Memo

von: Herwig Bitsche
an: Norbert Fink, FKC
betrifft: 20 Jahre Filmklub
Datum: 2.3.2001

Lieber Norbert,
liebe Filmklübler –

von Dornbirn nach Drosendorf wäre nicht nur ein schöner Titel, sondern auch ein schöner Bogen über 20 Jahre Filmklubgeschichte. Meine Geschichte, die ja leider Grossteils einen anderen Weg ging als den des FKCs.

Also, zwanzig Jahre ist das nun her, dass Norbert, Martin, Adrian und ich zu dem harten Kern in der Klubgeschichten gehörten. Norbert wird schon richtig gerechnet haben. Damals war Vorarlberg eine cineastische Wüste und wer interessante Filme sehen wollte, musste aufs Fernsehen ausweichen. Die Schweizer hatten ja immer wieder ein paar interessante Programmschienen, die wesentliches zu meiner cineastischen Sozialisation beigetragen haben. Aber, nachdem das Kino in Hohenems einmal abgebrannt war – über die Hintergründe wurde viel spekuliert – und durch einen Diskonter ersetzt wurde, war die filmische Nahversorgung unterbrochen.

Irgendwann hatte sich soviel theoretisches Filmwissen angestaut, das keine Befriedigung erfahren hat, dass es schon einer Erlösung aus der Pubertät gleichkam, wie ich rund um Norbert auf ein paar Gleichgesinnte gestossen bin, die diesem lustlosen Treiben ein Ende setzen wollten. Die Wünsche und Erwartungen hätten unterschiedlicher nicht sein können, was die Sache ja auch wieder spannend machte. Norbert wollte immer möglichst viel üppiges Fleisch auf der Leinwand, andere haben sich mehr den etwas verhalteneren Filmen eines Pier Paolo Pasolinis verpflichtet gefühlt. Wieder andere inszenierten Polonaisen und mancher hatte einfach ein geschicktes Händchen für die visuelle Präsentation. Ich erinnere mich, dass ich mit Martin ganze Wochenenden damit zugebracht habe, Programmhefte zu kleben und wir einen kreativen Umgang mit dem Kopierer gelernt haben (womöglich habe ich damals erste verlegerische Sporen gesammelt). Wie gesagt, alles noch ohne Computer und Grafikprogrammen.

Es war für uns alle eine unglaubliche Bestätigung, dass in Zeiten, da man noch vom Kinosterben und nicht von Cineplexxen gesprochen hat, es den Filmklubs gelang, nicht nur anspruchsvolle Filme in Vorarlberg aufzuführen sondern auch noch volle Säle zu bekommen. Ettliche Filme kamen auf diese Art in Dornbirn zu ihrer Premiere in Vorarlberg. Und auch Filmemacher liessen sich sehen. Ich erinnere mich an eine lange Nacht mit Vallie Export auf der Couch in Norberts Elternhaus.

Weniger erfolgreich waren wir mit unserer eigenen Filmproduktion. Ein paar hundert Meter Film, die eine ganzes Sendung von „Pannen, Pech & Pleiten" mit Hoppalas füllen könnte, war die einzige Ausbeute die wir von diesem Tag mitbringen sollten. Ob das Projekt vor allem an Norberts Vorstellungen wie viel oder wie wenig eine Höhlenmenschin zu tragen hat, gescheitert ist, kann ich aus der kritischen Distanz nicht mehr mit Sicherheit sagen. Egal.

Erst kürzlich stiess ich dann unerwartet im Internet auf meine eigene Vergangenheit, als „Vize-Obmann" der nach Wien zieht und den FKC verlässt. Der Name war der selbe, der Weg nach Wien nicht mehr ganz taufrisch, aber der Vize-Obmann war eine ganz ungewohnt Funktion. So lang ist’s her. Aus Wien wurde irgendwann Salzburg, danach Zürich und jetzt St. Pölten. St. Pölten würde dringend einen Filmklub ala FKC brauchen – und erste Anzeichen sind vorhanden. Doch mehr liebäugle ich mit einer Unterstützung des Dorsendorfer Filmklubs, der einmal im Monat im nördlichen Waldviertel im Hinterzimmer eines Gasthauses für cineastische Genüsse sorgt. Da lebt der Geist des FKC wieder auf.

Schluss mit Nostalgie. Der FKC lebt, ist dank Norberts unermüdlichem Einsatz quicklebendig und ich wünsche ihm weitere 20 Jahre erfolgreichen Filmschaffen in Dornbirn. Es tut mir leid, dass ich nicht mit euch feiern kann, ich hätte mich sehr gefreut, den einen oder die andere aus jener Zeit wiederzusehen.

Ich wünsche euch allen alles Gute

Euer Herwig.


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