Alpinale 2019 – Preisverleihung

Preisverleihung der 34. Alpinale Nenzing 2019

vom 10.8.19  von Norbert Fink

Heuer wurde sehr viel Wert darauf gelegt, der Alpinale einen internationalen Flair zu geben.
Dies bedeutet, dass die meisten Ansprachen in Englisch und Deutsch erfolgten. Was jedoch schlimmer ist, sogar die vier v-shorts, also die Vorarlberger Beiträgen waren in Englisch und ohne Untertitel gezeigt, ich wage zu bezweifeln, dass die Mehrheit der Besucher dabei alles verstanden hat! Diese Filme hätten meines Erachtens wenigsten deutsche Untertitel haben sollen. Filmemacher begründeten dies so, dass man englischsprachige Filme leichter an Fernsehanstalten verkaufen könne (als ob es keine deutschsprachigen gäbe).
Im Programmheft wurde übrigens weder vermerkt welche Sprachfassung, noch welches Bildformat die Filme hatten, was auf interntaionalen Festivals üblich wäre.

So verwundert es also nicht, dass der Publikumspreis an einen österreichischen Film ging, der in deutsch gesprochen und englisch untertitelt war.

Zu unserer Überraschung fand der Abschlussabend im Freien statt und es fing zu regnen an.
Nach der Pause war es aber wieder trocken und das Publikum überlebte alles in den Bio-Regenponchos. Somit fanden drei Abende auf dem Ramschwagplatz, zwei im –Saal statt.

Und so urteilte die Jury und das Publikum:

Bester Kurzfilm in der Kategorie v-shorts: 1 + 1 = 1

Rupert Höller (Österr. 2019, 7 Min,  teils hochformatig).
Der Student der Filmakademie zeigt in atmosphärischen Bildern, wie eine schlaflose Nacht verschiedenste Erinnerungen hochleben lässt. Mich berührte der Film nicht.*

Bester Kurzfilm International: HÖRST DU, MUTTER?

Tuna Kaptan (D, Türkei 2019, 19 Min) zeigt den ganz normalen Terror gegen die kurdische Bevölkerung in der Türkei. Weil sie ihrem Enkel handgestrickte Pullover ins Gefängnis schickte, wird sie zu 7 Jahren Hausarrest mit Fußfessel wegen „Unterstützung von Terroristen“ verurteilt, doch die Fußfessel „made in China“ hat ihre Tücken und der Radius reicht nicht einmal zum Wäsche aufhängen. Weitere Strafen folgen. Unaufgeregt wird der Alltag geschildet, den die alte Frau stoisch erträgt. ****

Bester Kurzfilm Animation: INANIMATE

Lucia Bulgheroni hat einen interessanten Stop-Motion – Knetfiguren Animationsfilm geschaffen, der auch Bezug auf die „Schöpfer“ der Figuren herstellt.
(Kritik: siehe Dienstag)

Bester Kurzfilm Hochschule: SHABBOS KALLAH

Aleeza Chanowitz (Israel 2017, 15 Min) zeigt einen persönlichen Einblick in die jüdische Kultur. Am Wochenende vor der Hochzeit ihrer besten Freundin versammeln sich alle Frauen, um der Braut Glückwünsche auszusprechen. Dabei prallen auch konservative und sehr liberale Weltanschauungen aufeinander und es wird viel gelacht und etwas gestritten.**

Preis der Jury: PORTRAIT OF MY FAMILY IN MY 13TH YEAR

Für mich nicht nachvollziehbar war diese Entscheidung, auch beim zweiten Ansehen konnte ich nicht viel Hintergründe dieses Film-im-Filmes und Vater-Sohn-Konfliktes erkennen.

Lobende Erwähnung der Jury: DER HUND BELLT

Der österreichische Hochschulfilm DER HUND BELLT ist keine Realitätssuppe und geht über Sozialporno hinaus – so die Beschreibung des bei der ALPINALE anwesenden Matthias Halibrand, der für Kamera, Schnitt und den Titelsong verantwortlich war.

(habe ich leider nicht gesehen)

Publikumspreis: DIE SCHWINGEN DES GEISTES

Völlig zurecht hat dieser wunderbare, heitere und tiefsinnige Film den Publikumspreis gewonnen, wenngleich angeblich nur mit einer Stimme Mehrheit.
(Siehe Freitag!)

Kinder-Publikumspreis: AMEISE

Die vierminütige Animation von Julia Ocker kam bei den Kindern am besten an. Fast 40 Prozent der jungen ALPINALE-Besuchern stimmten für den Film, in dem es um eine Ameise geht, die im Gegensatz zu ihren Artgenossen alles irgendwie anders macht.

Bester Kurzfilm Horror: POINT OF VIEW

Zu Halloween 2018 wurde eine Horror-Filmnacht veranstaltet, bei dem dieser Film den Publikumspreis errang und nun erstmals mit dem „blutigen Einhorn“ ausgezeichnet wurde.
Als ob eine Autopsie einer übel zugerichteten Leiche nicht schon schrecklich genug wäre, ein unguter Hausmeister kommt auch noch dazu und bekommt auch sein Fett ab.
Durchgehend spannend mit überraschender Wendung und einigen genretypischen Schockeffekten ***

 Norbert Fink, 11.8.19

Quelle: https://alpinale.at/die-preistraeger-des-34-alpinale-kurzfilmfestivals/

 

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