Programm Oktober 2010

1. Film   2. Film  3.Film
Eintrittspreise: Normallänge 7- Weltlichtspiele Dornbirn


Freitag, 1.10.10 - 21. 30 Uhr
Das ganze Leben liegt vor dir
(Tutto la vita davanti)

Italien 2008, 117 Minuten, Cinemascope, italienische. OmU.
Regie: Paolo Virzì
Darsteller: Isabella Ragonese, Micaela Ramazzotti, Sabrina Ferilli, Valerio Mastandrea, Elio Germano, Massimo Ghini, Mary Cipolla, Giulia Salerno, Tatiana Farnese

Marta (Isabella Ragonese) hat ihr Philosophiestudium cum laude abgeschlossen und macht sich enthusiastisch auf die Suche nach einem Job. Sie hat, wie ihre Mutter sagt, ihr ganzes Leben noch vor sich. Doch bald muss sie enttäuscht feststellen, dass die Welt nicht auf sie gewartet hat. Durch Zufall lernt sie das kleine Mädchen Lara kennen, die gemeinsam mit ihrer Mutter Sonia (Micaela Ramazzotti) einen Babysitter sucht. Marta sind die beiden sofort sympathisch, und so werden die drei ein Team. Während Sonia in einem Callcenter jobbt, erzählt Marta der kleinen Lara Platons Höhlengleichnis als Gute-Nacht-Geschichte. Als ein Job in der Tagesschicht des Callcenters frei wird, greift Marta beherzt zu. Auch wenn die morgendlichen Motivationsgesänge Marta zu Anfang irritieren, so stellt sie doch fest, dass diese seltsame Welt durchaus ihren Reiz hat. Besonders weil sie feststellt, dass sie im Umgang mit Menschen Talent hat. Doch diese Welt hat andere Regeln: Hier sind eher Kenntnisse zu „Big-Brother" gefragt als philosophische Spitzfindigkeiten. Marta lernt ein anderes Land kennen, das Italien, in dem man auch im Callcenter mit Headset immer schön und glücklich sein muss. Das Italien, in dem die Manipulation anderer das wichtigste Werkzeug für Erfolg darstellt, und in dem die Quote, egal wie sie erzielt wurde, an oberster Stelle steht. Marta lernt das Italien Berlusconis kennen.



http://www.dasganzelebenliegtvordir.de/




Donnerstag, 14.10.10 - 19.30 Uhr und Freitag, 15.10.10 - 21. 30 Uhr

Sturm
Deutschland/Dänemark/Niederlande 2009, 110 Minuten, Cinemascope, englisch-deutsch-serbisch-bosnische OmU

Regie: Hans-Christian Schmid. Drehbuch: Bernd Lange, Hans-Christian Schmid.

Mit: Kerry Fox, Anamaria Marinca, Stephen Dillane, Rolf Lassgård, Alexander Fehling, Tank Filipovic, Kresmir Mikic, Steven Scharf, Joel Eisenblätter, Bent Mejding, u. a.

Hannah Maynard (Kerry Fox) ist Anklägerin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und führt einen Prozess gegen Goran Duric, einen ehemaligen Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee. Ihm wird vorgeworfen, für die Deportation und den späteren Tod bosnisch-muslimischer Zivilisten in Kasmaj, einer Kleinstadt in der heutigen Republika Srpska, verantwortlich zu sein. Als sich ein wichtiger Augenzeuge bei seiner Aussage in Widersprüche verstrickt, schickt das Gericht eine Delegation nach Bosnien, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zeugen erhärten sich, allem Anschein nach sagt er nicht die Wahrheit. Kurz darauf findet man seine Leiche; er hat sich in seinem Hotelzimmer das Leben genommen. Hannah gibt den Fall noch nicht verloren. In der Hoffnung, neue Erkenntnisse zu gewinnen, reist sie zur Beerdigung des Zeugen nach Sarajevo und trifft dort auf dessen Schwester Mira (Anamaria Marinca). Schon bald gewinnt Hannah den Eindruck, dass die junge Frau viel mehr über den Angeklagten zu sagen hat, als sie zunächst zugeben möchte. Obwohl Mira Angst hat, sich der Vergangenheit zu stellen und damit ihre ahnungslose Familie zu gefährden, mit der sie sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut hat, liefert sie schließlich den entscheidenden Hinweis für Durics Verbrechen und erklärt sich bereit, ihre Aussage vor dem Tribunal in Den Haag zu wiederholen. Unmittelbar vor der entscheidenden Verhandlung versuchen Durics Verteidiger, Miras Zulassung als Zeugin abzuwenden - und finden mit ihrem Anliegen unerwartet Unterstützung von Seiten der Richterschaft. Hannah begreift, dass ihre Gegner nicht nur auf der Anklagebank, sondern auch in den eigenen Reihen zu finden sind. Im Spannungsfeld zwischen dem politischen Interesse der Vereinten Nationen und ihrem eigenen Anspruch auf Unabhängigkeit kämpft Hannah gegen die Schattenseiten von Recht und Gerechtigkeit.
"Kerry Fox spielt die erst pflichtbewusste, dann gekränkte, schließlich verzweifelt kämpferische Anklägerin beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, deren Wunsch nach Gerechtigkeit mit der Mechanik der Prozessordnung und den politischen Opportunitäten kollidiert. Kerry Fox ist großartig - und wird noch übertroffen von Anamaria Marinca als bosnischer Zeugin. STURM braucht mehr erklärende Dialoge, als man von Schmid gewohnt ist, aber er stolpert nie in die Falle von Gratismoral und empörtem Gutmenschentum. Hans-Christian Schmid ist eben auch ein Skeptiker, und weil er nicht mit der Geste desjenigen auftritt, der eine gute Sache in pompöser Verpackung verkaufen will, gewinnt er an Glaubwürdigkeit. STURM ist auch die Geschichte einer Enttäuschung, eines systembedingten Scheiterns mit einem Quantum Hoffnung - also ein Blick auf die Welt, wie sie ist." (FAZ)

Hannah Maynard ist Anklägerin am UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Sie ermittelt gegen Goran Duric, einen ehemaligen Befehlshaber der jugoslawischen Volksarmee. Der Prozess kommt jedoch nicht von der Stelle – bis eine neue Zeugin auftaucht, Mira, die Duric beschuldigt, Vergewaltigungen an bosnischen Frauen angeordnet zu haben. Sie selbst gehörte zu den Opfern.
Hans-Christian Schmid (23, CRAZY, LICHTER) dringt tief in die Welt eines Justizapparates vor, der das hehre Ziel der Verbrechensaufklärung verfolgt, bei näherem Hinsehen jedoch Schauplatz abgründiger Dramen ist. STURM verzichtet auf Rückblenden in die Kriegshandlungen, Massaker und Massenvergewaltigungen; seine Stärke besteht in der Konzentration auf die Nachwirkungen dieses jüngsten europäischen Krieges, die aus unserem öffentlichen Bewusstsein zu verschwinden drohen. (nach: filmladen-info; www.sueddeutsche.de)
„STURM ist ein fesselnder Mix aus Gerichtsdrama und Thriller. Doch gelingt ihm dabei etwas, worum sich viele Filme zum Thema ansonsten vergeblich bemühen: Er holt die Ereignisse erstens in die unmittelbare Gegenwart und zweitens weg vom ‚exotischen’ Balkan hin in die gefühlte Mitte Europas. Und obwohl STURM von der Unmöglichkeit handelt, durch Recht Gerechtigkeit zu erfahren, versteht es der Film wunderbar, jeder Figur jenseits von Rollenklischees ihr Recht zu belassen.” (www.welt.de)
- Amnesty International Filmpreis, Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater, Preis der Leserjury der Berliner Morgenpost
(Quelle: Leokino Innsbruck)


Donnerstag, 28.10.10 - 19:30 Uhr und Freitag, 29.10.10 - 21:30 Uhr

The Dust of Time
Griechenland/Italien/Deutschland/Russland 2008, 125 Minuten, englische OmU

Regie und Drehbuch: Theo Angelopoulos. Kamera: Andreas Sinanos. Schnitt: Yannis Tsitsopoulos, G. Chelidonides. Musik: Eleni Karaindrou. Ton: M. Athanasopoulos, Jerome Aghion. Ausstattung: Alexander Scherer, K. Zagorskij. Kostüm: Regina Khomckaya, Francesca Sartori, Martina Schall. Produktion: Theo Angelopoulos Film Prod., Greek Film Centre, Nova, Classic Srl, Lichtmeer, Studio 217. Produzentin: Phoebe Economopoulou. Mit: Willem Dafoe, Bruno Ganz, Michel Piccoli, Irene Jacob, Christiane Paul, Reni Pittaki, Kostas Apostolides, Alexandros Milonas, Norman Mozzato, Alessia Franchin, u. a.

A. (Willem Dafoe), ein amerikanischer Filmregisseur griechischer Abstammung, kehrt in die römischen Filmstudios zurück, um den Dreh an einem Film fortzusetzen, den er aus unbekannten Gründen abgebrochen hat. Der Film handelt von der Liebe einer Frau - seiner Mutter (Irène Jacob) - zu zwei Männern (Bruno Ganz, Michel Piccoli), die sie ein Leben lang liebte, von denen sie bis zum Ende wiedergeliebt wurde. Die Liebenden verlieren sich und finden sich wieder, sie suchen einander auf einer Reise durch den Raum und die Zeit, vorbei an den bedeutenden Ereignissen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Sibirien, Nordkasachstan, Italien, Deutschland, Amerika. Der historische Bogen spannt sich über Exil, Trennung und Aufenthalte in der Fremde bis zum Zusammenbruch von Ideologien - von Stalins Tod, dem Watergate-Skandal und dem Vietnamkrieg bis zum Fall der Berliner Mauer und dem noch nicht eingelösten Traum von einer besseren Welt im 21. Jahrhundert. Wie im Traum erinnert sich A. an die Menschen und Ereignisse seiner Vergangenheit, die er in der Gegenwart noch einmal erlebt. In einem menschenleeren Berlin, in der Dämmerung des 21. Jahrhunderts, fällt leise der Schnee auf vergangene Zeiten und vergehende Zeit, auf das Universum.
Angelopoulos' Filme sind Legende - angefangen von "Die Wanderschauspieler" bis "Die Erde weint". Der griechische Meisterregisseur prägt mit seinen eigenwilligen, mythischen, philosophischen Filmen seit Jahrzehnten das europäische Filmschaffen wie kaum ein anderer.

http://www.dustoftime.de/


November 2010

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