Ölplattform  zu bauen und einen unabhängigen Mikrostaat auszurufen. Das Baumaterial wird von Orlandinis Vaters Baugeschäft abgezweigt und die technische Umsetzung obliegt dem kleinen Genie Rosa, der schon mit seinem selbstgebauten Auto, das er ohne Führerschein und Nummernschild fahren wollte, mit der Polizei in Konflikt kam. Dazu kommt noch Neumann, ein staatenlos gewordener PR-Experte, eine schwangere Frau, u.a.
Im Sommer floriert auf der 400 m2 das Geschäft mit partysüchtigen jungen Leuten, die auf der Insel abtanzen wollen und solange es nur das gewesen wäre, wäre das Interesse daran spätestens im Herbst wieder abgeflaut. Rosa bekräftigt hartknäckig die Selbstständigkeit, druckt eigene Pässe und Briefmarken, erklärt Esperanto als Staatssprache und verlangt vom Europarat gehört zu werden, ja sogar der UNO-Generalsekretär wird auf ihn aufmerksam. Nun wird daraus eine Staatsaffäre. Man versucht die beiden zu kaufen, indem man ihnen zwei höchst begehrte Lizenzen für Strandbars- und Restaurants am aufkommenden Strand von Rimini verspricht, doch sie sind nicht käuflich.
Was dann passiert? Der Staat lässt sein größtes Kriegsschiff auffahren und versenkt die Insel.

Das verrückteste daran ist aber, das fast alles in dem Film wahr ist. Der kriegerische Akt gegen die „Repubblica della Isola dele Rose“ war tatsächlich die bisher einzige Kriegserklärung, die von der Republik Italien ausgesprochen wurde, und somit wurde ja indirekt anerkannt, dass es sich um einen unabhängigen Staat gehandelt hat. Wie wir aus dem Nachspann erfahren, hatte der Vorfall weltweite Konsequenzen, damals wurde die 7-Meilen Zone von der UNO auf 15 weltweit ausgeweitet.
Lässig sind natürlich die miniberockten, Twist tanzenden  Mädchen und die Musik der 68er Jahre, wie Jimmy Hendrix´ Hey Joe und manche italienische Cover-Version der damaligen Welthits, wie California Dreamin. In jener Zeit gab es auf solchen „Inseln“ oder stationären Schiffen ja auch eine Menge Piratensender, was in einer Szene angedeutet wird, als sie nach Trinkwasser bohren und gleich die Polizei kommt, denn einen Piratensender hätte man nicht dulden können.

**** Die Realität schreibt ja noch immer die verrücktesten Geschichten. Und PS: erinnert ihr euch noch an „Kugelmugel“ des Vorarlberger Künstlers Edwin Lipburger? Der rief 1976 ebenfalls die „Republik Kugelmugel“ aus.

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