Der Trafikant

Der Trafikant


A, D 2018, 113 Min
Regie: Nikolaus Leytner, nach dem Roman von Robert Seethaler
Mit Johannes Krisch und Bruno Ganz

Foto: Tobis

Ich habe das Buch, welches dem Film zugrunde liegt, nicht gelesen, bin also unvoreingenommen, was die eigenen Bilder der Geschichte betrifft. Aus der hätte man aber mehr machen können: Nachdem sein Vater beim Schwimmen im Attersee vom Blitz getroffen wurde, schickt seine Mutter den 17 jährigen Franz 1937 nach Wien, wo er beim Trafikanten Otto Trsnjek eine Lehre beginnen kann. Otto hat im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren und verkauft zwar auch Herrenmagazine, aber keine rechtsradikalen Zeitungen, was ihm später, als die Nazis in Österreich einmarschiert sind, zum Verhängnis wird. Sein Geschäft macht er aber mit dem Verkauf teurer Havanna-Zigarren und kein geringerer als Sigmund Freud ist einer seiner besten Kunden. Franz bekommt rasch Kontakt zum Professor Freud und bittet ihn öfters bei Liebessorgen um Rat. Denn er verliebte sich in die schöne Böhmin Anezka, mit der einen Tanz drehen durfte, die dann aber verschwand. Freud rät ihm, nicht locker zu lassen und sie zu suchen. Er findet sie in einem Varieté, wo sie ziemlich nackt auftritt und erlebt das erste Mal Sex. Als Otto sich gegen die Nazis stellt, wird er von Gestapo verhaftet und später ermordet. Freud kann im Alter von 82 ab 4.6.1938 Wien noch verlassen und zieht mit seiner Familie nach London. Franz übernimmt die Trafik in seinem Sinne und
erleidet ein ähnliches Schicksal. Anezka wird von einem SS-Mann erobert.

Der Film hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, zu viel Symbolhandlungen (wozu das Apnoetauchen, das Verstecken in einem Fass?), zu viele visualisierte Träume, deren Sinn man nicht versteht, ein herzlich-kontaktfreudiger Sigmund Freud (Bruno Ganz),der  täglich ein- bis zwei Schachteln Havanna – Zigarren raucht und eine Liebesgeschichte zu einem böhmischen Varietèmädchen, die nicht gut ausgehen kann. Der Nationalsozialismus war eine reale Gefahr und so plumpes Agieren dagegen wohl Selbstmord. Ein Hauch „Berlin-Babylon“ in Postkartenansichten von Wien.

**1/2  Zwar schön in Szene gesetzt, aber nicht richtig packend.

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