1917

1917

USA/GB, Cinemascope, 110 Min.
Regie: Sam Mendes, gesehen in DF.

Der mit viel Lob, zwei Golden Globes und neun Oscar-Nominierungen gekrönte Film hat eine Besonderheit: er scheint in einer Einstellung und in Echtzeit gedreht worden sein, die Kamera ist praktisch immer in Bewegung und zeigt die Protagonisten auf uns zu rennen oder wir laufen ihnen hinterher. Ab und zu zeigt ein Schwenk, in welcher Umgebung wir uns befinden, dabei ist die Steadycam-Kamera in sehr tiefer Position, wie es Soldaten im Einsatz eben mal sind, sie gleitet förmlich mit durch die Schützengräben. Das ist zwar auch nichts Neues, es war aber eine gute Entscheidung, dieses Stilmittel hier so einzusetzen.

Durch Luftbildaufnahmen vom Juli 1917 erkennen die Engländer, die in Frankreich gegen die Deutschen kämpfen, dass der scheinbare Rückzug um einige Kilometer eine Falle ist, sie warten darauf, dass die englische Artillerie nun angreift und erwarten sie mit einer technischen Übermacht. Doch die 2. Kompanie an der direkten Frontlinie plant den Angriff.
Der Colonel, der die Luftbilder auswertete, gibt nun zwei Soldaten den Befehl durch das feindliche Gebiet hindurch (es soll ja leer sein) zu dieser vorzudringen und ihnen ein Brief zu überreichen, mit dem Befehl, den Angriff abzublasen, da sonst Tausende Soldaten sterben würden, darunter der Bruder des einen.

Von nun an ist atemlose Spannung angesagt und wie vom James-Bond-Regisseur Mendes nicht anders zu erwarten ist, passiert ständig etwas. Sie geraten in Sprengfallen, ziehen an Tierkadavern und gefallenen Kameraden vorbei. Auch stürzt ein deutsches Flugzeug auf sie ab, das von den Engländern abgeschossen wurde, sie ziehen den Piloten aus dem brennenden Wrack und als Dank für die Lebensrettung ersticht der Deutsche seinen englischen Feind. Manchmal gibt es Momente der Hoffnung und sogar der Menschlichkeit (natürlich nur auf englischer Seite, die Begegnung mit der jungen Frau mit Kind) und es ist schon von der Dramaturgie zu erwarten, dass zumindest einer der beiden es schafft, den Brief des Colonels an den Kommandanten an der Front zu bringen.

Wie es sich für Anti-Kriegsfilme gebührt, soll die lebensgefährliche Mühe nur einen Moment lang etwas Sinn ergeben, auf lange Sicht und im gesamten Kriegsgeschehen ändert das Heldentum nicht viel. Bemerkenswert ist auch die Filmmusik von Thomas Newman.
**** empfehlenswert, so hautnah hat man die Schrecken des Krieges selten im Kino miterlebt!

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