Alpinale Preisverleihung 2021

Bericht von der Alpinale Preisverleihung, Bludenz 14.8.2021

Der Tag war heiß und die Filmnacht warm, ideal fürs open-air Kino. Die Veranstaltung, die mit Beginn 20 Uhr angekündigt wurde, begann etwas später, auch war die Leinwand noch gar nicht aufgeblasen. Um 20:30 war es dann so weit für die Reden.
Da alle Preise und Jurybegründungen zweisprachig verkündet wurden, dauerte es eine Stunde bis man die preisgekrönten Filme sehen konnte.
Die Jury für den besten Kurzspielfilm wählte nicht einfach den besten Film für das Goldene Einhorn aus, es sollten zwei lobende Erwähnungen und zwei Einhörner werden, um das breite Spektrum der eingereichten Filme abzubilden.

Der Publikumspreis ging an Spanien:
ORQUESTA LAS BENGALAS
, Spanien 2020, 20 Min, Cinemascope,
Regie: David Volero Simón.
Der in der Umgebung von Valencia gedrehte unterhaltsame Film begleitet die Oldie-Band „The Flares“, die Musiker sind alle betagte Senioren, spielen seit 30 Jahren zusammen auf Dorffesten, der Sohn des Bandleaders macht den Sound. Immer häufiger entfallen ihm die Namen seiner Kollegen, und er hat vergessen, dass seine Frau schon längst gestorben ist. Spätestens wenn er seine Texte nicht mehr weiss, ist es wohl Zeit wegen Alzheimer aufzuhören. Dass einmal ein Desaster passieren wird, ist vorherzusehen.
****
Bester Kinder-Kurzfilm:
Die hochprofessionelle ARD-Degeto Produktion im Auftrag des Saarländischen Rundfunks „Die Wolfsbande“ begeisterte die Kinder am meisten und ist auch für Erwachsene unterhaltsam und positiv gestimmt. Regie: Lydia Bruna, D 2021, 15 Min.
Vier Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, werden von ihren Eltern in ein Zeltlager geschickt, um endlich Freundinnen zu finden. Die Einzelgängerinnen können zunächst nicht viel miteinander anfangen. Erst durch gemeinsame Herausforderungen lernen sie, zusammenzustehen. Der Leiterin eines Jugendcamps im Wald gelingt es, den Kindern herausfordernde Aufgaben zu stellen. Es beginnt, dass sie eine Bande schmeiden müssen, die damit beginnt, sich Geheimnisse anzuvertrauen. Ein Kind fühlt sich im falschen Geschlecht aufgewachsen. ****

Virtual Reality- VR Shorts: Leider konnte das Publikum diese Filme nicht sehen, nur die drei Jurymitglieder. Sie entschieden sich für „Kinshasa now“ Regie: Marc-Henri Wajnberg. Belgien 2020, bis 20 Min. Die kurzen Ausschnitte, die wir sehen konnten, zeigten das für uns chaotische Leben in der Hauptstadt der DR Kongo. 35,000 Kinder, die von ihren Familien nach Hexereivorwürfen verstoßen wurden, versuchen auf den Straßen von Kinshasa im Kongo zu überleben.

V-Shorts: Aus den Einreichungen mit Vorarlberg-Bezug wurde der Animationsfilm „Small World“ prämiert.  Regie: Lara Smith, A 2020, 3 Min. Kunstvoll und mit überzeugende Licht- und Farbchoreografie wird eine aus animierte Papierstreifen Naturlandschaft erzeugt. Die Handlung selbst geht dabei etwas unter. **

Weiters gab es dazu zwei lobende Erwähnungen:
Ein gepflegtes Leben, Regie: Adam Graf, Tobias Kerbe, D 2020, 10 Min
Aus Frust über sein Dasein zettelt ein junger Mann einen Kleinkrieg mit dem einzigen Menschen an, der sich noch um ihn kümmert. Seiner Haushälterin.

MOUNTAIN CAT,  Regie: Lkhagvadulam Purev-Ochir, Mongolei 2020, 14 Min

Eine besorgte Mutter bringt ihre herzkranke Tochter in die Jurte eines Schamanen – sie erhofft sich Heilung von der mongolischen Tradition. Als auf Messers Schneide balancierende Bergkatze beschreibt sie der „Großvatergeist“, doch was steckt dahinter?

Bester Horror Film. Mit der Alpinale Horror-Nacht u.a. Veranstaltungen würdigt die Alpinale seit Jahren das Genre Horror.
Das Blutige Einhorn ging an:
BAD HAIR, Regie: Oskar Lehemaa, Estland 2019, 15 Min
Leo, unsicher und kahl, hat sich in seiner Wohnung eingeschlossen, um ein neues Haarwuchsmittel zu versuchen. Die Tinktur wirkt, aber nicht so, wie er es gerne hätte.
Äußerst drastisch und wirklich schrecklich ist dieser Kurzfilm, der sogar in die Nähe eines Buñuel-Zitates rückt. Überall dort, wo er das Haarwuchsmittel aufgetragen hat, entstehen zuerst juckende Pickel, dann dicke Borsten. Leider hat er es überallhin verspritzt, auch in ein Auge. Wirklich eine verblüffende neue Idee! ***

Lobende Erwähnung: O.I. Regie: N’cee van Heerden, Kanada 2018, 18 Min.

Bester Animationsfilm:
Plantarium,
Regie: Tomek Ducki, Polen 2020, 7 Min.
Ein einsamer Mann pflegt einen ungewöhnlichen Garten in einer dunklen Höhle. Eines Tages, während er sich um seine Pflanzen kümmert, stolpert er über kleinen Jungen in einem Topf…
Optisch sehr ansprechend, doch die Handlung gerät in den Hintergrund.

Internationaler Kurzspielfilm:

THE VAN, Frankreich2020,  15 Min, Regie: Erenik Beqiri,

Bei dem extrem grausamen Film geht es um illegale Kämpfe zwischen Männern, die in einem fahrenden Kastenwagen ausgetragen werden, einer gewinnt und kassiert das Geld, der andere kann sterben. Schon schwer gezeichnet versucht Ben solange das böse Spiel mitzumachen, bis er das nötige Geld zusammen hat, um ein neues Leben mit seinem Vater zu beginnen.

ex aequo mit

SQUISH, Regie: Xavier Seron, Belgien2020, 20 Min, SW.
Ein schwules Paar mit Kind. Flo muss aus Arbeitsgründen nach Marrakesch, weshalb Tom auf ihren gemeinsamen Sohn Sam aufpassen muss. Obwohl Flo Tom eine Liste mit Dingen hinterlässt, die dieser beachten sollte, vergisst er auf Sams Gitarrenstunde. Von da an eskalieren die Ereignisse. Flo glaubt bei der Ausfahrt aus der Garage in Kind überfahren zu haben. ***

(Kursiv: Texte aus dem Katalog/ Homepage)

Insgesamt bot die Nacht der Preisverleihung ein durchaus sehenswertes, breit gefächertes Filmprogramm.

Kommentare sind geschlossen.