Programm
März 2008
1. Film
2.
Film
Eintrittspreise: Normallänge 7 - Weltlichtspiele Dornbirn
Es geht weiter - zumindest bis Mai 08 !!!
Donnerstag,
6.3. 2008 -
19.30 Uhr und
Freitag, 7. 3. 2008 - 21. 30 Uhr


*** Witzige und
unterhaltsame Verfilmung, gut gespielt und in unserer Nähe gefilmt.
Donnerstag, 20.3. 2008 -
19.30 Uhr und
Freitag, 21.3. 2008 - 21. 30 Uhr
TUYA'S
HOCHZEIT
China 2006, Regie Wang Quan’an, Drehbuch Wang Quan’an, Lu Wei - 96 Min, OmU. Dolby SR
Tuya ist die schöne und standhafte Ehefrau von Bater, einem Hirten, der beide Beine verlor, als er auf der Suche nach Wasser in den weiten Steppen der Inneren Mongolei unterwegs war. So muss Tuya nun allein für Bater und ihre zwei Kinder sorgen. Die harte Arbeit setzt ihr merklich zu, bis sie eines Tages krank wird. Angesichts der ernsten Lage beschließt das Paar, sich scheiden zu lassen, damit Tuya jemanden suchen kann, der ihr hilft, die Familie zu versorgen. Die Anwärter sind zahlreich, doch keiner möchte sich um Bater kümmern, so wie Tuya es fordert. Auf ihrer Suche nach einem neuen Ehemann begegnet die selbstbewusste und sturköpfige, aber ebenso sanfte und sensible Tuya Freiern, die reich aber unehrlich, liebenswert aber schüchtern sind? Schließlich trifft sie ihre Wahl und ihr neuer Mann lässt Bater in ein Pflegeheim in die Stadt überweisen. Doch Bater verzweifelt immer mehr an seiner Sehnsucht nach Tuya und den Kindern und zwingt Tuya abermals zum Handeln?

Wang Quan’an gewann mit TUYAS
HOCHZEIT den Goldenen Bären (2007) in Berlin!
Durchaus denkbar, dass die Jury, wie viele andere vor ihr, wieder einmal gepackt
war von bunt gekleideten Asiaten, die in der Steppe herumstiefeln. Das ist
verständlich, aber TUYAS HOCHZEIT handelt genau nicht von Folklore, sondern vom
drohenden Verschwinden derselben. In der kargen, lebensfeindlichen Landschaft
der Inneren Mongolei wiederholt sich, so Wang, in rasantem Tempo der Irrsinn,
den China derzeit in allen Regionen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß,
erlebt: Der unermesslichen Gier nach Energie und Rohstoffen wird auch in der
Steppe gefrönt, das Ökosystem über den Haufen geworfen und die Nomaden in die
stetig wachsenden hässlichen Boomtowns getrieben. Ansätze davon sind hier
bereits deutlich zu sehen, weshalb der Regisseur auch meint, dies sei „der
möglicherweise letzte flüchtige Blick auf die Hirten der Inneren Mongolei“. Als
solcher ist der Film wichtig, mit seinem fast ethnografischen Impetus, der sich
auch in der Wahl der Darsteller (mit Ausnahme Yu Nans als Tuya sind fast alle
Beteiligten Hirten aus der Region) widerspiegelt. Der Geschichte von der toughen
Hirtenfrau, die mit zwei Kindern und einem bei einem Unfall schwer am Bein
verletzten Mann mehr schlecht als recht überlebt, fehlt es am rechten Tempo und
sie hat allzu viele Wendungen, aber sie hat etwas zu sagen, nicht nur über die
drohende ökologische Katastrophe, sondern auch über die demografische: Tuya und
ihr Mann Bater einigen sich auf eine Scheidung, damit sie einen gesunden,
kräftigen Mann heiraten kann, der ihr bei der Arbeit hilft. Den Anmarsch einer
Schar von Heiratskandidaten nützt Wang virtuos, um nicht nur auf die
verheerenden Folgen der Ein-Kind-Politik und der Abtreibung von Millionen
weiblicher Föten hinzuweisen, sondern auch um ein Panoptikum an Macho-Gestalten
zu zeigen, an denen mehr als 50 Jahre kommunistischer „Befreiung der Frau“
spurlos vorübergegangen sind. Auch der gierige Neureiche fehlt nicht, der alles
hat, nur nicht Gefühl und Stil er treibt die Familie beinahe in den Abgrund.
Getragen wird TUYAS HOCHZEIT mühelos von der 29-jährigen Yu Nan, die man getrost
als den kommenden weiblichen chinesischen Star ansehen darf. In ihrem auf herbe
Art schönen Gesicht und in ihrer Körpersprache spiegelt sich die ganze Skala der
Emotionen dieser von Wind, Wetter und Männerwelt geplagten Frau, die sich nicht
unterkriegen lässt.
