Er ist wieder da

Er ist wieder da
D 2015, 116 Min, DF; Regie: David Wnendt,
mit Oliver Masucci und Katja Riemann

Überraschend gut, ja als herausragend möchte ich die neue Hitler-Satire bewerten.
Das Geniale daran ist, dass jede Frage, die man sich als Zuseher unwillkürlich stellt, vom Film selbst beantwortet wird und jeder Satz und jede Einstellung scharfsinnig erscheint.
Noch vor den Kredits sehen wir den Führer bei einem Benimm-Coach, er beklagt sich, dass ihn die Leute nicht mehr ordentlich grüßen, er wird wohl damit leben müssen, aber zur Entschädigung wird ihm überall zugejubelt und viele wollen ein Selfie mit ihm machen. Populär ist er – und leider auch seine Ideen – also auch heute noch.
Adolf persönlich wacht 2014 vor dem Gelände des ehemaligen Führerbunkers unverletzt auf und tut sich mal schwer, sich zurechtzufinden. Ein gefeuerter Fernsehjournalist eines Privatsenders entdeckt ihn und sieht in seiner Vermarktung seine letzte Chance. Die Sendung wird ein riesiger Erfolg und Adolf zieht durchs Land, befragt höflich sein Volk, bemerkt, dass das Volk kaum fühlt in einer echten Demokratie sich zu befinden. Manche seiner Feststellungen sind durchaus wahr, etwa wenn er feststellt, dass im Privatfernsehen nur Mist läuft und man dieses wunderbare Medium doch propagandistisch besser nutzen sollte. Er besucht auch jene, die in seine Fußstapfen getreten sind, doch auch die Typen von der NPD gefallen ihm nicht, letztlich verprügeln sie ihn sogar. Am ehesten sympathisiert er noch ausgerechnet mit den Grünen, denn Umweltschutz sei auch Heimatschutz.
Letztlich muss jeder Zuschauer feststellen, dass dies wirklich der echte Adolf ist, zumindest in dem Sinne, dass in jedem von uns – mehr oder weniger viel – alltäglicher Faschismus steckt, selbst wenn man ihn ermorden würde, ist zumindest sein Geist immer noch da. Ganz krass etwa, wenn „sein Volk“ böse auf ihn reagiert, wenn er einen Hund erschießt, der ihn gebissen hat, aber beim Holocaust nur die Schultern zuckt.

***** David Wnendt, der schon „die Kriegerin“ und „Feuchtgebiete“ verfilmte, machte auch optisch einen abwechslungsreichen und kurzweiligen Film, der zu Recht nur mit Chaplins „der große Diktator“ verglichen werden kann.

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