Kategorie-Archiv: Festivalblogs

Berlinale 2020 und Césars 20 – die Gewinner

Hier alle Gewinner der Berlinale und der Pariser César-Verleihung vom 29.2.20

Quelle: Berlinale.de / Wikipedia

55. Solothurner Filmtage 2020

Unser Schriftführer Urs hat auch heuer wieder die Solothurner Filmtage besucht und berichtet davon ausführlich.
Hier die Übersicht über die Preisverleihungen von Solothurn

41. Max Ophüls Preis Saarbrücken

Breaking News:

Obwohl heuer mengenmäßig eher knapp mit österreichischen Filmen beliefert, schnitten wir bei der Preisverleihung wieder sehr gut ab:
Bester Kurzfilm „Das beste Orchester der Welt“,
Beste Regie an Johanna Moder: „Waren einmal Revoluzzer“,
Beste Nachwuchsdarstellerin an die österr. Schauspielerin Maresi Riegner,
der begehrte Publikumspreis Spielfilm ging an Arash R.Rihahi: „Ein bisschen bleiben wir noch“,
der Fritz-Raff- Drehbuchpreis ging an Iliana Estañol und Johanna Lietha für „Lovecut“

Illustrierter Bericht als pdf

Alle Preise: https://www.fkc.at/archiv/img20/MOPPreise2020.pdf

Bericht vom 41. Max-Ophüls-Preis Filmfestival Saarbrücken, 20.-26.1.2020
von Dr. Norbert Fink

Montag, 20.1.20. Die Anreise mit der Bahn ist immer ein Abenteuer, so auch diesmal Schon in Lindau begann der Nervenkitzel, ob man alle Anschlüsse erreicht. Statt pünktlich loszufahren telefonierte der Lokführer, erst nach 20 Min ging es Richtung Aulendorf weiter, wobei er einiges aufholte und ein der Zug nach Ulm dort etwas wartete. Kurz vor Mannheim gab es eine Signalstörung, wieder Halt auf offener Strecke, doch auch der nächste Zug, der TGV nach Saarbrücken war davon betroffen, so bin ich mit gut 15 Min Verspätung angekommen.
Zum Farbcode:
blau, kursiv = Festivakkatalogtext
pink, kursiv = mein Kommentar und meine subjektive Bewertung
schwarz, standard = meine inhaltlichen und formalen Ergänzungen

BLOG I

Eröffnungsfilm:
Der heurige Opener war von einem Altmeister, Rosa von Praunheim.

Rosa von Praunheim

41. Filmfestival Max Ophüls Preis 2020 –
Bei der Eröffnung im Cinestar wurde die Spielfilm-Jury vorgestellt und der Ehrenpreis an Rosa von Praunheim vergeben.
Foto: ffmop / Oliver Dietze

DARKROOM – tödliche Tropfen

Regie: Rosa von Praunheim / Deutschland 2019 / Farbe / 89 Min. / Cast: Božidar Kocevski, Heiner Bomhard, Katy Karrenbauer, Christiane Ziehl, Janina Elkin u. a. / freigegeben ab 16

Lars (Božidar Kocevski), ein ehemaliger Krankenpfleger, ist Referendar an einer Grundschule in Berlin, hat seit Jahren eine feste Beziehung und führt scheinbar ein ganz normales Leben. Was sein Freund Roland (Heiner Bomhard) nicht ahnt: Lars schlägt sich heimlich durchs Berliner Nachtleben und verabreicht Bekannten oder auch Zufallsbekanntschaften eine Überdosis Liquid Ecstasy, auch K.-o.-Tropfen genannt. Drei Männer sterben, zwei weitere Opfer überleben. Lars wird verhaftet und zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Später nimmt er sich im Gefängnis das Leben. Der Film geht auf einen wahren Kriminalfall aus dem Jahr 2012 zurück und basiert auf den Gerichtsprotokollen der Journalistin Uta Eisenhardt, die den aufsehenerregenden Prozess begleitet hat. (Festivalkatalog)

Der Film zeigt einen sympathischen Mann, der eine typisch homosexuelle Beziehung führt, aber mit seinem Partner eine offene vereinbart, diese Freieheit nützt er dazu aus, seinen Opfern eine Überdosis von Liquid Estacy zu verabreichen, die daran oft rasch sterben. Sein langjähriger Lebensgefährte will von alle dem nichts bemerkt haben. Wir sehen in rasanten Schnitten den Prozess und seine Haftbedingungen. Wegen Suicidgefahr ist er an sein Bett fixiert und auch das Licht wird ihm nachts nicht abgeschaltet. Es gibt viele explizite Sexszenen, die jedoch nie vulgär wirken.
Fragwürdig an dem Film ist eigentlich nur, dass das Tatmotiv nicht gut herausgearbeitet wurde und bis auf ein stereotypes Statement der Gerichtspsychiaterin eigentlich alles im unklaren bleibt.

*** teils sehr originell und witzig fotografiert, komplett im Schwulenmilieau und mit expliziten Sexszenen spielend, an wahren Ereignissen von Saarbrücken und Berlin orientierter Film über einen Serienmörder.

Dienstag

SEKURITAS

Regie: Carmen Stadler / Schweiz 2019 / Farbe / Cinemascope /117 Min. / Schweizerdt., Arab. mit dt. Ut / dt. Erstaufführung / Cast: Kathrin Veith, Jeanne Devos, Duraid Abbas Ghaieb, Vilmar Bieri, Daniel Kasztura, This Maag / freigegeben ab 12

Ein marodes Bürogebäude, das bald abgerissen wird, hegt einen letzten Wunsch: Noch einmal möchte es eine Liebesgeschichte erleben. Und dafür kommen die kuriosesten Gestalten in Frage – die Einzelgänger·innen der Nachtschicht: eine mysteriöse Wachfrau, die durch ihre Kontrollarbeit unnahbar und ruhelos ist. Ein arabischer Putzmann, der Radio-Nachrichten aus seinem Heimatland hört, die ihn noch einsamer machen. Eine verwirrte Sekretärin, die sich nach einer Familie sehnt. Ein kauziger Koch, der an seinem letzten Rezept laboriert, und ein wortkarger Chef, der vor leeren Stühlen seine Abschlussrede probt.
Im Dunkeln zwischen leeren Arbeitsplätzen begegnen und beobachten sie sich, weichen sich aus und ziehen sich wie Magneten an. Und falls zu wenig läuft, hilft das Gebäude mit einem Stromausfall nach.

Sekuritas spielt im ehemaligen Gebäude der Fa. Studer-Revox in Dübendorf. Nur eine A77 Bandmaschine in einem Chefbüro erinnert an die ehemalige Fabrik für hochwertige Studiobandmaschinen. Das Gebäude soll bald mal abgerissen werden, doch noch immer hat eine Wachfrau und ein Putzmann dort Dienst. Die Wachfrau muss protokollieren, wer nachts noch anwesend ist, das sind ein Studer-Sohn in der Chefetage, eine Sekretärin, sein Sohn in der Küche ganz unten und der Personalchef, der alle Mitabeiter*innen entlassen muss. Zwischem den Putzmann aus Bgdad und der Sicherheitsfrau entwickelt sich eine Affäre, als sie mit der Sekretärin die Wache tauscht, kommt auch sie zu einem sexuellem Erlebnis.

Der Film besticht vor allem durch den Soundtrack, freilich hätte man aus der Idee eines Gebäudes mit Seele und seinen geisterhaften Geräuschen mehr machen können. So erwarten wir, dass es einmal in die Luft fliegt oder zumindest gesprengt wird. Das passiert nicht und macht deshalb das Ende etwas fad. Auch sind viele optische Gags und und kurze Dialoge recht heiter, dennoch gibt es manche Längen.

*** gute Idee, doch leider als Hommage an die Studer-Revox-Bandmaschinen oder seine Entwickler wenig geeignet.

FABIU

Regie: Stefan Langthaler / Österreich 2020 / Farbe / 30 Min. / Uraufführung / Cast: Günter Tolar, Kristóf Gellén, Birgit Stimmer

Der 80-jährige Rentner Arthur lebt in einer Wiener Gemeindewohnung und pflegt schon seit längerer Zeit liebevoll seine schwerkranke Ehefrau Martha. Bisher unterstützten ihn dabei ausschließlich weibliche Pflegehilfen, als jedoch am Beginn einer neuen Woche plötzlich der ungarische Pflegehelfer Fabiu vor der Tür steht, gerät Arthurs Routine ins Wanken. Bald beginnen sich die zwei Männer sukzessive anzunähern, und in Arthur kommen Gefühle hoch, die von tiefer Sehnsucht und unterdrückter Begierde zeugen.

Der mittellange Film handelt von einem ungarischen Pflegehelfer, Fabiu, der offensichtlich schwul ist, Arthur, der seine Frau Martha zu pflegen hat, will eigentlich eine Frau zu deren Pfelge. Doch zunehmend kommen sich die beiden näher, seine Ehe blieb kinderlos , und er war in Wahrheit wohl auch schwul. Nach einer schönen Rückenmassage kommen sie sich näher. Als Fabiu´s Mutter schwer erkrankt und nur in einer Privatklinik geheilt werden kann, entschließt sich Arthur, für diese Kosten aufzukommen, wenn Fabiu ihn küsst…

*** Mit Macro-Close-Ups, Großaufnahmen der alternden  Haut und vielen anderen kleinen Details optisch herausragend gestaltet, zeigt der Film eine homoerotische Beziehung zwischen einem wohlhabenden Österreicher und einem ungarischen Pfleger.

OKTOPUS UND MURÄNE

Regie: Sebastian Husak / Deutschland 2020 / Farbe / 43 Min. /3:4-Format/ Uraufführung / Cast: Leonard Scheicher, Mala Emde, Vincent Redetzki

Max ist mit den Verpflichtungen und Entscheidungen des Erwachsenwerdens überfordert. Er sehnt sich nach den alten Freundschaften und Orten seiner Schulzeit. Darum lädt er seinen ehemals besten Freund Jonas auf das Boot ein, auf dem sie während ihrer Kindheit fast jeden Sommer verbracht haben. Doch nicht nur, weil Jonas seine Freundin Nora mitbringt, wird klar, dass die Tage auf dem Boot diesmal anders verlaufen werden, als die alten Freunde sich das vorgestellt haben.

*Zwei junge Männer und eine Frau auf einem Kutter, das kann nicht gut gehen. Der eine junge Mann ist wohl in jenen verliebt, der seine Freundin mitbringt. Dass der nicht recht weiß, wie er sexuell orientiert ist, sorgt für enorme Spannungen. Ich fand das pubertäre Geschehen langweilig!

SILVIA IS MY NAME

Regie: Max Benyo / Kenia, Deutschland 2020 / Dokumentarfilm / Farbe / 63 Min. / Cinemascope, Maa, Kiswahili, Engl. mit dt. UT / Uraufführung

Silvia Sempeyu gehört zum Stamm der Massai und lebt mit ihren fünf Kindern in einer kleinen Holzhütte an der Grenze zwischen Kenia und Tansania. Selbst von dramatischen Schicksalsschlägen in ihrem Leben betroffen, kämpft sie unermüdlich für die Frauenrechte in ihrer Region. Mit einem Motorradtaxi besucht sie junge Frauen, die minderjährig schwanger und Opfer von sexueller Gewalt geworden sind – und erklärt den Älteren, weshalb die Beschneidung ihrer Töchter und Enkelinnen für die Mädchen sehr gefährlich ist. Silvia ruft Gleichgesinnte auf, sich mit ihr gegen das Patriarchat zu wehren und sich selbstständig und unabhängig zu machen von den Männern.
Doch mit ihrem Engagement stößt die Frauenrechtlerin immer wieder auf Widerstände. Sie wird belächelt, manche reagieren aggressiv auf ihre Ideen und Forderungen. Auch Frauen.

* Der gutgemeinte Film kämpft gegen die Genitalverstümmelung an Massai-Frau in Kenia und Tansania. Wer wird dies schon rechtfertigen? – Höchstens evangelikale Sekten! In schönen Cinemascope-Bildern, einer Musik, die besser zur „Universum“ -Serie passen würde und die auch mit ganz anderen Texten unterlegt werden könnten, werden wir in den schnell wechselnden Untertiteln überfordert, finden keine Zeit, die Bilder zu genießen; viele Bilder waren zu dunkel und so die Gesichter der Afrikaner*innen nicht mehr zu erkennen. Leider eine Enttäuschung!

BLOG II
Mittwoch bis Donnerstag früh

REGELN AM BAND, BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT

Regie: Yulia Lokshina / Deutschland 2020 / Dokumentarfilm / 3:4 /Farbe / 92 Min. / Dt., Rumän., Engl., Russ., Poln. mit dt. UT / Uraufführung / freigegeben ab 12

In der westdeutschen Provinz kämpfen osteuropäische Leiharbeiter·innen im größten deutschen Schweineschlachtbetrieb ums Überleben und Aktivist·innen, die sich für deren Rechte einsetzen, mit den Behörden. Zur gleichen Zeit proben Münchener Gymnasiast·innen das Bertolt-Brecht-Stück „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“, das sich schon 1931 mit Marktmacht und Monopolbildung und der Ausbeutung und Aussperrung von Arbeiter·innen beschäftigte – und reflektieren über die deutschen Wirtschaftsstrukturen und ihr Verhältnis dazu.
Verwoben mit den Gedankengängen der Jugendlichen und ihrer Auseinandersetzung mit dem Text in den Proben erzählt der Film in unterschiedlichen Fragmenten über Bedingungen und Facetten von Leiharbeit und Arbeitsmigration in Deutschland.

Der Doc zeigt uns keine Bilder von Ost-Arbeitern, die Schweine schlachten, zerkleinern und abpacken, sondern geht das Problem prekärer Arbeitsbedingungen von mehreren Seiten aus an.
Wir bekommen im Ton Geschichten einer überforderten Frau erzählt, die ein Kind auf der Straße gebiert und es in einem Einkaufssack liegen lässt, wir sehen Arbeiterfamilien in alten Wohnwagen am Stadtrand hausen, etc. Dazu proben Münchener Gymnasiast·innen das Bertolt-Brecht-Stück „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“, ein linkes Paradestück. Die liebevolle Behandlung von Haustieren kontrastiert mit dem Leiden jener Tiere, die wir gerne billig essen.
***

DER WÄCHTER

Regie: Albin Wildner / Österreich 2019 / Farbe / 33 Min. / dt. Erstaufführung / Cast: Rainer Wöss, Anna Tenta, Anton Noori, Gertrud Roll, Susi Stach, Vitus Wieser

Sein Hund scheint einer seiner letzten treuen Verbündeten zu sein, nachdem Raphael mit zunehmendem Alter für wirtschaftliche Interessen überflüssig geworden ist: Der ehemalige Techniker eines erfolgreichen Industrieunternehmens wird vom AMS zu einem Job als Nachtwächter gedrängt. Mit der engagierten Unterstützung der ukrainischen Pflegerin seiner Mutter entsteht vorübergehend die Hoffnung, die neue Lebenssituation bewältigen zu können.

Raphael wird unter Bezug auf schärfere Zumutungsbestimmungen vom AMS als Nachtwächter vermittelt und umgeschult. Er darf sogar seinen Schäferhund mitnehmen. Als er eines Nachts auf Einbrecher stößt und den Hund loslässt, wird dieser erschossen. Er ruft zuerst die Hunderettung, erst später die Polizei und seinen Wachdienst-Chef an. Er verliert nun auch diesen Job. Ein Stückchen Hoffnung auf Menschlichkeit verspricht ein Besuch in der Volksoper mit der ukrainischen Pflegerin seiner Mutter…

***** herausragend, an der Filmakademie Wien unter Prof. Haneke entstanden.

GIRL MEETS BOY

Regie: Ferdinand Arthuber / Deutschland 2020 / Farbe / 31 Min. / Uraufführung / Cast: Franziska Weisz, Carlo Ljubek u. a.

Gwen trifft Ben. Gwen hat mit den Themen Beziehung und Liebe vorerst abgeschlossen. Ben teilt ihre Einstellung und so treffen die beiden eine Abmachung. Sie einigen sich auf eine, im ersten Moment, einfache Regel. Was bleibt, wenn die Masken fallen– wie viel Wahrheit brauchen wir für Nähe.

Fast entschuldigt haben sich die Filmemacher, einen heterosexuellen Film gedreht zu haben. Dabei kommt es eigentlich gar nicht soweit. Es beginnt mit einem Prozess mit dem Ex, er will eine überdurchschnittliche Entschädigung zahlen, sie will nur ein Näherungsverbot. Erstmals hat sie die Nase voll von den Männern. Doch Ben ist originell und anders genug, um Gwen wieder zum Lachen zu bringen. Sie streifen durchs nächtliche Berlin, zechprellern und verprügeln den Ex. Danach kommt es doch zu einer erotischen Begegnung, nach der Ben einen Suicidversuch begeht… ***

 MASEL TOV COCKTAIL

Regie: Arkadij Khaet, Mickey Paatzsch / Deutschland 2020 / Farbe, s/w / 30 Min. /Dt., Russ. mit dt. Ut / Uraufführung / Cast: Alexander Wertmann, Mateo Wansing Lorrio, Steffen C. Jürgens, Petra Nadolny, Luke Piplies u. a.

Masel tov Cocktail Zutaten:1 Jude, 12 Deutsche, 5cl Erinnerungskultur, 3cl Stereotype, 2 TL Patriotismus, 1 TL Israel, 1 Falafel, 5 Stolpersteine, einen Spritzer Antisemitismus

Zubereitung: Alle Zutaten in einen Film geben, aufkochen lassen und kräftig schütteln. Im Anschluss mit Klezmer-Musik garnieren. Verzehr: Vor dem Verzehr anzünden und im Kino genießen – 100% koscher.

Die BRD hatte nach dem Zerfall der UdSSR rund 200.000 deutschstämmigen Juden aus der Sowjetunion die Einreise und Einbürgerung gewährt. In einer Maturaklasse ist es ein solcher junger Jude satt, immer so als Opfer gesehen zu werden. Als ihn ein Deutscher anrempelt, schlägt er zurück und soll sich entschuldigen, der Deutsche muss dafür jüdische Denkmäler polieren…
*** Sehr witziger Umgang mit dem Problem!

BAUMBACHER SYNDROME

Regie: Gregory Kirchhoff / Deutschland 2019 / Cinemascope, Farbe / 85 Min. / Dt., Engl. mit dt. Ut / Cast: Tobias Moretti, Elit Iscan, Lenz Moretti, Richard Sammel, Ingvild Deila, Karoline Schuch

Late-Night-Show-Moderator Max Baumbacher wacht eines Morgens mit einer ungewöhnlich tiefen, fast magischen Stimme auf. Die Nachricht über diese beispiellose Veränderung verbreitet sich in kürzester Zeit weltweit und sorgt für so viel Aufmerksamkeit, dass Baumbacher beschließt, sich in der spanischen Villa seines Managers vor der Öffentlichkeit zu verstecken. Aber als Max die junge verrückte Fida kennenlernt und ihn sein depressiver Sohn aus einer früheren Beziehung unerwartet besucht, muss Max sich seiner Vergangenheit stellen.

Eines Morgens wandelt sich die Stimme von Baumbacher in eine Stimme wie die Monster von Disney und Hollywood um. Er verzieht sich auf das Luxus-Anwesen seines Produzenten auf Mallorca und freundet sich zaghaft mit einer Berg-Wanderin an, die ein einfaches Leben führt. Sein Sohn besucht ihm, um Geld für eine Südamerika Reise zu betteln, die halbe Welt macht sich Sorgen um ihn und will ihn interviewen. Ein Filmregisseur möchte seine Geschicjte verfilmen… Letztlich führt in dies zu den fundamentalen menschlichen Gefühlen, Einsamkeit und Freundschaft. ****

Donnerstag

NOTHING MORE PERFECT

Regie: Teresa Hoerl / Deutschland 2020 / Farbe / 87 Min. / Uraufführung / Cast: Lilia Herrmann, Mira Partecke, Thorsten Merten, Konstantin Gries / freigegeben ab 12

Maya ist 16 und sehnt sich nach dem Tod. Oder viel mehr nach der Vorstellung davon. Einmal alle in Aufruhr versetzen und wenn der Preis dafür das Leben selbst ist. Doch weiter als bis zu blumigen Selfie-Abschiedsbotschaften auf einem Suizid-Forum ist sie noch nicht gegangen. Das ändert sich, als Maya nach Prag verreist. Während ihre berufsjugendlichen Eltern dort nur Fun und Feiern im Kopf haben, wird aus Mayas Suizid-Luftschloss plötzlich eine reale Bedrohung.

Eine Familie reist mit einem Odltimer-Auto (Opel Record) nach Prag: Vater, Mutter und Tochter. Doch sind Mutter und Vater eigentlich nicht mehr zusammen und so schläft die Mutter mit der Tochter im Hotelbett. Die 16jg. Maya fühlt sich gemobbt und mit ihren 51 Kilo viel zu dick, sie versucht sich an No-Carb Diät und läuft viel. In Prag stößt sie auf einen deutschsprechenden Dealer, von dem sie eine tödliche Dosis Medikamente kauft und sich irgendwie in ihn verliebt. Der ist immerhin so feinfühlig, ihr Placebos zu verklickern. Der Vater trinkt recht viel, die Mutter auch nicht viel weniger und leisten sich so einigen Touristen-Luxus, wie Kurschenfahrten. Maya macht sich immer mehr selbständig und als ihr Dealer von ihr nichts mehr wissen, setzt sie sich in die Badewanne, trinkt mehrere Wodkas und den Wein vom Vater und schluckt die Pillen, all dies wird als live-Stream ins Internet gestellt. Doch sie stirbt nicht und will vom Dealer das Geld zurück.

*** Was als pubertäre Szene mit viel Discomusik und Fun beginnt wird doch zunehemend vielschichtig: das Verhalten der Deutschen im Urlaub, der Übertourismus, die Sprachlosigkeit in der Familie, die Sucht zum ständigen Internet-Social-Media-Konsum, der Abmagerungszwang etc.

SUNBURNED

Regie: Carolina Hellsgård / Deutschland, Niederlande, Polen 2019 / Farbe / 94 Min. / Dt., Engl. mit dt. Ut / dt. Erstaufführung / Cast: Zita Gaier, Gedion Oduor Wekesa, Sabine Timoteo, Nicolais Borger / freigegeben ab 12

Die eigenwillige 13-jährige Claire verbringt die Ferien mit ihrer älteren Schwester Zoe und ihrer Mutter Sophie in einem Hotel am Meer in Andalusien. Sophie verlebt ihre Tage am Pool und zeigt nur minimales Interesse an ihren Töchtern. Als sich Zoe in Michael verliebt, ist Claire auf sich allein gestellt. Am Strand lernt sie den jungen senegalesischen Strandverkäufer Amram kennen. Sie möchte ihm helfen, doch macht dadurch unabsichtlich seine verzweifelte Situation noch aussichtsloser.

Bei Matalascañas in der Provinz Huelva in Andalusien gedreht, haben wir auch hier mit Deutschen im Urlaub zu tun. Und die drei Frauen, Mutter und zwei Töchter möchten offenbar nur Fun und Abenteuer. Nachdem Mutter und die ältere Schwester bald mal ihre Sexpartner gefunden haben, wird es für die 13 Jährige und noch unerfahrene Claire schwierig, sie bandelt mit Amram, einem senegalischen Strandverkäufer an, der ihr sein Leid anvertraut. Sie will ihm helfen, doch die Ringe und der Schmuck nebst Kreditkarte der Mutter, führen nur dazu, dass falsche Personen des Diebstahls verdächtig werden und er in ein Lager kommt. Als er von dort fliehen kann, sperrt sie ihn in die Ladeluke des Bootes des Lovers ihrer Mutter, da am nächsten Tag ein Ausflug nach Marokko geplant ist, doch am nächsten Morgen ist er weg…

*** auch hier wird das Verhalten der deutsche Touristen unter die Lupen genommen, etwas Immigration kommen dazu… flüssig und zuletzt berührend erzählt.

Kurzfilmtour, hier werden nur bereits ausgezeichnete Kurzfilme gezeigt, sie sollen in mehreren deutschen Programmkinos vorgeführt werden, hier beim MOP beginnt ihre Tournee.

DIE TINTE TROCKNET NICHT

Regie: Felix Herrmann / Deutschland 2019 / Experimentalfilm / s/w / 15 Min. / Cast: Süheyla Onlü, Amelle Schwerk, Hassan Akkouch

Zwei Freundinnen, junge deutsche Muslima, leben in einer WG zusammen. Sie beobachten die Kultur, die Kirche, Dating-Websites, Beziehungen und sich gegenseitig. Die eine lernt jemanden kennen, die andere sich selbst. Die eine denkt pragmatisch, die andere romantisch.

*** Der Film versucht das Klischees über die Muslimas zurecht zu rücken. Sie sind ja recht normal, sieht man vom Burkini im Hallenbad ab, jedenfalls hängen auch sie am Handy und suchen …. einen Mann!

DOROTCHKA

Regie: Olga Delane / Deutschland 2019 / Dokumentarfilm / Farbe / 20 Min, Cinemascope

In einem entlegenen sibirischen Dorf, wo die Ehe traditionell als das höchste Glück für die Frau gilt, lebt die 80-jährige Dorotchka. Sie ist eine archetypische Babuschka, immer allein geblieben. Scharfsinnig und selbstkritisch reflektiert sie, am Küchentisch sitzend, über die Liebe, Reue und Einsamkeit.

**** Die 8o jährige Dorotchka hat viel mitgemacht – sie wurde vergewaltigt,  gebar eine Tochter, heiratete einen Mann, der keine Kinder mehr bekommen konnte. Nachdem sie den Filmaufnahmen zustimmte, habe sie erst mal nichts geredet, doch mit der Zeit doch „scheibchenweise“  ihre Lebensgeschichte erzählt und über die Männer geschimpft, denen sie es immer wieder heimzahlte.

32-RBIT

Regie: Victor Orozco Ramirez / Deutschland, Mexiko 2018 / Animation / s/w / 8 Min. / Span. mit dt. Ut / freigegeben ab 12

Mit gespenstisch anmutenden, surrealen Bildern animiert der Film verstörende und irrsinnige Szenen aus dem Internet. Eine Voiceover-Stimme erzählt von den Verheißungen der virtuellen Parallelwelt und der ernüchternden Erkenntnis, dass mit CTRL+Z nicht alles rückgängig zu machen ist. 

***Der Deutschmexikaner Ramirez hat, nachdem er auf die Bilderflut im Internet gestoßen ist, viele Filme (von Zugsunfällen etc.) gesammelt und zusammengeschnitten und danach diese Videos in Tausenden von Einzelskizzen animiert.

SEE DER FREUDE (LAKE OF HAPPINESS)

Regie: Aliaksei Paluyan / Deutschland 2019 / Farbe / 30 Min. / Cinemascope, Russ. mit dt. Ut / Cast: Anastasiya Plyats, Elena Zui-Vaitekhouskaya, Igar Sigau, Palina Kudzina, Tatsyana Markhel.

Weißrussland 1991. Nach dem Tod ihrer Mutter wird die neunjährige Jasja kurzerhand in ein Waisenhaus abgeschoben. Obwohl sie hier erste zarte Freundschaftsbande knüpft und zum ersten Mal Kind sein darf, kann sie es kaum erwarten, dass ihr Vater sie wieder abholt. Als dieser nicht auftaucht, entschließt sich Jasja, auf eigene Faust in ihr Dorf zurückzukehren. Doch dort muss sie erkennen, dass ihr Zuhause sich verändert hat. 

 ***** Die herausragend in Cinemascope und Vintage-Farben fotografierte Film zeigt die berührende Geschichte der neunjährigen Jasja. Als ihre Mutter stirbt, schiebt sie ihr Vater in ein Waisenhaus ab und hält sein Versprechen nicht, sie bald zu besuchen. Als sie ihn aufsucht, gerät sie in eine Hochzeit, ihr Vater heiratet gerade eine neue Frau. Sie muss zur Kenntnis nehmen, dass ihr neuer Platz leider in jenem Waisenhaus ist. Herausragend!
Dank an die Regieassistentin Khata, die mich auf dieses kleine Meisterwerk aufmerksam machte!

DIE LETZTEN 5 MINUTEN DER WELT

Regie: Jürgen Heimüller / Deutschland 2019 / Farbe / 8 Min. / Cinemascope, Cast: Martin Muliar, Jürgen Heimüller, Christine Klein, Konstanze Dutzi, Boris Popovic

Das Ende der Welt steht kurz bevor, und anstatt in den vermeintlich sicheren Bunker zu gehen, findet sich eine kleine, illustre Gesellschaft auf einer Bank vor einem Haus ein, um reinen Tisch zu machen: Ehrliche Geständnisse, letzte Biere, die Frage, ob man nicht doch in den Bunker gehen sollte – und vor allem: Wird Vroni ihrem Joseph den Seitensprung verzeihen?

**** In einer Einstellung von Theaterschauspielern gedreht, warten zwei Männer auf einer Bank vor einem Haus in den österr. Bergen auf den Weltuntergang, der in fünf Minuten kommen soll und verzichten auf einen Platz im angeblich sicheren Bunker; es gesellen sich drei weitere Personen dazu. Sie trinken noch ein Dosenbier einer Billigmarke und gestehen sich gegenseitige ihre Seitensprünge. Was gibt es Lustigeres?

Freitag

PARADIES

Regie: Immanuel Esser / Deutschland 2020 / Farbe / 80 Min. / Uraufführung / Cast: Franziska Machens, Holger Daemgen, Johannes Kühn, Isabelle Hoepfner u. a. / freigegeben ab 12

Für den Tod zu arbeiten, ist gar nicht so dramatisch, wenn man zu dritt in einem Dienstwagen lebt und den ganzen Tag übers Land fährt, um von einem Todesort zum anderen zu kommen. Doch inmitten dieser beschaulichen Alltäglichkeit sehen sich die drei Mitarbeiter·innen der Wiederverwertungsgesellschaft „Styx“ plötzlich mit ihrer eigenen Tilgung konfrontiert – und beginnen die Regeln ihrer Welt zu hinterfragen.

Rein absurdes Kinos ist das! In einer anderen Zeit, irgendwann. Früher habe man die Menschen in Kisten beerdigt. Heute zieht ein Team von drei Personen durch die Wälder und verlassene Gegenden, töten Menschen nach einer Liste und packen sie in einem Sack zur Wiederverwertung ab. In einem Ford Transit leben sie, schlafen auf den engen Sitzen oder eben draußen im Wald. Auf Plakaten wird „Leben, statt pflegen!“ propagiert. Eine Botschaft verkündet ihnen, dass auch einer von ihnen auf der Liste steht. Sie haben keine Angst vor dem Tod, sie gehorchen einer Hierarchie. Eine Paketausfahrerin wird lange beobachtet, mal erscheint sie hübsch und fit, mal sehr kränklich.
*** Ein Film, der viele philosophische und soziale Fragen aufwirft.

BLOG III (25.1.20)

ARCHE NORA

Regie: Anna Kirst / Österreich 2020 / Dokumentarfilm / Farbe / 79 Min. / Engl., Span. mit dt. UT / Uraufführung

Durch die Geburt auf US-amerikanischem Boden erhält man in den USA automatisch die Staatsbürgerschaft – das gilt auch für die Kinder von undokumentierten Einwanderern. Ihre Eltern können jedoch jederzeit abgeschoben werden. Nora, eine konservative Geschäftsfrau in Miami, hat die Vollmacht für Tausende dieser Kinder. Sie nutzt ihr Image einer altruistischen Heldin in den Medien und ihre Kontakte zur republikanischen Partei, um auf allen Ebenen für die Kinder zu kämpfen. Die Peruanerin Gissel muss Nora vielleicht bald eine Vollmacht für ihre Tochter geben, um ihr im Falle einer Abschiebung eine Zukunft in den USA zu ermöglichen. Carmens Söhne sind sogenannte „Dreamers“, deren Zukunft an einem seidenen Faden hängt und die jederzeit in ein Land abgeschoben werden könnten, das sie nur aus den Erzählungen ihrer Eltern kennen.

Der Film begleitet drei emanzipierte Frauen bei ihrem Kampf für eine bessere Zukunft und taucht dabei ein in eine Parallelwelt, die mit gängigen Klischees bricht.

Nora hat das Sorgerecht über mehr als 1500 Kinder, deren Eltern von einer Abschiebung in ihre mittelamerikanischen Länder bedroht sind. Obama hatte ein Programm für diese sg. Dreamers geschaffen, aber damit haben die Eltern der in den USA geborenen Kinder ihre eigene Abschiebung unterschrieben. Interessant, dass auch viele Republikaner und Trump-Wähler diese engagierte Frau unterstützen, vielleicht erreichen sie sogar so bei Trump mehr, wir sehen das soziale Engagement von wohlhabenden Amerikanern.

Gerade heute war in den Nachrichten zu hören, dass Trump diesen „Geburtstourismus“ beenden will.
*** handwerklich sehr gut gemachter DOC über US-Amerikaner, die den in den USA geborenen Kindern helfen will, deren Eltern nach Zentralamerika abgeschoben werden sollen.

WAREN EINMAL REVOLUZZER

Regie: Johanna Moder / Österreich 2019 / Farbe / 104 Min. / Dt., Russ., Engl. mit dt. Ut / dt. Erstaufführung / Cast: Julia Jentsch, Manuel Rubey, Aenne Schwarz, Marcel Mohab, Lena Tronina, Tambet Tuisk

Nach dem Hilferuf eines russischen Freundes aus Studienzeiten ergreifen zwei befreundete Wiener Paare kurzentschlossen die Chance zu helfen: Endlich einmal nicht nur reden, sondern wirklich was tun. Doch was die Enddreißiger als Abenteuer begreifen, bedroht rasch das Gefüge der alten Freundschaft. Denn: Hilfe kann sehr unterschiedlich definiert werden.

Als Publikumspreis-verdächtig würde ich diesen österr. Film einstufen. Er hatte seine Weltpremiere am 29.9. beim Zürcher Filmfestival. Helene, eine Wiener Richterin will Pavel einen alten Liebhaber, der in Moskau in der Klemme sitzt, helfen. Als gerade der Mann eines befreundeten Ehepaars nach Moskau muss, gibt sie ihm ein Päckchen (mehr Geld als erlaubt) mit. Kurz danach kündigt Pavel  seine Ankunft in Österreich an, doch er ist – welch Schreck! – nicht alleine gekommen sondern mit Frau Eugenia und Kind. Grund für die Flucht nach Österreich soll seine Frau gewesen sein, die als Putin-kritische NGO in Lebensgefahr sei und europaweit gefahndet werde.
Sie ziehen mal in Helenes kleine Wohnung ein. Jakob, der Freund der Richterin verzieht sich in ein altes Haus im Kamptal und will dort eine Musik-CD produzieren. Die Kinder machen einiges kaputt.
Die Geschehnisse geraten aus dem Ruder … Die Russen werden in das größere alte Haus verbracht, Helene wird gestresst bis zum Herzinfarkt und alte Freundschaften auf die Probe gestellt, Die Beziehung des befreundeten Ehepaars zerbricht und auch jene von Volker, einem Therapeuten, der hier alles nur noch schlimmer macht, zu seinem Vater wird arg strapaziert ….

**** köstliche Tragi-Komödie um Helfen und ausgenutzt-werden.

Samstag

ГДЕ ОСТАЛСЯ ДОМОВОЙ /
STANDING IN FRONT OF MANY HOUSES

Regie: Ekaterina Reinbold Deutschland 2020 | 68 Min. | Russ. mit dt. UT

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion emigriert Natascha mit ihrer Familie nach Deutschland. 20 Jahre später kehrt sie zurück an den Baikalsee im Südwesten Sibiriens, wo sie den ersten Teil ihrer Kindheit verbracht hat. Natascha trifft die Menschen im Dorf, deren Leben immer noch von den Spätfolgen der Perestroika, dem Regimewechsel von der Sowjetunion zum heutigen Russland, geprägt ist.
Über die Begegnungen mit den Dorfbewohner·innen versucht Natascha, eine Verbindung zu diesem für sie identitätsstiftenden und gleichzeitig fremden Ort herzustellen. Die Kamera indes, die Nataschas Rückkehr dokumentiert, scheint ihre eigene Agenda zu verfolgen. Und immer mehr stellt sich die Frage, wer eigentlich die Protagonistin dieser Reise ist – die Person hinter oder diejenige vor der Kamera. (wrtl. Übersetzung: wo ist der Domovoi-Hausgeist geblieben?)

Der sehr persönliche Doc ist eigentlich ein kleiner Spielfilm, Natasha aus Berlin kehrt nach 20 Jahren in das Land ihrer Kindheit zurück. Es geht dabei um Hausgeister, an die viele noch glauben; sie ist sehr bedrückt, dass sie ihre alten Gefühle nicht noch einmal erleben kann. So nebenbei erfahren wir, wie die Menschen am Baikalsee heute leben.
** Kameraführung nicht ganz professionell, nicht viel Inhalt.

BLOG IV

SPACE DOGS

Regie: Elsa Kremser, Levin Peter / Österreich, Deutschland 2019 / Dokumentarfilm / Farbe / 91 Min. / Cinemascope, Russ. mit dt. UT

Die streunende Hündin Laika wurde als erstes Lebewesen ins All geschickt – und damit in den sicheren Tod. Einer Legende nach kehrte sie als Geist zur Erde zurück und streift seither durch die Straßen von Moskau. Laikas Spuren folgend und aus Perspektive der Hunde gedreht, begleitet der Film die Abenteuer ihrer Nachfahren: zweier Straßenhunde im heutigen Moskau.

Zur Zeit als die Sowjets in der Weltraumfahrt noch führend waren, setzten sie Hunde (und später sogar Schildkröten) ein, um die „Ungefährlichkeit“ für Säugetiere  zu beweisen, die Amerikaner versuchten es mit Schimpansen, ehe mit Jury Gagarin der erste Mensch ins All geschossen wurde.

****Der beachtliche Doc spürt den tapferen und starken Moskauer Straßen*hündinnen nach, auch Laika, das erste Lebewesen im All,  war eine solche. Gefilmt wurde aus ihrem Blickwinkel und vor allem bei Nacht, weitere Elemente sind bisher nicht veröffentlichte Filme über das Training der sowjetischen Weltraumhunde aus den russischen Archiven.

LOVECUT

Regie: Iliana Estañol, Johanna Lietha / Schweiz, Österreich 2020 / Farbe / 94 Min. / Cinemascope, Uraufführung / Cast: Sara Toth, Kerem Abdelhamed, Maximilian Kuess, Luca von Schrader, Valentin Gruber, Melissa Irowa u. a.

Sechs Jugendliche in Wien. Der auf Bewährung verurteilte Ben lernt auf Tinder die rebellische Luka kennen. Doch was als unverbindliche Affäre beginnt, wirft schon bald die Frage nach der Definition von Liebe auf. Momo führt derweil eine virtuelle Beziehung mit Alex, der sich weigert, sie im echten Leben zu treffen, weil er online seine Behinderung bislang vor ihr verstecken konnte. Anna und Jakob hingegen sind verliebt und laden ihre privaten Sexvideos ins Internet, um damit Geld zu verdienen.

Jugendliche hängen nicht nur gerne ständig am Handy, sie knipsen und filmen auch alles, sogar ihr Intimleben. Manche laden eigene erotische Szenen gegen Geld auf gewisse Seiten hoch. Sie lernen sich über Tinder kennen und kommen gleich zur Sache, haben oft Probleme mit den Eltern und dem Gesetz.

Besonders berührend waren die Szenen mit Alex, einem jungen Burschen im Rollstuhl, der bei einer professionellen Sexhelferin abchecken muss, was geht und was nicht, das gab ihm Hoffnungen, welche in der Realität aber nicht erfüllt wurden, obwohl eine potentielle Partnerin vorhanden war.

*** Das Ende ist etwas eigenwillig, offenbar sind die Jugendlichen doch etwas zu weit gegangen, wenn sie ihre  Grenzen ausloten. Der Fritz-Raff-Drehbuchpreis des Festivals geht an Iliana Estañol und Johanna Lietha für „Lovecut“.

Begründung der Jury: Das Drehbuch glaubt an die Jugend. An ihre Kraft aus sich selbst heraus, erwachsen zu werden. Es ist ein genaues Drehbuch. Voller Humor. Es wurde geschrieben mit Sorgfalt für die szenische Stimmigkeit und mit Lust an der Recherche. Zauberhaft lebendig porträtiert es sechs Figuren, so unterschiedlich, so eigenständig, so eigensinnig. So liebenswert.

EIN BISSCHEN BLEIBEN WIR NOCH

Regie: Arash T. Riahi / Österreich 2020 / Farbe / 102 Min. / Cinemascope, Dt., Tschetschen. mit dt. Ut / Uraufführung / Cast: Leopold Pallua, Rosa Zant, Anna Fenderl, Christine Ostermayer, Rainer Wöss u. a.

Die tschetschenischen Flüchtlingskinder Oskar  und Lilli leben seit sechs Jahren in Österreich, aber sie haben noch immer kein dauerhaftes Bleiberecht. Als die Familie abgeschoben werden soll, unternimmt ihre psychisch labile Mutter einen Selbstmordversuch. Der versuchte Suizid bewirkt zwar einen Aufschub der Abschiebung, aber Oskar und Lilli werden von ihrer Mutter getrennt und vorerst bei verschiedenen Pflegeeltern untergebracht. Heimlich halten die Geschwister Kontakt zueinander und hoffen, sich und ihre Mutter bald wieder zu treffen. Mit der unbändigen Kraft ihrer Liebe zueinander versuchen sie, jede bürokratische Hürde mit Leidenschaft und Phantasie zu überwinden.

Großartig ist der neueste Film von Arash und zurecht mit dem Publikumspreis ausgezeichnet! Viele optische Gags, flotte Sprüche der aufgeweckten Kinder und einen ernsthaften Hintergrund. Die Polizei stürmt frühmorgens die Wohnung, um die vaterlose Familie abzuschieben. Die Mutter flüchtet sich ins Bad und schneidet sich die Pulsadern auf, die Kinder flüchten aufs Dach. Letztlich kommt die Mutter in die Psychiatrie und die Kinder zu getrennten Pflegeeltern, solange es ihr schlecht geht, dürfen sie nicht abgeschoben werden, also spielt sie die Verrückte und Gelähmte. Auch die Kinder, eigentlich lieb und brav merken, dass sie besser böse sein sollten, um wieder zusammenzukommen. Oskar ist bei einer Familie mit einer Parkinson-kranken Großmutter gelandet, mit der er sich blendend versteht, doch die  Pflegemutter ist auch recht labil. Lilli ist bei einem Lehrerehepaar gelandet und freundet sich in der Schule mit einer Außenseiterin an, deren Mutter wohl drogensüchtig ist und auf den Strich geht. Ihr schenkt sie viel Geld, bis sie merkt, dass sie damit Drogen kauft.

Das Ende bleibt offen, doch wenigstens einen schönen Abend verbringt die Familie noch gemeinsam, ehe wieder die Polizei kommt.

***** Frei nach dem Roman „Oskar und Lilli“ von Monika Helfer, filmisch höchst unterhaltsam. Ja, gute und böse Menschen gibt es Überall und in jeder Kategorie.

Festival de Huelva, 2019

Die großen Gewinner des45. Internationalen Iberoamerikanischen Filmfestivals von Huelva sind heuer:
Cancion Sin Nombre (“Lied ohne Namen“), welcher den Goldenen Columbus für den Besten Spielfilm und den Silbernen Columbus für die Beste Regie  gewann.
Als Bester Hauptdarsteller wurde Renato Quattordio in „Yo Adolscente“ „(Ich, Heranwachsender“) und als Beste Hauptdarstellerin Andrea Henry in „Polvora en la Corzon“ („Staub im Herzen“) ausgezeichnet.
Der Spezialpreis der Jury ging an „Los dias de la bellena“ (Die Tage der Bellena).
Hier ein Bericht unserer Korrespondentin Sarita in spanisch.

Alpinale 2019 – Preisverleihung

Preisverleihung der 34. Alpinale Nenzing 2019

vom 10.8.19  von Norbert Fink

Heuer wurde sehr viel Wert darauf gelegt, der Alpinale einen internationalen Flair zu geben.
Dies bedeutet, dass die meisten Ansprachen in Englisch und Deutsch erfolgten. Was jedoch schlimmer ist, sogar die vier v-shorts, also die Vorarlberger Beiträgen waren in Englisch und ohne Untertitel gezeigt, ich wage zu bezweifeln, dass die Mehrheit der Besucher dabei alles verstanden hat! Diese Filme hätten meines Erachtens wenigsten deutsche Untertitel haben sollen. Filmemacher begründeten dies so, dass man englischsprachige Filme leichter an Fernsehanstalten verkaufen könne (als ob es keine deutschsprachigen gäbe).
Im Programmheft wurde übrigens weder vermerkt welche Sprachfassung, noch welches Bildformat die Filme hatten, was auf interntaionalen Festivals üblich wäre.

So verwundert es also nicht, dass der Publikumspreis an einen österreichischen Film ging, der in deutsch gesprochen und englisch untertitelt war.

Zu unserer Überraschung fand der Abschlussabend im Freien statt und es fing zu regnen an.
Nach der Pause war es aber wieder trocken und das Publikum überlebte alles in den Bio-Regenponchos. Somit fanden drei Abende auf dem Ramschwagplatz, zwei im –Saal statt.

Und so urteilte die Jury und das Publikum:

Bester Kurzfilm in der Kategorie v-shorts: 1 + 1 = 1

Rupert Höller (Österr. 2019, 7 Min,  teils hochformatig).
Der Student der Filmakademie zeigt in atmosphärischen Bildern, wie eine schlaflose Nacht verschiedenste Erinnerungen hochleben lässt. Mich berührte der Film nicht.*

Bester Kurzfilm International: HÖRST DU, MUTTER?

Tuna Kaptan (D, Türkei 2019, 19 Min) zeigt den ganz normalen Terror gegen die kurdische Bevölkerung in der Türkei. Weil sie ihrem Enkel handgestrickte Pullover ins Gefängnis schickte, wird sie zu 7 Jahren Hausarrest mit Fußfessel wegen „Unterstützung von Terroristen“ verurteilt, doch die Fußfessel „made in China“ hat ihre Tücken und der Radius reicht nicht einmal zum Wäsche aufhängen. Weitere Strafen folgen. Unaufgeregt wird der Alltag geschildet, den die alte Frau stoisch erträgt. ****

Bester Kurzfilm Animation: INANIMATE

Lucia Bulgheroni hat einen interessanten Stop-Motion – Knetfiguren Animationsfilm geschaffen, der auch Bezug auf die „Schöpfer“ der Figuren herstellt.
(Kritik: siehe Dienstag)

Bester Kurzfilm Hochschule: SHABBOS KALLAH

Aleeza Chanowitz (Israel 2017, 15 Min) zeigt einen persönlichen Einblick in die jüdische Kultur. Am Wochenende vor der Hochzeit ihrer besten Freundin versammeln sich alle Frauen, um der Braut Glückwünsche auszusprechen. Dabei prallen auch konservative und sehr liberale Weltanschauungen aufeinander und es wird viel gelacht und etwas gestritten.**

Preis der Jury: PORTRAIT OF MY FAMILY IN MY 13TH YEAR

Für mich nicht nachvollziehbar war diese Entscheidung, auch beim zweiten Ansehen konnte ich nicht viel Hintergründe dieses Film-im-Filmes und Vater-Sohn-Konfliktes erkennen.

Lobende Erwähnung der Jury: DER HUND BELLT

Der österreichische Hochschulfilm DER HUND BELLT ist keine Realitätssuppe und geht über Sozialporno hinaus – so die Beschreibung des bei der ALPINALE anwesenden Matthias Halibrand, der für Kamera, Schnitt und den Titelsong verantwortlich war.

(habe ich leider nicht gesehen)

Publikumspreis: DIE SCHWINGEN DES GEISTES

Völlig zurecht hat dieser wunderbare, heitere und tiefsinnige Film den Publikumspreis gewonnen, wenngleich angeblich nur mit einer Stimme Mehrheit.
(Siehe Freitag!)

Kinder-Publikumspreis: AMEISE

Die vierminütige Animation von Julia Ocker kam bei den Kindern am besten an. Fast 40 Prozent der jungen ALPINALE-Besuchern stimmten für den Film, in dem es um eine Ameise geht, die im Gegensatz zu ihren Artgenossen alles irgendwie anders macht.

Bester Kurzfilm Horror: POINT OF VIEW

Zu Halloween 2018 wurde eine Horror-Filmnacht veranstaltet, bei dem dieser Film den Publikumspreis errang und nun erstmals mit dem „blutigen Einhorn“ ausgezeichnet wurde.
Als ob eine Autopsie einer übel zugerichteten Leiche nicht schon schrecklich genug wäre, ein unguter Hausmeister kommt auch noch dazu und bekommt auch sein Fett ab.
Durchgehend spannend mit überraschender Wendung und einigen genretypischen Schockeffekten ***

 Norbert Fink, 11.8.19

Quelle: https://alpinale.at/die-preistraeger-des-34-alpinale-kurzfilmfestivals/

 

Alpinale am Freitag

34. Alpinale NENZING

Bericht vom Freitag, 9.8.19

Das Wetter war an diesem Tag sehr schön und warm und die Alpinale konnte heuer zum zweiten Mal open air stattfinden. Die Projektionsqualität war gut und der Sound besser als im Saal. Die Stimmung war hervorragend!

Wieder war die Qualität der Filme durchzogen, allerdings waren doch einige wahre Leckerbissen dabei. Leider waren wieder die meisten Filme in englisch ohne Untertitel und ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Zuseher dabei jedes Wort verstanden haben. Irgendwie befremdlich war, dass sowohl heute als auch am Dienstag sogar der Vorarlberg-Beitrag (v-shorts) in Englisch und ohne Untertitel war. Doch im einzelnen:

DEAD-END

Maximilian Feurstein und Ted Dontchev (GB 2018, 8 Min, SW, Cinemascope) präsentierten eine Folterszene. Liest man nicht das Programmheft, bleibt einem unverständlich, warum der Mann gefoltert wird. Der einzige Vorarlberg-Bezug liegt darin, dass in einer Vorarlberger Garage im Winter und in zwei Tagen gedreht wurde. Die Handlung laut Heft: Bryan hat eine Massenvernichtungswaffe von seinem Boss gestohlen. Sein Boss will sie zurück. Wird Bryan sein Leben opfern, um Tausende zu retten?
Als seine Familie auch bedroht wird, knickt er offenbar ein. Eine mehr als dünne und wenig innovative Geschichte! *

PORTRAIT OF MY FAMILY IN MY 13TH YEAR

Omri Dekel-Kadosh (Israel 2017, 16 Min, 4:3) filmte an seiner Filmhochschule genau das, wovor er gewarnt wurde: erstens soll man nicht am Strand filmen, weil der feine Sand die Geräte und Linsen beschädigen kann, zweitens soll man nichts Autobiografisches zeigen. Und genau das hat er in seinem Film-im-Film gemacht. Er setzte sich selbst, die Familie und sogar seinen Hund ein, der dann letztlich bei den Dreharbeiten an Dehydrierung stirbt. Mehrmals wird dieselbe Szene aufgenommen und immer kommt was dazwischen oder passt was nicht. Ich konnte damit nichts anfangen!*

PSICOLAPSE

Arnau Gòdia Montesinos (Spanien, 2018, 7 Min, ohne Dialoge, katalonische Wörter im Bild) zeigt diesem gut gemachten Animationsfilm eine Psychiaterin, die von einem apathischen Klienten konsultiert wird. Sie versucht alles Mögliche, aus ihm ein Wort oder eine Gestik herauszubringen. Erst, als sie ihn abfotografiert und aus den Einzelbildern eine Animation gestaltet, reagiert er heftig und sehr erfreut über das Resultat. Aber danach braucht sie selbst einen Psychiater.  ****

JOC!

Andreea Valean (Rumänien 2018, 16 Min., Cinemascope) führt uns mit dokumentarischem Blick in das trostlose und gefährliche Leben der Straßenkinder Bukarest. Der zwölfjährige Dani versucht Wasser an Autofahrer zu verkaufen, das Wasser kommt aus einem Springbrunnen und die Flaschen aus dem Müll. Er braucht um Schulden zu zahlen jedoch mehr Geld und will dies bei einem Pappkarton-Wettrennen auf den Gleisen der Tramway gewinnen. Die Begegnungen mit der Tram sorgen dabei für Spannungsmomente. Leider war die genaue Handlung nur schwer auszumachen; man hätte mit den Schauspielern und aus dem Thema mehr machen können! **

IN WONDERLAND

Christopher Haydon (GB 2017, 10 Min) . In der ersten Einstellung sieht man, wie Alice zu spät zu Michael kommt, der in höchster Eile zum Flughafen geht. Es ist wohl die Trennung, sie werden an einem anderen Ozean und an einem anderen Strand sein und voneinander träumen. Durch die Finger rinnender Sand dient als Symbol der Zeit. Auch diese Geschichte erschien mir sehr dünn. *

THE LAST TALE ABOUT EARTH

Magdalena Seweryn (Polen 2018, 17 Min, Hochschule, Cinemascope) verführt uns in eine Welt nach der Apokalypse. Ein Vater haust mit seinen beiden Töchtern in einem Bunker, den sie nur mit Schutzkleidung verlassen dürfen. Als eine der Töchter sich im Gestrüpp einen Luftschlauch verletzt, droht sie an der vergifteten Atmosphäre zu sterben, kann aber noch gerettet werden. Beim Eintritt in den Bunker müssen sie sich immer dekontaminieren. Die Mädchen glauben etwas Lebendiges zu sehen, was der Vater nicht sieht. Das Ende ist zwar hoffnungsvoll, aber unlogisch, es sei denn sie hätten sich die Katastrophe nur eingebildet.
An sich stimmig fotografiert, aber schwer verständlich. ***

WIDDERSHINS

Simon P Biggs (GB 2018 [Schottland], 11 Min, SW, Animation) kleines Meisterwerk erinnert an Jules Verne oder den Chaplin Film „moderne Zeiten“, webt jedoch moderne Elemente wie der durch künstliche Intelligenz gesteuerte Überwachungsstaat ein. Ein Mann wird total von einem Roboter-Butler gesteuert, der Verkehr erfolgt durch verschiedenste Flugobjekte und der Verkehr stockt sich wie am Boden. Dem geschniegelten Herrn fällt dabei eine eigenwillige Frau mit ihrem Flugvehikel auf und er verliebt sich in sie. Sie wieder zu finden erweist sich als wahres Abenteuer. ****

DIE SCHWINGEN DES GEISTES

Albert Meisl (Österreich 2018, 29 Min, Filmakademie Wien). Der mit Abstand beste Film des Abends war eine herzerfrischende Komödie um Szabo, einen chaotischen Musikwissenschaftler, der seinen Job verloren hat und fremde Wohnungen betreut. Ausgerechnet Fitzhum, der seine Stelle eingenommen hat, braucht von ihm eine ganz seltene österreichische Singel-Platte aus den 60er Jahren um sich bei einem Haward-Professor der auf Besuch in Wien ist, sich einzuschmeicheln. Allerdings kommt dann ein Problem hinzu, dass ein Papagei entfliegt, bei der Beschaffung eines ähnlichen Exemplares kommt es zu Problemen mit dem Artenschutz und Fitzhum landet auf dem Polizeirevier. Doch das ist nun die Chance für Szabo. *****

Norbert Fink
Ich berichte in kürze von der Preisverleihung!

34. Alpinale Nenzing

Bericht von der Eröffnung der Alpinale 2019 am 6.8.19

Das Wetter war am Nachmittag sehr stürmisch und regnerisch, weswegen im Freien weder Leinwand noch Stühle aufgebaut wurden, der erste Abend fand also im Ramschwag-Saal Nenzing statt. Um etwa 20:30 stellte der Moderator Joe Baumgartner die Jury und anwesende FilmemacherInnen vor. Obfrau Manuela Mylonas und der Nenzinger Bürgermeister Florian Kasseroler hielten kurze Reden. Ein kurzes Filmquiz – man sollte den entsprechenden Filmtitel durch Emojis erraten – war durchaus unterhaltsam.
Der Ramschwag-Saal war vollbesetzt. Im Foyer konnte man VR-Shorts mit den Virtual-Reality Brillen erleben und durch eigenen Kopfbewegungen die Bildausschnitte beeinflussen.

Das Programm war des ersten Abends sehr durchwachsen:

I AM SOCIAL

Selina Nenning (A 2018, 6 Min.) bebilderte das Problem, dass manche Leute in den sozialen Netzwerken viele Freunde haben, aber im wirklichen Leben vielleicht gar keine. Der Film in der Reihe v-shorts ist englischsprachig ohne Untertitel und löst das Problem so, dass sich die 16-jährige Olivia ihre realen Freunde nur einbildet. Ganz überzeugt hat mich das nicht. **

MAKE ALIENS DANCE

Sebastian Petretti (GB 2019, 25 Min) führt uns in ein analoges Tonstudio der 80er Jahre mit einer 2-Zoll-Bandmaschine und begleitet einen etwas behinderten jungen Mann, der ständig Kopfhörer aufhat (und vom Diskman CD hört) bei seinem Job als Aufräumer eines Stadions. Die Handlung um eine verschwundene Schwester, deren Stimme auf den Bändern aufgenommen wurde, ist schwer nachvollziehbar.  Auch die Kameraarbeit war nicht überzeugend. *

LE MANS 1955

Quentin Baillieux (F 2018, 15 Min.) dokumentiert als Animationsfilm das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1955, wo ein Auto in die Zuschauertribüne raste und 80 Menschen starben. Trotzdem wurde das Rennen zu Ende geführt. Mercedes nahm danach sein Team aus dem Rennen, obwohl es eine Runde vor Jaguar lag. Der Reiz des Films liegt in der Animation.
Auf die Ursachen und Hintergrunde des Unfalls wurde nicht eingegangen. ***

SKIN
Guy Nattiv (USA 2018, 20 Min.) schildert den in den USA noch immer existierenden Rassenhass und Waffenwahn. Aus einem nichtigen Anlass tötet ein weißer Mann einen Schwarzen. Doch dessen Clan lauert ihm auf. Zur Strafe wird er am ganzen Körper schwarz tätowiert, was dramatische Folgen hat. ***

THE WIND PHONE

Kristen Gerweck (USA 2019, 16 Min) stützt sich auf wahre Begebenheiten im Rahmen des Tsunamis von Fukushima. Wir sehen eine einsame Telefonkabine am Strand und Menschen, die scheinbar sehr emotionale Telefongespräche führen. Sie stehen geduldig Schlange.
Wie uns der Nachspann lehrt, hat diese Telefonkabine keine Verbindung zum Telefonnetz. Sie können so imaginär mit ihrem beim Tsunami verstorbenen Angehörigen reden.

PERCHT
Béla Baptiste (A 2018, 17 Min.) präsentierte den überzeugendsten Film dieses Abends.
Es geht um alte Traditionen wie Krampusse und Perchten, die in angsterregenden Masken durch die Straßen ziehen und Kinder erschrecken und auch Frauen belästigen. Als der offizielle Umzug zu Ende ist, gehen sie danach in ein Gasthaus und zwingen ein junges Paar, von einer ekelhaften Flüssigkeit zu trinken. Sie machen am Anfang den Spaß mit, als es ihnen aber reicht, wird der Percht gewalttätig, verletzt die Frau (Elisabeth Wabisch) und flüchtet.
Dabei wird ihm sein Kostüm zum Verhängnis. *****

SQUARING THE CIRCLE

Karolina Specht (Polen 2019, 5 Min) versucht in diesem abstrakt gezeichneten Animationsfilm die Quadratur des Kreises, was natürlich letztlich nicht gelingen kann.
Künstlerisch durchaus beachtlich. ***

INANIMATE

Lucia Bulgheroni (GB 2018, 8 Min.) zeigt uns das normale Leben von animierten Figuren, die kunstvoll aus Ton geknetete Gesichter haben. Doch plötzlich müssen sie erkennen, dass sie von Menschen geformt werden und ihr scheinbares Leben in einer Modellwelt nur ihre Illusion ist. Der Zuschauer, der sich mit den animierten Figuren identifiziert, wird jäh aus seinen Gedanken gerissen. Von der Animationstechnik sehr gut gemacht, inhaltlich aber etwas dünn. ***

EIN KUCHEN FÜR HERRN LECKERSCHMAUS

Dolunay Gördüm (D 2018, 9 Min.) nimmt kurz und prägnant verschiedene Modeströmungen der Ernährung, mit und ohne Chia, vegan oder fleischlich, aufs Korn. Die Konditormeisterin Lisl Gisl ist stolz auf ihren giftgrünen Müslikuchen, doch die Konkurrenz geht hart mit ihr um, als ihr Lehrling eine allergische Reaktion auf Chia erleidet, dreht sich aber der Spiess um. Alle buhlen um die Gunst des Gurus Leckerschmaus, ein alter Herr, der wohl nicht mehr Herr aller Sinne ist. ****

Bemerkung: stolz wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass nun auch Cinemascope-Filme (2,35 :1) endlich zur Geltung kommen und nun breiter sind als die 16:9 – Standardformate.
Eine neue Software reserviert die ganze Breite dem Cinemascope-Format, während bei den anderen Formaten nun rechts und links die Streifen sind. Danke! Ich empfand es immer als schrecklich, wenn Filme, die breiter und größer als die normalen sein sollten, kleiner dargestellt wurden. Danke!

28. Int. Filmfestival Innsbruck (IFFI 2019)

Das IFFI 2019 ist soeben zu Ende gegangen und mit ihm auch die Ära Helmut Groschup, der mit heutigem Tag in Pension gegangen ist. Wir verdanken ihm wundervolle und politisch engagierte Filme aus aller Welt, vor allem Lateinamerika, Asien und ehemaligen Sowjetrepubliken. Die letzte Ausgaben war deshalb reich an Erinnerungen und den besten Filmen der letzten Jahrzehnte.  Hier der ausführliche Bericht.

Crossing Europe Filmfestival Linz

Die 16. Ausgabe des Crossing Europe Filmfestivals präsentierte vom 25.-30.4.2019 in Linz 149 Filme in bis zu 6 parallelen Veranstaltungen. Es gibt viele Sektionen: den Spielfilmwettbewerb, den Dokumentarfilmwettbewerb, die neue YAAAS! Jugendschiene, das Europäische Panorama mit Highlights von anderen Festivals in Spiel- und Dokumentarfilm, die Nachtsicht mit kunstvollen Genrefilmen, die Arbeitswelten von Frauen, Architektur und Gesellschaft,ein Tribut an den Katalanen Jaime Rosales, ein Spotlight für die umtriebige albanische Regisseurin Iris Elezi, die lokalen Künstler und das Cinema Next Europe für junge FilmemacherInnen. Es ist praktisch unmöglich, auch nur aus jeder Sektion einen Film auszusuchen. Ich habe mich aber bemüht, nicht nur den begehrten Spielfilmwettbewerb zu sichten, sondern meine Auswahl möglichst breit zu streuen. Natürlich geht auch um die Probleme in Europa wie Rechtsradikale, den drohenden Verlust des Zusammenhalts, aber vielfach ist es eine weibliche Sicht.
Selbst Aussenseiterfilme waren bestens besucht, was am Samstag und Sonntag zu einem kleinen Teil auch dem kühlen Wetter zugeschrieben werden kann.

Hier der ausführliche Bericht mit vielen detaillierten Filmbeschreibungen

Uns so urteilten die diversen Juries: Die Gewinner

 

Int. Filmfestival Fribourg

Internationale Filmfestival Fribourg 2019

Abermals haben wir vom FKC das internationale Filmfestival in Fribourg besucht. Vom 15. Bis 23. März wurden wieder Filme aus allen Enden und Ecken der Welt in Fribourgs Kinosälen gezeigt. Dass das Interesse gross an dieser Multikulti-Veranstaltung ist, zeigen die verkauften 40‘000 Eintritte; das sind durchschnittlich mehr als 1000 Kinokarten pro Tag! Es ist wie das IFFI auf Filme aus Ländern des Südens und Ostens spezialisiert.
Hier der Bericht von Urs