The Party

The Party

GB 2017, 71 Min, Cinemascope, Schwarzweiß. Gesehen in DF.

Regie: Sally Potter

Der Film spielt in einer Wohnung und könnte deshalb genauso gut als Theaterstück aufgeführt werden. Er ist bewusst in Schwarzweiß aufgenommen, das Cinemascope Format wird hier eher zur Darstellung der Enge (wie in „The Hateful 8“) verwendet, teilweise verstärkt eine Handkamera die Nähe zu den Protagonisten.
Die feministische Regisseurin Sally Potter nimmt dabei m.E. mehr die Feministinnen aufs Korn als die „linksliberale“ Gesellschaft. Anfangs sehen wir Bill, einen alten Mann in einer Wohnung. Er legt auf seinem Vinyl-Plattenspieler klassischen Blues (später auch Jazz und kubanische Musik) auf und hat einen Rotwein in der Hand. Er ist sichtlich gesundheitlich angeschlagen.

Alle Gäste, die zur Party eintrudeln haben scheinbar sehr Wichtiges zu verkünden – die Hausherrin Janet verkündet, Gesundheitsministerin im Schattenkabinett geworden zu sein (inzwischen brennen im Backrohr die Speisen an); ihr Mann Bill verkündet todkrank zu sein – er musste freilich einen teuren Privatarzt zu Rate ziehen, da man so schnell beim Kassenarzt keinen Termin bekommt. Die beiden Lesben Martha und Jinny verkünden Drillinge (in vitro fertiliziert) zu bekommen. Der Finanzdienstleister Tom muss mal zuerst Koks schnupfen, ist in teures Tuch gehüllt und bewaffnet. Eigentlich wollte er Bill ermorden, da er dieselbe Freundin fickt wie er, angesichts des baldigen Todes von Bill will er die Waffe aber in der Mülltonne entsorgen, wo sie Janet entdeckt und an sich nimmt. Janets Freundin April ist mit dem deutschen esoterischen Life-Coach Gottfried (dargestellt von Bruno Ganz) gekommen, der gute Ratschläge erteilt, als es zu massiven Handgreiflichkeiten kommt. Nun folgt eine intime Enthüllung der anderen und niemand wird eifersüchtiger, als eine Lesbe, deren Partnerin es doch mal auch mit einem Mann probierte. Und auch Janet ist bisexuell…

Anfangs gingen mir die egoistischen Frauen sehr auf die Nerven und der Film erinnerte mich an Polanskis „Gott des Gemetzels“. Doch ist es hier nicht unbedingt der Alkohol, der die Beziehungen zerstört, sondern die Entlarvung der Scheinheiligkeit in diesen Kreisen.

*** reines Kammerspiel ohne besondere visuelle Opulenz, jedoch gewisse lesbisch-feministische Kreise in ihren Widersprüchen schonungslos entlarvend, was durch eine Regisseurin besonders   glaubhaft ist.

Kommentare sind geschlossen.