Programm März 2008

1. Film   2. Film 
Eintrittspreise: Normallänge 7€ - Weltlichtspiele Dornbirn

Es geht weiter - zumindest bis Mai 08 !!!

Donnerstag, 6.3. 2008 - 19.30 Uhr und Freitag, 7. 3. 2008 - 21. 30 Uhr

EIN FLIEHENDES PFERD
 
Deutschland 2007 - Regie: Rainer Kaufmann, Drehbuch: Ralf Hertwig, Kathrin Richter,mit Ulrich Noethen, Katja Riemann u.a., 97 Min

Verfilmung der Novelle von Martin Walser, gedreht am Bodensee!

Obmann Fink schrieb:
Die Geschichte ist im Prinzip einfach: zwei Pärchen treffen sich und beide Männer begehren des anderen Weib, die Frauen wiederum sind dem Werben nicht ganz abgeneigt.
Helmut, ein Geschichte/Deutsch-Professor aus München hat am deutschen Bodenseeufer ein Ferienhaus und verbringt dort mit seiner Gattin Sabine wie so oft den Urlaub, er sollte geruhsam sein und Zeit zum Lesen haben. Doch dann taucht beim Baden der alte Studienkollege Klaus, ein angeberischer, aber stets aktiver Playboy in Begleitung der blutjungen Hel auf. Helmut ist über die Begegnung genervt, doch lässt Klaus nicht locker. Immerhin gefällt ihm dessen Begleiterin und auch seiner Frau scheint etwas Abwechslung gut zu tun. Es kommt allerdings immer wieder zu Konflikten, denn Helmut will nicht an seine Jugendzeit erinnert werden bzw. findet die Geschichten erlogen. Als beide beim Partner des anderen schon nahe dran sind, kommt es während eines Sturmes mit dem Segelboot auf dem Bodensee zur Tragödie.



*** Witzige und unterhaltsame Verfilmung, gut gespielt und in unserer Nähe gefilmt.



Donnerstag, 20.3. 2008 - 19.30 Uhr und Freitag, 21.3. 2008 - 21. 30 Uhr

TUYA'S HOCHZEIT

China 2006, Regie Wang Quan’an, Drehbuch Wang Quan’an, Lu Wei - 96 Min, OmU. Dolby SR

Tuya ist die schöne und standhafte Ehefrau von Bater, einem Hirten, der beide Beine verlor, als er auf der Suche nach Wasser in den weiten Steppen der Inneren Mongolei unterwegs war. So muss Tuya nun allein für Bater und ihre zwei Kinder sorgen. Die harte Arbeit setzt ihr merklich zu, bis sie eines Tages krank wird. Angesichts der ernsten Lage beschließt das Paar, sich scheiden zu lassen, damit Tuya jemanden suchen kann, der ihr hilft, die Familie zu versorgen. Die Anwärter sind zahlreich, doch keiner möchte sich um Bater kümmern, so wie Tuya es fordert. Auf ihrer Suche nach einem neuen Ehemann begegnet die selbstbewusste und sturköpfige, aber ebenso sanfte und sensible Tuya Freiern, die reich aber unehrlich, liebenswert aber schüchtern sind? Schließlich trifft sie ihre Wahl und ihr neuer Mann lässt Bater in ein Pflegeheim in die Stadt überweisen. Doch Bater verzweifelt immer mehr an seiner Sehnsucht nach Tuya und den Kindern und zwingt Tuya abermals zum Handeln?

Wang Quan’an gewann mit TUYAS HOCHZEIT den Goldenen Bären (2007) in Berlin!  Durchaus denkbar, dass die Jury, wie viele andere vor ihr, wieder einmal gepackt war von bunt gekleideten Asiaten, die in der Steppe herumstiefeln. Das ist verständlich, aber TUYAS HOCHZEIT handelt genau nicht von Folklore, sondern vom drohenden Verschwinden derselben. In der kargen, lebensfeindlichen Landschaft der Inneren Mongolei wiederholt sich, so Wang, in rasantem Tempo der Irrsinn, den China derzeit in allen Regionen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, erlebt: Der unermesslichen Gier nach Energie und Rohstoffen wird auch in der Steppe gefrönt, das Ökosystem über den Haufen geworfen und die Nomaden in die stetig wachsenden hässlichen Boomtowns getrieben. Ansätze davon sind hier bereits deutlich zu sehen, weshalb der Regisseur auch meint, dies sei „der möglicherweise letzte flüchtige Blick auf die Hirten der Inneren Mongolei“. Als solcher ist der Film wichtig, mit seinem fast ethnografischen Impetus, der sich auch in der Wahl der Darsteller (mit Ausnahme Yu Nans als Tuya sind fast alle Beteiligten Hirten aus der Region) widerspiegelt. Der Geschichte von der toughen Hirtenfrau, die mit zwei Kindern und einem bei einem Unfall schwer am Bein verletzten Mann mehr schlecht als recht überlebt, fehlt es am rechten Tempo und sie hat allzu viele Wendungen, aber sie hat etwas zu sagen, nicht nur über die drohende ökologische Katastrophe, sondern auch über die demografische: Tuya und ihr Mann Bater einigen sich auf eine Scheidung, damit sie einen gesunden, kräftigen Mann heiraten kann, der ihr bei der Arbeit hilft. Den Anmarsch einer Schar von Heiratskandidaten nützt Wang virtuos, um nicht nur auf die verheerenden Folgen der Ein-Kind-Politik und der Abtreibung von Millionen weiblicher Föten hinzuweisen, sondern auch um ein Panoptikum an Macho-Gestalten zu zeigen, an denen mehr als 50 Jahre kommunistischer „Befreiung der Frau“ spurlos vorübergegangen sind. Auch der gierige Neureiche fehlt nicht, der alles hat, nur nicht Gefühl und Stil ­ er treibt die Familie beinahe in den Abgrund. Getragen wird TUYAS HOCHZEIT mühelos von der 29-jährigen Yu Nan, die man getrost als den kommenden weiblichen chinesischen Star ansehen darf. In ihrem auf herbe Art schönen Gesicht und in ihrer Körpersprache spiegelt sich die ganze Skala der Emotionen dieser von Wind, Wetter und Männerwelt geplagten Frau, die sich nicht unterkriegen lässt.

http://www.tuyashochzeit.de/


April 2008
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