Die Unsichtbaren – wir wollen leben

Die Unsichtbaren – wir wollen leben

Regie: Claus Räfle, D 2017, 110 Min, Cinemascope, gesehen in dt. OF.

Das „Doku-Drama“ – dokumentarische Aufnahmen werden mit nachgespielten Spielfilmszenen ergänzt – zeigt einen auch mir einen bisher wenig bekannten Aspekt des Holocaust. Statt sich in den Osten umsiedeln zu lassen, sprich vergast zu werden, flüchteten allein in Berlin mindestens 5000 in die Illegalität, 1500 davon überlebten. Dabei halfen aus unterschiedlichsten Motiven auch Deutsche, Kommunisten, Nazigegner, Nachbarn aber auch Unbekannte.
Der Film ist sehr spannend, obwohl wir anhand der Interviews mit vier Personen, die übrigens für andere Dokumentationen aufgenommen wurden, folgern können, dass sie überlebt haben. In sehr einfühlsam gemachten Rückblenden werden die wahren Begebenheiten nachgespielt. Da ist einmal Cioma Schönhaus, der als Passfälscher gut verdient und in einem ungenutzten Lager der afghanischen Botschaft unbehelligt arbeiten kann. Aber kleine Schlampereien kosten ihm fast den Kopf. Hanny Lévy lässt sich ihre dunklen Haare blond färben. Mit ihren grünen Augen und als Blondine passt sie nicht in das Klischee der dunkelhaarigen, braunäugigen Jüdin und fühlt sich gut gekleidet auf dem Kurfürstendamm sicher. Im Kino spricht sie ein Mann an, der möchte, dass sie mit ihrer ebenfalls sehr einsamen Mutter, der Kinokassiererin, spricht. Eugen Friede versucht es mit einer anderen List, er gibt sich als Ausgebombter aus, für den es unbürokratisch Gästezimmer gibt. Ganz in die Höhle des Löwen gerät Ruth Arndt, die sich als Kriegswitwe tarnt und bei einem hochrangigen Wehrmachtsoffizier das Hausmädchen wird, dort bekommt sie wenigstens gut zu essen. Alle müssen aber immer wieder ihre Zufluchtsorte wechseln.
Als Zuschauer schrecken wir auf, wenn es an der Türe läutet oder klopft, ist es die Gestapo? Wir nehmen aber auch an den kleinen Freuden des Lebens teil und der zwiespältigen Haltung zu den Bombern, die Berlin in Schutt und Asche legen. Für die Illegalen gibt es keine Schutzbunker, andererseits hoffen sie, dass dadurch der Krieg bald zu Ende sein möge.

***** ein selten spannendes und hervorragend geschnittenes „Doku-Drama“ über Jüdinnen und Juden, denen es auch nach 1943 gelang in Berlin unterzutauchen und so dem Holocaust zu entgehen.

Kommentare sind geschlossen.