Programmkino in Vorarlberg
Vorgeschichte und Stand der Dinge

updated 17.12.05
Die "Aktion Film Vorarlberg" hatte sich seit Jahren damit beschäftigt, für die Errichtung eines Programmkinos in Vorarlberg zu kämpfen

1997:
Der erste Anlauf war 1997, als die Apollo Kinobetriebe Peter Pienz den Mietvertrag mit den Weltlichtspielen Dornbirn kündigte.
Obmann Dr. Fink bemühte sich damals sehr, dass der Cinematograph Innsbruck die Weltlichtspiele übernimmt und ein Programmkino ähnlich dem Cinematograph Innsbruck betreibt.
Da Pienz jedoch den schlechten Bauzustand der Weltlichtspiele als Kündigungsgrund angab und auch die Technik damals nicht den hohen professionellen Anforderungen des Cinematograph entsprach, scheiterte dieses Projekt und die Weltlichtspiele blieben einige Monate geschlossen. (vom 1.6.-28.8.97). Danach mietete Michael Wieser die Weltlichtspiele. Seither entwickelte sich nicht nur die Zusammenarbeit mit dem FKC sehr positiv (ständiges Besucherplus und zweiter Termin ab 1999), auch das reguläre Programm der Weltlichtspiele wurde nach der Eröffnung des Cineplexx immer besser und erreicht manchmal fast das Niveau eines Programmkinos. Allerdings weigert sich Wieser die Filme in OmU-Fassung (Original mit Untertiteln) zu zeigen.


1999:
Die Aktion Film Vorarlberg - als "Arbeitsgruppe Programmkino" - erstellte ein Konzept für ein Programmkino und errechnete die Kosten. Bald konnte Kulturlandesrat Dr. Bischof überzeugt werden, dass Vorarlberg nicht das einzige Bundesland Österreichs ohne Programmkino sein darf. Mit der Eröffnung des Cineplexx in Hohenems sollte ferner einen Gegengewicht zum kommerziellen Filmbetrieb hergestellt werden, wo die europäische Filmkultur und -tradition im Vordergrund steht.

Projekt Feldkirch
Im Frühjahr 1999 führte der Kulturkreis Feldkirch im Oscar Kino, nachdem dieses den kommerziellen Betrieb einstellte, einen subventionierten Programmkino-Probebetrieb durch.
Dieser verlief immerhin so gut, dass Planungen für einen Umbau in das erste Vorarlberger Programmkino aufgenommen wurden. Da aber zwischen den Besitzern des "Oscar", der Familie Thurnher, und der Stadt Feldkirch bis jetzt keine Einigung über die Finanzierung erzielt werden konnte, werden auch noch andere Objekte geprüft, in denen das Programmkino in Feldkirch betrieben werden könnte:
Das Graßmayr-Haus zwischen dem Theater am Saumarkt und dem E-Werk der Stadtwerke oder ein noch zu mietendes Objekt im nahegelegenen "Ganahl" Areal.
Anfang Dezember 99 sprach sich die Stadtvertretung der Stadt Feldkirch für die Errichtung eines Programmkinos aus, die Kosten für den laufenden Betrieb wurden in das Budget für das Jahr 2000 aufgenommen. Nicht abgeklärt sind jedoch bis jetzt der Standort und die Kosten für die Errichtung bzw Adaptierung. 



2000:
Der Kulturkreis Feldkirch favorisiert als Standort das Graßmayrhaus, die Finanzierung des laufenden Betriebes seien durch mündliche Zusagen seitens der Stadt Feldkirch, des Landes Vbg., des Bundes und der EU gesichert. Allerdings stelle die Finanzierung der nötigen Infrastruktur noch große Probleme dar, Verhandlungen mit der Stadt und dem Land würden aufgenommen werden.
Im Mai 2000 wurden im Graßmayrhaus Modelle von Ideen Studierender der Meisterklasse Architektur der Uni f. industrielle Gestaltung in Linz unter der Leitung von Prof. Roland Gnaiger ausgestellt. Sie sollen Varianten zeigen, wie das Graßmayrhaus als Kino genutzt werden könnte.
Besorgt zeigt sich der Kulturkreis Feldkirch jedoch von Plänen "mindestens zweier privater Kinobetreiber" in Feldkirch ein Kino zu betreiben. Dies gefährde den Plan, ein Programmkino zu errichten.
(Letztes ist mir unverständlich, da ein kommerzielles privates Kino und ein Programmkino so unterschiedlich sind wie eine Hamburgerbude und ein 4-Hauben-Lokal...)
Dezember 2000:
Die Chancen, dass je ein Programmkino in Feldkirch entstehen wird, schwinden. Zwar steht das "Oscar-Kino" noch immer, doch wäre eine Wiederinbetriebnahme nur ohne echte Restauration und grundlegende Veränderung möglich, was alle Betreiber ablehnen.
Die Kosten für die Adaptierung des Graßmayrhauses sind zu hoch und die Stadt Feldkirch hat sich dagegen ausgesprochen, dieses als Programmkino zu nutzen..

Es gibt jedoch in Götzis ein altes stillgelegtes Kino, welches sich in der unmittelbaren Nähe eines Kultur- und Freizeitereals (AMBACH)  befindet. Es soll diese Variante geprüft werden. Die Idee, ein Programmkino zu errichten ist also nicht tot, auch die Vbg. Filmkommission steht voll dahinter.



2001
Vom Kulturkreis Feldkirch wird berichtet, dass die Stadt Feldkirch „mit allen Mitteln“ das Oscar-Kino wieder herstellen will und Michael Wieser im Prinzip bereit wäre es zu betreiben. Der Kulturkreis könnte dann 5 Vorstellungen pro Woche, mit 1-3 Filmen, frei programmieren. Es wären dies aber keine Wochenend-Termine, so dass die Cineasten wieder an den Arbeitstagen oder spätnachts ins Kino gehen müssten. Leider sollte dazu auch das Land Vorarlberg Subventionen zuschiessen.
 

Meine Meinung: Im Prinzip begrüßen wir alle, wenn Feldkirch wieder ein Kino bekommt.Allerdings sollten 5 von rund  32 Vorstellungen nicht dazu missbraucht werden, Subventionen für ein Programmkino zu kassieren und damit ein echtes PK für immer zu verunmöglichen. Das neue Oscar Kino sollte, wie die anderen Kinos auch gefördert werden und der Kulturkreis als Filmclub natürlich auch - gleich wie FKC und Filmforum über Ausfallhaftung. Es sollte aber keine "Kulturförderung" für den Kommerzkinobetrieb geben.
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Götzis will das alte Kino ebenfalls reaktivieren; hier wäre der Saal, dessen Renovierung mehrere Mio S kosten würde, nur an einigen wenigen Tagen, nicht aber am Wochenende bespielbar; Ursache ist die Tatsache, dass die alteingesessenen Götzner Vereine den neuen Vereinssaal nicht annehmen und viel lieber im alten Kino bleiben. Wohl aber möchten sie am Donnerstag, also zum gleichen Zeitpunkt wie das FF Bregenz und der FKC Dornbirn auch einen künstlerischen Film zeigen. Ein bislang in Cineastenkreisen kaum bekannter Verein würde die Programmierung übernehmen. Auch dieser Vorschlag ist weit davon entfernt, die Kriterien eines echten Programmkinos zu erfüllen.

Bedauerlicherweise sind die Einhorn-Film (Michael Wieser), welche die Weltlichspiele Dornbirn betreiben, derzeit nicht bereit darüber zu verhandeln, aus diesem Standort ein echtes Programmkino zu machen. "Das Publikum will weder Untertitel lesen noch langweilige japanische Filme sehen", meinte Wieser wörtlich.

Auch das Metrokino Bregenz möchte ev. erweitern und dann einen Saal als Programmkino führen. Das Bregenzer Filmforum, welches angeblich ein solches Konzept  ausarbeitete, warnte aber in einem Mail an die Kulturjournalisten und die Cineastenszene vor vorschnellen Entscheidungen.
Das FF will eine genaue Studie:
"Die geforderte Studie soll die aktuelle Situation im Lande erheben, verschiedene Standorte untersuchen, Besucherzahlen analysieren, die
wirtschaftliche Rentabilität berechnen, Vergleiche mit anderen Kinos und Regionen durchführen, ein Stärken-Schwächen-Profil erarbeiten,
Entwicklungspotenziale eruieren, den möglichen Nutzen beschreiben, Auswirkungen auf den Tourismus untersuchen usw."

FKC-Obmann Dr. Fink legte fast zeitgleich dazu seine Gedanken vor, was denn eigentlich ein optimales Programmkino sei. Geglückte Beispiele für Programmkinos sind das Leo-Kino mit Cinematograph Innsbruck und "Das Kino" in Salzburg. Beide werden professionell - nicht ehrenamtlich - betrieben, erfreuen sich regen Besucherzustromes und machen mutiges Programm (v.a. Innsbruck). Hier der Link zu diesem Artikel.


10.6.2001
Was meinte die Filmkommission ?
- meine Thesen zum Programmkino wurden gut geheißen, lassen sich aber vorerst nicht verwirklichen, aber sind eine akzeptierte Definition, was ein Programmkino ist
- das Rundschreiben des Filmforum wurde als Verzögerungstaktik der Bregenzer bewertet; das Filmforum möchte nämlich auch andere Optionen neben dem Metrokino, immerhin ist dessen längere Zukunft unklar. Schließlich wurde in Feldkirch eine Bedarfanalyse und sogar ein Testbetrieb hergestellt.

Nun schaut es so, dass es der politische Wille des Landes ist, die Wiedereröffnung des Oscar-Kinos in Feldkirch zu fördern. Dies soll jedoch kein endgültiges "Aus" für die Idee eines Programmkino oder gar eine Reduktion der Förderungen für die Filmclubs bedeuten. Auch können Förderungszusagen immer nur für ein Jahr gegeben werden, nicht für 10 Jahre....

Jedenfalls empfahl die Filmkommission mit einer Stimmenthaltung das Konzept der Stadt Feldkirch (Einhorn-Film Michael Wieser als Betreiber, Otmar Rüzler Geschäftsführer !)
unter diesen Präambeln eine Förderung - allerdings nur für ein Jahr. Da dies billiger komme als ein Programmkino, wäre sogar ev. noch eine Erhöhung der Beiträge an die Filmclubs möglich.
Hingegen ist auch ein hauptamtlicher Filmkoordinator, wie ihn manche zur Netzwerkbildung für die Filmclubs forderte, nicht finanzierbar.
Damit dürfen Cineasten weiterhin zu den Hauptterminen am Wochenende nur fernsehen,
denn die Filmclubs dürfen nur an Werktagen oder im Nachtprogramm programmieren ...
Dabei hätten sicher auch manche ihrer Filme am Wochenende einen größeren Zulauf ...
Kein echtes Programmkino in kürze!


Nun, ab 14.9.01 ist es soweit, das Oscar-Kino, betrieben von der "Weltlichtspiele GMBH" eröffnet wieder das Kino und bietet durch die Filmgruppe des Theater am Saumarkt wieder eine starke Filmclub-Schiene ein, wofür es kräftigst subventioniert wird. Leider sind die meisten Cineastentermine in die Nacht verdrängt ....
doch schaut selber - hier der Link  www.oscar-kino.at 

2003:
Siegfried Gruber erstellt ein Marketing Konzept für ein Programmkino in Vorarlberg, welches auf der FKC Homepage veröffentlicht wird und auch in der "Kultur" diskutiert wird.

August:
Die Weltlichtspiele haben den Betreiber gewechselt - Besitzer Klaus Spiegel lässt durch Harald Luss
viele Filme auf "Programmkinoniveau" programmieren. Allerdings laufen sie in der synchronisierten Fassung und ohne
tiefer gehende Information.

Sollten die Weltlichtspiele umgebaut werden, soll der FKC ins Cinema 2000 wechseln und dieses ein Programmkino werden ...


2004 - ändert sich nicht an diesem Zustand
2005 - ebenfalls nicht
2006 - könnten sich Veränderungen in der Vbg. Kinolandschaft ergeben - der Neubau eines Unterhaltungszentrums mit 4 Kinosälen, Bowling und Disco wird in Betrieb gehen und ein Kinobetreiber wird in Pension gehen. Die Weltlichtspiele werden sich entscheiden müssen - Neubau oder (was?).
Vielleicht ist wieder die Zeit reif für eine neue Programmkino-Debatte!
 


Dr.Norbert Fink
 

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