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Was wir wollten

Was wir wollten
Österreich 2020, Regie: Ulrike Kofler, Cinemascope, ca.96 Min
Ein Paar hat den vierten Versuch einer künstlichen Befruchtung erfolglos hinter sich, mehr Versuche sind nicht möglich. Die Ärztin rät den beiden sich einen schönen Urlaub zu gönnen und zu entspannen, vielleicht gelingt es dann auf natürliche Weise. Doch Alice geht schon auf die 40 zu, höchste Zeit zum Kinderkriegen nach Business Konzept. Sie fahren in ein schönes Resort nach Sardinien. Nebenan hat sich ein Tiroler Vorzeige-Ehepaar einquartiert, mit denen sie sich bald anfreunden. Doch die wollten ihre Nachkommen eigentlich gar nicht; die liebe kleine Tochter nervt manchmal und macht auch eine teure Brille kaputt; der ältere Sohn war eigentlich ein Unfall, mit dem Vater kommt er überhaupt nicht klar.

Die Frau des zweiten Ehepaares läuft zwar gerne oben-ohne herum, ist dennoch sehr katholisch und Astrologie-gläubig. Eines Tages schluckt ihr Sohn alle verfügbaren Tabletten und bricht zusammen, ein Zeichen, wie verzweifelt er sich in der Familie gefühlt haben muss..
Zuhause sind die Bauarbeiter mit dem Hausbau beschäftigt, der natürlich komplizierter und teurer wird als vorgesehen. Geläutert kehren sie nach dem Urlaub wieder heim.
Der Film hätte im Frühjahr in Österreich starten sollen und ist für den Auslands Oscar nominiert. Ulrike Kofler war die Schnittmeisterin der Marie Kreutzer Filme, hier tauschten die Frauen ihre Funktionen. Bestechend geometrisch exakt komponiert sind viele Bilder und handwerklich bestens gestaltet.

Durchaus kurzweilig, aber wenig Neues. ***

Die Unglaubliche Geschichte der Roseninsel

Die Unglaubliche Geschichte der Roseninsel
(L’incredibile storia dell’isola delle rose)

Regie: Sydney Sibilia, 117 Min, auf Netflix

Der äußerst unterhaltsame Film passt perfekt in diese Zeit des Eingesperrt-Seins durch die Pandemie. Wer träumt nicht von einer kleinen Insel im Meer, wo man tun und lassen kann was man will?
Der Abgänger eines Ingenieur – Studiums Giorgio Rosa und der Bauunternehmersohn Maurizio Orlandini kommen auf die Idee außerhalb der (damals geltenden) 7-Seemeilen-Zone eine künstliche Insel nach dem Prinzip einer Ölplattform  zu bauen und einen unabhängigen Mikrostaat auszurufen. Das Baumaterial wird von Orlandinis Vaters Baugeschäft abgezweigt und die technische Umsetzung obliegt dem kleinen Genie Rosa, der schon mit seinem selbstgebauten Auto, das er ohne Führerschein und Nummernschild fahren wollte, mit der Polizei in Konflikt kam. Dazu kommt noch Neumann, ein staatenlos gewordener PR-Experte, eine schwangere Frau, u.a.
Im Sommer floriert auf der 400 m2 das Geschäft mit partysüchtigen jungen Leuten, die auf der Insel abtanzen wollen und solange es nur das gewesen wäre, wäre das Interesse daran spätestens im Herbst wieder abgeflaut. Rosa bekräftigt hartknäckig die Selbstständigkeit, druckt eigene Pässe und Briefmarken, erklärt Esperanto als Staatssprache und verlangt vom Europarat gehört zu werden, ja sogar der UNO-Generalsekretär wird auf ihn aufmerksam. Nun wird daraus eine Staatsaffäre. Man versucht die beiden zu kaufen, indem man ihnen zwei höchst begehrte Lizenzen für Strandbars- und Restaurants am aufkommenden Strand von Rimini verspricht, doch sie sind nicht käuflich.
Was dann passiert? Der Staat lässt sein größtes Kriegsschiff auffahren und versenkt die Insel.

Das verrückteste daran ist aber, das fast alles in dem Film wahr ist. Der kriegerische Akt gegen die „Repubblica della Isola dele Rose“ war tatsächlich die bisher einzige Kriegserklärung, die von der Republik Italien ausgesprochen wurde, und somit wurde ja indirekt anerkannt, dass es sich um einen unabhängigen Staat gehandelt hat. Wie wir aus dem Nachspann erfahren, hatte der Vorfall weltweite Konsequenzen, damals wurde die 7-Meilen Zone von der UNO auf 15 weltweit ausgeweitet.
Lässig sind natürlich die miniberockten, Twist tanzenden  Mädchen und die Musik der 68er Jahre, wie Jimmy Hendrix´ Hey Joe und manche italienische Cover-Version der damaligen Welthits, wie California Dreamin. In jener Zeit gab es auf solchen „Inseln“ oder stationären Schiffen ja auch eine Menge Piratensender, was in einer Szene angedeutet wird, als sie nach Trinkwasser bohren und gleich die Polizei kommt, denn einen Piratensender hätte man nicht dulden können.

**** Die Realität schreibt ja noch immer die verrücktesten Geschichten. Und PS: erinnert ihr euch noch an „Kugelmugel“ des Vorarlberger Künstlers Edwin Lipburger? Der rief 1976 ebenfalls die „Republik Kugelmugel“ aus.

The Midnight Sky

Neu auf Netflix
The Midnight Sky
USA 2020, Regie: George Clooney, ca. 120 Min. Cinemascope.

Wir befinden uns im Jahr 2049 und ein „Ereignis“, auf das nicht näher eingegangen wird, löscht die auf der Erde lebende Menschheit aus. Dieser Zeitpunkt ist wohl nicht zufällig gewählt, denn manche Umweltziele, wie endgültige Verabschiedung von fossilen Brennstoffen, sind von manchen Staaten bis in das Jahr 2050 definiert, dem Film nach zu folgen also viel zu spät. Auch die Menschen in der nördlichen Polarregion werden evakuiert, dort kann man immerhin die Luft noch einatmen. Doch Augustine Lofthouse, ein krebskranker Wissenschaften einer Wetterstation in der Arktis will alleine dort bleiben. Ihm gesellt sich Iris, ein verlorenes kleines Mädchen dazu. Gleichzeitig befinden sich im All auf einer Raumstation noch Menschen, die besiedelbare Exoplaneten erkunden sollen und einen solchen auch gefunden haben. Lofthouse will zu denen Kontakt aufnehmen, möglicherweise sehen die vom All aus besser, was wirklich mit der Erde passiert ist.

Da niemand antwortet, nimmt Lofthouse an, seine Antenne sei zu schwach und wagt es mit Iris zu einem großen Teleskop zu gehen. Der Weg durch die eiskalte Gegend ist sehr gefährlich. Sie entdecken ein abgestürztes Flugzeug und als sie sich  in einer norwegischen Schutzhütte sicher fühlen, stürzen sie stattdessen in die eisigen Fluten. Mit letzter Kraft schaffen sie es zum riesigen Teleskop und es gelingt ihm mit dem Raumschiff Kontakt aufzunehmen. Dessen Besatzung hat sich auch schon gewundert, dass sich von der Erde niemand meldet, doch die Plauderei währt nicht lange, ein Meteoritenschwarm zerstört Radar und Antenne, bei der Reparatur kommt beim Unfall eine schwangere Astronautin ums Leben. Sie wollten eigentlich auf die Erde zurück. So wollen zwei Crewmitglieder mit ihrem Shuttle unbedingt auf der Erde ihre Familien suchen, während die anderen zurück zu dem zuvor gefundenen bewohnbaren Planeten reisen werden, ein Mann und eine Frau sind dabei, welche es dort als Menschheit neu versuchen wollen.
Der Film wird nie langweilig und ist optisch eindrucksvoll gestaltet, sei es mit Bildern von der kaputtgemachten Erde als auch dem ästhetisch-futuristisch gestalteten Raumschiff. George Clooney führt nicht nur Regie, sondern spielt als bärtiger alter Mann auch die Hauptrolle. Schade, dass ich den Film nur auf einem Laptop sehen konnte, aber vielleicht kommt er doch noch mal in ein Kino, solche großen Filme gehören auf die große Leinwand! *****

Was wir wollten
Österreich 2020, Regie Ulrike Kofler, Cinemascope, ca.96 Min
Ein Paar hat den vierten Versuch einer künstlichen Befruchtung erfolglos hinter sich, mehr Versuche sind nicht möglich. Die Ärztin rät den beiden sich einen schönen Urlaub zu gönnen und zu entspannen, vielleicht gelingt es dann auf natürliche Weise. Doch Alice geht schon auf die 40 zu, höchste Zeit zum Kinderkriegen nach Business Konzept. Sie fahren in ein schönes Resort nach Sardinien. Nebenan hat sich ein Tiroler Vorzeige-Ehepaar einquartiert, mit denen sie sich bald anfreunden. Doch die wollten ihre Nachkommen eigentlich gar nicht; die liebe kleine Tochter nervt manchmal und macht sie auch eine teure Brille kaputt; der ältere Sohn war eigentlich ein Unfall, mit dem Vater kommt er überhaupt nicht klar.

Die Frau des zweiten Ehepaares läuft zwar gerne oben-ohne herum, ist dennoch sehr katholisch und Astrologie-gläubig. Eines Tages schluckt ihr Sohn alle verfügbaren Tabletten und bricht zusammen, ein Zeichen, wie verzweifelt er sich in der Familie gefühlt haben muss..
Zuhause sind die Bauarbeiter mit dem Hausbau beschäftigt, der natürlich komplizierter und teurer wird als vorgesehen. Geläutert kehren sie nach dem Urlaub wieder heim.
Der Film hätte im Frühjahr in Österreich starten sollen und ist für den Auslands Oscar nominiert. Ulrike Kofler war die Schnittmeisterin der Marie Kreutzer Filme, hier tauschten die Frauen ihre Funktionen. Bestechend geometrisch exakt komponiert sind viele Bilder und handwerklich bestens gestaltet. Durchaus kurzweilig, aber wenig Neues. ***

Weitere Eindrücke aus der Netflix Auswahl:
The Vikings

Wer archaische Kampfszenen mit Schwert und Schild liebt, wen Gewaltszenen nicht stören und wohldosiert eingestreute Sexszenen gefallen, wird sich bei der mehrstaffeligen Netflix Serie The Vikings gut unterhalten. Grob gesehen, stimmen manche historische Eckpunkte der brutalen Raubzüge der Vikinger auf die britische Insel, ob die Frauen wirklich teils mitgekämpft und beim Sex bei den sonst streng patriarchalischen Kriegern so freizügig und aktiv waren, ist wissenschaftlich nicht erforscht. Jedenfalls wird das Ambiente gut eingefangen und auch die nordischen Landschaften schön vermarktet, in manchen Punkten werden Zugeständnisse an das Publikum von heute gemacht, der Regisseur wollte eine Serie für Millionen machen, nicht für wenige Historiker… Bedenklich sind auch manche ideologische Aspekte, wenn Menschenopfer, willkürliche und drakonischen Strafen als naturgegeben und von den Göttern gewollt dargestellt werden. Sind die gerechtesten und tapfersten Männer mal an der Macht, werden sie bald so, wie jene, die sie einst bekämpften…

Revolution
Um die Zustände während der französischen Revolution geht es hier, verdreckte, verarmte Städte und im Luxus schwelgender Hochadel stehen einander gegenüber, irgendwann verlieren die weiteren Folgen an Spannung und Aussagekraft. Ein Arzt, der schon über erstaunliche Fähigkeiten verfügt und eine Adelige, die in nicht standesgemäße Tiefen absteigt… Wiederum ist die Aufwändige Inszenierung der damaligen Zustände der Reiz der Serie.

 

Tenet

TENET

USA 2020, Christopher Nolan, 150 Min.
Gesehen in  DF und 2K

Es gibt nur noch ganz wenige Filme, die im Königsformat 70mm – wie einst Ben Hur, Cleopatra und zuletzt von Nolan Interstellar und Dunkirk etc. – gedreht werden und so wird auf solch sehr teure Filme alle Hoffnung auf ein Publikumserfolg gesetzt.
Wie der Held des Films die Welt vor dem Dritten Weltkrieg retten soll,
erwarten die Kinos von ihm, der auch Batman geschaffen hat, das Ende der Corona-bedingten roten Zahlen. Dazu ist aber Tenet zu kompliziert und um mit den besten James-Bond-Filmen mithalten zu können, zu humorlos.  An Action wird freilich nicht gespart. Hat schon die Netflix-Serie DARK mit mehreren Zeitebenen (jeweils 17 Jahre zurück oder vor und zuletzt noch eine parallele Moebius-Ebene) gespielt, ist es hier durch ein Inversionsgerät möglich, Agenten gleichzeitig in die Vergangenheit und Zukunft zu senden, um so den Gegner (natürlich die bösen Russen) in die Zeit-Zange zu nehmen. Dazu werden teils uralte Kino-Tricks, wie Rückwärtsprojektion verwendet, die aber parallel auch vorwärts laufen. Dies ergibt noch nie gesehene Action: die einen laufen rückwärts und die Bomben implodieren in sich, das andere läuft normal.

Die Handlung: Es beginnt mit einem Giftgasanschlag auf die Oper in Kiev.
Ein unbenannter CIA-Agent kämpft gegen den krebskranken Oligarchen Andrei Sator, ein Waffenhändler, der die Welt zerstören will, bevor die Welt auf Grund von Umwelteinflüssen selbst kaputt geht, soll sie wieder in die Vergangenheit zurück gedreht werden. Das könnte schlimmer enden als ein nuklearer Weltkrieg. Der Held steht ihm entgegen, dazwischen steht die Geliebte des Oligarchen, die ihn hasst, doch er hat den gemeinsamen Sohn als Pfand.

Sieht man von den seit Einstein´s Relativitätstheorie denkmöglichen Zeitreisen und somit der hier inszenierten Zeitumkehr ab, so ist auch das gleichzeitige Agieren auf gegensätzlichen Zeitvektoren schon eine intellektuelle Herausforderung, vielmehr widerspricht dies allen Sehgewohnheiten und überfordert wohl das typische Blockbuster-Publikum.

Die 70mm – Kopien haben Österreich noch nicht erreicht (die beiden einzigen Kinos sind das Gartenbau Wien und das Leo in Innsbruck) sind für eine 70mm-Projektion vorgemerkt. In der Schauburg Karlsruhe gibt’s derzeit eine 70mm OmU und OV.  Die Gelegenheit den Film nochmals so zu sehen, wie er gedreht wurde, sollte unbedingt genutzt werden.

Harriet – Der Weg in die Freiheit

USA 2019, 126 Minuten, Cinemascope,  Regie: Kasi Lemmons

In der Corona-Krise und nach den „Black-Life-Matters“ – Protesten bringen sogar die amerikanischen Großverleiher wie Universal Werke gegen die Sklaverei in die spärlich besuchten Kinos. Cynthia Erivo wurde dafür mit einem Oscar ausgezeichnet.

Der Sklavin Minty und ihren Kindern wurde eigentlich von ihrem „Besitzer“ die Freiheit versprochen. Nachdem es dem Hof aber nicht so gut geht, sollen sie in den Süden der USA verkauft werden. Jeder Hoffnung beraubt, dass wenigstens ihre Kinder einmal frei sein werden, flüchtet sie alleine in den Norden und es gelingt ihr trotz Sklavenjäger-Suchtrupps zur Fluchthelfer-Organisation Underground Railroad vorzustoßen, wo sie eine sehr erfolgreiche „Schaffnerin“ wird und den Namen Harriet Tubman erhält. Sie kehrt sogar in dieser Funktion wieder auf ihren ehemaligen Hof zurück, um ihren Mann zu holen, der jedoch inzwischen mit einer anderen Frau zusammen ist.

** Der sehr pathetische Film verliert durch ihre religiösen Visionen sehr an Glaubwürdigkeit, und nachdem typisch amerikanische Filme meist ein Happy-End haben, auch etwas an Spannung. Gewalt gegen die Sklaven wird nicht explizit gezeigt, wohl aber erzählt.

Im Abspann erfahren wir, dass sie eine der Initiatorinnen des amerikanischen Sezessionskrieges (1861-1864) war, in dem die Südstaaten-Konföderation pro-Sklaverei gegen die dagegen kämpfenden nördlichen Unionsstaaten war und eine der wenigen Befehlshaberinnen des Bürgerkrieges.
Obama wollte sie als erste Frau und erste Schwarze auf einer 20$ Note ehren, Trump verhinderte dies bis jetzt.

Cancion Sin Nombre

La cancion sin nombre
(Lied ohne Namen)

Peru, CH, USA  2019, 97 Min, schwarzweiß, 3:4, Regie:  Melina León; Buch: Melina León, Michael J. White; Darsteller: Pamela Mendoza, Tommy Párraga, Lucio Rojas, u.a.

Der Film wurde vom Kinderhandel mit armen Frauen in Peru in den 80er Jahren inspiriert und basiert auf wahren Gegebenheiten. Georgina Condori, ist eine Peruanische Frau in einer mehrfach prekären Situation (Frau, Indigene, Arme und Migrantin). Als sie hochschwanger ist und auf dem Markt Kartoffeln verkauft, hört sie aus einem Lautsprecher, dass eine Institution ihr helfe, eine sichere Geburt in einer Klinik durchzuführen.
Doch dort wird ihr das neugeborene Mädchen gestohlen und ins Ausland verkauft.

In Peru herrscht Krieg zwischen dem Leuchtenden Pfad (Sendero Luminoso) und dem Heer, Pedro Campos, ein junger Journalist aus Lima, hört sich die Geschichte von Georgina an und beginnt zusammen mit der verzweifelten Mutter die Suche nach den Entführern. Der Justizapparat reagiert kaum und es fallen Kommentare, dass es dem Mädchen wohl bei wohlhabenden Eltern besser gehe.

Ein Film, der die politische Situation im Peru der 80er Jahre widerzuspiegelt, ein Film bei dem man Szene für Szene Wut empfindet. Musik spielt dabei eine wichtige Rolle, sie entführt uns in eine Welt der Klassengegensätze und voller Dunkelheit.

Stilistisch schaut der Film wie ein alter schwarzweißer 16mm-Film aus, mit ausgefranstem 3:4-Bildfenster.

Er war der große Gewinner des 45. Internationalen Iberoamerikanischen Filmfestivals von Huelva 2019 und wurde u.a. mit dem Goldenen Columbus für den Besten Spielfilm und dem Silbernen Columbus für die Beste Regie ausgezeichnet. Viele andere Preise!

**** herausragend, berührend und von dokumentarischer Genauigkeit!

(Gesehen an Bord von Thai Airways in spanischer OmeU)

 

4 x 4 (Ruedas)

4 x 4 (Ruedas)

Regie: Mariano Cohn, Buch: + Gaston Duprat
Argentinien/ Spanien 2019, 90 Min.

Ein junger Mann bricht in einen großen SUV mit abgedunkelten Scheiben ein, montiert das Autoradio und Navi ab und möchte dann abhauen. Doch alle Türen sind verschlossen, der Wagen schalldicht abgedichtet und es sieht niemand in den Wagen hinein. Doch dann realisiert der Dieb, dass sich weder Türen noch Fenster öffnen lassen und er in eine Falle geraten ist. Er versucht mit roher Gewalt irgendwie herauszukommen, vergebens, er verletzt sich nur dabei. Plötzlich kommt ein Anruf an das Kommunikationssystem des Wagens und es meldet sich ein Psychiater, der schon öfters Opfer von Diebstählen und Verbrechen geworden ist und spricht mit ihm, verlangt dass er eine Reihe von kriminellen Handlungen zugibt, sagt ihm wo etwas Wasser oder Schokolade versteckt ist, dreht mal die Heizung auf Saunatemperaturen, mal auf Tiefkühler, verlängert sein Leid.
Es ist klar, der Herr Doktor übt Selbstjustiz und straft den Dieb ab. Letztlich will er vor laufenden Fernsehkameras die Zuseher darüber abstimmen lassen, ob er ihn erschießen soll oder nicht….
*** Eine spannende Lektion in Sachen Selbstjustiz. Mit relativ einfachen Mitteln, gut gemachter und hochspannender Film

(Gesehen an Bord von Thai Airways in spanischer OmeU)

Berlinale 2020 und Césars 20 – die Gewinner

Hier alle Gewinner der Berlinale und der Pariser César-Verleihung vom 29.2.20

Quelle: Berlinale.de / Wikipedia

Parasite

Parasite

Regie: Bong Joon-ho, Südkorea, 2019, 132 Min, Dolby 5.1.

Der Film, der nicht nur die Goldene Palme von Cannes und einen Golden Globe, sondern auch vier Oscars errang ist deswegen (wieder) im Kino zu sehen.
Er fasziniert nicht nur durch seine vielen überraschenden Wendungen, sondern auch durch extreme Ping-Pong-Stereo Effekte über alle 5 Kanäle.

Es geht um arm und reich. Die ganz arme Familie Gi-taek, die zu viert in einem Kellerloch haust und als Erwerbsarbeit höchstens Pizzaschachteln faltet, steht einer ganz reichen gegenüber, die in einer riesigen Luxusvilla in einem Park lebt und auch so heißt.
Als der Sohn der Gi-taeks die seltene Chance erhält, bei den Parks Englisch-Nachhilfe zu geben (natürlich mit gefälschten Diplomen) gelingt es ihm, die gesamten Angestellten der Fam. Park abspenstig zu machen und die eigene Familie dort in den Einsatz zu bringen, was eigentlich gut gelingt, wäre da nicht ein eigenartiger Geruch, den sie verströmen.
Auch der Keller mit Atombunker (schließlich ist ja Nordkorea in der Nähe) birgt ein dunkles Geheimnis, auf das sie aufmerksam werden, als die Parks einen Ausflug machen und die Ga-taeks den Luxus einmal in vollen Zügen genießen wollen. Doch die Hausbesitzer kehren vorzeitig zurück und planen für die Kinder ein großes Indianerfest, alle Gi-taeks müssen da anpacken, doch dann wirds sehr blutig.

**** Was harmlos beginnt und böse endet, bietet uns klassische Kinounterhaltung, wer die Parasiten sind, mag jeder selbst entscheiden. Die Armen die sich trickreich einnisten, oder die Reichen, die ihre Hausangestellten und Fahrer zwar bezahlen, aber auch jederzeit wieder willkürlich entlassen, wenn sie nicht immer und jederzeit für sie schuften? Jedenfalls wird die kräftige Familienbande der Südkoreaner zelebriert.

55. Solothurner Filmtage 2020

Unser Schriftführer Urs hat auch heuer wieder die Solothurner Filmtage besucht und berichtet davon ausführlich.
Hier die Übersicht über die Preisverleihungen von Solothurn