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Once Upon a Time … in Hollywood

Once Upon a Time …
in Hollywood

Quentin Tarantino, USA 2019, 162 Min, mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Al Pacino, Michael Madsen, Damian Lewis, Kurt Russell, Timothy Olyphant.

Tarantinos neuntes Epos ist weitgehend ein Film-im-Film, über die Schwierigkeiten eines abgehalfterten B-Movie –Schauspielers wieder gut bezahlte Filmrollen zu bekommen. Zusammen mit seinem Stunt-Double zieht Rick Dalton von Set zu Set, meist noch mit gehörigem Restalkohol im Blut (großartig: die Szene wo sich Leonado Di Caprio deswegen selbst beschimpft). Er kaufte sich in Hollywood ein Haus, und seine Nachbarn sind Roman Polanski und die schwangere Sharon Tate (die in Wirklichkeit am 9.August 1969 im Auftrag von Charles Manson ermordet wurde).

Da sein Stunt wegen eines Frauenmordes einen schlechten Ruf hat, müssen sie in verhassten Spaghetti-Western in Rom mitspielen, was ihnen doch etwas Geld bringt. Es war die Zeit grooviger Popmusik (für mich das Schönste im Film!), als man bei der PanAm auch in der „Holzklasse“ noch ein Cocktail nach dem anderen gratis bestellen und rauchen konnte und die Hippies anfingen die Mode (Miniröcke!) und das Sexualverhalten zu beeinflussen.
Für seine Länge hat der Film relativ wenig Handlung, und historisch korrekt ist auch dieser Tarantino nicht. Leonardo DiCaprio und Brad Pitt spielen großartig und die Kamera ist detailverliebt, etwa wenn sie die damaligen Ami-Schlitten ins Cinemascope-Bild setzt.

*** In der ersten Hälfte fehlt die übliche Spannung der Tarantino-Filme, Szene folgte auf Szene, doch langsam braut sich ein mächtiger Showdown zusammen. Jedenfalls ist dieser Streifen eine wunderbare Zeitreise um genau 50 Jahre zurück. (Norbert Fink)

Alpinale 2019 – Preisverleihung

Preisverleihung der 34. Alpinale Nenzing 2019

vom 10.8.19  von Norbert Fink

Heuer wurde sehr viel Wert darauf gelegt, der Alpinale einen internationalen Flair zu geben.
Dies bedeutet, dass die meisten Ansprachen in Englisch und Deutsch erfolgten. Was jedoch schlimmer ist, sogar die vier v-shorts, also die Vorarlberger Beiträgen waren in Englisch und ohne Untertitel gezeigt, ich wage zu bezweifeln, dass die Mehrheit der Besucher dabei alles verstanden hat! Diese Filme hätten meines Erachtens wenigsten deutsche Untertitel haben sollen. Filmemacher begründeten dies so, dass man englischsprachige Filme leichter an Fernsehanstalten verkaufen könne (als ob es keine deutschsprachigen gäbe).
Im Programmheft wurde übrigens weder vermerkt welche Sprachfassung, noch welches Bildformat die Filme hatten, was auf interntaionalen Festivals üblich wäre.

So verwundert es also nicht, dass der Publikumspreis an einen österreichischen Film ging, der in deutsch gesprochen und englisch untertitelt war.

Zu unserer Überraschung fand der Abschlussabend im Freien statt und es fing zu regnen an.
Nach der Pause war es aber wieder trocken und das Publikum überlebte alles in den Bio-Regenponchos. Somit fanden drei Abende auf dem Ramschwagplatz, zwei im –Saal statt.

Und so urteilte die Jury und das Publikum:

Bester Kurzfilm in der Kategorie v-shorts: 1 + 1 = 1

Rupert Höller (Österr. 2019, 7 Min,  teils hochformatig).
Der Student der Filmakademie zeigt in atmosphärischen Bildern, wie eine schlaflose Nacht verschiedenste Erinnerungen hochleben lässt. Mich berührte der Film nicht.*

Bester Kurzfilm International: HÖRST DU, MUTTER?

Tuna Kaptan (D, Türkei 2019, 19 Min) zeigt den ganz normalen Terror gegen die kurdische Bevölkerung in der Türkei. Weil sie ihrem Enkel handgestrickte Pullover ins Gefängnis schickte, wird sie zu 7 Jahren Hausarrest mit Fußfessel wegen „Unterstützung von Terroristen“ verurteilt, doch die Fußfessel „made in China“ hat ihre Tücken und der Radius reicht nicht einmal zum Wäsche aufhängen. Weitere Strafen folgen. Unaufgeregt wird der Alltag geschildet, den die alte Frau stoisch erträgt. ****

Bester Kurzfilm Animation: INANIMATE

Lucia Bulgheroni hat einen interessanten Stop-Motion – Knetfiguren Animationsfilm geschaffen, der auch Bezug auf die „Schöpfer“ der Figuren herstellt.
(Kritik: siehe Dienstag)

Bester Kurzfilm Hochschule: SHABBOS KALLAH

Aleeza Chanowitz (Israel 2017, 15 Min) zeigt einen persönlichen Einblick in die jüdische Kultur. Am Wochenende vor der Hochzeit ihrer besten Freundin versammeln sich alle Frauen, um der Braut Glückwünsche auszusprechen. Dabei prallen auch konservative und sehr liberale Weltanschauungen aufeinander und es wird viel gelacht und etwas gestritten.**

Preis der Jury: PORTRAIT OF MY FAMILY IN MY 13TH YEAR

Für mich nicht nachvollziehbar war diese Entscheidung, auch beim zweiten Ansehen konnte ich nicht viel Hintergründe dieses Film-im-Filmes und Vater-Sohn-Konfliktes erkennen.

Lobende Erwähnung der Jury: DER HUND BELLT

Der österreichische Hochschulfilm DER HUND BELLT ist keine Realitätssuppe und geht über Sozialporno hinaus – so die Beschreibung des bei der ALPINALE anwesenden Matthias Halibrand, der für Kamera, Schnitt und den Titelsong verantwortlich war.

(habe ich leider nicht gesehen)

Publikumspreis: DIE SCHWINGEN DES GEISTES

Völlig zurecht hat dieser wunderbare, heitere und tiefsinnige Film den Publikumspreis gewonnen, wenngleich angeblich nur mit einer Stimme Mehrheit.
(Siehe Freitag!)

Kinder-Publikumspreis: AMEISE

Die vierminütige Animation von Julia Ocker kam bei den Kindern am besten an. Fast 40 Prozent der jungen ALPINALE-Besuchern stimmten für den Film, in dem es um eine Ameise geht, die im Gegensatz zu ihren Artgenossen alles irgendwie anders macht.

Bester Kurzfilm Horror: POINT OF VIEW

Zu Halloween 2018 wurde eine Horror-Filmnacht veranstaltet, bei dem dieser Film den Publikumspreis errang und nun erstmals mit dem „blutigen Einhorn“ ausgezeichnet wurde.
Als ob eine Autopsie einer übel zugerichteten Leiche nicht schon schrecklich genug wäre, ein unguter Hausmeister kommt auch noch dazu und bekommt auch sein Fett ab.
Durchgehend spannend mit überraschender Wendung und einigen genretypischen Schockeffekten ***

 Norbert Fink, 11.8.19

Quelle: https://alpinale.at/die-preistraeger-des-34-alpinale-kurzfilmfestivals/

 

Alpinale am Freitag

34. Alpinale NENZING

Bericht vom Freitag, 9.8.19

Das Wetter war an diesem Tag sehr schön und warm und die Alpinale konnte heuer zum zweiten Mal open air stattfinden. Die Projektionsqualität war gut und der Sound besser als im Saal. Die Stimmung war hervorragend!

Wieder war die Qualität der Filme durchzogen, allerdings waren doch einige wahre Leckerbissen dabei. Leider waren wieder die meisten Filme in englisch ohne Untertitel und ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Zuseher dabei jedes Wort verstanden haben. Irgendwie befremdlich war, dass sowohl heute als auch am Dienstag sogar der Vorarlberg-Beitrag (v-shorts) in Englisch und ohne Untertitel war. Doch im einzelnen:

DEAD-END

Maximilian Feurstein und Ted Dontchev (GB 2018, 8 Min, SW, Cinemascope) präsentierten eine Folterszene. Liest man nicht das Programmheft, bleibt einem unverständlich, warum der Mann gefoltert wird. Der einzige Vorarlberg-Bezug liegt darin, dass in einer Vorarlberger Garage im Winter und in zwei Tagen gedreht wurde. Die Handlung laut Heft: Bryan hat eine Massenvernichtungswaffe von seinem Boss gestohlen. Sein Boss will sie zurück. Wird Bryan sein Leben opfern, um Tausende zu retten?
Als seine Familie auch bedroht wird, knickt er offenbar ein. Eine mehr als dünne und wenig innovative Geschichte! *

PORTRAIT OF MY FAMILY IN MY 13TH YEAR

Omri Dekel-Kadosh (Israel 2017, 16 Min, 4:3) filmte an seiner Filmhochschule genau das, wovor er gewarnt wurde: erstens soll man nicht am Strand filmen, weil der feine Sand die Geräte und Linsen beschädigen kann, zweitens soll man nichts Autobiografisches zeigen. Und genau das hat er in seinem Film-im-Film gemacht. Er setzte sich selbst, die Familie und sogar seinen Hund ein, der dann letztlich bei den Dreharbeiten an Dehydrierung stirbt. Mehrmals wird dieselbe Szene aufgenommen und immer kommt was dazwischen oder passt was nicht. Ich konnte damit nichts anfangen!*

PSICOLAPSE

Arnau Gòdia Montesinos (Spanien, 2018, 7 Min, ohne Dialoge, katalonische Wörter im Bild) zeigt diesem gut gemachten Animationsfilm eine Psychiaterin, die von einem apathischen Klienten konsultiert wird. Sie versucht alles Mögliche, aus ihm ein Wort oder eine Gestik herauszubringen. Erst, als sie ihn abfotografiert und aus den Einzelbildern eine Animation gestaltet, reagiert er heftig und sehr erfreut über das Resultat. Aber danach braucht sie selbst einen Psychiater.  ****

JOC!

Andreea Valean (Rumänien 2018, 16 Min., Cinemascope) führt uns mit dokumentarischem Blick in das trostlose und gefährliche Leben der Straßenkinder Bukarest. Der zwölfjährige Dani versucht Wasser an Autofahrer zu verkaufen, das Wasser kommt aus einem Springbrunnen und die Flaschen aus dem Müll. Er braucht um Schulden zu zahlen jedoch mehr Geld und will dies bei einem Pappkarton-Wettrennen auf den Gleisen der Tramway gewinnen. Die Begegnungen mit der Tram sorgen dabei für Spannungsmomente. Leider war die genaue Handlung nur schwer auszumachen; man hätte mit den Schauspielern und aus dem Thema mehr machen können! **

IN WONDERLAND

Christopher Haydon (GB 2017, 10 Min) . In der ersten Einstellung sieht man, wie Alice zu spät zu Michael kommt, der in höchster Eile zum Flughafen geht. Es ist wohl die Trennung, sie werden an einem anderen Ozean und an einem anderen Strand sein und voneinander träumen. Durch die Finger rinnender Sand dient als Symbol der Zeit. Auch diese Geschichte erschien mir sehr dünn. *

THE LAST TALE ABOUT EARTH

Magdalena Seweryn (Polen 2018, 17 Min, Hochschule, Cinemascope) verführt uns in eine Welt nach der Apokalypse. Ein Vater haust mit seinen beiden Töchtern in einem Bunker, den sie nur mit Schutzkleidung verlassen dürfen. Als eine der Töchter sich im Gestrüpp einen Luftschlauch verletzt, droht sie an der vergifteten Atmosphäre zu sterben, kann aber noch gerettet werden. Beim Eintritt in den Bunker müssen sie sich immer dekontaminieren. Die Mädchen glauben etwas Lebendiges zu sehen, was der Vater nicht sieht. Das Ende ist zwar hoffnungsvoll, aber unlogisch, es sei denn sie hätten sich die Katastrophe nur eingebildet.
An sich stimmig fotografiert, aber schwer verständlich. ***

WIDDERSHINS

Simon P Biggs (GB 2018 [Schottland], 11 Min, SW, Animation) kleines Meisterwerk erinnert an Jules Verne oder den Chaplin Film „moderne Zeiten“, webt jedoch moderne Elemente wie der durch künstliche Intelligenz gesteuerte Überwachungsstaat ein. Ein Mann wird total von einem Roboter-Butler gesteuert, der Verkehr erfolgt durch verschiedenste Flugobjekte und der Verkehr stockt sich wie am Boden. Dem geschniegelten Herrn fällt dabei eine eigenwillige Frau mit ihrem Flugvehikel auf und er verliebt sich in sie. Sie wieder zu finden erweist sich als wahres Abenteuer. ****

DIE SCHWINGEN DES GEISTES

Albert Meisl (Österreich 2018, 29 Min, Filmakademie Wien). Der mit Abstand beste Film des Abends war eine herzerfrischende Komödie um Szabo, einen chaotischen Musikwissenschaftler, der seinen Job verloren hat und fremde Wohnungen betreut. Ausgerechnet Fitzhum, der seine Stelle eingenommen hat, braucht von ihm eine ganz seltene österreichische Singel-Platte aus den 60er Jahren um sich bei einem Haward-Professor der auf Besuch in Wien ist, sich einzuschmeicheln. Allerdings kommt dann ein Problem hinzu, dass ein Papagei entfliegt, bei der Beschaffung eines ähnlichen Exemplares kommt es zu Problemen mit dem Artenschutz und Fitzhum landet auf dem Polizeirevier. Doch das ist nun die Chance für Szabo. *****

Norbert Fink
Ich berichte in kürze von der Preisverleihung!

34. Alpinale Nenzing

Bericht von der Eröffnung der Alpinale 2019 am 6.8.19

Das Wetter war am Nachmittag sehr stürmisch und regnerisch, weswegen im Freien weder Leinwand noch Stühle aufgebaut wurden, der erste Abend fand also im Ramschwag-Saal Nenzing statt. Um etwa 20:30 stellte der Moderator Joe Baumgartner die Jury und anwesende FilmemacherInnen vor. Obfrau Manuela Mylonas und der Nenzinger Bürgermeister Florian Kasseroler hielten kurze Reden. Ein kurzes Filmquiz – man sollte den entsprechenden Filmtitel durch Emojis erraten – war durchaus unterhaltsam.
Der Ramschwag-Saal war vollbesetzt. Im Foyer konnte man VR-Shorts mit den Virtual-Reality Brillen erleben und durch eigenen Kopfbewegungen die Bildausschnitte beeinflussen.

Das Programm war des ersten Abends sehr durchwachsen:

I AM SOCIAL

Selina Nenning (A 2018, 6 Min.) bebilderte das Problem, dass manche Leute in den sozialen Netzwerken viele Freunde haben, aber im wirklichen Leben vielleicht gar keine. Der Film in der Reihe v-shorts ist englischsprachig ohne Untertitel und löst das Problem so, dass sich die 16-jährige Olivia ihre realen Freunde nur einbildet. Ganz überzeugt hat mich das nicht. **

MAKE ALIENS DANCE

Sebastian Petretti (GB 2019, 25 Min) führt uns in ein analoges Tonstudio der 80er Jahre mit einer 2-Zoll-Bandmaschine und begleitet einen etwas behinderten jungen Mann, der ständig Kopfhörer aufhat (und vom Diskman CD hört) bei seinem Job als Aufräumer eines Stadions. Die Handlung um eine verschwundene Schwester, deren Stimme auf den Bändern aufgenommen wurde, ist schwer nachvollziehbar.  Auch die Kameraarbeit war nicht überzeugend. *

LE MANS 1955

Quentin Baillieux (F 2018, 15 Min.) dokumentiert als Animationsfilm das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1955, wo ein Auto in die Zuschauertribüne raste und 80 Menschen starben. Trotzdem wurde das Rennen zu Ende geführt. Mercedes nahm danach sein Team aus dem Rennen, obwohl es eine Runde vor Jaguar lag. Der Reiz des Films liegt in der Animation.
Auf die Ursachen und Hintergrunde des Unfalls wurde nicht eingegangen. ***

SKIN
Guy Nattiv (USA 2018, 20 Min.) schildert den in den USA noch immer existierenden Rassenhass und Waffenwahn. Aus einem nichtigen Anlass tötet ein weißer Mann einen Schwarzen. Doch dessen Clan lauert ihm auf. Zur Strafe wird er am ganzen Körper schwarz tätowiert, was dramatische Folgen hat. ***

THE WIND PHONE

Kristen Gerweck (USA 2019, 16 Min) stützt sich auf wahre Begebenheiten im Rahmen des Tsunamis von Fukushima. Wir sehen eine einsame Telefonkabine am Strand und Menschen, die scheinbar sehr emotionale Telefongespräche führen. Sie stehen geduldig Schlange.
Wie uns der Nachspann lehrt, hat diese Telefonkabine keine Verbindung zum Telefonnetz. Sie können so imaginär mit ihrem beim Tsunami verstorbenen Angehörigen reden.

PERCHT
Béla Baptiste (A 2018, 17 Min.) präsentierte den überzeugendsten Film dieses Abends.
Es geht um alte Traditionen wie Krampusse und Perchten, die in angsterregenden Masken durch die Straßen ziehen und Kinder erschrecken und auch Frauen belästigen. Als der offizielle Umzug zu Ende ist, gehen sie danach in ein Gasthaus und zwingen ein junges Paar, von einer ekelhaften Flüssigkeit zu trinken. Sie machen am Anfang den Spaß mit, als es ihnen aber reicht, wird der Percht gewalttätig, verletzt die Frau (Elisabeth Wabisch) und flüchtet.
Dabei wird ihm sein Kostüm zum Verhängnis. *****

SQUARING THE CIRCLE

Karolina Specht (Polen 2019, 5 Min) versucht in diesem abstrakt gezeichneten Animationsfilm die Quadratur des Kreises, was natürlich letztlich nicht gelingen kann.
Künstlerisch durchaus beachtlich. ***

INANIMATE

Lucia Bulgheroni (GB 2018, 8 Min.) zeigt uns das normale Leben von animierten Figuren, die kunstvoll aus Ton geknetete Gesichter haben. Doch plötzlich müssen sie erkennen, dass sie von Menschen geformt werden und ihr scheinbares Leben in einer Modellwelt nur ihre Illusion ist. Der Zuschauer, der sich mit den animierten Figuren identifiziert, wird jäh aus seinen Gedanken gerissen. Von der Animationstechnik sehr gut gemacht, inhaltlich aber etwas dünn. ***

EIN KUCHEN FÜR HERRN LECKERSCHMAUS

Dolunay Gördüm (D 2018, 9 Min.) nimmt kurz und prägnant verschiedene Modeströmungen der Ernährung, mit und ohne Chia, vegan oder fleischlich, aufs Korn. Die Konditormeisterin Lisl Gisl ist stolz auf ihren giftgrünen Müslikuchen, doch die Konkurrenz geht hart mit ihr um, als ihr Lehrling eine allergische Reaktion auf Chia erleidet, dreht sich aber der Spiess um. Alle buhlen um die Gunst des Gurus Leckerschmaus, ein alter Herr, der wohl nicht mehr Herr aller Sinne ist. ****

Bemerkung: stolz wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass nun auch Cinemascope-Filme (2,35 :1) endlich zur Geltung kommen und nun breiter sind als die 16:9 – Standardformate.
Eine neue Software reserviert die ganze Breite dem Cinemascope-Format, während bei den anderen Formaten nun rechts und links die Streifen sind. Danke! Ich empfand es immer als schrecklich, wenn Filme, die breiter und größer als die normalen sein sollten, kleiner dargestellt wurden. Danke!

Das Geheimnis eines Lebens

Das Geheimnis eines Lebens (Red Joan)

Regie: Trevor Nunn, GB 2018, 102 Min, Cinemascope

Die grundsätzliche Idee des Films ist sehr gut und leider wahr: nur wenn beide Seiten die Atombombe haben, wird sie nie eingesetzt werden und es herrscht Frieden oder zumindest ein Gleichgewicht des Schreckens.

Joan, eine erfolgreiche Physik-Absolventin der Uni Cambridge erhält zu Beginn des Zweiten Weltkrieges einen streng geheimen Job in der britischen Forschungszentrale zur Entwicklung der Atombombe. Die ursprüngliche Idee, alle Alliierten, also auch die Sowjetunion, sollten gemeinsam daran forschen um ja schneller als die Deutschen zu sein, wird durch das „Manhattan“-Projekt der Amerikaner torpediert und so arbeiten die Briten gerade mal mit den Kanadiern zusammen. Sie verliebt sich in Leo, der für die republikanische Spanien-Brigade agiert, zu ihm ist sie über die ebenfalls links eingestellte Kommilitonin Sonja, Leos Schwester gekommen. Er arbeitet als Spion für die Sowjetunion und kann sie dazu bringen, den neuesten Forschungsstand an die Sowjets weiterzuleiten. Dabei war Geld nie ein Motiv, sondern nach dem Atombombeneinsatz der USA in Hiroshima und Nagasaki wuchs in ihr die feste Überzeugung, dass alle Großmächte diese fürchterliche Waffe haben sollen, damit sie nie eingesetzt werden kann.

Leider hätte man aus diesem tollen Stoff, der zudem noch auf wahren Begebenheiten (Fall Melita Norwood) beruht wesentlich mehr machen können. Er pendelt zwischen dem Verhör der inzwischen über 80jährigen Dame (Judi Dench) und ihrer Erinnerung an die Jugendzeit hin und her. Hätte das Genre des Agentenfilms schon an sich das Potential zu Hochspannung (wird sie erwischt?) so schafft dieser Film das Kunststück, nie wirklich die Nerven des Zusehers zu kitzeln. Auch die Liebesszenen zwischen Joan und Leo sind brav und bieder und manche biografischen Sprünge bleiben unklar. **

The Dead Don´t Die

USA 2019, 105 Min, Regie: Jim Jarmusch, gesehen in DF.

Jim Jarmusch verbeugt sich mit diesem Film vor dem Altmeister des Zombie-Films, George A. Romero, der 1968 mit „Die Nacht der lebenden Toten“ nicht nur einen Kultfilm geschaffen hatte, sondern auch das Horror-Genre neu belebte. Aber auch „Nosferatu“, „Psycho“ und andere Filmklassiker werden immer wieder – zumindest verbal – zitiert. Auch ist es ein bisschen Film-im-Film, denn die Schauspieler, die teils oder ganz das Drehbuch kennen, prophezeien schon zu Beginn, dass der Film böse enden wird und kommentieren so den Film selbst.

Es geht um das Team einer Polizeistation in Centerville, einem friedlichen Dorf in den USA, das normalerweise nicht mit blutigen Ereignissen belastet wird, doch das wird sich nach der ersten Patroillefahrt langsam, aber sicher ändern.
Dabei wird auch auf eine USA geschaut, in der vieles Wahres, wie der Klimawandel, von ihrem Präsidenten als Fake News abgetan wird, und viele Verschwörungstheorien und Falschmeldungen als glaubhaft gelten. Gleich zu Beginn sind wir mit einer Zeitverschiebung konfrontiert, die von einer Polwanderung, ausgelöst durch Fracking in den Polargebieten, stattfindet; so ist es abends ungewöhnlich lange hell. Auch Tiere reagieren ungewöhnlich, fliehen vor vertrautem Gebiet oder aus Kuscheltieren werden Raubkatzen. Wenn es aber dunkel wird, kommt noch größeres Unheil auf die Menschen zu: die Untoten kommen aus ihren Gräbern. Sie können bekanntlich nur durch Köpfen oder Kopfschuss wirklich tot gemacht werden. Aber was tun, wenn es so viele sind? Eine angebliche Irin, die ein neues, schräges Bestattungsunternehmen im beschaulichen Centerville eröffnet hat, sammelt Daten über die Irdischen und köpft heldenhaft mit einem Samurei-Schwert viele Zombies. Sie erweist sich jedoch als Außerirdische und kann noch in letzter Sekunde eine fliegende Untertasse herbeirufen, die sie rettet…

**** Vergnügliche Zombiekomödie mit vielen filmhistorischen Hinweisen und Starbesetzung: Bill Murray, Tilda Swinton, Tom Waits, Iggy Pop u.v.a.

Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit

Frankreich 2018, Cinemascope, 111 Min.
Regie: Julian Schnabel / Drehbuch: Jean-Claude Carrière, Julian Schnabel, Louise Kugelberg
gesehen in DF.
Regisseur Julian Schnabel ist selber ein Maler. Er engagierte Willem Dafoe (63) den Ausnahmekünstler Vinzent Van Gogh (37 jg. zum Todestag) zu spielen und konzentriert sich auf die Art, wie Vang Gogh gemalt hatte und wie er die Realität, Mensch und Natur, subjektiv gesehen hat.  Van Gogh malte sehr schnell und impulsiv, entsprechend hektisch ist auch die Handkamera, die ihm folgt, und welche die großen Entfernungen und Hindernisse, die er mit seiner Staffelei zurücklegte, nachvollzieht.
Bekanntlich verkauften sich seine Bilder erst zu seinem Begräbnis und ohne die Hilfe seines Bruders Theo hätte er nicht überleben können. Er freundet sich mit Gaugin an, doch sind die beiden zu verschieden, um zusammen leben zu können.
Die Trennung von Gaugin schmerzt ihn sehr.
Er eckt immer wieder an und wird für verrückt erklärt, in Anstalten eingewiesen. In therapeutischen Gesprächen erkennen ein Arzt und ein Priester durchaus seine eigenwillige Sichtweise an und helfen ihm etwas. Letzterer ist auch erstaunt, dass Van Gogh als Sohn eines Pastors durchaus bibelfest ist, etwa wenn Vang Gogh fetststell, dass auch Christus erst posthum Anerkennung fand.

Musik spielt in dem Film kaum eine Rolle, die wenige, die gespielt wird, ist nicht sehr einprägsam, die wackelige Handkamera war gar nicht mein Geschmack und vernunmöglichte einen ruhigen Blick auf die Natur und Van Goghs Bilder, das Cinemascope-Format aber schon. Mutig von Schnabel ist es jedenfalls, auf die bekanntesten und beliebtesten Gemälde Van Goghs zu verzichten, und eher abstrakt wirkende Details z.B. von Baumwurzeln einzugehen. Auch benennt er seine angebliche Krankenheit (Depression aus Einsamkeit ?) nicht, zeigt aber eine mögliche Variante seiner Ermordung. Dennoch bleibt er oft an der Oberfläche, besonders bei seinen Beziehungen zu Frauen, und schweift manchmal ins Spirituelle ab.
*** sehenswert, aber sehr eigenwillig. Beeindruckende Leistung von Willem Dafoe.

Int. Filmfestival Fribourg

Internationale Filmfestival Fribourg 2019

Abermals haben wir vom FKC das internationale Filmfestival in Fribourg besucht. Vom 15. Bis 23. März wurden wieder Filme aus allen Enden und Ecken der Welt in Fribourgs Kinosälen gezeigt. Dass das Interesse gross an dieser Multikulti-Veranstaltung ist, zeigen die verkauften 40‘000 Eintritte; das sind durchschnittlich mehr als 1000 Kinokarten pro Tag! Es ist wie das IFFI auf Filme aus Ländern des Südens und Ostens spezialisiert.
Hier der Bericht von Urs

Solothurner Filmtage 2019

Unser Schriftführer, Dr. Urs Vokinger, besuchte auch dieses Jahr wieder Solothurn. Er besprach 10 Spiel- und Dokumentar Filme.

Gegen den Strom

Gegen den Strom
(Kona fer í stríð; Woman at War)

Island 2018, 101 Min, Cinemascope, isl. OmU
Regie und Buch: Benedikt Erlingsson

Halla ist Chorleiterin und hat vor vier Jahren einen Antrag auf Adoption eines Kindes gestellt. Doch sie führt ein Doppelleben, indem sie einen Krieg gegen die immer mächtig werdendere Aluminiumindustrie führt. Mit Pfeil und Bogen legt sie inmitten der archaischen isländischen Landschaft die Stromleitungen lahm. Wir vom FKC haben auch diskutiert, ob wir diesen Film spielen sollten. Ein promovierter Physiker unter uns war dagegen, so was sei physikalisch unmöglich! Gut, sie schießt mit Pfeil und Bogen erst ein dünnes Seil über die drei Phasen der Hochspannungsleitung und wenn der Pfeil auf der anderen Seite den Boden erreicht hat, zieht sie das Seil, an dessen Ende ein Stahlseil folgt mit Gummihandschuhen über die Leitung und verursacht einen Kurzschluss. „Die Terroristen“ werden dann natürlich gleich mit Drohnen und Hubschraubern gesucht, während sie geschickt der Polizei entkommt wird als Running Gag jeweils ein Rad fahrender lateinamerikanischer Tourist verhaftet, der sich in der Nähe aufhielt. Halla findet in einem vermeintlichen Cousin und Schafszüchter bald eine Verbündeten und kann mit härteren Bandagen, wie Sprengstofffanschlägen weitermachen.

Ihre zum Verwechseln ähnliche Schwester Asa plant eine innere Reise zu sich selbst und will zu Gurus gehen. Doch Halla bekommt plötzlich die Möglichkeit ein ukrainisches Kriegswaisenkind adoptieren zu können. Doch bei der Ausreise auf dem Flughafen gerät sie in strenge DNA-Kontrollen und wird nach einer Verfolgungsjagd in einem Taxi verhaftet.
Nun tauschen die beiden Schwestern die Rollen, notgedrungen macht Halla die innere Reise im Gefängnis und Asa adoptiert Nika, das Kind aus der Ukraine. Auch die Reise von Asa und Nika nach Hause in Island wird ein Abenteuer!

Stilistisch hat Erlingsson einige „Dogma 95“ Regeln pointiert umgesetzt, andere gebrochen.
So wird die Musik immer im Bild gezeigt, drei Musiker (Tuba, Harmonium / Klavier und Schlagzeug) und ein ukrainischer 3-Frauen-Chor greifen aber nie ein. Auch die Regel, kein künstliches Licht einzusetzen, dürfte befolgt worden sein und versetzen die meisten Szenen in ein düsteres, fahles Licht; hingegen wurde im Scope-Format und natürlich digital gedreht, um die Landschaften besser zur Geltung zu bringen.

***1/2 Insgesamt ist der Film mit seinen Verfolgungsjagden durchaus spannend und sehr originell, die „Bergfrau“, wie sie sich in einem Bekennerschreiben nennt, hätte aber ihre Gründe für ihr Handeln etwas detaillierter ausführen können, die angeblichen Umweltbestrebungen für eine lebenswerte Zukunft auf dem Planeten der Energiekonzerne auf Hochglanzpapier hören sich ähnlich an!
Norbert Fink