wenn nicht anders angegeben ist Dr. Norbert Fink der Autor
WG = Prof. Walter Gasperi
Urs = Dr. Urs Vokinger
Weitere
Kritiken von Walter Gasperi finden sich
auch hier. (Kultur-Online
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bestmöglich: *****, **** = herausragend, ***= sehenswert, ** diskutabel, *
mangelhaft, # langweilig, ## = 2 Schlafkissen für besonders langweilige Filme
Hinweis - hier kritisiere ich im allgemeinen aktuelle Filme, die ich irgendwo
auf der Welt sehe, in der Regel nicht jene, die wir sicher ins Programm
aufnehmen oder selbst gezeigt haben.
| KAPITALISMUS - EINE LIEBESGESCHICHTE | Nanga Parbat | The Ghostwriter (Polanski) |
| Nord | ||
Rune Denstad
Langlo
Norwegen 2009, 78 Min., Norwegische Originalfassung mit deutschen
Untertiteln
Mit Anders Baasmo Christiansen, Kyrre Hellum, Marte Aunemo u.a.
Im Stile von Kaurismäki wird die Geschichte des depressiven, an
Panik-Attacken leidenden Jonar erzählt. Er arbeitet – kaum motiviert – an
einem Skilift und besucht die ambulante Tagesklinik der Psychiatrie. Hat er
sich einmal hingelegt, ist er zu müde noch eine Karte auszugeben.
Er erfährt, dass er im hohen Norden einen Sohn haben soll und fährt mit dem
Ski-Scooter dahin, da er in Öffis die Panik bekommt, auch Tunnels sind im
sehr suspekt.
Sein einziger Proviant sind Schnaps und Zigaretten.
Schneeblind geworden, pflegt ihn ein einsames junges Mädchen; er übernachtet
in Notunterkünften, die er manchmal brennend verlässt, trifft viele skurrile
Gestalten, so einen lebensmüden Greis, fröhliche Panzerfahrer, die wegen ihm
ein Manöver abbrechen mussten, und einen Jungen, der Angst vor Homosexuellen
hat und sich den Alkohol über die Kopfhaut einziehen lassen will; sie weisen
Jonar wieder den Weg zurück ins Leben...
In der Tat reißt er sich mit dieser wagemutigen Reise aus seiner Depression
und erreicht früher oder später sein Ziel. Ist es das Licht oder die Umwelt,
die ihn zu Aktivitäten zwingt – im Sinne der „erlernten Hilflosigkeit“?
Ein Road- oder besser Schnee-Movie aus dem hohen Norden, leider handwerklich nicht immer ganz perfekt.
***1/2 antidepressiv wirkendes nettes, kleines und billiges Road-Movie um einen schwer depressiven Mann mit Panikattacken, der am liebsten schläft, raucht und Schnaps trinkt, aber doch auf eine heilsame Reise aufbricht.
The
Ghostwriter
Roman Polanksi, F, D; GB 2010, Cinemascope, 128 Min.
Der Film wurde in Berlin mit dem Silbernen Bären für die beste Regie
ausgezeichnet. Ein Kritiker meinte dazu, das sei wohl aus Solidarität mit
dem in der Schweiz unter Hausarrest stehenden Starrregisseur geschehen. Man
kann zwar zwischen den Eingebunkerten im Film und dem Hausarrest Polanskis
in Staad einige Parallelen ziehen, letztlich ist der Film aber schon vorher
gedreht worden, getreu der Vorlage von Richard Harris’ Polit-Thriller The
Ghost (2007)
In der Tat ist der Film sehr konventionell gemacht, konventioneller als
manch innovativer Tatort-Krimi. Er rollt eine Verschwörungstheorie auf. Der
britische Premier Adam Lang ist „rein zufällig“ der eines Tony Blair sehr
ähnlich, der einem Ghostwriter seiner Memoiren diktiert. Der erste ist dabei
auf mysteriöse Weise umgekommen, und auch für den zweiten wird es nicht sehr
gesund werden.
Doch beginnen wir von vorne: in der Anfangsszene sehen wir eine Fähre, aus
der ein PKW herausgeschleppt wird, weil der Fahrer offenbar nicht gekommen
ist, wenig später sehen wir eine Leiche, die an den Strand geschwemmt wird.
Der Verleger sucht einen Nachfolger für diesen Ghostwriter, der die Memoiren
des britischen Ministerpräsidenten schreiben soll. An sich sind sie fast
fertig, bedürfen nur noch eines Feinschliffes. Dazu soll ein politisch
unbedarfter Brite herangezogen werden. Auf einer kleinen Insel in den USA
unweit New Yorks soll er in Ruhe und unter strengsten
Sicherheitsvorkehrungen arbeiten können, der Premier und seine Frau sind
auch anwesend. Allmählich kommen heftige Proteste von Friedensbewegten auf.
Das Den Haager Tribunal klagt ihn wegen Kriegsverbrechen an, weil er
Terrorverdächtige der Folter („Waterboarding“) in Gefängnisse des CIA
übergeben habe.
Als der Ghostwriter wieder mal seine Unterkunft wechseln will, entdeckt er per Zufall einige Fotos, die beweisen, dass Lang gelogen hat, als er sagte, er sei aus Liebe zu Ruth erst der Labour Partei beigetreten. Er recherchiert auch den Tod seines Vorgängers, die Unfallthese wird unglaubwürdig; er deckte vielmehr auf, dass Lang und seine Frau Ruth Agenten des CIA gewesen sind. Schließlich hat er sich während seiner Amtszeit ja förmlich darum bemüht, der Bush-Regierung zu Willen zu sein…
Einigermassen spannend ist er ja und auch handwerklich recht versiert, das
Ende ist nur zum Teil unerwartet. Auch der kurze Seitensprung von Ruth mit
dem Ghostwriter ist so ein allzu konventionelles Schnörksel. Pierce Brosnan
spielt den manchmal cholerisch aufbrausenden Lang, Ewan McGregor den Ghost.
*** gute Unterhaltung mit politischem Hintergrund, aber kein innovatives
Kino.
KAPITALISMUS - EINE
LIEBESGESCHICHTE
Michael Moore, USA 2009, 120 Min.
Spezials - 70 mm Filme im Leokino
Kritiken des Jahres 2009
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