The Beatles – Eight Days a Week

The Beatles: Eight Days A Week – The Touring Years

Regie: Ron Howard , 153 Min (inkl. 30 Min. Anhang des restaurieren Konzertfilms „The Beatles at Shea, NY“ aus dem Jahre 1965)

Ich war 10 Jahre alt, als 1964 die Beatlemania los ging, und bin seither ein Beatles-Fan. Mehr noch: als die Vier sich trennten, war für mich die Pop-Musik zu Ende und ich wandte mich wieder der Klassik und dem Jazz zu.

Die Stärke diese Dokumentarfilms sind neben noch nie gesehenen Bildern die detailreiche Schilderung des Ambiente, das bei den Konzerten geherrscht hat. So spielten sie in Stadien vor bis zu 65.000 Zuhörern bzw. Mitkreischern. Ihr damaliger Vox-Spezialverstärker hatte eine Leistung von nur 100 Watt, heute hat jede audiophile Heimanlage mehr. Damit konnte man das Kreischen der Fans nicht übertönen und hat offenbar wenig von der Musik gehört, man schaltete die Durchsagenlautsprecher dazu, die aber keine Bässe wiedergeben konnten.
Auch die Konzertaufnahmen von damals waren entsprechend ungenügend. Mit digitaler Filtertechnik gelang es den Tontechnikern des Abbey Road Studios den ganzen Film in tollem Stereo-Sound und einheitlichem typischen Beatles-Sound zu restaurieren.

Inhaltlich ist interessant, dass die Beatles sich weigerten die Rassentrennung in den Südstaaten der USA zu akzeptieren, sie spielten nur, wenn diese in den Stadien aufgehoben wurde – und wurden so auch für die farbige Bevölkerung zu Helden. In den Philippinen schlugen sie eine Einladung ins Haus von Imelda Marcos aus, was als Staatsbeleidung aufgefasst wurde. Als John Lennon meinte, die Beatles seien populärer als Jesus, gab es in den USA kräftigen Gegenwind aus religiösen Kreisen, es gab Boykott-Aufrufe und Schallplattenverbrennungen, John Lennon musste sich entschuldigen.

Das Kreischen der Fans, die Ohnmachtsanfälle, die Hysterie und Sicherheitsmaßnahmen bei den Konzerten ging den Beatles selbst auf die Nerven. Die Auftritte wurden nicht nur unbequem, sondern gefährlich, wenn die Polizei die Massen nicht mehr zügeln konnte und sie die Angebeteten berühren wollten. Finanziell waren sie jedoch auf die Konzerte angewiesen, die früheren Plattenverträge waren mies, an den Platten verdienten sie relativ wenig. Doch ihre wahre Genialität entwickelten sie in den Aufnahmestudios, wo sie auch mit den Bandmaschinen experimentierten, rückwärts laufenden Sound oder indische Klänge dazumischten. Mit „Sgt. Pepper“ verpassten sie sich ein neues Image und einen neuen Stil, die Texte wurden anspruchsvoller. Im Jänner 1969 gab es den letzten Live-Auftritte auf dem Dach ihres Apple-Studios.

Wenig erfahren wir was danach geschah, was zu Trennung führte. Die Band war für die jungen Mitglieder ein Familienersatz, als sie eigene Familien gründeten, hatten sie keine Lust mehr, diese anstrengenden Touren über sich ergehen zu lassen.

**** Ich fand den Film keine Sekunde langweilig, es bleibt aber ein Geheimnis, warum die in Maßanzügen und Krawatte auftretenden Jungstars damals die Jugend so in Ekstase versetzten.

P.S. Der Film läuft nur ganz selten – als „Event“, die DVD wird es bald geben, aber ohne die letzten 30 Minuten Konzertmitschnitt!

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