Programm
Dezember 2007
1. Film
Eintrittspreise: Normallänge 7 - Weltlichtspiele Dornbirn
Es geht weiter - zumindest bis April 08 !!!
Donnerstag, 13.12.07, 19.30 Uhr; Freitag, 14.12.07, 21.30 Uhr
Meine
liebe Republik

Die österr. Regisseurin Scharang, die letztes Jahr „Tintenfischalarm“
zeigte, bringt wieder ein heißes Thema auf die Leinwand.
Friedrich Zawrel ist ein Überlebender des Kinder-Vernichtungsspitals „Am Spiegelgrund“ in Wien, das von einem gewissen Dr. Heinrich Gross geleitet wurde. Gross, später BSA Mitglied, war einer der meistbeschäftigten Gerichtsgutachter der 2. Republik und machte sich zum Handlanger der Justiz. Gross wurde trotz nachgewiesener Beteiligung an vielen Morden nie verurteilt.
Zawrel (Foto) wuchs bei Pflegeeltern auf, weil sein Vater Alkoholiker war, doch während sein Bruder das Wunschkind der Pflegeeltern war, wurde er nur zweitrangig behandelt, flüchtete oft und wurde deshalb als „asozial und schwer erziehbar“ in den Spiegelgrund eingeliefert. Die Kinder wurden dort in Zellen inhaftiert, oft in kalte Tücher eingewickelt, bis sie durch die Körperwärme trockneten, sie konnten sich dabei nicht rühren. Bei Kriegsende ermöglichte ihm eine beherzte Krankenschwester die Flucht. Zawrel, der somit keinen Schulabschluss hatte, konnte nach dem Krieg nicht einmal den Führerschein machen oder eine Kellnerlehre absolvieren. Er wurde wegen stets gewaltfreier Diebstähle mehrfach straffällig und saß eines Tages wieder diesem Dr. Gross als „Sachverständigem“ gegen über und konfrontierte ihn dabei mit dessen Vergangenheit. In der Strafvollzugsanstalt Stein schrieb er an den damaligen Justizminister Dr. Broda Briefe über die Vergangenheit von Gross, die nie beantwortet wurden.
Erst als der kritische Arzt Dr. Vogt sich des Falles annahm und bei einem Kongress vorschlug, Dr. Gross solle nicht über „Verbrechen von Geisteskranken“ sondern über „Verbrechen an Geisteskranken“ sprechen, denn da kenne er sich besser aus, wurde die Sache publik. Als Gross, die Justiz hinter sich wähnend, Vogt klage, oblag er, da Vogt eben diesen Zawrel als Kronzeuge vorweisen konnte. Dennoch wurde er trotz vieler Anzeigen nie angeklagt, bzw. letztlich als „dement“ und verhandlungsunfähig erklärt.
Zawrel´s Leben änderte sich daraufhin zum Guten, er wurde nie wieder straffällig. . „Das hätte ich dem Dr.Vogt, dem ich soviel verdanke, nicht antun können“. Er blieb jedoch ein tapferer Mann, der unermüdlich über die nie stattgefundene Entnazifizierung in Österreich aufklärt.

*** handwerklich leider nicht immer perfekt, inhaltlich aber hervorragend aufgearbeitete Dokumentation über das schwere Leben des Friedrich Zawrel, der als Überlebender vom „Spiegelgrund“ im späteren Leben dem damaligen NS-Arzt Dr. Gross als Gutachter wieder begegnete und seine Verbrechen publik machte. (Kritik: N. Fink nach der Sichtung des Films bei der Diagonale in Graz)
http://www.meine-liebe-republik.at/
Programm Jänner 2008
Programm Februar 2008 - lateinamerikanische Filme