Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm

Mackie Messer –
Brechts Dreigroschenfilm

Deutschland/Belgien 2017, 136 Minuten, Cinemascope
SWR/ARTE +RBB/NDR

Regie: Joachim Lang

Biopic; Darsteller:  Lars Eidinger (Bertolt Brecht) · Tobias Moretti (Macheath) · Hannah Herzsprung (Polly) · Joachim Król (Peachum) · Claudia Michelsen (Frau Peachum)

Sehr opulente und bildgewaltige, rasante und rastlose Verfilmung des nie zustande gekommenen Dreigroschenfilms. Einerseits wollte Brecht noch mehr politische Aussage in den Film als in das Theaterstück bringen, was den Filmbossen missfiel, andererseits kamen 1933 die Nazis an die Macht, verbrannten Brechts Bücher, und störten die Aufführungen. Dabei war die Uraufführung im August 1928 trotz Chaos bei den Proben überraschenderweise sehr erfolgreich.
Brecht gelang noch mit der Bahn die Ausreise, wenige Tage nach Machtergreifung Hitlers.

Ohne die Musik von Kurt Weil – hier aufwändig eingespielt vom SWR Symphonieorchester und der – Bigband, würde das Stück nicht funktionieren. Die teils zum Schlager gewordenen Stücke (und der Haifisch, der hat Zähne, und die trägt er im Gesicht…) werden hier fast schon übertrieben choreografiert.

Regisseur Lang, ein ausgewiesener Brecht Experte, hat darauf geachtet, dass fast jeder Satz ein Brecht Zitat ist (was allerdings die wenigsten Zuschauer merken werden) und hat auch Elemente anderer Brecht-Stücke eingebaut. Sozialkritik wird in kleinen Dosen verabreicht, immerhin ist die makabre Figur des Peachum, der in London die Bettler ausstattet, schminkt und trainiert und so Archetypen von Mitleid erregenden Armen für sein korruptes Unternehmen schafft auch heute noch aktuell, auch das Brecht-Zitat es sei wohl viel schlimmer eine Bank zu gründen, als eine auszurauben.

***1/2 kurzweilig, turbulent und Musical-artig, mit großen Schauspielern besetzt und einem tollen Sounddesign. Wer Brecht mag, hat sicher seine Freude damit!
(NB: „mit Kuhle Wampe“ schrieb Brecht 1932 sehr wohl einmal ein Buch für einen stark zensierten Tonfilm)

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