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Murer – Anatomie eines Prozesses

Murer – Anatomie eines Prozesses

Österreich/Luxemburg 2018, 137 Min., weitgehend deutsche OmU,
Regie und Buch: Christian Frosch
Darsteller/innen: Karl Fischer, Alexander E. Fennon, Karl Markovics, Roland Jaeger, Melita Jurisic, Ursula Ofner, Dov Glickman, Inge Maux, Mathias Forberg.

Karl Markovitz als Simon Wiesenthal

Altbundespräsident Dr. Heinz Fischer bezeichnete den Fall Murer als den absoluten Tiefpunkt der österr. Justizgeschichte. Im Jahre 1963 wurde der „Schlächter von Wilna“ in Graz freigesprochen. Der Film zeigt akribisch genau den Prozess und wie es dazu kam. Murer war zuvor von den Sowjets zu 25 Jahren Haft wegen seinen Gräueltaten an Sowjetbürgern als Leiter des KZ-Wilna verurteilt worden, kam aber im Zuge des österr. Staatsvertrages nach wenigen Jahren wieder frei. Er durfte deshalb für die schon verurteilten Verbrechen nicht nochmals belangt werden. Simon Wiesenthal hatte damals einen schlechten Ruf und galt als verlängerter Arm des jüdischen Geheimdienstes. Sein Anteil am Prozess sollte tunlichst totgeschwiegen werden.

Der Film beginnt damit, dass Franz Murer in der U-Haft Zelle seine Frau küsst und das passende Gewand für den Prozess aussucht, es sollte eine Steyrer-Loden- Jacke sein. Seinem Anwalt gelingt es, die Zeugen mit belanglosen Details, wie die Farbe seiner Uniform in Widersprüche zu verwickeln und deren Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. Er behauptet, den jüdischen Zeugen „sei die Lüge ins Gesicht geschrieben“. Doch auch auf die Schöffen und den Staatsanwalt wird offenbar Druck ausgeübt. Es kommt zum Freispruch. Murers Freunde johlen vor Freude wie es der Pöbel bei Hitlers Einmarsch in Wien 1938 getan hat. Er starb 1994 unbehelligt in Leoben.

Stark das Ende des Films, als sich Verteidiger und Staatsanwalt zufällig treffen. Auch der Verteidiger hat nur seine Pflicht getan…  Doch auch der ehemalige SPÖ-Justizminister Broda bekommt sein Fett ab, er wollte sich damals der FPÖ annähern, um die ÖVP zu schwächen.

**** Exzellenter Justiz-Irrtumfilm mit beklemmender Aktualität. (Norbert Fink)

Er wurde bei der Diagonale Graz 2018 ausgezeichnet mit dem Preis für den Besten Österreichischen Spielfilm

Murer – Anatomie eines Prozesses

Murer – Anatomie eines Prozesses

Österreich/Luxemburg 2018, 137 Min., weitgehend deutsche OmU,
Regie und Buch: Christian Frosch
Darsteller/innen: Karl Fischer, Alexander E. Fennon, Karl Markovics, Roland Jaeger, Melita Jurisic, Ursula Ofner, Dov Glickman, Inge Maux, Mathias Forberg.

Zeugenaussage beim Murer-Prozess 1963

Altbundespräsident Dr. Heinz Fischer bezeichnete den Fall Murer als den absoluten Tiefpunkt der österr. Justizgeschichte. Im Jahre 1963 wurde der „Schlächter von Wilna“ in Graz freigesprochen. Der Film zeigt akribisch genau den Prozess und wie es dazu kam. Murer war zuvor von den Sowjets zu 25 Jahren Haft wegen seinen Gräueltaten an Sowjetbürgern als Leiter des KZ-Wilna verurteilt worden, kam aber im Zuge des österr. Staatsvertrages nach wenigen Jahren wieder frei. Er durfte deshalb für die schon verurteilten Verbrechen nicht nochmals belangt werden. Simon Wiesenthal hatte damals einen schlechten Ruf und galt als verlängerter Arm des jüdischen Geheimdienstes. Sein Anteil am Prozess sollte tunlichst totgeschwiegen werden.

Der Film beginnt damit, dass Franz Murer in der U-Haft Zelle seine Frau küsst und das passende Gewand für den Prozess aussucht, es sollte eine Steyrer-Loden- Jacke sein. Seinem Anwalt gelingt es, die Zeugen mit belanglosen Details, wie die Farbe seiner Uniform in Widersprüche zu verwickeln und deren Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen. Er behauptet, den jüdischen Zeugen „sei die Lüge ins Gesicht geschrieben“. Doch auch auf die Schöffen und den Staatsanwalt wird offenbar Druck ausgeübt. Es kommt zum Freispruch. Murers Freunde johlen vor Freude wie es der Pöbel bei Hitlers Einmarsch in Wien 1938 getan hat. Er starb 1994 unbehelligt in Leoben.

Stark das Ende des Films, als sich Verteidiger und Staatsanwalt zufällig treffen. Auch der Verteidiger hat nur seine Pflicht getan…  Doch auch der ehemalige SPÖ-Justizminister Broda bekommt sein Fett ab, er wollte sich damals der FPÖ annähern, um die ÖVP zu schwächen.

**** Exzellenter Justiz-Irrtumfilm mit beklemmender Aktualität. (Norbert Fink)
Er wurde bei der Diagonale Graz 2018 ausgezeichnet mit dem Preis für den Besten Österreichischen Spielfilm

Trailer: