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Unten

17 April 18:00 - 19:30

€11

Unten

Österreich 2016, 87 min, O.m.U.
Dokumentarfilm,  Regie: Dordje Čenić  und Hermann Peseckas

In seinem Dokumentarfilm gewährt Djorde Čenić tiefe Einblicke in seine Familiengeschichte, die exemplarisch für Generationen von Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern steht. – „Packend und fesselnd und dabei informativ“ (subtext.at)
Wir zeigen den Film  im Rahmen der Integrationswochen.

Preise:
Sarajewo 2016: EDN Award

CROSSING EUROPE Linz: Social Awareness Award – Local Artist
 Diagonale 2017: Franz-Grabner-Preis bester Kinodokumentarfilm.

„Die Backerbsensuppe ist super. Die Klassenunterschiede weniger.“ Mit witzigen, selbstironischen und berührenden Anekdoten begibt sich Djordje Čenić, Sohn einer Gastarbeiterfamilie, auf eine autobiografische Zeitreise in sein Heimatdorf im heutigen Kroatien und seine Kindheit in Linz. Unten wirft einen versöhnenden und beinahe zärtlichen Blick auf die Narben des ehemaligen Jugoslawien, auf die Erinnerungsarbeit und auf die alte und die neue Heimat des Filmemachers.

Unten

Sie hatten in der Schule „muttersprachlichen Zusatzunterricht“, wo Tito neben Kirchschläger, die Fahne der SFRJ neben der Österreichischen hing und die Aufnahme zu den roten Pionieren der Höhepunkt war. Wenn sie großes Glück hatten, fanden sie relativ gut bezahlte Arbeit bei den verstaatlichten Betrieben wie VOEST und Semperit und konnten mit dem Erspartem beginnen ein Häuschen in der Heimat zu bauen. Allerdings mussten sie für ihre Substandard-Wohnungen in der Linzer Straße überhöhte Mieten zahlen. Die österreichischen Schulfreunde hätten in Villen im Grünen mit Swimming Pool gelebt und jeder habe ein eigenes Zimmer gehabt, während er noch lange bei den Eltern im Bett im schlief, und sich freute wenn Papa Nachtschicht hatte. Dordjes Haus in der Heimat und das seiner Großeltern wurde aber vom Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen, als Jugendlicher wäre er bald mal den serbischen Nationalisten zugelaufen, obwohl er eigentlich im Kopf immer links war…

 

Regie: Djordje Čenić, Hermann Peseckas
Buch: Djordje Čenić
Kamera: Hermann Peseckas
Schnitt: Dominik Spritzendorfer
Originalton: Andreas Hamza
Musik: Djordje Čenić aka Djoki Django
Sounddesign: Siegmar Aigner
Produzent/innen: Djordje Čenić

Warum muss bei „Partisanen und Faschisten“, der jugoslawischen Variante von „Räuber und Gendarm“, immer das Gastarbeiterkind den Nazi spielen? Mit witzigen, selbstironischen und berührenden Anekdoten begibt sich der Filmemacher Djordje Čenić auf eine autobiografische Zeitreise: In den 1970er-Jahren in Linz aufgewachsen, hatte er es als Kind einer Gastarbeiterfamilie aus dem heutigen Kroatien nicht immer leicht – ärmliche Verhältnisse, die Flucht ins Sommerferienidyll der alten Heimat, das Stigma eines Gastarbeiter/innenkindes, das im Schulunterricht nach einer Rechtfertigung für die Ermordung des Thronfolgers im Attentat von Sarajevo gefragt wird. Er sieht sich hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch, Österreicher zu sein, und dem Eifersucht auslösenden Wissen, nie so wirklich dazugehören zu können.
Čenićs Erinnerungen führen in sein vom Krieg zerstörtes Heimatdorf, zu seinen Wurzeln und zu den Erzählungen seines Opas. In starkem Kontrast zum tristen Linz, Herz der Stahlindustrie, erweckt das idyllische Dorf den Anschein, als wäre hier die Zeit stehen geblieben – die Bilder altmodischer Lebensumstände und verfallener Häuser verbinden sich mit alten Foto- und Filmaufnahmen zu einem Sehnsuchtsort mit dem so schwer zu definierenden Namen Heimat. Čenić erzählt mit oberösterreichischem Dialekt von Integration und „muttersprachlichem Zusatzunterricht“ in der Linzer Schule, von Josip Broz Tito, von Slobodan Milošević und vom blutigen Krieg, der Jugoslawien gespalten hat. Die komplexen politischen und ideologischen Verstrickungen haben die Jugend des Filmemachers zwischen Kommunismus und Nationalismus, „Jugo-Rock“ und mehreren Identitäten (Serbe, Kroate, Österreicher) geprägt. Als ebenso prägend erweist sich aber auch die Kindheit in Österreich, die über Aufnahmen der Familie beim Sanieren der Gemeindebauwohnung oder auf dem Faschingsfest erfahrbar wird – „Irgendwie sind wir richtig gute Österreicher und Österreicherinnen geworden“.
Mit stetem Augenzwinkern wirft Unten einen versöhnenden und beinahe zärtlichen Blick auf die Narben, die im ehemaligen Jugoslawien und im Gedächtnis des kleinen Gastarbeiterbuben zurückgeblieben sind, und auf Erinnerungsarbeit an sich. Die intime Chronik sowohl komischer als auch tragischer Momente einer Familie, deren Spagat zwischen Anpassung und Geschichte, zwischen oben und unten exemplarisch für Generationen von Gastarbeiter/innen steht.
(Katalogtext, cw)
Bei der Vorführung am Donnerstag wird der Regisseur Djordje Čenić anwesend sein und zur Diskussion zur Verfügung stehen.

Trailer: https://youtu.be/6d2QiG2Ebi8

Details

Datum:
17 April
Zeit:
18:00 - 19:30
Eintritt:
€11
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at

Veranstalter

FKC Dornbirn
E-Mail:
info@fkc.at
Website:
http://www.fkc.at

Veranstaltungsort

Cinema Dornbirn
Sankt-Martin-Straße 3
Dornbirn, Vorarlberg 6850 Österreich
+ Google Karte
Telefon:
05572/21973
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at/