34. Alpinale Nenzing

Bericht von der Eröffnung der Alpinale 2019 am 6.8.19

Das Wetter war am Nachmittag sehr stürmisch und regnerisch, weswegen im Freien weder Leinwand noch Stühle aufgebaut wurden, der erste Abend fand also im Ramschwag-Saal Nenzing statt. Um etwa 20:30 stellte der Moderator Joe Baumgartner die Jury und anwesende FilmemacherInnen vor. Obfrau Manuela Mylonas und der Nenzinger Bürgermeister Florian Kasseroler hielten kurze Reden. Ein kurzes Filmquiz – man sollte den entsprechenden Filmtitel durch Emojis erraten – war durchaus unterhaltsam.
Der Ramschwag-Saal war vollbesetzt. Im Foyer konnte man VR-Shorts mit den Virtual-Reality Brillen erleben und durch eigenen Kopfbewegungen die Bildausschnitte beeinflussen.

Das Programm war des ersten Abends sehr durchwachsen:

I AM SOCIAL

Selina Nenning (A 2018, 6 Min.) bebilderte das Problem, dass manche Leute in den sozialen Netzwerken viele Freunde haben, aber im wirklichen Leben vielleicht gar keine. Der Film in der Reihe v-shorts ist englischsprachig ohne Untertitel und löst das Problem so, dass sich die 16-jährige Olivia ihre realen Freunde nur einbildet. Ganz überzeugt hat mich das nicht. **

MAKE ALIENS DANCE

Sebastian Petretti (GB 2019, 25 Min) führt uns in ein analoges Tonstudio der 80er Jahre mit einer 2-Zoll-Bandmaschine und begleitet einen etwas behinderten jungen Mann, der ständig Kopfhörer aufhat (und vom Diskman CD hört) bei seinem Job als Aufräumer eines Stadions. Die Handlung um eine verschwundene Schwester, deren Stimme auf den Bändern aufgenommen wurde, ist schwer nachvollziehbar.  Auch die Kameraarbeit war nicht überzeugend. *

LE MANS 1955

Quentin Baillieux (F 2018, 15 Min.) dokumentiert als Animationsfilm das 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1955, wo ein Auto in die Zuschauertribüne raste und 80 Menschen starben. Trotzdem wurde das Rennen zu Ende geführt. Mercedes nahm danach sein Team aus dem Rennen, obwohl es eine Runde vor Jaguar lag. Der Reiz des Films liegt in der Animation.
Auf die Ursachen und Hintergrunde des Unfalls wurde nicht eingegangen. ***

SKIN
Guy Nattiv (USA 2018, 20 Min.) schildert den in den USA noch immer existierenden Rassenhass und Waffenwahn. Aus einem nichtigen Anlass tötet ein weißer Mann einen Schwarzen. Doch dessen Clan lauert ihm auf. Zur Strafe wird er am ganzen Körper schwarz tätowiert, was dramatische Folgen hat. ***

THE WIND PHONE

Kristen Gerweck (USA 2019, 16 Min) stützt sich auf wahre Begebenheiten im Rahmen des Tsunamis von Fukushima. Wir sehen eine einsame Telefonkabine am Strand und Menschen, die scheinbar sehr emotionale Telefongespräche führen. Sie stehen geduldig Schlange.
Wie uns der Nachspann lehrt, hat diese Telefonkabine keine Verbindung zum Telefonnetz. Sie können so imaginär mit ihrem beim Tsunami verstorbenen Angehörigen reden.

PERCHT
Béla Baptiste (A 2018, 17 Min.) präsentierte den überzeugendsten Film dieses Abends.
Es geht um alte Traditionen wie Krampusse und Perchten, die in angsterregenden Masken durch die Straßen ziehen und Kinder erschrecken und auch Frauen belästigen. Als der offizielle Umzug zu Ende ist, gehen sie danach in ein Gasthaus und zwingen ein junges Paar, von einer ekelhaften Flüssigkeit zu trinken. Sie machen am Anfang den Spaß mit, als es ihnen aber reicht, wird der Percht gewalttätig, verletzt die Frau (Elisabeth Wabisch) und flüchtet.
Dabei wird ihm sein Kostüm zum Verhängnis. *****

SQUARING THE CIRCLE

Karolina Specht (Polen 2019, 5 Min) versucht in diesem abstrakt gezeichneten Animationsfilm die Quadratur des Kreises, was natürlich letztlich nicht gelingen kann.
Künstlerisch durchaus beachtlich. ***

INANIMATE

Lucia Bulgheroni (GB 2018, 8 Min.) zeigt uns das normale Leben von animierten Figuren, die kunstvoll aus Ton geknetete Gesichter haben. Doch plötzlich müssen sie erkennen, dass sie von Menschen geformt werden und ihr scheinbares Leben in einer Modellwelt nur ihre Illusion ist. Der Zuschauer, der sich mit den animierten Figuren identifiziert, wird jäh aus seinen Gedanken gerissen. Von der Animationstechnik sehr gut gemacht, inhaltlich aber etwas dünn. ***

EIN KUCHEN FÜR HERRN LECKERSCHMAUS

Dolunay Gördüm (D 2018, 9 Min.) nimmt kurz und prägnant verschiedene Modeströmungen der Ernährung, mit und ohne Chia, vegan oder fleischlich, aufs Korn. Die Konditormeisterin Lisl Gisl ist stolz auf ihren giftgrünen Müslikuchen, doch die Konkurrenz geht hart mit ihr um, als ihr Lehrling eine allergische Reaktion auf Chia erleidet, dreht sich aber der Spiess um. Alle buhlen um die Gunst des Gurus Leckerschmaus, ein alter Herr, der wohl nicht mehr Herr aller Sinne ist. ****

Bemerkung: stolz wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass nun auch Cinemascope-Filme (2,35 :1) endlich zur Geltung kommen und nun breiter sind als die 16:9 – Standardformate.
Eine neue Software reserviert die ganze Breite dem Cinemascope-Format, während bei den anderen Formaten nun rechts und links die Streifen sind. Danke! Ich empfand es immer als schrecklich, wenn Filme, die breiter und größer als die normalen sein sollten, kleiner dargestellt wurden. Danke!

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