Archiv für den Autor: Norbert Fink

Crossing Europe Linz, 2021

Bericht Crossing Europe Linz 21 im Zeichen der Corona Krise

Auch wenn viele Corona-Maßnahmen gelockert wurde, bleibt doch eine Reihe von lästigen Details, die das Leben kompliziert machen. Das Ticketsystem ist auf den ersten Blick sehr kompliziert. Als Akkreditierter muss man sich gleich doppelt zu jedem Film anmelden – erstens mit jener eMail-Adresse, mit der man um die Akkreditierung ansuchte, sich registrieren. Dann kann man aus den Filmen des derzeitigen und nächsten Tages die Filme aussuchen und sogar den Sitzplatz aussuchen (so es noch welche unter der 50% Beschränkung gibt) und dann reservieren. Dann muss man die Reservierungsbestätigung per eMail abwarten und diese nochmals bestätigen. Doch dem nicht genug! Zwischen 120 und 30 Min vor der reservierten Vorstellung muss man das eTicket anfordern und kriegt es als pdf wieder zugemailt. Dadurch wird es fast unmöglich, zwei aufeinanderfolgende Filme zu sehen, denn dazu müsste man während der erste Film läuft dies im Kinosaal machen, was ja verboten ist. Dies reduziert die Auswahl deutlich.
Hier meine Meinung zu den gesehenen Filmen, vorangestellt ist der Katalog-Text (CE).

Mandibules
Quentin Dupieux, Frankreich / Belgien 2020, color, 78 Minuten, Französisch, Scope, OmeU

Bss bss bss tönt es aus dem Kofferraum jenes alten Mercedes, den die Einfaltspinsel Manu und Jean-Gab geklaut haben, um eine Aktentasche von A nach B zu transportieren. Verursacherin des Geräuschs ist eine Fliege in der Größe eines Terriers. Die Freunde beschließen, das Insekt zu trainieren, um damit richtig viel Geld zu verdienen. Chef-Absurdist Quentin Dupieux ist ein Ausnahmeregisseur des europäischen Kinos, nicht zuletzt da er seine irrwitzigen Konzepte mit einer bemerkenswerten Beiläufigkeit inszeniert. Gesteuert wurde die Riesenfliege übrigens von Dave Chapman, der in der jüngsten STAR WARS-Trilogie den Droiden BB-8 zum Leben erweckt hat. (CE)

Zur Eröffnungsveranstaltung habe ich keine Karte mehr bekommen, ich ergatterte noch die Vorletzte für einen Eröffnungsfilm. Mandibules enttäuschte mich aber etwas. Die scheidende Festivalleiterin Christine Dollhofer preiste ihn als aberwitzig, absurd  und surreal in den höchsten Tönen. Zwei geistig eher einfach gestrickte Ganoven sollen gegen ein schönes Honorar eine Tasche in einem Kofferraum von A nach B bringen, und wundern sich über die seltsamen Geräusche, die nicht vom geklauten alten Benz stammen können. Es ist nämlich eine Riesenfliege, die sie Dominique nennen. Die wollen sie nicht zurückgeben, sondern zirkusmäßig trainieren und als Drohne für einen Bankraub verwenden. Dabei werden sie von einer Mädchenclique mit jemandem verwechselt und eingeladen. Ich fand die Story etwas dünn, die Tricktechnik mit der Riesenfliege war gut gemacht, und Riesen-Gozillas, -Ameisen und Affen gab es ja schon. Es ist halt sehr schwierig eine gute Komödie zu machen. **

DASATSKISI –Beginning
Dea Kulumbegashvili, Georgien / Frankreich 2020, color, 125 Minuten, Georgisch, OmeU
Regie: Dea Kulumbegashvili

Es gibt Filme, die sind in ihrer leisen Wucht so gewaltig, dass es einem förmlich den Atem verschlägt. DASATSKISI ist so ein kleines Meisterwerk und ein famoses Kinodebüt obendrein. Die georgische Regisseurin erzählt darin mit faszinierenden, in statischen Einstellungen gefilmten Bildern von Yana, einer liebenswürdigen Pfarrersfrau und folgsamen Zeugin Jehovas, deren Welt unverhofft und auf brutale Weise aus ihrer Erstarrung gelöst wird. DASATSKISI ist Anfang und Ende, Hölle und Auferstehung, Realismus und Überhöhung, alles zugleich, und ein Film, den man unbedingt auf der großen Leinwand gesehen haben sollte. (Pamela Jahn) (CE)

In der ersten Szene sehen wir die großzügige, schöne Wohnung, das Familienleben scheint intakt, nichts deutet auf extrem religiös eingeschränktes Verhalten hin, sieht man davon ab, dass sie keinen Alkohol trinken (was die Georgier sonst gern und reichlich machen, waren sie doch zu Sowjetzeiten das Weinand). In einen modernen Saal, ein Bethaus, kommen mehrere Familien mit ihren Kindern, ein paar haben sich beim Fußballspielen beschmutzt und wurden deshalb gerügt), es beginnt die Exegese der Stelle aus dem alten Testament, wo Abraham Gott seinen Sohn Isaak opfert. Auch diese ist nicht zufällig gewählt, und wird am Schluss einen Sinn ergeben. Seine Frau Yana will jedoch ihren Mann nicht begleiten und zu Hause bleiben, sie will die Zeit nutzen, sich über ihre Rolle klar zu werden.

Das Bethaus der Zeugen Jehovas, einer in Georgien offenbar nicht beliebten Religionsgemeinschaft wird während einer Bibelstunde (Thema: Abraham opfert Jehova seinen Sohn) mit Molotov-Cocktails angegriffen und in Brand gesteckt. Während der Gemeindevorsteher sofort versucht, ein neues Haus zu finanzieren, bleibt seine Frau Yana zuhause. Sie wird von einem angeblichen Polizisten aufgesucht und sexuell belästigt, er frägt er sie über die sexuellen Praktiken ihres Mannes aus und nimmt das Gespräch auf. Etwas später wird sie in einem seichten Fluss vergewaltigt. Sie kann weder ihrer Mutter noch ihrem Mann die volle Wahrheit sagen und vergiftet danach ihren Sohn, oder opfert sie ihm ihrem Gott? In der Schlußszene ein junger Mann in einer ausgedörrten Landschaft, er fällt um, verfault und zerfällt zu Asche.

Der Film ist komplett statisch im engen 3:4 Format gedreht, es gibt nur wenige, langsame Schwenks. Extrem lange, sperrige Einstellungen kontrastieren mit der an sich actionreichen Handlung. Ein Film, der durchaus zum Nachdenken über religiöse Minderheiten anregt. ***

HAYALETLER – Ghosts
Azra Deniz Okyay

Türkei / Frankreich / Katar 2020, color, 87 Minuten, Cinemascope, Türkisch, OmeU, Wettbewerb Spielfilm

Der Strom fällt aus in Istanbul und die Stadt versinkt mit jeder Stunde mehr im Chaos. Betroffen sind auch vier Menschen aus einem Viertel, dass im Sinne der Gentrifizierung immer mehr der „neuen Türkei“ weichen muss. Eine Mutter, deren Sohn im Gefängnis sitzt und dringend Geld braucht. Eine junge Frau, die immer nur ans Tanzen denken kann. Eine Aktivistin, die gegen unrechtmäßige Inhaftierungen demonstriert und ein Mann, der von moralisch verwerflichen und illegalen Geschäften lebt. Ihre Wege kreuzen sich immer wieder an diesem Tag und vereinen sich bei einem Deal, der fast schief läuft. (Angela Sirch)(EC)

Dubiose Spekulanten vermieten in Istanbul baufällige und einsturzgefährdete Altwohnungen an syrische Flüchtlinge, Ziel ist jedoch deren Abriss und der Neubau moderner, aber teurer Wohnungen. Ein riesiger Stromausfall verschärft die Lebenssituation der Menschen, Jugendliche wollen ihre Rap-Musik zum Tanzen, wie sie diese Strom so laut spielen können, bleibt mir etwas schleierhaft. Alle haben zuwenig Geld und versuchen welches auszuborgen oder es mit illegalen Geschäften. Dem Film fehlte vor allem ein Spannungsbogen.*

Mare
Andrea Štaka, Schweiz / Kroatien 2020, color, 84 Minuten, Kroatisch / Englisch, OmeU, von analogem Super-16mm (!)

Hausfrau, Mutter, Ehefrau. Mare ist geübt in der klassischen, klischeebehafteten und – wie man hoffen möchte – veralteten Frauenrolle. Dass sie sich darin nicht wohl fühlt und nach mehr Unabhängigkeit und Autonomie sehnt, ignoriert ihr Mann gekonnt. Während er als Security-Mitarbeiter am Flughafen von Dubrovnik Flugzeugen beim Starten zusieht, hebt Mare insgeheim emotional ab: Sie erlebt sexuelle Höhenflüge mit einem jungen Unbekannten. Ein bodenständiger, physischer, auf Super 16mm gedrehter Film, der das Wesentliche nicht mit Worten erzählt, sondern die Bilder für sich sprechen lässt. (Ines Ingerle) (CE)

Das ganz normale Alltagsleben einer Familie, die nahe am Flughafen Dubrovnik lebt. Mare ist eine durchaus lebensfrohe und energiegeladene Frau mit Ehemann, drei teils pubertierenden Kindern und einem ausländischen Liebhaber. Sie träumt immer wieder von hier wegzukommen. Ihr Mann arbeitet beim Sicherheitsdienst des Flughafens, und der Liebhaber wohl auch, den er weiss, wenn ihr Mann Dienst hat. Als der Lover wieder zurück geht, nimmt sie ihren Job an, um so unabhängiger vom Mann zu werden.

*** Mit viel Sexszenen gespickter, unterhaltsamer Film über die Banalitäten des Alltags. Am Schluss erklingt das spanische Lied “Soy pecadora” (ich bin eine Sünderin)

ANNY
Helena Třeštíková, Tschechien 2020, color, 66 Minuten, Tschechisch, OmeU, 3:4, PAN DOC

Helena Třeštíková – mit ihren Filmen seit vielen Jahren Stammgast bei Crossing Europe – legt eine weitere faszinierende Langzeitbeobachtung vor, in der ein individuelles Schicksal mit soziopolitischen Entwicklungen in Tschechien verknüpft wird. Von 1996 bis 2012 folgte sie – einfühlsam und doch mit der nötigen Distanz – der Pragerin Anny, die sich wechselweise als Toilettenfrau und Prostituierte durchs Leben schlägt. Obwohl die mehrfache Mutter gesundheitliche und finanzielle Probleme hat, meistert sie diese mit Lebenswillen und Humor. Ein berührendes Porträt, das vom Überleben in einer harten Welt erzählt. (Oliver Stangl) (EC)

Das tschechische Fernsehen CT hat die Pragerin Anny von 1996 bis zu ihrem Tod begleitet, sie war eine starke Frau, die wirklich jede Arbeit annahm, von der Toilettenfrau bis zu sexuellen Dienstleistungen. Offen und ehrlich berichtet sie davon, warum und wie sie es macht, auf was man achten muss und wie man im Alter mit gesundheitlichen Problemen zu rechnen hat.  Einmal hat sie ein Freier sogar geheiratet, ist dann aber wieder zu seiner ersten Frau zurückgekehrt. ***

ALL-IN
Volkan Üce, Belgien / Niederlande / Frankreich 2021, color, 80 Minuten, Kurdisch / Türkisch / Englisch, OmeU, DOC Wettbewerb.

Ismail and Hakan sind zwei junge Männer, die sich aus ihren Dörfern aufmachen an die Türkische Riviera, um in einem großen All-Inclusive-Resort zu arbeiten. Während die Gäste den Urlaub genießen, sieht die Realität für die Angestellten anders aus. Volkan Üces Film beschäftigt sich auch mit dem Aufeinanderprall zweier Welten, mehr aber noch mit der Entwicklung, die die beiden Männer im Laufe der Zeit durchleben. Von naiv-staunenden Anfängern werden sie zu „abgebrühten“ Profis, die sich auch zusehends klarer werden, was ihre eigene Zukunft betrifft. Ein bemerkenswerter, ehrlicher und aufschlussreicher Dokumentarfilm mit zwei sympathischen Protagonisten. (Andreas Ungerböck) (CE)

Ein Luxus-All-inclusive Resort an der türkischen Riviera und einem Bilderbuch-Palmenstrand. Doch gebadet wird eher im Aqua-Park mit seinen Attraktionen. Ein junger Mann bewirbt sich als Wasserretter, er hat zwar angeblich Schopenhauer und Nietzsche gelesen, aber keine berufliche Erfahrung. Während die Gäste riesige Portionen von den Buffets nehmen und das meiste wieder wegwerfen, wird das Personal streng kontrolliert, ob es nichts getrunken oder eingesteckt hat. Hakan kündigt, nach dem er einen Unfall nicht verhindern konnte. Doch im nächsten Jahr kommt er vielleicht wieder, wo sonst kriegt er Arbeit?

Ein Film der an der Grenze zwischen Fiktion und Doc wandert, handelt die Geschichte doch um die beiden Protagonisten Ismail und Hakan, die als islamisch erzogene Menschen vom Hoteldirektor in guten Sitten erzogen werden müssen, denn die freizügig bekleideten Gäste aus Russland, England oder Deutschland sind für sie Wesen aus einer anderen Welt, ja vielleicht dem Paradis. Allzu kritisch ist der Doc freilich nicht. ***

MILA  –  APPLES
Christos Nikou, Griechenland / Polen / Slowenien 2020, color,3:4,  90 Minuten, Griechisch, OmeU, Wettbewerb Spielfilm

Eine rätselhafte Pandemie hat Teile der Menschheit befallen. Die Betroffenen können sich an ihr bisheriges Leben nicht erinnern und stranden im Nirgendwo, wie der Protagonist Aris, der in einem Bus in Athen aufgegriffen wird. Er kommt ins Spital, und nachdem er offenbar von niemandem vermisst wird, verordnet man ihm ein staatliches Programm, das ihn langsam wieder ans Alltagsleben heranführen soll. Dazu muss er verschiedene Aufgaben bewältigen. Regisseur Nikou begleitet ihn mit einem herrlich lakonischen Humor. Wer sich an Yorgos Lanthimos erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch: Nikou war dessen Regieassistent bei DOGTOOTH (2009). (Andreas Ungerböck) (CE)

In Griechenland grassiert eine neue Pandemie, die eine sofortige Amnesie auslöst. Menschen in der Straßenbahn wissen nicht mehr, wer sie sind, wo sie wohnen, wohin sie  wollten. Sie werden von der Rettung aufgegriffen, und wenn sie keine Dokumente bei sich haben, die sie identifizieren, ins Spital gebracht. Dort werden sie fotografiert und aufwändige psychologische Gedächtnistests werden mit ihnen gemacht. Einige werden von den Angehörigen gefunden, aber nicht viele. Aris, der gerne Äpfel isst,  wird ein Neustart-Programm angeboten. Er bekommt eine Wohnung, Geld und Anweisungen per Tonbandkasetten. Diese werden immer komplexer und können auch „geh in eine Tanzbar, trink viel, such dir eine gute Tänzerin aus und mach mit ihr auf der Toilette Sex, einen one-night-stand“. So freundet er sich tatsächlich mit einer Frau an doch die möchte eine Beziehung aufbauen., inzwischen wird es zeitlich unmöglich, alle Anweisungen gleichzeitig zu befolgen.

Zweifellos sind mit der krankhaften Amnesie auch politische Zustände gemeint. Der Film ist durchgehend spannend, auch Musik spielt eine große Rolle, tragen alte Schlager auch zum Erinnern bei, genauso wie das Twist-Tanzen, und was die Pandemie betrifft, so ein Neustart wäre für viele gar nicht schlecht. Der bislang beste Film! ****

 

28. Int. Filmfestival Innsbruck (IFFI 2019)

Das IFFI 2019 ist soeben zu Ende gegangen und mit ihm auch die Ära Helmut Groschup, der mit heutigem Tag in Pension gegangen ist. Wir verdanken ihm wundervolle und politisch engagierte Filme aus aller Welt, vor allem Lateinamerika, Asien und ehemaligen Sowjetrepubliken. Die letzte Ausgaben war deshalb reich an Erinnerungen und den besten Filmen der letzten Jahrzehnte.  Hier der ausführliche Bericht.

Crossing Europe Filmfestival Linz

Die 16. Ausgabe des Crossing Europe Filmfestivals präsentierte vom 25.-30.4.2019 in Linz 149 Filme in bis zu 6 parallelen Veranstaltungen. Es gibt viele Sektionen: den Spielfilmwettbewerb, den Dokumentarfilmwettbewerb, die neue YAAAS! Jugendschiene, das Europäische Panorama mit Highlights von anderen Festivals in Spiel- und Dokumentarfilm, die Nachtsicht mit kunstvollen Genrefilmen, die Arbeitswelten von Frauen, Architektur und Gesellschaft,ein Tribut an den Katalanen Jaime Rosales, ein Spotlight für die umtriebige albanische Regisseurin Iris Elezi, die lokalen Künstler und das Cinema Next Europe für junge FilmemacherInnen. Es ist praktisch unmöglich, auch nur aus jeder Sektion einen Film auszusuchen. Ich habe mich aber bemüht, nicht nur den begehrten Spielfilmwettbewerb zu sichten, sondern meine Auswahl möglichst breit zu streuen. Natürlich geht auch um die Probleme in Europa wie Rechtsradikale, den drohenden Verlust des Zusammenhalts, aber vielfach ist es eine weibliche Sicht.
Selbst Aussenseiterfilme waren bestens besucht, was am Samstag und Sonntag zu einem kleinen Teil auch dem kühlen Wetter zugeschrieben werden kann.

Hier der ausführliche Bericht mit vielen detaillierten Filmbeschreibungen

Uns so urteilten die diversen Juries: Die Gewinner

 

Diagonale Graz 2019

Vollständiger Bericht von der Diagonale Graz 2019
Die diesjährige Diagonale bestach vor allem mit präzisen Dokumentarfilmen, auch der Publikumspreis ging an den Doc über „den besten Kultursender der Welt“, Radio Ö1.. weiter

Hier alle Preise im Überblick.

Green Book

Green Book

USA 2018, 130 Min, 1:2,0 Regie: Peter Farrelly
gesehen in spanischer Synchronfassung

Der titelgebende Name des Films kommt von einem Reiseführer für Farbige „Negro Motorist Green Book“ in den USA der späten 50er Jahre, als im Süden der USA noch strikte Rassentrennung herrschte. In dem steht genau, wo Farbige essen und schlafen dürfen. In manchen Gegenden war es ihnen sogar verboten, sich nachts auf Straßen aufzuhalten oder in Autos zu fahren. Die Handlung spielt 1962.

Zwei ganz unterschiedliche Welten nähern sich einander: da ist der Italienischstämmige Nachtclub-Rausschmeißer Tony Lip, dem schon mal die Faust ausrutscht, der Unmengen Junk Food verzehrt und nicht gerade die besten Tischmanieren hat.  Er ist in den Bronx in NY aufgewachsen und lebt einer typischen Unterschicht-Großfamilie. Als er den Job verliert, wird ihm von einem ominösen Doc, Dr. Don Shirley,  eine Stelle als Fahrer angeboten. Dieser Doc ist jedoch kein Mediziner, sondern ein Pianist der Spitzenklasse und außerdem noch ein Schwarzer, der in seinem Büro auf einem Thron, umgeben von Elefantenzähnen sitzt. Er musiziert mit zwei russischen Bassisten, die ebenfalls in einem grünen Cadillac auf diese Tournee gehen, aber in wesentlich besseren Hotels wohnen. Also braucht der Don Shirley einen eigenen Fahrer, der sich auf einige Schwierigkeiten gefasst machen muss. Nach einigem Hin- und Her und Rücksprache mit seiner Frau nimmt er den gut bezahlten Job an. Es geht durch atemberaubende Landschaften und Don Shirley, sehr pinkelig und stets im feinen Anzug maßregelt seinen Fahrer bei kleinen Verstößen. Makaber ist die Szene, als sie auf schuftende Sklaven auf einem Feld stoßen: die zerlumpten Arbeiter schauen den schwarzen Mann im Anzug genauso entgeistert an wie umgekehrt. Gleiche Rasse, aber andere Klasse!

Im Film spielt Musik eine wichtige Rolle. Die zündenden Hits von Little Richard etc. hören wir aus dem Autoradio, nur einmal jamt der Don Shirley mit Musikern in einer schwarzen Bar auch solche Musik. Auf der Tournee spielt er klassische Musik bzw. amerikanische Klassik mit einem Hauch Jazz. Und da kann es zu absurden Situationen kommen. Obwohl er der Stargast in noblen Hotels und Clubs ist, darf er dort nicht im Restaurant essen, denn das ist für „whites only“ und da lässt sich Don Shirley schon mal auf kontroverse Debatten ein.

Natürlich passieren auf der Reise auch die klischeehaften demütigenden rassistischen Polizeiübergriffe, und als dabei Tony Lip wieder mal die Hand ausrutscht, landen sie beide im Gefängnis.

Doch Shirley lehrt dem Fahrer auch schöne Liebesbriefe zu schreiben, die dessen Frau zu schätzen weiß.  Während Lip in einer Anfangsszene die Gläser zweier farbiger Arbeiter entsorgt statt abwäscht, umarmen sie sich alle zum Abschied, der Beginn einer langen Freundschaft.

**** Ein Film über die verbindende Kraft der Musik, denn selbst in den rassistischesten Gegenden gab es eine weiße Oberschicht, die zumindest die musikalischen Leistungen der farbigen Mitbürger schätzte und farbige Musiker in ihre Clubs, aber eben nicht an ihren Tisch einluden. Nach einer wahren Begebenheit des Shirley Trios.

40.Max-Ophüls-Preis Saarbrücken

Preisregen für Österreich beim MOP 2019:

Publikumspreis bester Spielfilm:
KAVIAR von Elena Tikhonova

Preis der Jugendjury:  Nevrland

Als beste Nachwuchsdarstellerinnen wurden Joy Alphonsus für ihre Rolle in „Joy“ und Simon Frühwirth für die Figur in „Nevrland“ ausgezeichnet.

Preis für den gesellschaftlich relevanten Film: Joy

Publikumspreis für den besten mittellangen Film: Die Schwingen des Geistes„, Regie: Albert Meisl, Österreich, 2019

Preis für den besten Kurzfilm: Boomerang„,
Regie: Kurdwin Ayub, Österreich, 2018

Details:
Mein ausführlicher Bericht
Alle Preise im Überblick
Kurzfilmprogramm 1 (Albrecht) neu
Zusammenfassung Preise Kultur-Online neu

 

2001 von Stanley Kubrick jetzt neue 70mm Kopie

2001 Odyseee im Weltraum „unrestored“ 70mm Fassung (Stanley Kubrick 1968).

Diese Fassung wurde kürzlich von Regisseur Christopher Nolan vom Original 70mm-Negativ gezogen, wobei nur analoge / chemische Methoden zur Verbesserung herangezogen wurden. Der Ton ist in DTS, da kein Labor mehr 6-Kanal-Magnetton-Kopien herstellen kann. Der Film ist mancher Hinsicht prophetisch, Dietmar Zingl wies darauf hin, dass es
  • Flachbildschirme (auch im PanAm Flugzeug im Vordersitz)
  • Bildtelefon (heute Skype)
  • Kreditkartenzahlung
  • Künstliche Intelligenz, welche allmählich die Kontrolle über den Menschen erlangt und Menschen tötet
  • Sprachausgabe und –Eingabe – Computer
im Film gibt. Dies war 1968 reine Utopien, die aber eingetroffen sind. Mir ist auch aufgefallen dass „Fake News“ eingesetzt wurden, um die Bevölkerung ruhig zu stellen. Noch heute faszinierend wirkt die Filmmusik (R. Strauss, also sprach Zarathurstra, J.Strauss, Donauwalzer u.a.). Eigenwillig ist die Idee des Quaders, der von Außerirdischen stammen soll und das Böse in die Welt trägt (Die Vormenschen lernen, einen Knochen als Mordwaffe einzusetzen und werden so zu Jägern), psychedelisch die Rückkehr auf die Erde und irgendwie esoterisch, als zum Schluss er sich als alter Mann und Greis selber sieht. Doch dies dürfte auch von Einsteins Theorie der Zeit beeinflusst worden sein. Die Handlung kann in Wikipedia nachgelesen werden. https://de.wikipedia.org/wiki/2001:_Odyssee_im_Weltraum#/media/File:Screenplay_(8649765020).jpg Er ist in 70mm wieder zu sehen beim 70mm Festival in Karlsruhe am Sa.29. 9.18 um 21:00 in der Schauburg (siehe:  in70mm.com,) Auch nach 50 Jahren ist dieser Klassiker des SF-Films absolut sehenswert!

Grenzenlos (Wim Wenders)

Grenzenlos (Submergence)
Regie: Wim Wenders, USA, F, D, E 2017, 112 Min.

Der Film nach dem Roman von Jonathan M. Ledgards hatte bei den Filmfestspielen von San Sebastian seine Europapremiere und erschien bei einem US-Verleih.
In einem Luxus-Schlosshotel am Atlantik in Frankreich treffen zwei Menschen mit komplett unterschiedlichen Berufen aufeinander und verlieben sich. Die schöne Alicia ist Biomathematikerin und will tiefste Meeresschichten mit einem Spezial U-Boot erforschen,
Der durchtrainierte James gibt sich als Brunnenbauer in Afrika aus, ist aber Geheimagent des MI6 und wird auf eine sehr gefährliche Mission gegen die Djihadisten nach Somalia geschickt.

Im ersten Teil, sehen wir die beiden am Turteln, wobei das ganze sehr züchtig dargestellt ist. Dann müssen sie sich leider trennen und ihren Aufgaben nachgehen, was beide sehr schmerzt. Werden Sie sich je wieder sehen?

Er wird bei der Ankunft in Somalia gleich enttarnt, gefoltert und in ein dunkles Loch gesteckt, bei ihr ist die Dunkelheit die Tiefe des Meeres, es gibt nur ein solches U-Boot, bekommt es einen Defekt, wird sie entweder ertrinken oder binnen 5 Tagen ersticken, außerdem ist ihr Tauchgang der letzte der Mission. Im zweiten Teil lebt der Film von der Parallelmontage und gewaltigen Naturaufnahmen (v.a. der Faroer-Inseln). Beide denken ständig aneinander und sind in großer Gefahr, Alicia verzehrt sich vor Sorgen, da sie keine Nachricht von James erhält und keinen Kontakt zu ihm herstellen kann. Als James wenigstens halbwegs anständig behandelt wird und statt in einem Loch in einem Ausbildungscamp in den Mangroven gefangen gehalten wird, kann er einen Sender in seiner Zahnprothese aktivieren. Bald greifen die Amerikaner das Camp an, und er kann nur ins Wasser springen, um sich zu retten.

Alicia ist jetzt in 3000 m Tiefe und entdeckt neue Lebensformen, als das U-Boot plötzlich jeden Strom verliert. Nun, wenigstens kein Happyend. Das Ende des Films kann man in mehrere Richtungen interpretieren, ist das helle Licht der Übergang ins Jenseits oder doch das Licht an der Wasseroberfläche? Einen Hoffnungsschimmer lässt er den Zusehern.  Wenders neigt ja manchmal zum Übersinnlichen…
Viele Themen werden angeschnitten, es wäre eigentlich Stoff da für einen James-Bond-Film einerseits und einen Nautilus-Film andererseits, die wissenschaftlichen Erörterungen der Meeresschichten überfordern sicher die meisten Zuseher, während die Schilderung der Djihadisten eher den Klischees entspricht. Richtig spannend wird der Film erst zum Schluss.
Leider nicht in Cinemascope gedreht!

*** Wim Wenders versucht die Parallelen zweier frisch Verliebter in höchst unterschiedlichen Gefahrensituationen und Umwelten durch harte Schnitte darzustellen, und gleichzeitig einen Bericht zur Lage des Planeten – politisch wie ökologisch – abzuliefern, was einen etwas zwiespältigen Eindruck hinterlässt.

 

33. Alpinale 2018

  1. Alpinale Nenzing 2018
    Eröffnungstag, Di 7.8.18

Der Auftakt zur heurigen Alpinale Nenzing war von einem netten Symbol gekennzeichnet: das Einhorn, das Wappentier der Alpinale war leibhaftig als Kuscheltier anwesend und wurde ausgiebig für Selfies und andere Erinnerungsfotos genutzt. Es war das Überraschungsgeschenk für Manuela Mylonas, die zum 10. Mal das Festival leitet.

Der Wettergott war leider weniger gutmütig. Als alle um 20:30 Uhr auf dem Ramschwagplatz bei angenehm warmen Temperaturen Platz genommen hatten und die einführenden Reden stattfinden hätten sollen, begann es an zu regnen, zuerst wurden noch Regen-Ponchos verteilt und kurz danach wurde doch der Befehl erteilt „alle in den Saal!“.
Bis nun auch die Technik umgestellt war, verging einige Zeit und so konnte gegen 21:30 der erste Film starten.

Norbert Fink mit Einhorn

STILL (Regie: Hanna Mathis, A 2018).
Dieser war aus der Kategorie v-shorts und 4 Minuten kurz in SW und Cinemascope.
In der Wiener U-Bahn setzt sich ein älterer Mann neben einen jungen Mann, der sehr laut Musik hört und auf einem Behindertensitzplatz sitzt. Sie kommen ins Gespräch und statt des erwarteten Konflikts löst sich die Situation in Wohlgefallen auf, war der junge Mann gehörlos? ***

RIEN NE VA PLUS (Sophie Linnenbaum, D 17, 15 Min, Hochschule)
Ein verzweifelter Mann will sich durch Sprung von einem Hochhausdach das Leben beenden, als das Handy klingelt. Eine Frauenstimme verkündet ihm, er habe Jetons für das Casino gewonnen, welche er gar nicht will. Doch gleichzeitig wird jenes Casino überfallen und die Frau am Telefon bedroht. Nun will er ihr Leben retten!
Interessante Parallelmontage ***

A THOUSAND KISSES (Richard Goldgewicht, BR  18, 16 min, Animation)
1933 fühlt sich ein jüdisches Paar in Berlin wegen der Nazis nicht mehr wohl und will nach Rio de Janeiro auswandern. Erst wagt der Mann die Schiffspassage, als er in Brasilien Fuß gefasst hat, holt er seine Geliebte nach. Die beiden schreiben sich eifrig Briefe –  die 80 Jahre später von deren Enkeln gefunden werden. Kunstvoll und stilsicher animierter Film mit vielen korrekten Details ****

ICARE (Nicolas Bucart, B 17, 25 Min, International)
Das eindrucksvoll an einer Steilküste fotografierte Drama um einen vom Fliegen faszinierten Mann, der einen achtjährigen Jungen nach langem Training und Vorbereitungen mit Flügeln über die Klippen springen lässt war stellenweise langatmig und vor allem das Ende mehr oder minder vorhersehbar. ***

AUGENBLICKE (Kiana Nagshineh, D 2018, 4 Min, Animation)
Eine Frau ängstigt sich beim nächtlichen Nach-hause-gehen. Sehr experimenteller, wenig verständlicher Animationsfilm. *

WANNABE (Lenz/Jannis A/D, 30 Min, Hochschule)

Die 17jg. Coco schwänzt die Schule, um sich in Castings und Musikvideodrehs zu beweisen – und setzt sich damit einer Demütigung nach der anderen aus. Weil sie als Model, Tänzerin und Schauspielerin nicht weiter kommt, konzentriert Coco sich immer stärker auf die Produktion ihres eigenen YouTube Kanals. Dort kann sie sich so darstellen, wie sie gerne wäre, aber nicht ist.

Der schon auf vielen Festivals ausgezeichnete Film spricht ein sehr junges Publikum an und nervt die älteren Semester.

_______________________________________________________

Letzter Tag mit Wettbewerbsprogramm
Fr 10.8.18

Der Vorarlberger Felix Kalavainan – schon vorletztes Jahr in den v-shorts präsent -, zeigte
METASTAATEN (A 2019/10 Min)

Er hat inzwischen die Grundausbildung an der Filmakademie Wien abgeschlossen und machte einen Kurzfilm ohne die starren Regeln der Filmakademie. So wagte er sich an das Tabu-Thema heran, Tiere und Kinder zu filmen, stieß in Bürs auf dressierte Hühner und castete einen Jungen.

Paul weiß ganz genau, dass seine Mutter schwer krank ist und baut sich im Wald eine eigene Welt zusammen, in der Tiere eine große Rolle spielen. Als Papa heimkommt, ist er sehr traurig.
Der Zusammenhang zwischen der Fantasiewelt des Jungen mit Tieren und den Metastasen einer Krebserkrankung erscheint mir etwas konstruiert. Dennoch eine gute Idee! ***

FANNY (Haldan Ullman Tǿndel, N 2017, 29 Min, international, Cinemascope)
Fanny, mitte Zwanzig, etwas schüchtern, studiert in ihrer Heimatstadt und gerät in einer Kennenlern-Runde in eine makabre Situation. Sowohl eine heterosexuelle, als auch eine lesbische Bekanntschaft laufen schief. Auf dem Hintergrundes eines sexuellen Missbrauchs durch den eigenen Vater werden die Folgen auf die sexuelle Identität geschildert. **

BERNARD (Anna Oparkowska, PL  2017, 6 Min, Animation)
Schwer verständliche Geschichte im Eis – Ein Eisbär, ein lebender Eisblock, ein Mensch? Was im Programmheft steht (Geschichte über Einsamkeit, Verhaltensstörungen und den verzweifelten Versuch nach Nähe in einer unwirtlichen Winterlandschaft) ist nur unklar auszumachen und wenig exakt gezeichnet. *

FUCKING DRAMA (Michael Podogil, A 2017, 17 Min, Hochschule)
Ein Pärchen wird zum Spontanbesuch eines Off-Theaterstücks überredet, in einem alten Kellergewölbe soll ein Drama gespielt werden. Eine Frau spielt Cello, eine andere entblöst ihre Brüste, als Manfred Amour, der Autor des Stücks, seine SchauspielerInnen und das Publikum beschimpft, kommt Dynamik auf. Mit einer Pistole droht er sich zu erschießen, als dann eine Frau den Saal verlassen will wird sie (scheinbar) erschossen und das Publikum zittert. Wie weit darf Kunst gehen um beim abgestumpften Publikum auf jeden Fall Emotionen zu provozieren?
Hochspannend wirft Podogil einen Blick auf die aktuelle Kunstszene. ****

59 SECONDS (Carraro Mauro, CH 2017, 16 Minuten, Animation)

Im Mai 1976 erschütterte ein 59 Sekunden dauerndes schweres Erdbeben die Gegend um Friaul. Wir sehen den Alltag davor, unter anderem auch für den Soldaten Bruno, dessen Kaserne im Epizentrum liegt. Seine Geliebte Tiziana macht sich nach der Katastrophe Sorgen um ihn. Zeichnerisch eher unkonventionell gestaltet, mit düsterem Unterton, durchaus sehenswert.***

MANEKI NEKO (Manolis Mavris,GR 2017,20 Minuten, International, Cinemascope)

Ein fremder Mann wird von einer fremden Frau in der Nacht in einem Buswartehäuschen angesprochen, sich doch die Kosten für das Taxi zu teilen und so fahren sie ins Zentrum von Athen. Sie tun so, als ob sie sich schon immer kannten – eine Psychose?
Sollte dies ein Horror-Film sein? Ich konnte wenig damit anfangen!*

ALL THE TIRED HORSES (Sebastian Mayr, A 2017, 24 Minuten, Hochschule, Cinemascope)

Der Film erinnerte stark an “Gott des Gemetzels” – Zwei Paare um die 30, die sich nicht kennen, verbringen einen Abend miteinander und warten auf jenes Paar, die sie zusammengebracht hat und sich verspätet hat. Die gastgebende Frau hat allerdings kurz zuvor einen positiven Schwangerschaftstest gemacht und empfindet deshalb die Diskussion über Umzug der Kreativen nach Berlin, Polygamie, Dating Apps u.a. als sehr unpassend, sie geraten sich immer mehr in der Haare.
Perfekt ausgeleuchtete Räume und eine hervorragende Kamera machen das an sich wortlastige Kammerspiel zu einem kompakten Genuss. ****


Das waren die Siegerfilme:

Felix Kalavainan und Norbert Fink


Gewinner der vorarlberg-shorts:
Felix Kalavainan mit METASTAATEN (A 2019/10 Min)
(Kritik siehe oben)
Kleiner Star war auch Lucas
William-Mathis,
der junge Hauptdarsteller des Films

Lucas William-Mathis

Bester Animationsfilm: Catherine von Britt Raes, B 2016, 12 Min

Mit subtilem schwarzem Humor wird eine Frau gezeichnet, die ihre Tiere liebt, aber auch ungewollt tötet.***

Bester Internationaler Film: MANEKI NEKO
von
Manolis Mavris,GR 2017,20 Minuten, Cinemascope. (Kritik siehe oben)

Lobende Erwähnung der Jury: Detainment von Vincent Lambe, IRL/GB 2018, 30 Min.
Wahre Geschichte von zwei 10jg Jungen, die 1993 beschuldigt wurden ein Kleinkind entführt und ermordet zu haben.

Bester Hochschul-Film: ALL THE TIRED HORSES von Sebastian Mayr, A 2017, 24 Minuten, Cinemascope. (Kritik siehe oben)

Preis der Jury (über alle Kategorien):
ENTSCHULDIGUNG, ICH SUCHE DEN TISCHTENNISRAUM UND MEINE FREUNDIN
von Bernhard Wenger, A/D 2018, 23 Minuten, Cinemascope

Die Freundin eines jungen Mannes aus Schweden verlässt diesen nach einem Streit in einem Wellness-Hotel inmitten der Alpen (Kals, Osttirol). Er sucht im Hotel verzweifelt nach ihr, findet neue Gesprächs- und Tischtennisfreunde und verpatzt sich eine Chance, eine neue Freundin zu finden. In Wahrheit ist er auf der Suche nach sich selbst.****
Der Film gewann in Saarbrücken den Publikumspreis Kurzfilm!

Bester Kinderfilm (von den Kindern und Jugendlichen selbst prämiert):
HALIM
von Werner Fiedler, D 2017, 30 Min, Cinemascope

Elias trifft auf Halim, einen eigenartigen älteren Mann mit fremdländischem Aussehen,
der sich nur über Pantomime verständigen kann und auf einer Naturbühne kleine Stücke zur Freude der Kinder zum Besten gibt. Als seine Mutter Elias mit diesem Asylanten entdeckt, verbietet sie ihm jeden Kontakt zu ihm und meint, die Asylanten seien böse und fielen uns zur Last. Doch Elias kontert, er suche seine Familie, die er auf der gefährlichen Flucht verloren hat. Er ist traurig, als er abgeschoben werden soll und erneut fliehen muss. Elias veranstaltet am selben Ort eine Veranstaltung zu Ehren von Halim.
Erstaunlich, dass dieses humanistische Anliegen von den Kindern und Jugendlichen zum besten Kinderfilm gewählt wurde.****

Publikumspreis:

El escarabajo al final de la calle


EL ESCARABAJO AL FINAL DE LA CALLE (Der Käfer am Ende der Straße)
von Joan Vives Lozano, E 2017 (Katalanien), 19 Minuten, Hochschule.

Eines Tages hat die Fischverkäuferin Lolín eine Vision: Amadeo soll nur noch sieben Tage zu leben haben. Amadeo kümmert sich um seinen invaliden Schwiegervater Agustín. Diese Weissagung setzt eine Serie von Ereignissen in Gang, die sein Leben völlig auf den Kopf stellen. Sein Begräbnis wird vorbereitet.
Doch nicht Amadeo stirbt, sondern Agustín. Hatte Lolín eine Zuckung und auf den falschen gezeigt? ***

Der Film gewann auch schon beim Festival Internacional de Cine en Guadalajara den Preis für den besten Kurzfilm und war auf vielen Festivals präsent. Er hat seine Wurzeln in der Spanischen Folklore

Detaillierte Kritik in Spanisch:
https://www.cortoespana.es/critica-el-escarabajo-al-final-de-la-calle

Norbert Fink

303

303

D 2018, Regie: Hans Weingartner, Buch: Hans Weingartner und Silke Eggert

145 Min, gesehen in DF

https://de.wikipedia.org/wiki/303_(Film)  (genauer Inhalt)
https://303-film.de (Homepage mit Reiseroute und Musiklinks)

Der neue Film des Vorarlbergers Hans Weingartner („Das weisse Rauschen“, „Die fetten Jahre sind vorbei“ und vier weitere Langfilme) ist eine gekonnte Mischung aus Road-Movie (von Deutschland via Belgien, Frankreich, Spanien bis nach Portugal) in einem alten Wohnmobil auf Basis des Mercedes 303 Kleinlasters. Jule und Jan sind 24jg. Studenten, bei denen das Studium nicht ganz so läuft wie erhofft, außerdem ist Jule schwanger und ihre Mutter drängt sie zur Abtreibung. Sie fährt mit ihrem Wohnmobil zu ihrem Freund nach Portugal, der sie geschwängert hat, um dies zu besprechen und nimmt sie Jan als Autostopper mit. Sie diskutieren über die biologischen und genetischen Grundlagen der Liebe, also über Hormone und Pheromone, Jule träumt von einer solidarischen Gesellschaft, Jan hält den Konkurrenzkampf für wichtig, kritisiert aber das kapitalistische System, das die Menschen „systemimmanent“ einsam und so krank mache. Jan möchte eigentlich seinen leiblichen Vater kennenlernen, der im spanischen Baskenland bei einer Werft arbeitet.

Die Gespräche sind auf einem intellektuell hohen Niveau und entsprechen durchaus dem Stand der Wissenschaft. Es dauert zwei Stunden, bis die beiden ihre theoretischen Gespräche über Sex zaghaft in die Realität umzusetzen.

Mich erinnerte der Film doch stark an meine Studentenzeit, wo wir viel über Gott und die Welt, Kapitalismus und Sozialismus, Psychoanalyse und Behaviourismus usw. diskutiert hatten und auch mit alten Autos durch südliche Gegenden gefahren sind.

Die Schauspieler Mala Emde und Anton Spieker spielen grandios, die langen Dialoge wirken spontan und echt, sind aber haargenau nach Drehbuch eingelernt. Einige tolle Landschaftsaufnahmen sind auch dabei. Mit 145 Min. ist der Film schon etwas lang geraten, ist aber nie langweilig. Es war ein Wagnis den Film zu produzieren, zumal keine großen Fernsehanstalten mitmachten.
Doch er berührt das Publikum! ****