Kategorie-Archiv: Filmkritik

Mother/Android

Mother/Android

Mattson Tomlin, Scope,  110 Min, USA 2021 (Netflix)

Extrem dystopische SF-Geschichte um einen Aufstand der Androiden. Sie scheinen in jedem besseren Haushalt unverzichtbar, wo sie Menschen bedienen. Doch plötzlich ermorden sie die Menschen und reißen die Herrschaft an sich. Da hilft kurzfristig nur ein EMP (starker elektromagnetischer Impuls), der alle Elektronik in ihnen zerstört.
Ein junges Paar zu Weihnachten. Georgia und Sam. Georgia entdeckt, dass sie schwanger ist, sich aber der Liebe zu Sam nicht so sicher ist. Als der Aufstand der Androide auch ihre Gegend erfasst, flüchten sie durch Wälder. Die Androide töten nicht alle  Menschen, sondern nehmen sie z.T. als Köder gefangen.
Georgia und Sam erhalten  – nach einem Bluttest, ob sie echte Menschen sind – Einlass in ein Lager, wo sie hofft sicher gebären zu können. Man hört von einer Familienausreise per Schiff nach Korea.
Doch Sam prügelt sich mit einem Soldaten und muss das Lager verlassen, sie finden ein verlassenes Haus und finden dort ein Motocross-Motorrad, mit dem sie die Flucht versuchen, doch Androide sind dabei, sie mit Drohnen zu orten und einzufangen. Arthur, ein dubioser Wissenschaftler, rettet dabei die Schwangere, ihn aber nicht. Er hat einen Tarnanzug, den die Androiden nicht sehen können und sagt, er sei bei der Entwicklung der Androiden dabei gewesen, wisse wie sie ticken. Er gibt ihr so einen Tarnanzug und so kann sie Sam aus der Gefangenschaft befreien, doch seine Füße sind zertrümmert.
Die beiden wachen in einem Krankenhaus auf, ihr wurde per Kaiserschnitt ein Sohn entbunden, ihm die Füße amputiert. Die Geschichte von den Tarnanzügen glaubt man ihnen nicht, vielmehr ist Arthur selbst Androide, den sie letztlich sogar durch die Sicherheitskontrollen schleusen. In Boston sind die Androiden schon in der militärischen Anlage mit dem EMP. Georgia kann es auslösen und gelangt so zu jenem Schiff, das Babys nach Korea rettet…
Das sentimentale Ende ist bis zur Unerträglichkeit in die Länge gezogen…

Eigentlich passiert nicht viel, außer dass überall Gefahr lauert, unglaublich lange geht es bis zur Geburt. Manche Szene die sicher spannend gewesen wäre, erfahren wir nur in Erzählform. Bilder von zerstörten Androiden sind reiner Trash. Irgendwie spannend war er ja schon, aber mit der Logik happert es.
Gut gespielt, aber billig gemacht **

Benedetta

BENEDETTA

Regie: Paul Verhoeven; Frankreich 2021, Scope, 131 Min, gesehen in DF

Synopsis:
Italien im 17. Jahrhundert: Hinter den Mauern des Klosters von Pescia versetzt die Novizin Benedetta Carlini (Virginie Efira) die Oberhäupter der katholischen Kirche in Aufregung, als die Wundmale Christi an ihrem Körper auftreten. Trotz anfänglicher Zweifel an der Echtheit der Stigmata steigt Benedetta als „Auserwählte Gottes“ zur Äbtissin auf. Von nun an genießt sie Privilegien in der Ordensgemeinschaft, die ihr ein geheimes Doppelleben erleichtern: Sie lässt sich von der Nonnenschülerin Bartolomea (Daphné Patakia) in die Geheimnisse körperlicher Lust einführen. Doch die ehemalige Klostervorsteherin Felicita (Charlotte Rampling) kommt dem verbotenen Treiben auf die Spur und das Inquisitionsgericht soll sowohl die Vorwürfe in Sachen Echtheit der Stigmata, als auch der sexuellen Vergehen prüfen. Derweil wütet die Pest…

Kritik (Norbert):
Kurzweilig ist der neue Film von Paul Verhoeven (Elle, Basic Instinct, Türkische Früchte,…) sehr wohl, er ist „basierend auf wahren Begebenheiten“ und legt einige Details über das Klosterleben offen. So war keineswegs die Frömmigkeit das wichtigste Kriterium für die Aufnahme, sondern die Mitgift, welche die Eltern der „Bräute Gottes“  dem Kloster zahlen können, Benedetta kommt als junges Mädchen in ein Kloster in der Toskana und bekommt neue Kleider, die gewollt unbequem sind und kratzen (Der Körper ist dein Feind, und das sollst du spüren!), auch wird ihr eine kleine Madonna-Statue abgenommen, die später zweckentfremdet noch wichtig werden wird. 18 Jahre später wird sie von Visionen übermannt, spricht mit männlicher Stimme, es erscheint ihr Jesus in mehreren Motiven, sie bekommt die Stigmata Jesu. Der Fall wird von der offiziellen Kirche geprüft und echt befunden, Benedetta wird zur neuen Äbtissin ernannt, und die frühere strenge Frau so ihre Hauptfeindin. Auch hinter Klostermauern gibt es Intrigen, einige zweifeln an der Echtheit der Stigmata, vielmehr soll sie sich diese Wunden mit einem Scherben selber zugefügt haben. Indessen wird sie von der Nonnenschülerin Bartolomea in die Freuden der lesbischen Liebe eingeführt und dabei von der früheren Äbtissin beobachtet, welche dies der kirchlichen Obrigkeit meldet. Ein Inquisitionsgericht soll dies prüfen, jemand wird dann wohl auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden. Doch ebendieser Inquisitionsrichter kommt aus einem Pestgebiet und nun kommt es sogar zu gewissen Parallelen mit der heutigen Covid-Zeit. Nur eine komplette Abschottung des Klosters schützt es vor der Pest, das wusste Benedetta auch schon (ebenso  wie dass sie von Flöhen übertragen wird).
Der Film ist konventionell geschnitten, linear erzählt und durchaus detailfreudig, in Sachen Erotik zeigt er, was im französischen Film so möglich ist, wobei die Grenzen zur Pornografie oder Blasphemie (wenn die kleine Madonna als Dildo missbraucht wird) nie überschritten wird. Gegen Ende gibt es doch einiges an nackter Haut zu sehen. Verhoefen lässt dem Zuseher etwas Interpretationsspielraum, was Benedettas Wunder betreffen, zumindest belehrt uns der Abspann, dass sie das Kloster vor der Pest bewahrt habe.

Ich fand den Film sehenswert, aber kein innovatives Meisterwerk. ***1/2

Ausführliche Kritik von Walter Gasperi:
https://www.film-netz.com/post/benedetta

In the Hand of God

Die Hand Gottes –
È STATA LA MANO DI DIO

Italien 2021; Scope, Regie: Paolo Sorrentino; Mit: Filippo Scotti, Toni Servillo, Teresa Saponangelo, Luisa Ranieri u.a.; 130 Min, ital. OmU.

Es ist das erste Mal, dass der FKC einen Netflix-Film zeigt. Netflix muss jedoch jene Filme, die bei Festivals eingereicht werden, auch irgendwo eine Zeitlang in „selected cinemas“ zeigen, ansonsten wären es keine Kinofilme, sondern Fernsehfilme. So kommt auch der FKC, zusammen mit dem Bregenzer Filmforum und der Leinwandlounge zu der Ehre, den Film zeigen zu dürfen.

Ähnlich wie Fellinis Amarcord gibt es hier einiges Autobiografisches von Regisseur Paolo Sorrentino (La grande belezza, Loro….), sehr schöne Landschaften und einige schräge Figuren beiderlei Geschlechts, die für Situationskomik sorgen. ***

Filmbeschreibung von Norbert: https://www.fkc.at/event/die-hand-gottes/
Filmkritik von Walter Gasperi: https://www.film-netz.com/post/die-hand-gottes-%C3%A8-stata-la-mano-di-dio

The Power of the Dog (Netflix)

The Power of the Dog

NZ, AUS 2021, 128 Min, Scope. Regie: Jane Campion


Das Jahr 1925 im ländlichen Montana: Die unverheirateten, wohlhabenden Brüder Phil und George Burbank, die schon lange zusammen leben, kehren während ihres Viehtriebs bei der verwitweten Gasthausbesitzerin Rose ein. Der ruhige und einfache George sucht zusehends nach weiblicher Wärme und ist schnell von Rose angetan; sein hochintelligenter, aber rau und menschenfeindlich auftretender Bruder Phil macht sich hingegen über Roses feminin wirkenden Sohn Peter lustig. George und Rose heiraten kurz darauf. Phil denkt, dass Rose George nur des Geldes wegen geheiratet hat. Ihr Verhältnis zu Rose wird immer gespannter, sie beginnt zu trinken.  Als Peter, der Medizin studiert,  in den Sommerferien auf die Ranch kommt, wird er erst angefeindet. Als er jedoch Phil´s homoerotische Neigungen entdeckt, wird Phil plötzlich freundlich zu ihm…
Gedreht wurde der Film in Neuseeland.
Goldener Löwe, Venedig 2021
Die Filmmusik von Jonny Greenwood ist für die Oscarverleihung 2022 nominiert.

Herausragender Neo-Western ****

vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/The_Power_of_the_Dog_(Film)
Achtung Spoiler!

 

Don´t look up (Netflix)

Don´t Look Up

USA 2021, 138 Min, Regie: Adam McKay, mit Leonardo DiCaprio, Meryll Streep u.a.

Die Idee einen spannenden Film zu machen, dessen Spannung darauf beruht, dass ein Komet auf die Erde stürzen und sie wohl vernichten wird, ist weder neu noch originell. Kate, eine Astronomie – Doktorandin und ihr Professor Dr. Mindy entdecken einen 9 km großen Kometen, der in etwa einem halbem Jahr auf die Erde stoßen wird, nur mit vereinten Kräften aller großen Nationen könnte er ev. zerstört oder aus der Bahn geworfen werden. Sie melden die beunruhigende Entdeckung dem Weissen Haus, und werden dort mit dem NASA-Experten Dr. Oglethorpe auch zur Präsidentin vorgelassen, doch werden sie dort genötigt die Sache  streng geheim zu halten. Zuerst müsse man die Midterm-Wahlen gewinnen! Doch also sie doch zum Fernsehen gehen, wird ihre Nachricht in einer Jux-Sendung verbraten. Ein Mobilfunk-CEO vermutet jedoch, dieser Komet könnte wichtige Erze enthalten, die man dringend für Handys benötigt, und so wird eine erfolgreich gestartete Aktion gegen den Kometen wieder abgeblasen. Kurzum, nichts, was getan werden müsste um die Menschheit zu retten, wird gemacht oder geht schief, sieht man davon ab, dass ein paar Auserwählte vor dem Aufprall in ein Raumschiff gebracht werden, dort eingefroren, bis man einen anderen bewohnbaren Planeten entdeckt. Nach dem Abspann kommt dann die eigentliche Pointe: 22.740 Years later… ein wunderschöner Traumplanet wird gefunden und sie landen dort. Alles scheint paradiesisch, doch die Dinosauerier….

Eine tiefschwarze Komödie ****

Spielberg´s West Side Story

West Side Story

Regie: Steven Spielberg, USA 2021, 157 Min, Scope, auch in dolby atmos
Nach der Musik von Leonard Bernstein.

Die Geschichte der West Side Story entstand mit der Idee, Shakespeares Romeo und Julia -Geschichte, von zwei jungen Liebenden aus verfeindeten Familien in die heutige Zeit zu übertragen. 1957 wurde es als Musical in New York mit großem Erfolg uraufgeführt. Revolutionär war vor allem die Musik von Leonard Bernstein, die Klassik mit Latino- und Jazzelementen verband. Der Mambo und der Schlager America daraus und mit diesen Bernstein, wurden weltbekannt.

Im Jahre 1961 führte Robert Wise in einer opulenten 70mm-Roadshow-Verfilmung mit 6-Kanal-Magnetton Regie. Ich sah 2018 diesen wunderbaren Film in einer restaurierten 70mm-Fassung, er war 151 Min lang, und hatte zwei Ouvertüren und die Walk-Out-Musik. Der Film erhielt gleich zehn Oscars.

Heute wird daran kritisiert, dass die Schauspieler, die Latinos oder Afroamerikaner verkörperten, geschminkte Weiße waren. Allerdings war Rita Moreno, welche die Anita verkörperte eine weiße Frau aus Puerto Rico, sie spielt – als mittlerweile 90 jährige – eine eigens geschaffene Rolle als zwischen den beiden Gruppen vermittelnde Valentina im neuen Film.
Da auch jener von Spielberg im Jahr 1958 spielt, wäre weder von der Bildqualität her (70mm ist unübertroffen) noch vom Ton her ein Grund zu einem Remake.
Auch beim neuen Film fasziniert vor allem die grandiose Musik Bernsteins. Gustavo Dudamel dirigiert das N.Y. Philharmonic Orchestra, das einst von Bernstein gegründet wurde.
Während der frühere Film in brillanten Farben erstrahlte, wurden nun weitgehend schmutzige Farben, passend zu den heruntergekommenen Stadtteilen, gewählt.

Eine babylonische Sprachverwirrung beschert uns freilich die deutsche Synchronfassung. Die im Vergleich zum Original wesentlich länger gewordenen Dialogpassagen bestehen aus Sätzen, in denen einige Wörter englisch und einige spanisch sind. In der DF sind das dann deutsch und spanisch (nicht übersetzt oder untertitelt). Es entgehen nicht spanisch Sprechenden so einige bissige Sprüche! Wird gesungen, ist natürlich auch in der DF deutsch untertitelt, wobei es sich um eine sehr freie, keineswegs wörtliche Übersetzung handelt. Für mich wäre die Originalfassung, in der sowohl spanische, als auch englische Textteile untertitelt werden, ideal.

Die Handlung ist ja bekannt und auf Wikipedia nachzulesen. Romeo und Julia sind Anton und Maria, Anton ist bei den Jets, Julia aus Puerto Rico gehört zu den Sharks. Beide sind Jugendbanden, die von der Gentrifizierung betroffen sind, verslumte Stadtteile sollen abgerissen und ein Lincoln Center erbaut werden. Der neue Film beginnt also in einem im Abriss befindlichen Stadtteil, wo sich die verfeindeten, ja einander hassenden Jugendlichen mit voller Aggressivität prügeln. Im Film von 1961 war es ein Basketball-Spielplatz. Die Polizei versucht die beiden Seiten voneinander fern zu halten bzw. zu integrieren. Bei so einem Versuch, friedlich einen Ball zu veranstalten, verlieben sich beim Tanz Anton und Maria unsterblich ineinander, deren Gangs bereiten sich aber auf eine regelrechte Schlacht gegeneinander vor, bei der schließlich Anton in den Armen von Maria stirbt. Erst dann bemerken beide Seiten, dass sie zu weit gegangen sind und tragen gemeinsam den Leichnam von Anton weg.

Auch die neue Fassung hat mir gut gefallen, vor allem dank der tollen Schauspielerinnen, allerdings nicht so sehr von den Dialogen her, die manchmal die Länge des Films spüren lassen. Dennoch hat mich die 1961er Version im 70mm Original  mehr berührt. Es wäre sicher mutiger gewesen, die Handlung in die heutige Zeit zu versetzen, denn leider gibt es Rassismus und Ausgrenzung von Eingewanderten noch immer. ***
Auch der neue Film ist bereits für Golden Globes und Oscars nominiert.

(PS.: Es gibt eine arte-Dokumentation, über Bernstein. In Wien gab es eine vielbeachtete deutsche Fassung der West Side Story an der Volksoper, die Bernstein gut gefiel)

The Unforgivable

The Unforgivable (Das Unverzeihliche)
USA 2021, 112 Min, Scope

Nora Fingscheidt ist bei uns mit ihrem höchst erfolgreichen Film Systemsprenger bekannt geworden, darauf wurde auch Hollywood auf sie aufmerksam. Wieder handelt es sich um einen Film über eine Frau in extremer Situation. Sandra Bullock spielt eine Frau, die nach 20 Jahren aus dem Gefängnis auf Bewährung entlassen wird, es wird ihr aber unvorstellbar schwer gemacht sich zu integrieren, soll sie doch einen Polizisten ermordet haben, der die Räumung ihres Hauses zu vollstrecken hatte.
Sie bekommt ein Bett in einem Wohnheim für straffällig gewordene Frauen, einen Job in einer Fischfabrik und muss sich regelmäßig mit ihrem Bewährungshelfer treffen. Darüber hinaus arbeitet sie in einer Tischlerei. Sie macht sich auf die Suche nach ihrer Schwester, um ihr ein Geheimnis mitzuteilen, das mit dem Tag zu tun hat, an dem sie verhaftet wurde. Die Briefe, die sie ihr schrieb, hat sie nie erhalten und es ist ihr verboten sich dem früheren Haus, wo der Mord geschah, zu nähern. Sie versucht es trotzdem. Sie wird ständig von ihrem Bewährungshelfer kontrolliert.

Der Film wird zunehmend spannend und endet in einem klassischen Show-Down, aber auch einer überraschenden Erkenntnis. An die emotionale Qualität von Systemsprenger kommt er nicht ganz heran, ist aber von dokumentarischer Präzision. Auch die Musik von Hans Zimmer leistet ihren Beitrag. ****
In ausgesuchten Kinos in Deutschland und auf Netflix.

Aktuell auf Netflix

Sehenswert auf Netflix:

Filme gehören zweifellos auf die große Leinwand eines Kinos, wo auch das Sounddesign passt. Aber in Zeiten des Lockdowns sind die Streaming-Dienste doch eine willkommene Ablenkung.

Meine Empfehlungen:

Die Schlacht um die Schelde

(Originaltitel De slag om de Schelde),
NL 2020, Regie: Matthijs van Heijningen jr., Scope, 124 Min.

Der Kriegsfilm erzählt eine fiktive Geschichte, die rund um die Schlacht an der Scheldemündung während des Zweiten Weltkriegs angesiedelt ist. Im November 1944 ist die niederländische Halbinsel Walcheren aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage schwer umkämpft. Wer sie kontrolliert, der kontrolliert auch den Hafen von Antwerpen.

Die einheimische Teuntje Visser wird gegen ihren Wilen in die Geschichte hineingezogen, nachdem ihr Bruder Dirk sich gegen die Besatzer erhebt. Teuntje arbeitet bei der Stadtverwaltung, ihr Vater ist angesehener Arzt im Spital und hilft verwundeten Soldaten beider Seiten. Als es Truppenbewegungen bei der Deutschen Wehrmacht gibt, glauben alle, die Deutschen würden abziehen, denn die Alliierten sind ja bereits gelandet. Dirk fotografiert die abmarschierenden Truppen, dabei entdeckt ihn ein Nazi und entreißt ihm den Fotoapparat, worauf er einen Stein auf ein Auto wirft, die Scheibe zerspringt und so ein Autounfall mit drei Toten passiert. Dirk flüchtet und taucht unter. Die Nazis verhaften fünf Unschuldige willkürlich und drohen mit deren Erschießung, sollte sich Dirk nicht stellen. Sein Vater, der bis jetzt mit den Nazis gut ausgekommen ist, verhandelt mit dem Oberst eine milde Strafe für seinen Sohn aus. Doch die Nazis halten sich nicht an das Versprechen und foltern ihn um so die Namen der Mitglieder jener Widerstandsgruppe, für die er fotografiert., herauszuquetschen. Doch Teuntje hat noch die Fotos und wenn sie die mit der Gezeitenkarte der Schelde den Engländern übergibt, kann sie ihnen genau erklären, wie sie die Deutschen, die sich am Ende eines Dammes verschanzt, bei Flut von der Flanke her angreifen können. Doch bis es soweit kommt, fließt viel Blut…

Extrem spannender Film, mit den Alliierten, die Holland befreien wollen, den Deutschen und einer Widerstandsgruppe als Akteure. Sehr realistische Darstellungen! *****

Julieta

Piedro Almodóvar. Spanien 2016, 99 Min.
Der Film wurde bei den Filmfestspielen von Cannes 2016 für die Goldene Palme und als spanischer Auslandsoscar- Kandidat nominiert, ging jedoch bei beiden leer aus. Emma Suárez wurde allerdings im Jahr 2017 mit einem Goya als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet.

Nicht mehr so exaltiert wie die früheren seiner Filme, ist er immer noch recht bunt und schrill fotografiert. Vielfach verschachtelt und mit langen Rückblenden werden die Beziehungen von Julieta analysiert. Besonders schmerzhaft ist nicht nur der Verlust ihres Mannes, sondern auch, dass ihre Tochter offenbar religiösen Fanatikern in die Hände gefallen ist und fast jeden Kontakt zu ihr abgebrochen hat.

Er ist zunehmend unterhaltsam, aber nicht sein bestes Werk. ***

Narcos Mexico – Staffel 3

Wer Gefallen an der auf wahren Begebenheiten beruhenden Geschichte der Drogenmafias von Kolumbien und Mexiko findet, wird auch hier kurzweilig und detailgetreu unterhalten.
Während El Chapo und sein Clan schon im Gefängnis sitzt, versucht es Amado, seine Rolle im Transport von Drogen aus Kolumbien (Pablo Escobar) durch Mexiko in die USA, wo die Konsumenten sitzen, einzunehmen.
Zweifelhaft ist auch die Rolle der DEA, die billigend zur Kenntnis nimmt, dass auch US-Bürger im Kampf gegen Korruption und Drogen gefoltert und getötet werden. Sie macht auch Amados Plan zunichte, mit einer kubanischen Schönheit nach Chile zu ziehen.
***

Hellbound

Nachdem „The Squid Game“ eine der erfolgreichsten Serien auf Netflix war, ist derzeit ebenfalls aus Korea „Hellbound“ zu sehen. Höchst verstörend der Plot: ein böser Engel verkündet manchen Menschen ihren exakten Todestermin. Zu diesem tauchen auch dem Nichts drei Riesenaffen auf und töten ihn, verbrennen ihn für die Fahrt in die Hölle. Religiöse Eiferer wollen medienwirksam herausfinden, welche Sünden die von Gott bestraften begangen haben. Den interessanter Hintergrund dazu erklärt Matthias Greuling in der Wiener Zeitung:
https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/medien/2129397-Korea-entdeckt-sich-im-Serien-Spiegel.html

Die 5. Staffel von „Casa de Papel/Haus des Geldes“

bestand aus vielen Rückblenden. Zwar gelingt es dem „Professor“ und seinen nach Städtenamen benannten Bandenmitglieder die gesamte spanische Goldreserve aus der Nationalbank zu stehlen, in dem sie zuerst in Granulat zermahlen und dann so über das Abwassersystem gepumpt wird, doch die eifrigen Arbeiten und manche Geiseln sind in der von Polizei und Armee umzingelten Bank. Als sie das wieder in Barren zurückgeschmolzene Gold in Empfang nehmen wollen, müssen sie feststellen, dass die spanische Währungsreservenicht nur dem Staat, sondern auch ihnen gestohlen wurde. Dass es dennoch eine Art Happyend gibt verwundert, will aber auch aufzeigen, wie artifiziell unser Geld eigentlich ist.

Hinterland

Hinterland

Stefan Ruzowitzky, A/L/B/D 2021, 98 Min, Scope; Mit Murathan Muslu und Liv Lisa Fries.

Der ehemalige Kriminalkommissar Perg kehrt nach russischer Kriegsgefangenschaft verdreckt aus dem Ersten Weltkrieg nach Wien zurück. Er lässt sich Zeit, seine Frau und Tochter wieder zu sehen. Die einstige Großmacht Österreich ist nur noch winzig, den Kaiser gibt’s nicht mehr, sondern eine junge, fragile Republik, viele hungern und laufen in Lumpen herum. Der Kampf für Gott, Kaiser und Vaterland war nicht nur umsonst, es hat den Menschen auch verändert. Er sieht die Welt offenbar besonders schräg.
Mehrere extrem grausame Morde geschehen. Perg wird erst als Verdächtiger geführt, da er alle Opfer kannte, dann zu Hilfe gerufen, als die Kommissare sich diese Serie nicht erklären können. Ein Ereignis aus der Kriegsgefangenschaft und ein uraltes Dilemma liefert die Lösung. Darf man 19 Menschen opfern, um 5000 zu retten? Erst als Perg diese Fälle löst, kann für ihn ein normales Leben nach den Schrecken des Krieges beginnen, eine Affäre mit der Gerichtsmedizinerin hilft ihm zwischenzeitlich emotionell.

Der Film ist gänzlich (außer der Schlussszene) in Blue-Screen-Technik gedreht, alle Hintergründe sind am Computer entstanden und zeigen ein verzerrtes, schiefes Bild von Wien, Häuser und rechte Winkel sind geneigt und geben eine an expressionistische Stummfilmklassiker erinnernde düstere Ästhetik. Großartig ist auch das Sounddesign.
Nur die Sprache ist alles anderes als Wienerisch, das Bühnendeutsch passt nicht so ganz zu diesen Menschen. ****

James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben

James Bond 007: Keine Zeit zu sterben (No time to die)

 Regie: Cary Fukunaga, GB/USA 163 Min, mit Daniel Craig als James Bond, Scope, wahlweise in 3D, teilweise in Imax-65mm gedreht.

Schon beim letzten Film Spectre meinte Daniel Craig, dies sei seine letzte Rolle als James Bond; für viel Geld ließ er sich doch überreden, nochmals den Agenten mit der Lizenz zu töten zu spielen.
Jedenfalls lässt die Handlung es kaum zu, dass er einen weiteren Bond-Film dreht. Es soll aber wieder ein Mann den nächsten Bond spielen, wenn auch in diesem Film kurz eine Frau die Agentennummer 007 trägt.

Der Filmtermin wurde coronabedingt mehrfach verschoben, offenbar nutzte man die Zeit, nachträglich eine 3D-Version zu erstellen, die freilich recht dunkel geraten ist und in manchen Szene viele Gesichter so dunkel macht, dass kaum noch eine Mimik zu erkennen ist, aber auch in der 2D- Version sind etliche Szenen nicht viel heller. Kinos mit Laserprojektion haben da wohl einen Vorteil. Die plastischen Effekte sind erstaunlich gut und geraten nie zum Selbstzweck.

Inhaltlich knüpft der Film an Spectre (und dessen drei Vorgänger) an, die Bösen sind nicht mehr die Russen, sondern eine weltumspannende kriminelle Organisation.
Diesmal entwickelt sie – ähnlich den mRNA – Impfstoffen – ein Gift, dass nur bei gewissen Genen andocken kann, so kann man das Gift versprühen und es tötet nur eine bestimmte Person, oder eine Familie oder gar alle einer bestimmten Rasse, anderen passiert nichts.

Eigentlich ist James Bond schon in Pension und vergnügt sich standesgemäß auf Jamaika.
Dort wird er von seinem alten Freund Felix Leiter vom CIA kontaktiert. Dieser bittet ihn darum, einen entführten Wissenschaftler zu retten, wobei Bond auf die Spur des mit jener Technologie ausgestatteten Bösewichts Safin kommt. In London ist die Nummer des Agenten 007 inzwischen an eine Frau vergeben (kein Bond-Girl, sondern eine Bond-Woman!) doch wird sie ihm, als er in altbekannter Manier agiert, ihm die Nummer zurückgeben, aber sehr wohl mitarbeiten.
Der Film hat manche längere Passagen, die dem Zuschauer ein Mädchen an die Herzen wachsen lassen soll. Es gelingt Safin, dieses Mädchen und seine Mutter, eine Jugendfreundin Bonds, zu entführen.
Spektakulär sind vor allem die in Italien (Gravina in Puglia, Matera und Sapri) gedrehten Verfolgungsjagden mit dem Aston Martin DB6 oder einem Motorrad und die Schlussszenen (auf den Faröer-Inseln aufgenommen), die im Film die Kurilen im japanisch-russischen Meer sein sollen, wo die böse Organisation in industriellem Ausmaß diese tödliche Waffen erzeugt. Sie zu zerstören heißt die Welt zu retten.

Einzig in Sachen Erotik wurde dem Zeitgeist entsprechend reduziert, keine Bond-Girls die darauf warten von James flach gelegt zu werden! James-Bond-Fans werden aber sonst nicht enttäuscht und die Waffen der Bösen sind hochaktuell (obwohl der Film vor Corona geschrieben und gedreht wurde).  ***1/2