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Was werden die Leute sagen

9. August @ 19:30 - 21:30

€10

Was werden die Leute sagen (Hva vil folk si)

Norwegen/Deutschland/Schweden 2017, 106 min, norweg.-urdu O.m.U., Cinemascope
Regie: Iram Haq

Mit Maria Mozhdah, Adil Hussain, Rohit Saraf u.a.

WAS WERDEN DIE LEUTE SAGEN, darüber zerbrechen sich die Eltern von Nisha ständig den Kopf. Wobei sie die Leute in ihrer pakistanischen Community meinen, denn in den Augen der norwegischen Nachbarn benimmt sich Nisha wie ein ganz normaler Teenager. Iram Haq erzählt nach ihrer eigenen Geschichte ein bewegendes Drama über eine Tochter, die zwischen den Kulturen steht, und einen Vater, der seine Tochter liebt, aber tief in seinem Wertesystem verhaftet ist.
Nisha lebt ein Doppelleben. Zuhause gehorcht sie strikt den Traditionen und Werten ihrer pakistanischen Familie. Draußen mit ihren Freunden verhält sie sich wie ein ganz normaler norwegischer Teenager. Doch als ihr Vater sie mit ihrem Freund erwischt, kollidieren ihre beiden Welten brutal. Nisha wird von ihrem Vater gekidnappt und zu den Großeltern nach Pakistan gebracht…

Was werden die Leute sagen

Ich schrieb nach der Sichtung des Films beim Crossing-Europe-Filmfestival Linz 2018:
Wohl der berührendste Film des Festivals war dieses Culture-Clash Drama. Nisha lebt in wohlsituierten Verhältnissen in Norwegen, feiert Parties und muss darauf achten, dass sie am Morgen brav im Bett ist, wenn die Mutter sie weckt. Eines Tages steigt ein Freund zu ihr über das Fenster ein, als bei ihm das Handy klingelt, werden sie in flagranti vom Vater erwischt. Für ihn bricht eine Welt zusammen. Er schlägt ihren Freund zusammen, die Nachbarn rufen die Polizei, Nisha kommt kurz in ein Frauenhaus, eine Konfliktbereinigung scheitert am aufbrausenden Vater, der traditionell patriarchische Vorstellungen hat. Als sie trotzdem wieder heim will, wird sie vom Vater abgeholt, aber sofort über die Grenze und zu einem Flughafen gebracht und gezwungen nach Islamabad zu fliegen, dort soll sie bei der Familie des Vaters erzogen werden. Sie versucht immer wieder zu fliehen und es gelingt ihr einmal ein Mail abzusetzen. Nach 8 Monaten hat sie sich etwas mit der Situation abgefunden und sieht einen neuen Hoffnungsschimmer, als sich einer der Söhne der Familie in sie verliebt. Als die Liebenden eines Abends das Haus verlassen, um in einer dunklen Ecke sich zu küssen, werden sie von der Polizei erwischt, gezwungen sich auszuziehen und sich bei sexuellen Handlungen fotografieren zu lassen. Danach erpresst die Polizei die Familie. Sie muss wieder ihren Vater anrufen und von der Schande erzählen. Rasch kommt er, mit der Absicht sie zu zwingen über eine Klippe zu stürzen, was sie in einem Kampf doch verweigert. Wieder in Norwegen angekommen, ist gleich das Jugendamt da, sie wird wieder gezwungen zu lügen, sie sagt der Aufenthalt in Pakistan sei freiwillig gewesen. Diesmal gibt es nur noch zwei Lösungen, um die Ehre der Familie wieder herzustellen: entweder sie schafft das Medizin-Studium und wird Ärztin, oder sie heiratet einen Arzt. Letzteres wird per Skype mit einem Pakistani in Kanada vereinbart. Und wieder flüchtet sie, vor es zu dieser Zwangsheirat kommt…

Die spannende und glaubhaft geschilderte Geschichte ist in opulenten Cinemascope-Bildern (aufgenommen in Indien) verfilmt, Nisha muss wie alle Frauen in Pakistan, erstmals kochen, waschen  und putzen lernen, immerhin darf sie auf eine Schule. Dabei sind ihre Großeltern nicht grundsätzlich böse oder feindseelig zu ihr, sie wollen nur, im islamischen Sinne, das Beste für sie. Doch während sie in Norwegen von den Behörden geschützt wird, ist in Pakistan eine korrupte und prügelnde Polizei alles andere als der Freund und Helfer. Der Konflikt wird dabei mehr auf den Begriff der Ehre bzw. Schande fokussiert, weniger um religiöse Begriffe; auch in Südeuropa gibt es ähnliches unter christlichem Hintergrund.

***** zwar konventionell linear erzählt, dennoch berührend und sehr spannend und optisch sehr abwechslungsreich. Exzellent!

Les Arcs Filmfestival 2017: Bester Film, Publikumspreis,
Preis der Jugendjury
AFI Filmfestival 2017: Publikumspreis
Nordische Filmtage Lübeck 2017 Publikumspreis
Crossing Europe Filmfestival Linz 2018: Publikumspreis

Trailer: https://youtu.be/_4mJgXbD8nQ?t=12

Maria Mozhdah

Details

Datum:
9. August
Zeit:
19:30 - 21:30
Eintritt:
€10
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at

Veranstaltungsort

Cinema Dornbirn
St.-Martin-Str. 3
Dornbirn, Vorarlberg 6850 Österreich
+ Google Karte
Telefon:
05572/21973
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at/

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