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Foxtrot

17 Oktober 18:00 - 20:00

€10

Foxtrot


Israel/Deutschland/Frankreich/Schweiz 2017, 113 min, hebr. O.m.U., Cinemascope

Regie & Drehbuch: Samuel Maoz mit Lior Ashkenazi, Sarah Adler, Yonatan Shiray, Gefen Barkai, u.v.a.m.

Grandioser israelischer Antikriegsfilm, in dem ein Vater seinen während eines Diensteinsatzes unter grotesken Umständen zu Tode gekommenen Sohn betrauert. –Einer der brillantesten Filme des Jahres (Der Stern)

Ein Klingeln an der Tür verändert das Leben des wohlsituierten Tel Aviver Architekten Michael und seiner Frau Dafna. Die Nachricht vom Tod ihres Sohnes Jonathan, der gerade seinen Militärdienst leistet, wirft Leben, Psyche und Ehe des Paars aus der Bahn. Getrieben von tiefer Trauer und Verständnislosigkeit entwickelt sich in Michael ein Sturm aus rasender Wut, geprägt von Unsicherheiten und Traumata. Doch plötzlich nimmt die Geschichte eine unvorhersehbare Wendung, die das Schicksal der ganzen Familie in eine neue Richtung lenkt.

Akt 1 beginnt in Tel Aviv. Auf der Klingel ein Finger in Großaufnahme. Dafna Feldman (Sarah Adler) öffnet die Tür des ultramodernen Hauses. Zwei Soldaten stehen vor ihr. Sie weiß, was das bedeutet, fällt in Ohnmacht, erhält beruhigende Medikamente. Ihr Mann Michael (Lior Ashkenazi) zerbricht innerlich, steht wie erstarrt, als man ihm mitteilt: „Herr Feldman, es tut uns sehr leid, Jonathan Feldman ist heute Nacht im Einsatz gefallen“. Jonathan ist der einzige Sohn des Paares. Die Ratschläge sind lapidar. Tief atmen und viel trinken, ein Handy-Piepsen soll ihn stündlich an ein Glas Wasser erinnern. Für die psychologische Betreuung gibt es eine Telefonnummer, zum Abschied den aufgesagten Satz „Unser herzliches Beileid, Herr Feldman“.

Der arrivierte Architekt steht unter Schock. Statt zu weinen, lässt er seine hilflose Wut am Hund aus, er muss raus aus dem Haus, kriegt keine Luft mehr, ein Besuch bei der Mutter im Heim, einer Holocaust-Überlebenden, frustriert ihn noch mehr. Während sein Bruder einen Text für die Todesanzeige aufsetzt, verliert der souveräne Mann erstmals die Fassung, lässt glühend heißes Wasser über seine Hand laufen. Ein körperlicher Schmerz, der den seelischen ausschalten soll. Die Ankunft eines Bestattungsoffiziers verschlimmert die Situation mit seinen bürokratischen Details für die Beerdigung, keine Empathie, nur Rituale und sinnlose Hinweise. Fünf Stunden währt der Alptraum. Dann die neue Nachricht, dass es sich um eine Verwechslung handelt und Jonathan lebt und mit seiner Einheit eine Versorgungsstraße überwacht. Ein Fehler im System sorgte für die Falschmeldung. Michael rastet aus, er fordert die sofortige Rückkehr seines Sohnes nach Hause. Die emotionale Anspannung lässt ihn eine Panikattacke erleiden.
Akt 2 spielt in einem surrealen und kafkaesken Ambiente auf einer Straße im Nirgendwo – ein Kamel, eine Schranke, die sich hebt und senkt, ein Wellblechcontainer, vier junge Soldaten, an deren Nerven das quälende Nichtstun zerrt. Einer von ihnen ist Jonathan Feldman (Yonatan Shiray). Bei einer Schicht tanzt einer seiner Kameraden einen Foxtrot zur Musik aus dem Megaphon, als imaginäre Partnerin dient das Gewehr. Die Ankündigung einer Katastrophe. Der Foxtrot, bei dem der Tänzer trotz aller Schrittvariationen auf der Stelle tritt – ein Symbol für den Nahost-Konflikt –  in dem sich nicht viel bewegt. Shooter-Games, fade Witze, Erzählungen von daheim können die Langeweile nicht bannen. Ansonsten Sprachlosigkeit, Schweigen. Das Essen wird lustlos aus Konserven gelöffelt und eine leere Dose durch den Container gerollt, um zu prüfen, wie die Bodenneigung sich täglich ändert, wie lange es wohl dauert, bis alle im Schlamm versinken. Fragen tauchen auf nach Sinn und Ziel des Kampfes gegen das Unbekannte. Die Zeit kriecht im Schneckentempo dahin. Nur wenn sich ein palästinensisches Auto nähert, herrschen Hektik und Betriebsamkeit. Die Insassen werden genau kontrolliert und auch schon mal aus Schikane draußen im strömenden Regen stehen gelassen. Business as usual. Bis eines Abends zwei junge Paare in ausgelassener Stimmung den Checkpoint erreichen. Die Überprüfung bringt keine Verdachtsmomente, doch bevor der Fahrer Gas gibt, rollt ein Gegenstand aus dem Wagen. Eine Granate? Oder doch nur eine harmlose Bierdose? Die Soldaten schießen los. Der aufgestaute Stress entlädt sich in einem Ausbruch von Gewalt. Vier Menschen sind tot. Ein Bagger sorgt dafür, dass es bald so aussieht, als sei nichts geschehen. Ein Oberst schließt den Fall: „Was geschehen ist, ist geschehen“. Am nächsten Tag steigt Jonathan Feldman aufgrund der Forderung seines Vaters in ein Versorgungsfahrzeug Richtung Tel Aviv.

Akt 3 konzentriert sich auf die Eltern und die Tochter Alma (Shira Haas).
Michael und Dafna zerbrechen sich den Kopf, was aus ihrer Liebe und ihren einstigen Trä¤umen geworden ist in einem Land der permanenten Unsicherheit und Bedrohung von außen. Obgleich vom Krieg traumatisiert, funktioniert Michael vordergründig. Er gehört zur zweiten Generation der Holocaust-Ãœberlebenden, der eingetrichtert wurde, sich nie zu beklagen, da nichts so furchtbar sein kann wie die Erfahrung der Eltern. Dafna bricht seine harte Schale auf, konfrontiert ihn mit seiner Schwäche und Scham, bittet ihn eindringlich, sich und sein Geheimnis zu offenbaren. Michael zeigt seine inneren vom Krieg geschlagenen Wunden, die nie heilen und weiter bluten werden, sein Schuldgefühl und seine Verzweiflung, seine tiefe Trauer. Und wie Jonathan tanzt er den Foxtrot: zwei Schritte vorwärts, einen seitwärts und Schluss, dann das Ganze rückwärts. Michaels bitteres Resümé: Egal, wo du hingehst, du landest immer am selben Ausgangspunkt!  So gibt es kein Glück und keine Erlösung, keine Befreiung von der Vergangenheit. Nur ein bisschen Hoffnung. Und die aber auch nur vielleicht.

Foxtrot

Am Donnerstag in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Hohenems und mit einleitenden Worten von Hanno Loewy.

FOXTROT –  von der internationalen Kritik gefeiert und in Israel kontrovers diskutiert, wurde beim Filmfestival in Venedig mit dem Großen Preis der Jury, dem Silbernen Löwen, ausgezeichnet und erhielt eine OSCAR®-Nominierung.

Bester israelischer Film des Jahres. Auszeichnung der Ökumenischen Jury beim 32. INTERNATIONALEN FILMFESTIVAL FRIBOURG u.v.a. weitere internationale Filmpreise

Trailer:

Details

Datum:
17 Oktober
Zeit:
18:00 - 20:00
Eintritt:
€10
Veranstaltungkategorie:
Veranstaltung-Tags:
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at

Veranstalter

FKC Dornbirn
E-Mail:
info@fkc.at
Website:
http://www.fkc.at

Veranstaltungsort

Cinema Dornbirn
Sankt-Martin-Straße 3
Dornbirn, Vorarlberg 6850 Österreich
+ Google Karte
Telefon:
05572/21973
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at/