Programm Jänner 2008

1. Film    2.Film
Eintrittspreise: Normallänge 7€ - Weltlichtspiele Dornbirn


Donnerstag, 10. Jänner 08, 19:30 Uhr und  Freitag, 11. Jänner 08, 21:30 Uhr

Still Life

China 2006, Regie: Zhang Ke Jia  Drehbuch: Zhang Ke Jia, Na Guan  Darsteller: Tao Zhao, Sanming Han, Hong Wei Wang, Zhubin Li;
108 Minuten , chines. OF mit dt.Ut.


Der siebente Spielfilm des 37jährigen Regie-Genies Zhang-ke setzt sich erneut mit der kapitalistischen Metamorphose Chinas auseinander. Der Bergmann Han Sanming reist in die Stadt Fengji am Drei-Schluchten-Damm des Flusses Yangzi. Er will seine Ehefrau wieder finden, die ihn vor 16 Jahren mit ihrem gemeinsamen Kind verlassen hat. Doch die Straße, in der sie wohnte, liegt längst unter Wasser. Zur gleichen Zeit kommt die Krankenschwester Guo Shen Hong in die Stadt. Auch sie sucht ihren Ehepartner. Zwei Jahre ist es her, seit sich Guo Bin das letzte Mal bei ihr gemeldet hat, nun will sie ihren Mann zur Rede stellen.

Fengjis Altstadt steht schon unter Wasser, doch die neuen Unterkünfte für ihre Bewohner sind noch nicht fertig gestellt. Manche Dinge können gerettet, andere müssen zurückgelassen werden. So wie die vom Stausee überfluteten Häuser an anderer Stelle durch neue ersetzt werden müssen, sehen sich auch Sanming und Shen Hong am Ende gezwungen, neue zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen.

Hintergrundinfo

Der Yangzi und der Drei-Schluchten-Damm


Der Yangzi ist mit fast 6.300 Kilometern Länge, nach dem Nil und dem Amazonas, der drittlängste Fluss der Welt und der längste in Asien. Die Quelle an einem Gletscher in den Dangla Bergen liegt über 5.000 Meter hoch im zentralen Himalaya Gebirge, wo der Fluss von den dort ansässigen Tibetern Drichu genannt wird. Zunächst strömt der Yangzi nach Osten, und dann eine lange Strecke mit starkem Gefälle vorbei an schneebedeckten Gipfeln in südliche Richtung, parallel zum Mekong. Bei Shigu in der Provinz Yunnan biegt er ab in die entgegengesetzte Richtung, fließt dann nach Osten durchs Rote Becken mit der Industriemetropole Chongqing und strömt weiter in östliche Richtung durch das Yangzi Stromgebiet bis zur Küste bei Shanghai, wo er ins Ostchinesische Meer mündet. Die Zeiten des Yangzi als unberechenbarer Schicksalsfluss, der Leben schenkte und nahm, sind weitgehend überwunden. Heute dominiert menschliche Technik den Strom.

Die Vorgeschichte des Drei-Schluchten-Damms geht zurück bis in die 1920er Jahre, als chinesische Nationalisten unter Leitung von Sun Yat-sen über den Staudammbau diskutierten. Mitte der 40er Jahre beauftragen die Chinesen amerikanische Wasserbauingenieure des US Bureau of Reclamation mit Dammplanungen für das regelmäßig von Überschwemmungskatastrophen heimgesuchte Flussgebiet. Wegen des Bürgerkrieges in China wurden die Pläne aber nicht realisiert. 1953 kam die Staudammplanung wieder in Gang, als Mao Tse-tung befahl, geeignete Standorte für den Dammbau ausfindig zu machen. Das verheerende Hochwasser 1954, bei dem mindestens 33.000 Menschen ums Leben kamen, führte im folgenden Jahr zu einer detaillierten Planung mit Unterstützung sowjetischer Fachleute, die 1960 zurückberufen wurden, weil es zu einer Verstimmung zwischen Mao und Chruschtschow gekommen war. 1963 kam es zum Abbruch der staatlichen Beziehungen zwischen den beiden Großmächten. 1966 bis 1969 führte die Kulturrevolution zum kompletten Abbruch der Staudammplanung in China. Auch nach Maos Tod kam der Bau des Drei-Schluchten-Damms wegen technischer und finanzieller Probleme sowie regionaler Interessenkonflikte zunächst nicht zustande. Erst Chinas Premierminister Li Peng konnte 1992 die Errichtung des weltweit größten Staudamms durchsetzen - mit einer zwei Drittel Mehrheit im Nationalen Volkskongress, der üblicherweise einstimmig votiert. Wie umstritten das Projekt war und ist, zeigt auch, dass Präsident Jiang Zemin nicht mit Li bei der offiziellen Zeremonie zum Start des Bauvorhabens auftrat.

Pro
Durch Kontrolle des Wasserdurchflusses soll die Gefahr von Hochwasserkatastrophen gebannt werden. Bereits vor mehr als 1000 Jahren - verstärkt seit dem 15. Jahrhundert - wurden Deiche entlang des Yangzi und seiner Nebenflüsse errichtet. Trotzdem verzeichneten chinesische Historiker vom 2. bis zum 20. Jahrhundert weit über 1000 großflächige Überschwemmungen in Folge der jährlichen Monsunregen, und 178 extreme Flutwellen (sechs davon in den 1990er Jahren), die nicht nur zu massiven Sachschäden führten, sondern massenweise Todesopfer forderten. In den Jahren 1931 und 1935 beispielsweise ertranken nach offiziellen Angaben über 140.000 Menschen in den Sturzfluten, wahrscheinlich starben wesentlich mehr.

Das weltweit größte Wasserkraftwerk erzeugt mit 26 Turbinen- und Generatorenanlagen und einer Leistung von 18.200 Megawatt soviel Strom wie 15 herkömmliche Kernkraftwerke. Der Stausee ist 600 Kilometer lang und reicht natürlich auch in die angrenzenden Nebenflüsse hinein. Damit soll die Schiffbarkeit erheblich verbessert und die wirtschaftliche Entwicklung in der Region gefördert werden. Außerdem erwartet man, dass die Kontinuität des Wasserabflusses auch zu einer Verbesserung der Schiffbarkeit unterhalb des Stausees führt; die Landwirtschaft würde vom geregelten Wasserzufluss für die Bewässerung profitieren.

Die jetzige Stauhöhe der Wassermassen am Damm beträgt 156,5 Meter. Für die Jahre 2008/2009 ist die Anhebung auf 175 Meter geplant. Danach soll der Höchststand in jedem Jahr vom Herbst bis zum Frühling auf 145 Meter abgesenkt werden. Der Damm ist 185 Meter hoch und 2,3 Kilometer breit. Über eine noch zu errichtende Schleuse erreichen Schiffe das jeweils andere Flussniveau.

Contra

Die Überflutungskontrolle und eine vergleichbare Stromerzeugungskapazität hätte sich preiswerter mit mehreren kleineren Staudämmen erreichen lassen, ohne die Gefahr eines möglichen Superdammbruchs. Abgesehen von den gewaltigen Baukosten für den Drei-Schluchten-Damm sind auch die notwendigen demografischen Anstrengungen und die Umweltschäden enorm. Rund 500 Städte, Dörfer und Siedlungen verschwinden in den aufgestauten Fluten. 1,2 bis 1,9 Millionen Menschen, die Schätzungen schwanken, verlieren ihr Zuhause und müssen umgesiedelt werden. Malerische Naturlandschaften gehen unter, zusammen mit zahllosen architektonischen Sehenswürdigkeiten und archäologischen Ausgrabungsstätten.

Mehr Industrie oberhalb des Damms, so wird befürchtet, führt zur Verschlechterung der Wasserqualität. In den aufgestauten Nebenflüssen ist das schon jetzt der Fall. Dadurch und in Verbindung mit dem größeren Schiffsverkehrsaufkommen wird die Flussfauna weiter dezimiert, auch unterhalb des Damms. Der Yangzi-Flussdelfin (Lipotes vexillifer) wurde im Dezember 2006 offiziell für ausgestorben erklärt, der Tümmler wird wohl bald ebenso verschwunden sein. Heute gibt es schätzungsweise nur noch 1400 dieser selten gewordenen Tiere, halb so viele wie noch vor zehn Jahren. Ebenfalls vom Aussterben bedroht sind der Chinesische Alligator, der Chinesische Paddelfisch und andere Wasserbewohner.
Quelle: Stadtkino


Donnerstag, 24. Jänner 08, 19:30 Uhr und Freitag, 25. Jänner 08, 21:30 Uhr

Auf der anderen Seite


Deutschland 2007, Regie und Buch: Fatih Akin, 122 Min, deutsch-türkisch-englische OmU.

Das in erster Linie in Bremen und Istanbul spielende Drama erzählt die Geschichten von sechs Menschen. Nejat ist ein türkischstämmiger, introvertierter Germanistikprofessor, dessen Vater Ali eine Beziehung mit Yeter beginnt, einer türkischen Prostituierten. Als diese später bei einem Streit mit Ali von diesem geschlagen wird und dabei zu Tode kommt, beschließt Nejat, Yeters verschollene Tochter Ayten zu suchen. In Istanbul kommt Nejat unversehens in den Besitz eines deutschen Buchladens, gleichzeitig versucht er anhand eines Fotos von Yeter, Ayten ausfindig zu machen. Mit seinem Vater hat er gebrochen, dieser verbüßt in Bremen eine Haftstrafe wegen Totschlags und wird später aus Deutschland ausgewiesen.

Im zweiten Erzählstrang erfährt man, dass Ayten eine Politaktivistin ist und in der Hoffnung auf politisches Asyl aus Istanbul nach Deutschland flieht. Sie verliebt sich in die gleichaltrige Lotte, die gegen den Willen ihrer Mutter Susanne beschließt, die illegal in Deutschland lebende Türkin zu beschützen. Nachdem diese entdeckt und in die Türkei abgeschoben wird, reist Lotte ihr nach, kann der inzwischen Inhaftierten jedoch nicht helfen. Bei dem Versuch, anstelle ihrer Freundin eine Waffe durch die Stadt zu schmuggeln, kommt sie ums Leben.

Später reist Susanne nach Istanbul, in der Hoffnung, ihrer Tochter näher zu sein, wenn sie den gleichen Weg geht. Zeitgleich passieren sie und Ali den Zoll. Lotte hat kurz vor ihrem Tod Nejats Buchladen besucht, was dazu geführt hat, dass er ihr ein Zimmer zur Untermiete anbietet. So kommt es im weiteren Verlauf zu einer Begegnung zwischen ihm und ihrer Mutter, die sich inzwischen um die inhaftierte Ayten kümmert. Kurz bevor das zu ahnende Zusammentreffen der Protagonisten beider Erzählstränge stattfindet, endet der Film mit einem am Strand auf seinen Vater wartenden Nejat.

Ausgehend von dem Problem einer Mutter/Tochter- bzw. Vater/Sohn-Beziehung zeigt Auf der anderen Seite, dass die Tragik des Todes auch eine verbindende Kraft sein kann, die es erlaubt, dass Menschen einander neu begegnen. Abschied und Tod, aber auch Heimkehr und Vergebung bilden das Themenspektrum des Filmes. (Wikipedia)



Februar 2008

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