Programm Juni 2007

1. Film   2. Film  3. Film
Eintrittspreise: Normallänge 7€ - Weltlichtspiele Dornbirn

Es geht weiter - zumindest bis August 07 !!!

Schwerpunkt Afrika


Freitag, 1.6., 21.30 Uhr

Scoop

der neue Woody Allen (siehe Vormonat)


Donnerstag, 14.6., 19.30 Uhr; Freitag, 15.6., 21.30 Uhr

Daratt - Dry Season



Mahamat-Saleh Haroun, Tschad, 2006, 95 Min, frz. Omu

http://www.zerodeconduite.net/daratt/index.htm(in französisch)

Die Regierung im Tschad hat eine allgemeine Amnestie erlassen, um den Teufelskreis der Gewalt zu stoppen. Der 16-jährige Atim erhält von seinem Grossvater einen Revolver, damit er den Mann töten kann, der seinen Vater getötet hat. Atim verlässt sein Dorf und geht in die Hauptstadt N´Djamena auf der Suche nach einem Mann, den er nicht kennt. Dieser ist nun verheiratet und führt eine kleine Bäckerei. Atim Nassara arbeitet für ihn, und im Lauf der Zeit entwickelt sich eine eigenartige Beziehung.



Mahamet-Saleh Haroun ist bekannt als einer der wichtigsten, zeitgenössischen Filmemacher Afrikas. Auf den ersten Spielfilm Bye Bye Africa folgte der hoch gelobte Abouna, ein einfühlsamer und berührender Bericht zweier Jungen auf der Suche nach dem vermissten Vater. Wie diese früheren Arbeiten ist Daratt täuschend einfaches, elegant cineastisches Geschichtenerzählen - trotz seiner Einfachheit reich an Bedeutung und Relevanz für unsere Zeit. Der Film greift dieselbe Frage auf, die auch Mozart in «La clemenza di Tito» stellte: Sind Vergebung und Versöhnung in unserem durch Krieg erschütterten Jahrhundert überhaupt möglich? Überall auf der Welt, vor allem aber in Afrika, ist diese Frage von vorrangiger Bedeutung.

Im Tschad, einem Land, in dem der Bürgerkrieg den Film fast unmöglich machte, wird einem jungen Mann von seinem Großvater ein Revolver gegeben. Der junge Mann macht sich auf den Weg, an dem Mörder seines Vaters Rache zu üben, der Monate vor der eigenen Geburt getötet wurde. Er findet den Mörder - jetzt eine respektierte und Respekt gebietende Persönlichkeit von 60 Jahren - in seiner kleinen Bäckerei und beginnt für ihn zu arbeiten. Er lernt Brot zu backen und langsam entwickelt sich eine merkwürdige Beziehung zwischen den beiden; der Ältere würde den Jüngeren sogar gern als Sohn adoptieren. Gleichzeitig aber umkreisen sich die beiden, der eine unsicher darüber, ob er Rache nehmen soll, der andere dabei, sich selbst fast aufzugeben.

Grand Special Prize of the Jury - Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica di Venezia
UNESCO AWARD New Crowened Hope, Wien


Donnerstag, 28.6.07 - 19.30 Uhr; Freitag, 29.6.07, 21.30 Uhr

Bamako

Abderrahmane Sissako, Mali, 2006, 115 min, frz.-bambarische OmU




Die bildhübsche Melé arbeitet als Sängerin in einer Bar, ihr Mann Chaka ist arbeitslos. Im Hof ihres Hauses in Malis Hauptstadt Bamako, wo sie zusammen mit anderen Familien leben, installiert sich ein Gericht. Vertreter der afrikanischen Bevölkerung haben einen Prozess angestrebt gegen den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank, weil sie diese zur Rechenschaft ziehen wollen für das, was auf dem afrikanischen Kontinent schief läuft. Der Wohnhof wird also gleichzeitig Gerichtshof, und während Anklagende, Zeugen und Verteidiger ihre Standpunkte vertreten, spielt das Leben munter weiter, als wäre da gar nichts Besonderes. Und damit wird aus dem vollen afrikanischen Leben heraus darüber debattiert, wie die nördliche Welt mit der südlichen umgeht, erhält ein ernsthaftes und interessantes Thema eine unterhaltsame Form der Vermittlung. Ein spannender Film zur Zeit und ein gewitztes Lehrstück nicht nur in bezug auf Afrika.

Was für eine grossartige Idee: Abderrahmane Sissako lädt uns ein in Malis farbenfrohe Hauptstadt Bamako, wo er im Hof des väterlichen Hauses eine Gerichtsverhandlung in Szene setzt, in jenem Hof, in dem er selber seine Jugend verbracht hat. Doch keine Angst, das ist alles andere als trockene Faktenbeigerei: Spannungsgeladen präsentiert sich die hier in Szene gesetzte Verhandlung gegen die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds, die ja eigentlich da wären, ausgleichend zu wirken im Weltmarkt. Munter läuft während der Gerichtsverhandlung im Hof das Leben weiter. Die geniale Idee von Sissako war es, Gericht zu halten im Alltag, denn aus ihm heraus wird so vieles, was diskutiert wird, ganz beiläufig sichtbar, wahrnehmbar, erkennbar. Und darüber hinaus spielt der Alltag aufs Unterhaltsamste seine Streiche. Natürlich schweift Sissakos Blick immer wieder ab, widmet er sein Interesse Randfiguren im globalen Game, um die Widerwärtigkeit der nördlichen Arroganz umso sichtbarer zu machen oder der Fiktion des US-amerikanischen Westerns mit Danny Glover und Elia Suleiman als Shooting Stars.

Wenn die Welt heute voller Wunden ist, dann aufgrund einer langen Geschichte, die gerne vergessen geht, wenn man das Heute betrachtet. Abderrahmane Sissako führt uns dies am Beispiel Afrikas im Innenhof seines Hauses vor Augen und vor Ohren. Er ist auch ein hochsensibler Porträtist. Luzid sind die Auseinandersetzungen und Äußerungen, real existierende Figuren und erfundene spielen ineinander über und miteinander, um von dem zu reden, was ist. Und von dem, was sein könnte. Zu Letzterem freilich würde so etwas wie Bewusstsein gehören, nicht nur ein Bewusstsein fürs Eigene sondern eben auch eines fürs Andere, für die Existenz des Anderen. Bamako ist für mich der dringlichste Film zur Zeit: Stiller Aufschrei, luzide Einsicht, unterhaltsam und besinnlich in einem. Über 200'000 Zuschauerinnen hat der Film in Frankreich bereits begeistert.

Bamako (aus dem Bambara von Bama für „Krokodil“ und Ko für „Rücken“) ist die Hauptstadt Malis. Im Vorort Koulouba liegt das Regierungsviertel von Mali. Die Stadt liegt am Fluss Niger.


Juli 2007

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