Paula

Paula
D/F 2016, Scope
Regie: Christian Schwochow

Der Film über die frühe Expressionistin und auch als Naive etikettierte Malerin Paula Modersohn Becker entfernt sich weit von dem, was man in Wikipedia über sie liest.
Sie wird im Film als extrem emanzipierte Frau dargestellt, die sich einer verständnislosen Kunst- und Männerwelt entgegenstellt. Sie heiratet Otto Modersohn, einen impotenten Mann, zum 6. Hochzeitstag lässt sie sich endlich von einem Franzosen entjungfern, will sich, als sie im liberaleren Paris lebt, trotz finanzieller Anhängigkeit doch von Otto trennen, überlegt es sich im letzte Augenblick doch noch anders, kriegt nun doch ein Kind von ihm, es wird eine schwere Geburt, als sie das Bett verlassen darf, stirbt sie an einer Embolie.

Zu Beginn wandert sie mit ihrer Staffelei durch die Moor-Landschaft bei Worpswede wie Christus mit dem Kreuz – eine Metapher, was sie alles ertragen wird müssen? Vieles wird in  dunklen, harten und künstlich wirkenden Bildern fragmentarisch angedeutet. Sie will modern und vor allem frei sein, feiert und trinkt gern, doch ihre Kunst verkauft sich kaum, posthum wird es besser werden, bemerkt sie selbst.

Der Spiegel schrieb von „Trotzkopf-Klischees“, in der Tat sehen wir nicht, wie sie zu einem eigenständigen künstlerischen Stil findet, auch die Auseinandersetzung mit anderen Künsterin scheint nur eine Konfrontation zu sein (dabei soll sie viele Ausstellungen auch anderer „Moderner“ besucht haben), auch die Wiener Zeit lobt mehr die Hauptdarstellerin Carla Juri (bekannt aus „Feuchtgebiete“) und ihre Herkunft aus dem malerischen Locarno, als eigentlich auf den Film einzugehen.
** etwas wirres, fragmentarisches Portrait jener Malerin, der, so der Abspann, das erste Museum über eine weibliche Künstlerin geschaffen wurde. Zu viele Klischees über eine „typisch emanzipierte Künstlerin“ und ihre angeblich verständnislose Umwelt beeinträchtigen den Gesamteindruck, vor allem wird ihr Ringen um einen eigenen Stil nicht ausreichend hervorgehoben!

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