Jean Ziegler

Jean Ziegler – Der Optimismus des Willens

Originaltitel: Jean Ziegler – l’optimisme de la volonté

Dokumentarfilm, Schweiz, 2016, 92 Min, weitgehend frz. OmU.
Regie: Nicolas Wadimoff, Buch: Nicolas Wadimoff, Emmanuel Géta.

Als junger Linker ist in den 70er Jahren Jean Ziegler der Chauffeur von Ché Guevara bei einer Konferenz in Genf gewesen. Er wollte mit ihm in die Revolution ziehen, doch Ché sagt, er müsse dort, wo er geboren sei, die Revolution verwirklichen. „Das rettete mir das Leben, sonst wäre ich wohl in Bolivien im Kampf gefallen!“. Ziegler nahm sich das zu Herzen und begann als subversives Element den Weg durch die Institutionen. Er schaffte es als Schweizer Sozialdemokrat ins Schweizer Parlament, zeigte die Verantwortung der Schweizer Banken gegenüber der Dritten Welt und dem Hunger in der Welt auf und schaffte es bis in die UNO, wo der heute 83 jg. noch immer Berichterstatter in Sachen Welthunger ist.

Der Film führt uns mit Jean Ziegler auch nach Kuba, für ihn das Paradies auf Erden. Andächtig besucht er die Ché-Gedenkstätte und trifft einen seiner eigenen Schüler und andere Akademiker. Dabei wird er durchaus mit den Mangelerscheinungen der sozialistischen Wirtschaft konfrontiert, die er jedoch romantisiert. Wie schön es doch sei, dass es dort nicht so viele Autos gäbe und nachts nur wenige Laternen leuchten… Sogar dem Santuerismo-Kult kann er einiges abgewinnen. Manchen Kubanern gefallen die zerfallenden Häuser und der Mangel an vielem nicht so sehr, für Ziegler eine Folge der massiven amerikanischen Gegenpropaganda, er wundert sich, dass in den Wohnungen nicht mehr Bilder von Fidel zu sehen seien. Als er eine medizinische Komplikation bekommt und ins Vorzeige-Spital eingewiesen wird, bekommt er auch noch Gelegenheit das kubanische Gesundheitswesen in höchsten Tönen zu loben.
Und auf die Frage der Demokratie: es sei wichtiger, dass aller Kinder zu essen und eine gute Schulbildung hätten.

Dass weitere „hoffnungsvolle“ Länder wie Venezuela, Bolivien oder Ecuador in jüngster Zeit die Hoffnungen auf einen funktionierenden Sozialismus nicht mehr erfüllen, bringt den Zuseher sicher auf kritische Gedanken.
Dennoch: der Film ist durchaus auch für Leser der Ziegler-Bücher interessant, zumal Ziegler ja mit der Realität in Kuba konfrontiert wurde, wo er frei im Fernsehen sprechen konnte und seine Interviews unzensiert erschienen seien. Die Lebensmittelskarten (Libretas) hat er aber offenbar nicht gesehen. Seine Kritik an den „Geier“-Fonds (Hedgefonds) ist sicher berechtigt,
genauso wie an der Globalisierung an sich. Denn über die fundamentalen Regeln des Kapitalverkehrs und Geschäftsbedingungen der Banken wurde noch nie demokratisch abgestimmt, sie werden uns aufgezwungen.

Kommentare sind geschlossen.