Michael Moore: Where to invade next

USA 2015, 110 Minuten, mehrsprachig.
Michael Moore, wie er leibt und lebt. In seinem altbekannten Outfit mit Baseball-Kappe wundert sich der Amerikaner wie es in Europa möglich ist, dass man so viel bezahlten Urlaub und Mutterschutz haben (Italien) kann und die Firmen trotzdem nicht Pleite gehen, sondern froh über gesunde, glückliche Mitarbeiter sind; wie man zu einem 13. Monatsgehalt kommt, ohne dafür zu arbeiten; dass es gute gratis- Universitäten (Slowenien)gibt; er wundert sich über ein gesundes und schmackhaften Gourmet-Essen an den Schulen (Frankreich) und die Resistenz der Kids gegenüber Cola; er staunt über faire Löhne bei langen Arbeitspausen (Deutschland); beste Bildung gibt es auch ohne Stress mit Schulaufgaben (Finnland); menschenwürdige Gefängnisse (Norwegen) führen zu kleineren Kriminalitätsquoten; die Polizei verhängt keine Strafen gegen Drogenkonsumenten (Portugal); kritische Vergangenheitsbewältigung ist möglich (Deutschland), Börsenspekulanten wurden inhaftiert und eine Bank mit einer Frau an der Spitze hat den Karren aus dem Dreck gezogen (Island); ja sogar ein islamisches Land wie Tunesien hat moderne Frauenrechte inkl. Verhütung und Abtreibung in die Verfassung bekommen.
Davon kann man in den USA nur träumen, hunderttausende Schwarze sind vom Wahlrecht ausgeschlossen, weil sie einmal straffällig geworden sind; sie haben keinen Tag gesetzlichen Urlaub, Häftlinge werden wie wilde Tiere behandelt und 60% der Steuern sind fürs Militär reserviert. Niemand demaskiert den „Traum vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ mehr und bezeichnet die USA mehr als nicht lebenswertes Land, wie er selbst. Er möchte die europäischen Ideen „klauen“ und in den USA (wieder) einführen. Uns Europäern macht er klar, in welchem Paradies wir offenbar leben… dass wir gerade deswegen jetzt auch Probleme bekommen, die uns auch zum Großteil die USA eingebrockt haben, erwähnt er kaum.
Seine Ausflüge in den Feminismus sind wie einiges anderes auch nicht sehr differenziert, so haben auch weibliche Präsidentinnen wie Christina Kirchner oder Dilma Rousseff in Sachen Korruption es ja auch nicht besser gemacht.
Und letztlich behauptet Michael Moore, sowohl der 1.Mai, der Urlaub und humane Strafvollzug seien eigentlich amerikanische „Erfindungen“. Wie er diese schönen sozialen Errungenschaften dort implementieren will, verrät er freilich nicht. Der Film ist vor allem anfangs recht unterhaltsam, wird dann aber doch polemisch. ***

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