Programm März 2007

1. Film   2. Film 
Eintrittspreise: Normallänge 7€ - Weltlichtspiele Dornbirn

Es geht hier weiter - zumindest bis Herbst 07 !!!

Unser Thema im März: Sex in der Pubertät und im Alter



Donnerstag, 8.3. 2007 - 19.30 Uhr und
Freitag, 9.3. 2007 - 21. 30 Uhr

Malen oder Lieben
PEINDRE OU FAIRE L’AMOUR

Frankreich 2005; 98 Min; französische OmU.; Dolby Digital
Regie & Buch: Arnaud und Jean-Marie Larrieu;
DarstellerInnen: Sabine Azéma (Madeleine), Daniel Auteuil (William), Amira Casar (Eva), Sergi Lopez (Adam), Philippe Katerine (Mathieu), Hélène de Saint-Père (Julie) u.a:,

Ein gut situiertes Ehepaar übersiedelt von der Stadt aufs Land. Nun, da das Berufsleben und die vollen Terminkalender Vergangenheit sind, die Tochter erwachsen und im Ausland ist, beginnt eine gewisse Leere einzutreten. Auch ihre an sich solide Beziehung droht zu erkalten. Das ändert sich, als der blinde Bürgermeister Adam (Sergi Lopez) und seine Frau Eva (Amira Casar) sich mit Madeleine (Sabine Azéma) und William (Daniel Auteuil) anfreunden. Fast vergessene Leidenschaften blühen auf: Humorvoll und naturalistisch wird über die Loslösung von Zwängen, im Speziellen von Streifzügen durch das Sinnlich-Erotische erzählt.
Es ist das Bürgermeisterpaar von dem eine eigentümliche Anziehungskraft auf die Städter ausgeht. Diese erweisen sich als neugierig und aufgeschlossen, gemeinsam mit Adam und Eva die ländliche Idylle mit allen Sinnen zu erfahren und dem Leben wieder gelassener zu begegnen. Als es eines Nachts zu einer grenzüberschreitenden ‚Menage à Quatre’ kommt, bringt diese das gewohnte Selbstverständnis der Pärchen mit allen Irrungen und Wirrungen durcheinander.
Wie zumeist bei den Larrieu-Brüdern ist die Natur allgegenwärtig und so etwas wie das Rückgrat derer, die in ihr leben. Nahezu pastoral eingesetzte Chansons und doppelbödige Dialoge dienen als zusätzlicher Kommentar zur emotionalen Wandlung. Zweifellos hat der Film für die Diskussion über das neunte Gebot einen schönen Rahmen gefunden: Menschen in idealer Genussreife.
MALEN ODER LIEBEN lässt sich als französisches Lustspiel über den veränderten Alltag eines Rentnerpaares konsumieren oder aber als Reflexion über
sexuelle Gepflogenheiten und Tabus im Pensionsalter. Der Film erweist sich als Konservator und Erneuerer der französisch-romantischen Komödie – einer Erzählform, die das Lebensglück à la française stilistisch und erzählerisch überhöht feiert.

 Seit langer Zeit verheiratet, beschließen Madeleine und William aufs Land zu ziehen. Dort lernen sie ihren blinden Nachbarn kennen, der mit der jungen Eva zusammen lebt. Als deren Haus in Flammen steht, bieten sie ihnen Unterkunft an...
"Eine freizügige Komödie, voller Schalkhaftigkeit und Humor und gleichzeitig der kühnste Film des Cannes-Festivals." (Le Monde)
"Eine authentische Abhandlung über die Verwandlung der ehelichen Krise des Verlangens in die ungezügelte Erotik der Freiheit." (Cahiers du Cinema)
"Die Brüder Larrieu erwecken das französische Kino mit ihrem heiteren Hedonismus und ihrer über jedes Vorurteil erhabenen Intelligenz zu neuem Leben." (Elle)


Donnerstag, 22. 3. 2007 - 19.30 Uhr und
Freitag, 23.3. 2007 - 21. 30 Uhr

C.R.A.Z.Y.

Kanada 2005; 127 Min, französische OmU.
Regie Jean-Marc Vallée

Drehbuch Jean-Marc Vallée, Francois Boulay

Beim Weihnachtsfest 1960 erblickt Zachary Beaulieu in Québec das Licht der Welt. Für die fromme Mutter ist Zac mit einer besonderen Begabung gesegnet, und auch der engstirnige Vater ist maßlos stolz auf seinen Zögling. Aber das Glück ist nur von kurzer Dauer. Denn als Zacs Hormone beginnen, verrückt zu spielen, geht der Vater auf Distanz. Seine ständigen Konflikte mit den Eltern, die ersten Erfahrungen mit Liebe, Sex und Drogen machen sein Leben als Teenager zu einer emotionalen Achterbahnfahrt. Eine Zeitreise durch Mode, Musik und Lebensgefühl der 70er Jahre beginnt.
"Der franco-kanadische Regisseur Jean-Marc Vallée bringt mit seinem Film C.R.A.Z.Y. das seltene Kunststück fertig, eine Familienchronik anhand ihrer musikalischen Sozialisation zu vermessen. Vallée beschreibt die Zäsuren, Übergänge und Veränderungen im Leben Zacs anhand eines schmissigen Mixtapes aus Songs, die man heute getrost, manchmal auch wider besseres Wissen (denn natürlich ist gute Musik immer zeitlos) als Oldies bezeichnen könnte. Pop fungiert in C.R.A.Z.Y. als eine Form der Abgrenzung. Doch diese ist niemals absolut, sie kann die immanenten Bedeutungszusammenhänge nie ganz auslöschen." (die tageszeitung)


Das Kreuz hängt nicht nur in der Geburtsstation, im Einfamilienhaus und in der Kirche, sondern auch sowohl buchstäblich als auch im übertragenen Sinn um Zacs Hals. Wer an Weihnachten geboren wird, hat es nicht leicht: Denn erstens bekommt man weniger Geschenke – in diesem Fall auch grundsätzlich noch die falschen - und zweitens wird man im katholischen Milieu leicht zu einem zweiten Jesus hochstilisiert.
Von der Mutter wird Zac deshalb über alles geliebt und behütet und die Anforderungen des stolzen Vaters sind so groß wie die Ablehnung seiner vier gegensätzlichen Brüder. Eine zerbrochene Schallplatte der Countrysängerin Patsy Cline, die der Vater ebenso verehrt wie Charles Aznavour, ist der erste Protest, gleichzeitig aber ein mehrdeutiges Bild. Risse gehen durch die Familie und Clines Song „Crazy“ spielt nicht nur auf die Verrücktheit dieser Familie an.
Der 1963 geborene Jean-Marc Vallée erzählt mit Leidenschaft und man spürt, dass ihm Zeit und Milieu bestens vertraut sind. Er hakt nicht Episode für Episode ab, sondern fokussiert auf drei zentrale Momente. Von der Kindheit (1966) springt er zur Pubertät (1975) und lässt seinen Helden mit zwanzig (1980) schließlich sich selbst finden.
Konzentriert aufs Private vermittelt Vallée durch Kleidung, Frisuren und vor allem durch die Musik von David Bowie, Pink Floyd oder die Stones, mit der Zac seinen Protest gegen den Vater ausdrückt, bestechend die Stimmung der Zeit. Gleichzeitig spiegelt sich im Wandel der Familie auch der gesellschaftliche Wandel von Konservativismus zu Offenheit und Toleranz.
Zusammengehalten wird C.R.A.Z.Y durch die konsequente Einhaltung der Perspektive Zacs, der als Off-Erzähler auch von der ersten Einstellung an Identifikation schafft. Der subjektive Blick gestattet Vallée eine befreite und dynamische Erzählweise, in der Realismus und Traumsequenzen, Momente in Zeitraffer und Zeitlupe, lange ruhige Einstellungen und schnell geschnittene Szenen, Komisches und Berührendes sich zu einem harmonischen Ganzen fügen.
Gerade in diesen Gegensätzen vermittelt C.R.A.Z.Y. ebenso einfühlsam wie vielschichtig die Komplexität und Widersprüchlichkeit familiärer Beziehungen. Immer an der Kippe zwischen Geborgenheit und Konfrontation stehen die Familienfeste, prallen doch hier Vorstellungen und Anforderungen der Eltern und die Bedürfnisse der Kinder – oder eben Gesellschaft und Individuum - am Massivsten aufeinander. Vallée schafft es aber allen Figuren gerecht zu werden. – Gewidmet hat er den Film bezeichnenderweise seinem Vater.
gesehen und empfohlen von: Walter Gasperi: das ist eine Coming-of-Age-Geschichte und 60er/70er Jahre Zeitreise im Stile - aber deutlich besser - von "Populärmusik aus Vittula".
 


April 2007

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