Deckname Holec

Deckname Holec

A/CZ 2015, 98 Min, Regie: Franz Novotny, Cinemascope.

War Zilk ein Spion im Sold der CSSR?
Regisseur Franz Novotny ist von Zilk´s Unschuld überzeugt und lässt diese Deutung des Filmes auch zu. Doch „profil“- Chefredakteur Lackner, der die Unterlagen in Prag gesichtet hat, ist anderer Meinung. Es wurde ein Akt über Zilk in der CSSR angelegt und er soll 70,000 Schilling bekommen haben (damals etwa der Wert von zwei VW-Käfern). Aber hat er den Tschechen wirklich auch brisantes Material geliefert und damit Österreich verraten?

Was zeigt der Film?
Er spielt in der Zeit von 1964 bis 1968.
In den Szenen sehen wir den „roten“ ORF-Fernsehdirektor (unter dem „schwarzen“ Gerd Bacher) von 1968, Helmut Zilk, der im Sept. 1964, in Prag über die Eurovision seine beliebte live-Sendung „Stadtgespräche“ in Prag abwickelt. Dabei beklagt sich Honza, ein junger Regisseur, dass sein Film in der CSSR nicht gezeigt werden darf. Zilk ist scharf auf dessen Freundin Eva, Honzas Schauspielerin und Schlagersängerin in dem zensurierten Film. Zilk wird vom Geheimdienst ins Visier genommen und es wird ihm geschmeichelt, viel zu trinken gegeben, auch seine Wünsche nach schönen Frauen und teuren Restaurants werden registriert. Eva geht mehr oder weniger gerne mit ihm ins Bett – wurde sie etwa vom Geheimdienst dazu angeworben? Jedenfalls werden von den Intimitäten Fotos und Tonaufnahmen gemacht und Zilk sollte später damit erpresst werden. Zilk verspricht Eva eine Karriere als internationale Schlagersängerin, sie trennt sich darauf von Honza, dessen Film in Cannes angenommen wird, doch bedeutende Regisseure wie Godard und Polanski boykottieren das „bourgeoise“ Festival.

In der CSSR bricht der 1968 „Prager Frühling“ aus, Dubcek kommt an die Macht und verkündet den Sozialismus mit menschlichem Antlitz. Kurz darauf, am 21.8.1968, rollen die sowjetischen Panzer durch Prag. Honza gelingt es, eine Kamera und Filmmaterial aufzutreiben und einen Panzer zu filmen, dabei wird der Kameramann erschossen. Es gelingt Eva mit weiteren Schauspielerinnen die Filmrolle nach Österreich zu schmuggeln und Zilk zu übergeben. Doch der erhält von den Tschechen als „Exklusivmaterial“ auch einen Film, den er senden soll, über die Freude der Bevölkerung, dass die sozialistischen Bruderstaaten geholfen hätten Ruhe und Ordnung wieder herzustellen. Bald ist aufgedeckt, dass die Aufnahmen noch von der Befreiung der CSSR von den Nazis stammen und nicht aktuell sind. Zilk wird mit den Fotos erpresst und seine damalige Frau Helga wird von den Tschechen entführt. Sie werde nach der „Zeit im Bild“ freigelassen, wenn der entsprechende Beitrag gesendet würde und die Filme Honzas zurückgegeben werden. Nach einigem Zögern beweist Zilk nun doch Mumm und handelt richtig, er schneidet die beiden Filme als Lüge und Wahrheit zusammen und lässt dies senden. Während der tschechische Agent verdutzt in die Auslagen eines Fernsehgeschäfts schaut, entkommt ihm Zilks Frau und er wird von österr.  Sicherheitskräften verhaftet.

Spannend ist der Film jedenfalls, wenngleich man im ersten Drittel viele alte tschechische Schlager und Bettgestöhne hört. Ist Zilk´s Schwäche für schöne Frauen ihm zum Verhängnis geworden? Die Tschechen beschwerten sich eigentlich bei ihm, dass er nur Zeitungsausschnitte und Gerüchte, nichts Handfestes liefere, weswegen sie auch seine Wohnung verwanzten – mit einem Luster, als Geschenk. Dubios auch seine Saunarunde mit den Spitzen des österr. Sicherheitsapparates. Einige spannende Szenen wurden aber verschenkt, wie sind die Frauen mit den 16mm Filmkassetten in der Einkaufstasche wirklich über die Grenze gekommen? Letztlich sagt Novotny, ja es gab einen Akt über ihn, und er wurde auch bezahlt, aber Zilk war der Schlauere, und keinen Hochverrat begangen.

*** Im bekannt turbulent-frivolem Stil Novotnys– der Film spielt ja in den wilden 60er Jahren, wird die angebliche Spionagetätigkeit Zilks für den CSSR-Geheimdienst thematisiert und mehrere Interpretationsmöglichkeiten offen gehalten. Letztlich wird Zilk aber rehabilitiert.

 

PS. da kein Vorarlberger Kino den Film – trotz Fernsehwerbung – zeigte, musste ich ihn mir im Cinematograph Innsbruck ansehen!

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