Programm
Februar 2008
1. Film
2.
Film
Eintrittspreise: Normallänge 7 - Weltlichtspiele Dornbirn
Lateinamerikanische Filme - "das Beste, was wir auf Festivals
gesehen haben, ist gerade gut genug für den FKC!"
(Obmann Fink)
die Infos dieser Seite auf spanisch
Donnerstag, 7.2. 2008 -
19.30 Uhr und
Freitag, 8.2. 2008 - 21. 30 Uhr
MADEINUSA - Das Mädchen aus den Anden
Peru/ Spanien
2005, Regie und Buch:
Claudia Llosa, 103 Min, Dolby SRD, spanische OmU.

Im abgelegenen Manayaycuna in der peruanischen Andenregion bereitet sich die
Dorfgemeinschaft auf die Heilige Zeit um Ostern vor, das wichtigste Fest des
Jahres. Doch einer vollständigen Christianisierung zum Trotz haben die Bewohner
ihre eigene Tradition entwickelt, diese Feiertage zu zelebrieren, deren
Gestaltung und Exzesse einem wilden, rauschhaften Schauspiel gleichen. Dann
allerdings werden die Vorbereitungen gestört, denn ein Fremder verirrt sich in
das Dorf. Salvador, der attraktive Mann aus Lima, verkörpert die nahezu
mythische Freiheit des Fortschritts und der großen Welt, die plötzlich zu einer
Bedrohung für die archaische Lebensweise in den Anden wird.
Die junge Madeinusa lebt mit ihrer herrischen Schwester Chale und ihrem
autoritären Vater zusammen, seit ihre Mutter der dörflichen Enge nach Lima
entflohen ist. Auch wenn sie unter den Mädchen der Gemeinschaft als würdig
auserwählt wird, die begehrte Rolle der „Heiligen Jungfrau“ innerhalb der
Zeremonien zu übernehmen und die Spitze der bunten Prozessionen anzuführen,
fühlt sie sich dabei und insgesamt in ihrem Leben unglücklich und eingesperrt.
Mit dem Erscheinen Salvadors befällt Madeinusa zum ersten Mal die Hoffnung, aus
ihrem tristen Dasein auszubrechen. Sie ist sofort bereit, gemeinsam mit ihm nach
Lima zu gehen. Doch diesen Plan will ihr Vater unbedingt zerschlagen, zumal er
selbst ein begehrliches Auge auf seine hübsche Tochter geworfen hat, denn es
gehört zu den grausamen Gepflogenheiten des Festes, dass heranwachsende Mädchen
von ihren Vätern entjungfert werden. Madeinusa aber ist entschlossen, ihren
eigenen Weg zu wählen und diesen auf Leben und Tod freizukämpfen.
MADEINUSA – DAS MÄDCHEN AUS DEN ANDEN ist das spektakuläre Debüt der
peruanischen Regisseurin Claudia Llosa um die Emanzipation eines jungen Mädchens
der indigenen Bevölkerung der Anden und entwirft dabei das drastische Szenario
einer von der übrigen Welt abgekoppelten fiktiven Dorfgemeinschaft mit äußerst
repressiven Strukturen und Ritualen.
(nach: www.kino-zeit.de)

Madeinusa ist der Name eines 14-jährigen India-Mädchens, das in einem Dorf in
den peruanischen Anden lebt. Am Osterfest darf es als «Heilige Jungfrau» den
Umzug durchs Dorf anführen. Aus Lima kommend strandet Salvador im Dorf und
beobachtet das Treiben. Allmählich entsteht Zuneigung zwischen den beiden, und
Madeinusa muss eine schwierige Entscheidung treffen.
In ihrem ersten Spielfilm verwebt Claudia Llosa, eine Nichte des Schriftstellers
Mario Vargas Llosa, virtuos Fiktion und Wirklichkeit. Sie beobachtet das Leben
der DorfbewohnerInnen (die teilweise sich selber spielen) mit dokumentarischem
Blick, hat aber die vorkommenden Rituale zwar erfunden und inszeniert, sich
darüber aber umso intensiver der inneren Wahrheit angenähert.
Die Stärke des Films liegt im Narrativen. Eine schöne und originelle Szene deckt
zum Beispiel auf, was es mit dem Vornamen der Protagonistin auf sich hat. Als
sie erstmals den Fremden innig umarmt, erblickt sie das Etikett im Pullover des
jungen Mannes und beansprucht das Kleidungsstück für sich. «Oh du hast es mir
mitgebracht.» - «Wieso?» fragt der junge Mann verblüfft. - «Mein Name ist doch
schon eingestickt: Made in USA.» Eindringlich wird das Schicksal einer jungen
Frau nähergebracht, die sich vehement aus einer patriarchalischen Struktur
befreien will. Auch wenn es die erste grosse Liebe kosten wird.
Der Karneval grüsst nicht nur bei diesem Ritual. Auch hier in dem entlegenen
Winkel Südamerikas gelten die wenigen Tage «tiempo santo» als Freifahrtschein
vor dem Herrn. Alles, was in dieser Periode an Sünden geschieht, wird vergeben
werden, denn der Herr sieht es nicht. Claudia Llosa bietet einen authentischen
Einblick in die andine Kultur und erzählt unter anderem davon, welche
Widersprüche die von den Spaniern nach Lateinamerika exportierte katholische
Religion in den Alltag der Indios und Indias gebracht hat. Autochtone
Religiosität und übernommene sind da untrennbar miteinander verbunden. Und
Madeinusa bekommt dies unwissend zu spüren.

Claudia Llosa erzählt die Geschichte einer versuchten Selbstfindung in einem
widersprüchlichen Umfeld. Den Film hat sie im wunderschönen Hochland von Huaraz
inszeniert, das auch die «peruanische Schweiz» genannt wird, mit einem Gespür
für die entscheidende Zurückhaltung. "Madeinusa" ist ein packendes Stück Anden
pur, Annäherung ans Leben in den hoch gelegenen und abgelegenen Dörfern
einerseits, liebevolles Porträt auch und nicht zuletzt ein anregendes Stück
darüber, was koloniales Verhalten langfristig bewirkt hat. Der Film wurde in
Rotterdam mit dem grossen Preis der Filmkritik ausgezeichnet: Eine Entdeckung.
Walter Ruggle (Trigon-Film)
Donnerstag, 21. 2. 2008 - 19.30 Uhr und
Freitag, 22.2. 2008 - 21. 30 Uhr
El Corazón de Jesús
Regie:Marcus Loayza, Bolivia 2004, 88 Min, spanische OF
mit dt. und frz. Ut.

Der etwas korrupte Beamte Jesús erleidet an seinem Arbeitsplatz im Ministerium
einen Herzinfarkt. Er wird von seinen Kollegen in Privatspital gebracht. Wieder
auf die Beine gestellt, ist nicht nur seine Frau mit all seinem Geld
verschwunden, er kann auch die Rechnung der Privatklinik nicht bezahlen! Durch
einen glücklichen Zufall bekommt er ein medizinisches Gutachten eines
Doppelgängers gleichen Namens, das ihm unheilbaren Krebs attestiert und ihm die
Einweisung in eine Sterbestation empfiehlt. Das erscheint ihm letztlich die
einzige Möglichkeit, den Klauen der betrogenen Versicherung zu entgehen, denn
während des stationären Aufenthalts kann er nicht gepfändet oder verhaftet
werden.
So überrascht er auf der Sterbestation eines Spitals Ärzte und Schwestern ob
seiner guten Gesundheit und statt abzudanken macht er sich an die Oberschwester
heran, die ihm gegen Bares aus seiner vermeintlich baldigen Organspende auch
noch einen Totenschein besorgt. Damit kann er ein neues Leben anfangen, doch ob
das einfacher wird, so ganz ohne Identität ?
Jesús Martinéz ist ein Beamter in La
Paz, der eines Tages mit einem Infarkt hospitalisiert wird. Genesen sieht er
sich vor einem neuen Problem: Nicht nur die Frau hat ihn mitsamt dem Geld
verlassen, auch die Versicherung will nicht bezahlen. Dafür will es der Zufall,
dass ein anderer seines Namens ins Spital muss. Eine Komödie ums Leben in
versichertem Umfeld.
Die bolivianische Andenstadt La Paz ist gewiss kein alltäglicher Ort für eine
Kinogeschichte. Umso schöner, dass uns diese leichte Komödie um einen, der sich
um sein Geld betrogen fühlt und mit allerletzter Konsequenz den Rückbetrug
angeht, endlich auch Gelegenheit bietet, etwas von der spektakulär und
einzigartig gelegenen Stadt zu zeigen. In dieser Stadt lebt ein Mann namens
Jesús. Er arbeitet seit vielen Jahren beim Finanzministerium, Sorte
Büroangestellter, der entweder mit einem Herzinfarkt vom Stuhl kippt oder mit
einem Früchtekorb in Pension entlassen wird.
Der bolivianische Regisseur Marcos Loayza war bereits mit seinen Kurzfilmen
aufgefallen. Hier in seinem dritten Spielfilm inszeniert er ein kleines
Schelmenstück in die Stadt La Paz und ihre Krankenzimmer. Gesundheit und
Krankheit sind einander oft erschreckend nahe. Loayza sucht über das Herz Jesu
gewissermassen die Herzen seines Publikums. Er meint, dass die obskursten Zonen
im Leben oft auch jene sind, in denen sich die kräftigsten Lichter zeigen. Der
Regisseur hat seine Komödie wie eine klassische Sonate gestaltet und dabei auf
die Musik des populären Sängers Ismael Serrano gesetzt, der jeden der fünf Teile
musikalisch einleitet. Er zeigt uns über seine gespielte Krankheitsgeschichte,
wie auch in einem armen Land wie Bolivien gelacht werden kann über das Leben und
die Tücken seiner Bewältigung, und dass man weder den Mut noch die Ideen
verlieren soll im Leben. Im Film spielt einer den Kranken, um zum Leben
zurückzukehren. El Corazón de Jesús ist denn auch beim ganzen schwarzen Humor
von einer Liebe zum Leben geprägt und von einer Herzlichkeit im besten Sinn.
Walter Ruggle (Trigon-Film)