Green Book

Green Book

USA 2018, 130 Min, 1:2,0 Regie: Peter Farrelly
gesehen in spanischer Synchronfassung

Der titelgebende Name des Films kommt von einem Reiseführer für Farbige „Negro Motorist Green Book“ in den USA der späten 50er Jahre, als im Süden der USA noch strikte Rassentrennung herrschte. In dem steht genau, wo Farbige essen und schlafen dürfen. In manchen Gegenden war es ihnen sogar verboten, sich nachts auf Straßen aufzuhalten oder in Autos zu fahren. Die Handlung spielt 1962.

Zwei ganz unterschiedliche Welten nähern sich einander: da ist der Italienischstämmige Nachtclub-Rausschmeißer Tony Lip, dem schon mal die Faust ausrutscht, der Unmengen Junk Food verzehrt und nicht gerade die besten Tischmanieren hat.  Er ist in den Bronx in NY aufgewachsen und lebt einer typischen Unterschicht-Großfamilie. Als er den Job verliert, wird ihm von einem ominösen Doc, Dr. Don Shirley,  eine Stelle als Fahrer angeboten. Dieser Doc ist jedoch kein Mediziner, sondern ein Pianist der Spitzenklasse und außerdem noch ein Schwarzer, der in seinem Büro auf einem Thron, umgeben von Elefantenzähnen sitzt. Er musiziert mit zwei russischen Bassisten, die ebenfalls in einem grünen Cadillac auf diese Tournee gehen, aber in wesentlich besseren Hotels wohnen. Also braucht der Don Shirley einen eigenen Fahrer, der sich auf einige Schwierigkeiten gefasst machen muss. Nach einigem Hin- und Her und Rücksprache mit seiner Frau nimmt er den gut bezahlten Job an. Es geht durch atemberaubende Landschaften und Don Shirley, sehr pinkelig und stets im feinen Anzug maßregelt seinen Fahrer bei kleinen Verstößen. Makaber ist die Szene, als sie auf schuftende Sklaven auf einem Feld stoßen: die zerlumpten Arbeiter schauen den schwarzen Mann im Anzug genauso entgeistert an wie umgekehrt. Gleiche Rasse, aber andere Klasse!

Im Film spielt Musik eine wichtige Rolle. Die zündenden Hits von Little Richard etc. hören wir aus dem Autoradio, nur einmal jamt der Don Shirley mit Musikern in einer schwarzen Bar auch solche Musik. Auf der Tournee spielt er klassische Musik bzw. amerikanische Klassik mit einem Hauch Jazz. Und da kann es zu absurden Situationen kommen. Obwohl er der Stargast in noblen Hotels und Clubs ist, darf er dort nicht im Restaurant essen, denn das ist für „whites only“ und da lässt sich Don Shirley schon mal auf kontroverse Debatten ein.

Natürlich passieren auf der Reise auch die klischeehaften demütigenden rassistischen Polizeiübergriffe, und als dabei Tony Lip wieder mal die Hand ausrutscht, landen sie beide im Gefängnis.

Doch Shirley lehrt dem Fahrer auch schöne Liebesbriefe zu schreiben, die dessen Frau zu schätzen weiß.  Während Lip in einer Anfangsszene die Gläser zweier farbiger Arbeiter entsorgt statt abwäscht, umarmen sie sich alle zum Abschied, der Beginn einer langen Freundschaft.

**** Ein Film über die verbindende Kraft der Musik, denn selbst in den rassistischesten Gegenden gab es eine weiße Oberschicht, die zumindest die musikalischen Leistungen der farbigen Mitbürger schätzte und farbige Musiker in ihre Clubs, aber eben nicht an ihren Tisch einluden. Nach einer wahren Begebenheit des Shirley Trios.

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