Programm
Sept. 2007
1. Film 2.
Film
Eintrittspreise: Normallänge 7 - Weltlichtspiele Dornbirn
Es geht weiter - zumindest bis Dezember 07 !!!
Donnerstag, 13.9.07, 19.30 Uhr; Freitag, 14.9.07, 21.30 Uhr
Das Fräulein
CH 2006, Regie: Andrea
Staka, 81 Min, 35mm
Andrea Štaka wirft einen intimen Blick auf drei eigenwillige Frauen in der
Schweiz, die aus verschiedenen Gegenden eines Landes kommen, das es nicht mehr
gibt (Ex-Jugoslawien). Das Fräulein erzählt von Entwurzelung und Sehnsucht in
einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen zwischen verschiedenen Kulturen,
Religionen und Ländern bewegen, sei es als Reisende, Vertriebene oder einfach
Heimatlose.

N.Fink schrieb nach der Sichtung des Filmes in Solothurn:
Ruza, Ana und Mila sind 3
Frauen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Ruza besitzt ein Bahnhofsrestaurant in
Zürich, ist vergrämt und denkt nur ans Geld, kein Lächeln geht über ihre Lippen.
Als Ana, eine an Leukämie schwer erkrankte 22 Jahre junge Obdachlose auftaucht,
ändert sich das etwas. Mila will eigentlich nicht zurück in das „Traumhaus“ in
Bosnien, für das ihr Mann jeden Franken braucht. Als Ruza Geburtstag hat, machen
die Angestellten für sie eine Party, was sie anfangs überhaupt nicht will, doch
letztlich taut sie dabei doch auf und macht sogar Sex mit einem alten
Stammkunden. Zwischen Ana und Ruza entsteht eine Freundschaft. Ausgerechnet die
schwer kranke Ana, die vielleicht vor Ruza sterben wird, vermag ihr so etwas wie
Lebensfreude beizubringen.
**** Zwar ein typischer Frauenfilm, in dem Männer nur am Rande vorkommen und
auch dann noch suspekt bleiben, wenn sie eigentlich sehr nett mit den Frauen
umgehen, trotzdem fasziniert die Charakterisierung der drei unterschiedlichen
Frauen aus dem ehemaligen Yugoslawien. Er wurde zu recht für das beste Drehbuch
ausgezeichnet.
Preis für das
beste Drehbuch (Schweizer Filmpreis 2007) , Goldener Leopard Locarno 2006
http://www.dasfraulein.ch/stage/langswitch.php
Donnerstag, 27.9.07, 19.30 Uhr; Freitag, 28.9.07, 21.30 Uhr
IKLIMLER
- Jahreszeiten
Türkei / F 2006, Länge 97 min.Regie: Nuri Bilge
Ceylan
Darsteller: Ebru Ceylan, Nuri Bilge Ceylan, Nazan Kesal, Mehmet ErylmazAutorNuri
Bilge Ceylan

Durch die außerordentliche, konzentrierte Bildsprache, die extreme physische
Unmittelbarkeit des Schauspiels und den genauen filmischen Rythmus schafft Nuri
Bilge Ceylan eine ganz eigene hypnotische Intensität der Beziehung zwischen
Bahar und Isar, einem Paar mittleren Alters, das beschlossen hat, getrennte Wege
zu gehen. Der Schmerz der Gefühle, die Vergeblichkeit der Sprache, die
Hilflosigkeit der Gesten: Iklimler ist ein Film von einer ungeheuren
Sinnlichkeit und Erotik, ein Film über das Leben, die Hitze, die Körper, die
Liebe, die Einsamkeit und das Verlangen.
Er, der Mann, ein Archäologieprofessor, gespielt von Ceylan selbst, schlendert
und fotografiert da durch antike Ruinen in der Nähe von Kas. Sie, eine
Filmproduzentin, dargestellt von der Frau des Regisseurs und Drehbuchautors,
Ebru Ceylan, betrachtet ihn aus einer größeren Entfernung mit einer Mischung aus
Skepsis und Enttäuschung. Plötzlich beginnt sie lautlos zu weinen. Die darauf
folgenden Szenen eines Urlaubs an der türkischen Mittelmeerküste vertiefen das
Unbehagen: Körperliche Verspannungen, Unterhaltungen, die jäh in Feindseligkeit
umschlagen, der Versuch, mit einem gemeinsamen Mofa-Unfall endlich wirklich
Schluss zu machen.
Der Sommer der letzten Gemeinsamkeiten am Meer, ein Herbst narkotisierter
Einzelgängerschaft in Istanul (das wie schon in Ceylans letztem Film als von
urbanen Intellektuellen behauste moderne Großstadt porträtiert wird),
schließlich: Der Versuch einer erneuten Annäherung und Versöhnung im
winterlichen, gebirgigen Hinterland, wo gerade ein historisches TV-Drama gedreht
wird: Die Türkei und ihre unterschiedlichen regionalen Landschaften ist ebenso
Hauptdarsteller in diesem Film wie die Jahreszeiten einer scheiternden Ehe –
zuerst in Ruinen, dann in großstädtischen Büros und Wohnungen und am Ende im
bäuerlichen Niemandsland.
(Ganz subjektiv: Der schönste Film des Festivals. Der Standard, Oktober 2006)
Auszeichnungen
Cannes 2006: FIPRESCI Preis der Internationalen Filmkritik
Antalya Film Festival: Beste Regie, Bester Schnitt, Bester Ton, Beste
Nebendarstellerin