Deutschstunde

Deutschstunde

D 2019, 125 Min, Cinemascope

Neuverfilmung von Siegfried Lenz‘ Roman „Deutschstunde“ unter der Regie von Christian Schwochow. Mit Ulrich Noethen, Levi Eisenblätter, Tobias Moretti, u.a.
Inhaltlich hält sich der Film eng an den Inhalt des Buches, soweit ich es laut Wikipedia beurteilen kann und epd-film bestätigt. Allerdings sind manche zeitliche Bezüge in Rückblenden für den Zuseher gar nicht so leicht herstellbar.

Siggi Jepsen sitzt im Deutschland der Nachkriegszeit in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche ein und soll einen Aufsatz über „die Freuden der Pflicht“ schreiben. Es fällt ihm dazu so vieles ein, dass er nicht weiß, wo anzufangen und ein leeres Heft abgibt.
Er wird seine Haft freiwillig verlängern, bis sein Opus fertig ist. Aus dieser kargen Gefängniszelle reflektiert er nun sein Leben in der Zeit des Nationalsozialismus. Sein Vater, Jens Ole, war ein pflichtbewusster Polizist in einem Kaff an der Nordseeküste. Er schreckte nicht davor zurück, seinen Freund und Taufpaten seines Kindes Ludwig Nansen ein Berufsverbot als Maler zu überbringen, da dieser entartete Kunst produziere. Siggi war als damals 11jg. Bub eng mit Ludwig verbunden und oft bei ihm, er lernte bei ihm zu malen, und steckte dafür oft Prügel vom Vater ein, der die expressionistischen Bilder als krank empfand. Aber sein Vater setzte ihn auch skrupellos als Spion ein. Auch nach dem Krieg blieb sein Vater innerlich der alte Nazi. Erstmals wird er bei Kriegsende zwar verhaftet und offenbar auch gefoltert, doch bald wieder als Polizist in dem Ort eingesetzt. Als er versteckte Bilder Ludwigs verbrennt, meint Siggi dessen restlichen Werke vor ihm schützen zu müssen, stiehlt welche bei einer Ausstellung und kommt deshalb in die Jugendstrafanstalt.

Es gelingt dem aus der DDR stammenden Regisseur Schwochow wunderbar, das Klima der Angst und Unterdrückung durch einen Vertreter eines autoritären Regimes spürbar zu machen, ohne näher auf die Ideologie einzugehen (im Buch soll  die Frau des Polizisten eine glühende Verehrerin der Naziideologie gewesen sein, obwohl ihr die verbotenen Bilder gefielen). Auch die Unverbesserlichkeit solcher Menschentypen wird mehr als deutlich. Der Film ist voller symbolischer und aussagekräftiger Bilder, spannend und prominent besetzt. ****

Kommentare sind geschlossen.