Systemsprenger

Systemsprenger

Nach der Vorführung am Donnerstag stehen Herr Dr. Martin Stadler von der Jugendpsychiatrie des LNKH Rankweil, der Fachbereichs-leiter der IFS – Krisenwohngruppe Kompass, Herr Andreas Keckeis und Frau Hieble-Gruber für Fragen zur Verfügung! Die Diskussion leitet FKC-Obmann Dr. Norbert Fink.

ACHTUNG: Unsere beiden Vorstellungen mit anschließender Diskussion mit ExpertInnen sind fast schon ausverkauft. Unbedingt ab sofort sich im Kino die Karten besorgen. Bitte nicht beim FKC reservieren, sondern im Kino!  Tel 05572 21973.

Keine Karte mehr bekommen?
Wer für „Systemsprenger“ beim uns keine Karten mehr bekommen konnte, hat am Mittwoch, 20.11.2019 um 20 Uhr beim Filmforum im Metrokino Bregenz noch Gelegenheit, den Film zu sehen. Im Anschluss an den Film gibt es dort ein Gespräch mit Claudia Hinteregger-Thoma, Leiterin der Auffanggruppe des Vorarlberger Kinderdorfs, Mag. Lisa Sturn, Leiterin der ifs-Schulsozialarbeit und Mag. Mario Enzinger, Leiter der ifs-Gewaltprävention.Kartenreservierung: Tel 05574 / 71843
Ohne weitere Betreuung wird der Film im normalen Programm des Cinema Dornbirn ab Freitag, 20 Uhr, noch einige Zeit nachgespielt!

Systemsprenger

Deutschland 2019, 120 min, Deutsche OF, Dolby 5.1

Buch und Regie: Nora Fingscheidt
Mit Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide,
Lisa Hagmeister u.v.a.

Eine mitreißende Tour de Force durch die Psyche einer kaum zu kontrollierenden Neunjährigen. – „Wuchtiges, intensives und sehenswertes Psychogramm.“(programmkino.de)

Sie ist wild, sie ist aggressiv und unberechenbar. Benni heißt eigentlich Bernadette. Aber wehe, jemand nennt sie so! Pflegefamilien, Wohngruppen, Sonderschule: Alles hat Benni schon hinter sich, und überall fliegt sie wieder raus. Die äußerlich zarte Neunjährige ist jetzt schon das, was man beim Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Doch das ist Benni egal, denn sie hat nur ein Ziel: Wieder bei ihrer Mutter wohnen! Aber Bianca ist völlig überfordert mit ihrer Tochter.

Systemsprenger Frau Befané vomSozialamt und Benny

Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei ihrer Mutter wohnen! Doch Bianca hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha, sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien.
Die warmherzige Frau Bafané vom Jugendamt droht zu verzweifeln. Niemand will Benni mehr aufnehmen. Von der Schule ist sie dauerhaft suspendiert. Nicht einmal der Alltag mit ihr ist zu schaffen: Wegen traumatischer Erfahrungen in frühester Kindheit darf niemand ihr Gesicht berühren. Frau Bafané wagt ein letztes Experiment und engagiert Micha, einen Anti-Gewalt-Trainer für straffällige Jugendliche. Nach anfänglichem Widerstand lässt Benni sich auf Micha ein, und anstatt einer erneuten Einweisung in die Kinderpsychiatrie ermöglicht er ihr einen gemeinsamen Aufenthalt in der Natur. Drei Wochen Erlebnispädagogik ohne Strom und fließendes Wasser.
Die Zeit im Wald stellt nicht nur Benni, sondern auch Micha auf eine harte Probe. Der sonst so selbstbewusste Mann kommt an seine Grenzen. Doch es gelingt ihm schließlich, ein Erlebnis für Benni zu schaffen, auf das sie stolz sein kann, und einen wirklichen Zugang zu ihr zu finden.
Zurück in der ‚Zivilisation’ klammert Benni sich an Micha und möchte bei ihm bleiben. Aber Micha hat eine eigene Familie und erkennt, dass er seine professionelle Distanz verliert. Als Bennis Mutter plötzlich wieder auftaucht, nehmen die Dinge ihren eigenen Lauf.

Im Wettbewerb der 69. Internationalen Filmfestspielen Berlin 2019 feierte SYSTEMSPRENGER eine fulminante Premiere. Die Regisseurin Nora Fingscheidt überzeugte die Jury und durfte sich für ihr intensives und gefühlvolles Spielfilmdebüt über den Silbernen Bären / Albert-Bauer-Preis sowie über den Publikumspreis der Leserjury der Berliner Morgenpost freuen.

Das großartige Ensemble begeistert – allen voran Helena Zengel, die mit körperlicher Wucht Bennis expressiver Wut ein zartes Gesicht verleiht, Lisa Hagmeister als Mutter, die Überforderung und Gebrochenheit eindrücklich verkörpert. Albrecht Schuch ist als Betreuer Micha der perfekte Gegenpol zu Benni. Gabriela Maria Schmeide überzeugt realitätsnah als Mitarbeiterin des Jugendamts, die alles Mögliche unternimmt, um Benni im Rahmen des Systems zu helfen. Einem System, das an diesem Anspruch scheitert und durch Kinder wie Benni „gesprengt“ wird.

SYSTEMSPRENGER ist seit der Berlinale auf zahlreichen Festivals gelaufen und mehrfach ausgezeichnet worden, darunter beim 23. Sofia International Film Festival mit dem Preis für die Beste Regie, beim Molodist – 47. Internationales Filmfestival Kiew mit dem Preis der Ökumenischen Jury sowie beim 29. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern mit vier Preisen und beim 30. Internationalen Filmfest Emden-Norderney mit zwei Preisen.

Inzwischen wurde der Film auch als deutscher Beitrag für den Oscar nominiert.

Trailer: https://youtu.be/_JzrPmLjTX8

Kritik von Walter Gasperi auf Film-Netz:

https://www.film-netz.com/post/systemsprenger

Systemsprenger

Systemsprenger

Nora Fingscheidt, Deutschland 2019, 119 Min., DF
Ich schrieb nach der Sichtung des Films beim „Crossing Europe“ Filmfestival in Linz:
Der bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnete Film lässt wohl niemanden kalt. „Es sei ein Film zum mitweinen“ meinte die Moderatorin. Für plötzlich so extrem aggressiv werdende Kinder hat das deutsche Fürsorgesystem einfach keine Maßnahmen parat. Im schlimmsten Fall kommt Benni gefesselt in die Jugendpsychiatrie und wird niedergespritzt. Keine Pflegefamilie nimmt sie mehr, soll sie nach Kenya geschickt werden? Benni hat wohl ein frühkindliches Trauma erlitten, greift man ihr ins Gesicht, so rastet sie aus. Dabei sehnt auch sie sich nach körperlicher Nähe. Und genau dies ist ihren Erziehern, die „professionelle Distanz“ halten müssen eigentlich verboten. Am ehesten geht es noch mit dem Anti-Gewalt-Trainer Micha, der mit ihr in den Wald geht wo sie sich ohne Handy, Internet, Fernsehen und Strom durchkämpfen müssen. Der Zuschauer ist hin- und hergerissen zwischen Momenten, wo es mit ihr doch zu gehen scheint, und kurz drauf doch wirklich nicht. Sie büxt immer wieder aus, erfriert dabei halb oder verletzt sich, will eigentlich immer zur Mutter.

Fingscheidt hat typische Klischees von solchen Systemsprengern vermieden: wilde Buben, Großstadtdschungel wie Kreuzberg oder Neu-Kölln, Pubertät. So ist Benni ein hübsches blondes Mädchen vom Lande, deren Mutter sie zwar möchte, die aber Angst um ihre anderen beiden Kinder hat und komplett überfordert ist. Das etwas eigenwillige Ende ist eher aus finanzieller Not so entstanden und lenkt manche Zuseher in eine falsche Richtung. Nur so viel sei verraten: ein Suizid ist es nicht!
**** aufrührender Film um ein unerziehbares Kind, das den Schulbesuch verweigert und immer wieder ausrastet, herausragend gespielt.

PS: Normalerweise kritisiere ich die eigenen FKC-Filme hier nicht, da wegen sensationeller Nachfrage der Film im normalen Programm des Cinema weiterläuft, möchte ich aber so eine Orientierungshilfe anbieten.

Systemsprenger

Systemsprenger

Nach der Vorführung am Mittwoch stehen Frau Dr. Heidi Gantner von der Jugendpsychiatrie des LNKH Rankweil, die ifs-Geschäftsführerin Dr. Martina Gasser und Geschäftsfeldleiterin des ifs für Kinder – Jugend und Familiendienste Frau Dr. Maria Feurstein  für Fragen zur Verfügung!
Die Diskussion leitet Veronika Verzetnitsch, MBA.

ACHTUNG: Unsere beiden Vorstellungen mit anschließender Diskussion mit ExpertInnen sind fast schon ausverkauft. Unbedingt ab sofort sich im Kino die Karten besorgen. Bitte nicht beim FKC reservieren, sondern im Kino!  Tel 05572 21973.

Deutschland 2019, 120 min, Deutsche OF, Dolby 5.1
Buch und Regie: Nora Fingscheidt
Mit Helena Zengel, Albrecht Schuch, Gabriela Maria Schmeide,
Lisa Hagmeister u.v.a.

Eine mitreißende Tour de Force durch die Psyche einer kaum zu kontrollierenden Neunjährigen. – „Wuchtiges, intensives und sehenswertes Psychogramm.“(programmkino.de)

Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: überall fliegt sie raus.

Systemsprenger

Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei ihrer Mutter wohnen! Doch Bianca hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha, sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien.
Die warmherzige Frau Bafané vom Jugendamt droht zu verzweifeln. Niemand will Benni mehr aufnehmen. Von der Schule ist sie dauerhaft suspendiert. Nicht einmal der Alltag mit ihr ist zu schaffen: Wegen traumatischer Erfahrungen in frühester Kindheit darf niemand ihr Gesicht berühren. Frau Bafané wagt ein letztes Experiment und engagiert Micha, einen Anti-Gewalt-Trainer für straffällige Jugendliche. Nach anfänglichem Widerstand lässt Benni sich auf Micha ein, und anstatt einer erneuten Einweisung in die Kinderpsychiatrie ermöglicht er ihr einen gemeinsamen Aufenthalt in der Natur. Drei Wochen Erlebnispädagogik ohne Strom und fließendes Wasser.
Die Zeit im Wald stellt nicht nur Benni, sondern auch Micha auf eine harte Probe. Der sonst so selbstbewusste Mann kommt an seine Grenzen. Doch es gelingt ihm schließlich, ein Erlebnis für Benni zu schaffen, auf das sie stolz sein kann, und einen wirklichen Zugang zu ihr zu finden.
Zurück in der ‚Zivilisation’ klammert Benni sich an Micha und möchte bei ihm bleiben. Aber Micha hat eine eigene Familie und erkennt, dass er seine professionelle Distanz verliert. Als Bennis Mutter plötzlich wieder auftaucht, nehmen die Dinge ihren eigenen Lauf.

Im Wettbewerb der 69. Internationalen Filmfestspielen Berlin 2019 feierte SYSTEMSPRENGER eine fulminante Premiere. Die Regisseurin Nora Fingscheidt überzeugte die Jury und durfte sich für ihr intensives und gefühlvolles Spielfilmdebüt über den Silbernen Bären / Albert-Bauer-Preis sowie über den Publikumspreis der Leserjury der Berliner Morgenpost freuen.

Das großartige Ensemble begeistert – allen voran Helena Zengel, die mit körperlicher Wucht Bennis expressiver Wut ein zartes Gesicht verleiht, Lisa Hagmeister als Mutter, die Überforderung und Gebrochenheit eindrücklich verkörpert. Albrecht Schuch ist als Betreuer Micha der perfekte Gegenpol zu Benni. Gabriela Maria Schmeide überzeugt realitätsnah als Mitarbeiterin des Jugendamts, die alles Mögliche unternimmt, um Benni im Rahmen des Systems zu helfen. Einem System, das an diesem Anspruch scheitert und durch Kinder wie Benni „gesprengt“ wird.

SYSTEMSPRENGER ist seit der Berlinale auf zahlreichen Festivals gelaufen und mehrfach ausgezeichnet worden, darunter beim 23. Sofia International Film Festival mit dem Preis für die Beste Regie, beim Molodist – 47. Internationales Filmfestival Kiew mit dem Preis der Ökumenischen Jury sowie beim 29. Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern mit vier Preisen und beim 30. Internationalen Filmfest Emden-Norderney mit zwei Preisen.
Inzwischen wurde der Film auch als deutscher Beitrag für den Oscar nominiert.

Trailer: https://youtu.be/_JzrPmLjTX8

Kritik von Walter Gasperi auf Film-Netz:
https://www.film-netz.com/post/systemsprenger

Nobady

Nobadi

Österreich 2019, 90 Min, Cinemascope.
Regie: Karl Markovics

mit Heinz Trixner und Borhan Hassan Zadeh;  Premiere: Toronto International Film Festivals 2019 in der Sektion Contemporary World Cinema.

In der Schrebergartensiedlung “Zukunft” in Wien stirbt der Hund des 90 jährigen armen und alten Mannes Heinrich Senft. Er will ihn auf seinem kleinen Anwesen beerdigen, nachdem die fachgerechte Entsorgung durch die Tierkadaververwertung viel zu teuer gekommen wäre. Der einzige Platz ist bei der Hintertüre, doch ein alter Baumstrunk mit vielen Wurzeln muss zuerst beseitigt werden. Senft holt eine Hacke und macht sich an die Arbeit, doch gleich mal bricht der Stiel der Hacke ab, er besorgt sich beim Baumarkt einen neuen Stiel.

Auf dem Heimweg trifft er auf den jungen Afghanen Adib Ghubar, der auf dem Arbeitsstrich keine Chance hatte, da er humpelt. Adib spricht ihn an, doch Senft lehnt erst mal ab, als er aber auch mit der reparierten Hacke nicht wirklich weiterkommt, sucht er ihn doch und bietet ihm demütigende drei Euro pro Stunde an. Senft geht anfangs ausgesprochen autoritär und unfreundlich mit ihm um. Er bietet dem Muslim ein Tiefkühlgericht aus Schweinefleisch an, zur Alternative könne er Hundefutter aus Rindfleisch haben.

Adib hat eine Tätowierung „Nobady“, das sei sein Spitzname in einem afghanischen NATO-Lager gewesen, wo er zuletzt als Dolmetscher gearbeitet habe und weswegen er gut deutsch könne.

Senft hat auch Lagererfahrung, wie er betont, er war Sanitäter in einem KZ, was wir zwischen den Zeilen erfahren und wohl bei der SS.

Eigentlich will er Adib verabschieden, als die Grube ausgehoben ist, doch nachts sucht er ihn nochmal und findet ihn auf der Straße, wo er zusammengebrochen ist. Sein Bein ist schwarz geworden, Senft weiß, dass er Hilfe braucht und beginnt sich plötzlich fürsorglich um ihn zu kümmern, bringt ihn aber zu seiner Tierärztin (!) , wo es zu einem dramatischen Streit kommt, weil sie an Menschen nichts machen dürfe.

Nun beginnt der Film, der bisher eine Sozialstudie unterschiedlichster Männer war, immer spannender und makabrer zu werden.

**** Ein alter Nazi und ein verletzter Asylant gehen eine Schwarzarbeits-beziehung ein, die äußerst makaber endet, „schwarzer Humor“ ist dabei eine Untertreibung. Fast ein Horrorfilm, mit einfachen Mitteln an wenigen Drehorten aufgenommen. Das dritte Werk Markovics´ als Regisseur.

Deutschstunde

Deutschstunde

D 2019, 125 Min, Cinemascope

Neuverfilmung von Siegfried Lenz‘ Roman „Deutschstunde“ unter der Regie von Christian Schwochow. Mit Ulrich Noethen, Levi Eisenblätter, Tobias Moretti, u.a.
Inhaltlich hält sich der Film eng an den Inhalt des Buches, soweit ich es laut Wikipedia beurteilen kann und epd-film bestätigt. Allerdings sind manche zeitliche Bezüge in Rückblenden für den Zuseher gar nicht so leicht herstellbar.

Siggi Jepsen sitzt im Deutschland der Nachkriegszeit in einer Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche ein und soll einen Aufsatz über „die Freuden der Pflicht“ schreiben. Es fällt ihm dazu so vieles ein, dass er nicht weiß, wo anzufangen und ein leeres Heft abgibt.
Er wird seine Haft freiwillig verlängern, bis sein Opus fertig ist. Aus dieser kargen Gefängniszelle reflektiert er nun sein Leben in der Zeit des Nationalsozialismus. Sein Vater, Jens Ole, war ein pflichtbewusster Polizist in einem Kaff an der Nordseeküste. Er schreckte nicht davor zurück, seinen Freund und Taufpaten seines Kindes Ludwig Nansen ein Berufsverbot als Maler zu überbringen, da dieser entartete Kunst produziere. Siggi war als damals 11jg. Bub eng mit Ludwig verbunden und oft bei ihm, er lernte bei ihm zu malen, und steckte dafür oft Prügel vom Vater ein, der die expressionistischen Bilder als krank empfand. Aber sein Vater setzte ihn auch skrupellos als Spion ein. Auch nach dem Krieg blieb sein Vater innerlich der alte Nazi. Erstmals wird er bei Kriegsende zwar verhaftet und offenbar auch gefoltert, doch bald wieder als Polizist in dem Ort eingesetzt. Als er versteckte Bilder Ludwigs verbrennt, meint Siggi dessen restlichen Werke vor ihm schützen zu müssen, stiehlt welche bei einer Ausstellung und kommt deshalb in die Jugendstrafanstalt.

Es gelingt dem aus der DDR stammenden Regisseur Schwochow wunderbar, das Klima der Angst und Unterdrückung durch einen Vertreter eines autoritären Regimes spürbar zu machen, ohne näher auf die Ideologie einzugehen (im Buch soll  die Frau des Polizisten eine glühende Verehrerin der Naziideologie gewesen sein, obwohl ihr die verbotenen Bilder gefielen). Auch die Unverbesserlichkeit solcher Menschentypen wird mehr als deutlich. Der Film ist voller symbolischer und aussagekräftiger Bilder, spannend und prominent besetzt. ****

Vom Lokführer, der die Liebe suchte…

Vom Lokführer, der die Liebe suchte …

Deutschland, Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog
Regie: Veit Helmer

Wie der Prinz im „Aschenputtel“-Märchen sucht ein pensionierter Lokführer in einem traumhaft überzeichneten, vormodernen Aserbaidschan nach der Besitzerin eines Büstenhalters. – „Ein modernes Märchen an einem magischen, scheinbar zeitlosen Ort.“ (kino-zeit.de)

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

 

Vom Lokführer, der die Liebe suchte…

Vom Lokführer, der die Liebe suchte …

Deutschland, Aserbaidschan 2018, 90 min, ohne Dialog
auf analogem Film aufgenommen, Cinemascope
Regie: Veit Helmer

  Wie der Prinz im „Aschenputtel“-Märchen sucht ein pensionierter Lokführer in einem traumhaft überzeichneten, vormodernen Aserbaidschan nach der Besitzerin eines Büstenhalters. – „Ein modernes Märchen an einem magischen, scheinbar zeitlosen Ort.“ (kino-zeit.de)

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlangzieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagein, tagaus lenkt er seinen Zug durch einen dicht besiedelten Vorort Bakus, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeugbälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor der Pensionierung verheddert sich ein besonderes Abschiedsgeschenk an Nurlans Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff gehören? Getrieben von Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… ist eine mit viel Feingefühl und unbeschwert erzählte Geschichte von der Suche nach Liebe. Erneut zieht es Regisseur Veit Helmer in die Berglandschaft Aserbaidschans. In seiner meisterhaft phantasievollen Bildsprache wird er seinem Ruf als moderner Märchenerzähler gerecht und inszeniert die Geschichte VOM LOKFÜHRER, DER DIE LIEBE SUCHTE… als atmosphärische Komödie, die ganz ohne Dialoge auskommt und uns gerade dadurch in ihren Bann zieht.

Reaktion vom Vortag:
Der Film faszinierte gestern alle Zuseher. Er wurde auf analogem Filmmaterial in Cinemascope gedreht und versprüht so von seinen warmen Farben her einen besonderen Charme. Es wird tatsächlich kein Wort gesprochen, sieht man von Lachern und mh, äh … ab. Der pensionierte Lokführer wird von seiner Einsamkeit befreit, doch auf ganz andere Art, wie er es sich erträumt hatte. Ein Straßenkind entpuppt sich als der wahre Held, in dem er die Leute vor den heranbrausenden Güterzügen warnt… spannend und erotisch! Unbedingt ansehen!

Der unverhoffte Charme des Geldes

Der unverhoffte Charme des Geldes

(La chute de l’empire américain –
the fall of the american empire)

Kanada 2018, 128 min, franz. O.m.U., Cinemascope

Regie: Denis Arcand
Mit: Maxim Roy, Vincent Leclerc, Rémy Girard, Maripier Morin, Claude Legult

„Wir sind alle Untertanen des amerikanischen Imperiums. Der moralische Verfall des Imperiums hat begonnen uns anzustecken. Die Omnipotenz des Geldes ist nur ein Symptom dieser Krankheit. Werden wir Antibiotika finden, die stark genug sind, die Seuche zu bekämpfen?“ Denys Arcand

Der unverhoffte Charme des Geldes

Was passiert, wenn ein eingefleischter Kapitalismusgegner buchstäblich an Säcke voller Kohle kommt, zeigt DER UNVERHOFFTE CHARME DES GELDES, der neue Film des für DIE INVASION DER BARBAREN mit dem Oscar® ausgezeichneten Kanadiers Denys Arcand. Nach einigen anfänglichen, nicht ausschlagbaren Annehmlichkeiten stellt sich für den Protagonisten Pierre-Paul bald die Frage: Wohin mit dem vielen Geld? Denn nicht nur die Mafia und das Finanzamt, sondern auch zwei gewiefte Polizisten haben ein verdächtig großes Interesse an seinem neuen Reichtum. Doch mithilfe eines gerade erst aus dem Knast entlassenen Finanzgenies, eines Offshore-Bankers und einer neuen, teuren Freundin gelingt es ihm, ein System auszutricksen, in dem alles nur auf Erfolg und Geld ausgerichtet ist.

Wie von Arcand gewohnt, verbindet auch DER UNVERHOFFTE CHARME DES GELDES geschickt Gesellschaftskritik mit einer großen Portion Humor. Herausgekommen ist ein intelligentes Heist-Movie, das Spaß macht und am Ende auf berührende Weise zeigt, welche Werte wirklich wichtig sind.

Trailer: https://youtu.be/sfrkN7qYLSI

Kritik von Walter Gasperi:
https://www.film-netz.com/post/der-unverhoffte-charme-des-geldes-the-fall-of-the-american-empire?cid=92172b66-6fea-436b-a0d8-13d7a30f39c6&utm_campaign=a2016fc0-e0a4-4600-9efd-b5ac076380ed&utm_medium=mail&utm_source=so

Der unverhoffte Charme des Geldes

Der unverhoffte Charme des Geldes

(La chute de l’empire américain –
THE FALL OF THE AMERICAN EMPIRE)


Kanada 2018, 128 min, franz. O.m.U., Cinemascope

Regie: Denis Arcand
Mit: Maxim Roy, Vincent Leclerc, Rémy Girard, Maripier Morin, Claude Legult

„Wir sind alle Untertanen des amerikanischen Imperiums. Der moralische Verfall des Imperiums hat begonnen uns anzustecken. Die Omnipotenz des Geldes ist nur ein Symptom dieser Krankheit. Werden wir Antibiotika finden, die stark genug sind, die Seuche zu bekämpfen?“ Denys Arcand

Der unverhoffte Charme des Geldes

Was passiert, wenn ein eingefleischter Kapitalismusgegner buchstäblich an Säcke voller Kohle kommt, zeigt DER UNVERHOFFTE CHARME DES GELDES, der neue Film des für DIE INVASION DER BARBAREN mit dem Oscar® ausgezeichneten Kanadiers Denys Arcand. Nach einigen anfänglichen, nicht ausschlagbaren Annehmlichkeiten stellt sich für den Protagonisten Pierre-Paul bald die Frage: Wohin mit dem vielen Geld? Denn nicht nur die Mafia und das Finanzamt, sondern auch zwei gewiefte Polizisten haben ein verdächtig großes Interesse an seinem neuen Reichtum. Doch mithilfe eines gerade erst aus dem Knast entlassenen Finanzgenies, eines Offshore-Bankers und einer neuen, teuren Freundin gelingt es ihm, ein System auszutricksen, in dem alles nur auf Erfolg und Geld ausgerichtet ist.

Wie von Arcand gewohnt, verbindet auch DER UNVERHOFFTE CHARME DES GELDES geschickt Gesellschaftskritik mit einer großen Portion Humor. Herausgekommen ist ein intelligentes Heist-Movie, das Spaß macht und am Ende auf berührende Weise zeigt, welche Werte wirklich wichtig sind.

Trailer: https://youtu.be/sfrkN7qYLSI

Kritik von Walter Gasperi: 
https://www.film-netz.com/post/der-unverhoffte-charme-des-geldes-the-fall-of-the-american-empire?cid=92172b66-6fea-436b-a0d8-13d7a30f39c6&utm_campaign=a2016fc0-e0a4-4600-9efd-b5ac076380ed&utm_medium=mail&utm_source=so 

Ramen Shop

Ramen Shop

Japan/Frankreich/Singapur 2018, 90 min, japan.-engl.-mandarin. O.m.U.
Regie: Eric Khoo

Ramen Shop

Der junge Masato beherrscht ein wunderbares Handwerk: er ist Koch in einer traditionellen japanischen Suppenküche. Die Ramen-Nudel-Suppe ist seine Spezialität. Der plötzliche Tod des Vaters versetzt Masato in seine Kindheit zurück. In einem Koffer voller Erinnerungen findet Masato nun Spuren der Liebesgeschichte seiner Eltern. Er beschließt, sich auf den Weg nach Singapur zu machen, ins Heimatland seiner Mutter, die starb als Masato 10 Jahre alt war. Für den jungen Koch beginnt eine kulinarische Reise in die Vergangenheit, denn die Geschichte seiner Familie ist eine Geschichte voller Sinnlichkeit und von großer Liebe. Masato probiert sich durch die kulinarischen Traditionen Singapurs, Japans und Chinas und lernt nicht nur die Kunst des Kochens ganz neu kennen, sondern auch die Kunst des Zusammenseins.

Von Familiengeheimnissen und zaubrischen Rezepten – RAMEN SHOP ist einfühlsames und sinnlichesKino aus Fernost. RAMEN SHOP erzählt von der Suche eines jungen Menschen nach einem Platz in der Welt und nimmt uns mit auf eine köstliche Bildungsreise in die Küchen und Seelen Japans.

Trailer: https://youtu.be/w9pXMr1XBVs

Kritik von Walter Gasperi:
https://www.film-netz.com/post/ramen-shop?cid=92172b66-6fea-436b-a0d8-13d7a30f39c6&utm_campaign=a2016fc0-e0a4-4600-9efd-b5ac076380ed&utm_medium=mail&utm_source=so