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Angelo

20. Februar 2019 8:00 - 20:00

€11

Angelo

Österreich / Luxemburg 2018, 111 min, deutsch-franz. O.m.U., 1:1,33
Regie: Markus Schleinzer
Der Afrikaner Angelo Soliman am Wiener Hof des 18. Jahrhunderts stößt bald an die Grenzen seiner Sehnsüchte. – „Ein kluger und äußerst rigide inszenierter Film über die Lust an der Exotik, koloniales Denken und Projektionsflächen.“ (Der Standard)
Nominiert für den Österreichischen Filmpreis 2019

Angelo – Makita Samba

Die Geschichte des berühmten „Hofmohren“ Angelo Soliman, mythologische Figur der Wiener Stadtgeschichte, einst als Kindersklave gekauft, später Kammerdiener, herumgereichtes Exponat der Sammlung, Freimaurer, nach seinem Ende präpariertes Ausstellungsobjekt. „Based on a true story“ und ein Teil europäischer Geschichte. ANGELO erzählt Kolonialgeschichte, körperliche und geistige Vereinnahmung. Ein Film über Deutungshoheiten. Und die Chronologie eines Verstummens.

SYNOPSIS

Boote erreichen das Festland, Menschen werden verladen, herumkommandiert. In einer Lagerhalle werden Kinder sorgfältig gewaschen. Ihre Zähne genau kontrolliert. Sie sind Ware. Wann spielt diese Geschichte? Das gewirkte Gewand der Kinder deutet auf ein längst vergangenes Jahrhundert. Das Neonlicht erzählt auch eine andere Geschichte.
Die Comtesse (Alba Rohrwacher) sucht sich einen der kleinen schwarzen Buben aus. Sie
wirkt nervös. „Celui-là“, sagt sie, „dieser da“. Der Bub wird getauft. „Angelo“ ist fortan sein Name. Er ist das Sinnbild gewordene Projekt der christlichen Unterwerfung mit dem vorgeblichen Ziel der Menschwerdung des Wilden. Man kleidet ihn ein, man starrt ihn an, man staunt ihn an, man übergibt ihn an eine

Kindermagd (Gerti Drassl). Man lauscht seinem Flötenspiel, man spricht über ihn, wenig mit ihm. „Du wirst leben wie ein Prinz, ein Vorbild sein“ ermahnt man ihn. „Die geborenen Sklaven, mehr Affen als Menschen“ sagt man über seinesgleichen. Er wird als lebender Beweis für den Sieg der Vernunft über das Wilde und Heidnische präsentiert. Als er die eingesperrten schönen fremden Vögel in der Voliere befreit, ist das ein Eklat mit Symbolwert. Auch der erwachsene Angelo (Makita Samba) wird weitergereicht, verschenkt wie ein Gegenstand. Er lebt nun bei einem Fürsten (Michael Rotschopf). Der Kaiser (Lukas Miko) selbst lädt ihn zum Gespräch und dabei erneut mit Bedeutung auf, sieht ihn als Gegenentwurf und Spiegel seines eigenen Lebens gleichermaßen, einmal wohlwollend, dann wieder voller Neid. Angelo ist Schauspieler seiner selbst, im Leben als teuer eingekleidetes Maskottchen des Hofs und auf der Bühne als wilder Mohrenkönig..
Und doch: Eine Liebesgeschichte. Kurze Leichtigkeit. Ein Leben in der Vorstadt mit Kind. Der Entwurf eines „normalen“ Lebens, als ob das doch möglich wäre. Eine Frau, die nachfragt, nach seiner eigenen Geschichte. Wenn es denn nur eine zu erzählen gäbe nach all der Heimatlosigkeit, Sprachlosigkeit, Wurzellosigkeit. Die Aufnahme bei den Freimaurern, als wäre er einer von ihnen.
Auf Augenhöhe.
Später, Angelo ist schon alt, wird ihn seine Tochter (Nancy Mensah-Offei) nach dem Sehnsuchtsort Afrika fragen, den sie nicht kennt, ausgerechnet bei dessen absurder Nachstellung im Museum: „C’est comme ça, Papa?“, „Ist es so?“, fragt sie ihn. Die traurige Wahrheit ist: Kann Angelo das noch wissen? Angelo bekommt eine Führung durch das im Entstehen begriffene k.u.k Naturalien Museum vom Direktor (Christian Friedel) höchstselbst, das Ausstellungsobjekt soll „Erkenntnis und Erbauung“ vermitteln, sagt er. Eine Funktion, die bereits zu Lebzeiten niemand besser kennt als Angelo. Diese freundliche Konversation ist also der Anfang vom Ende, welches Österreich-historisch mythenumrankt ist. Denn Angelo wird bekanntlich nach seinem Tod selbst als Museumsobjekt enden, sein Leib ausgestopft und grotesk dekoriert. Eine letzte, endgültige Vereinnahmung, bevor die Flammen eines Brandes alles verzehren werden.

Trailer: https://youtu.be/5WRIGJ1nLrc

Details

Datum:
20. Februar 2019
Zeit:
8:00 - 20:00
Eintritt:
€11
Veranstaltungkategorie:
Veranstaltung-Tags:
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at

Veranstalter

FKC Dornbirn
E-Mail:
info@fkc.at
Website:
http://www.fkc.at

Veranstaltungsort

Cinema Dornbirn
Sankt-Martin-Straße 3
Dornbirn, Vorarlberg 6850 Österreich
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Telefon:
05572/21973
Website:
http://www.cinema-dornbirn.at/